Adventmail 2010/14 (Namenstage)

Wie sein Namensvetter Berthold von Regensburg war Bertold von Augsburg, genannt Brecht, ein Volksprediger. Heute soll es aber weniger um das politikpädagogische Epische Theater des großen deutschen Dichters gehen als vielmehr um sein beachtliches lyrisches Werk, das immerhin 2.300 Gedichte, teils in verschiedenen Versionen, umfasst.
Ich greife ein besonders gelungenes heraus, das Gedicht „Erinnerung an die Marie A.“ (www.yolanthe.de/lyrik/brecht03.htm), das auch im wunderbaren, Oscar-prämierten Film „Das Leben der anderen“ (2006) von Florian Henckel von Donnersmarck, des Neffen des Abtes von Heiligenkreuz, eine Rolle spielt: Stasi-Spitzel Gerd Wiesler entwendet seinem Observationsopfer Georg Dreyman einen Brecht-Band und liest auf seinem Sofa liegend für die ZuseherInnen hörbar folgendes:
„…Und über uns im schönen Sommerhimmel /
War eine Wolke, die ich lange sah /
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben /
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.“

Es geht um die Erinnerung an eine vergangene Liebe, die Brecht in das berühmte Bild von der sich auflösenden weißen Wolke gefasste. Gerd Wiesler wird allmählich von der poetisch-authentischen Welt des Theaterautors Dreyman „infiziert“ und stellt sich innerlich immer mehr gegen das verlogene SED-Regime.
Eigentlich schade, dass kaum mehr jemand Lyrik liest…

Adventmail 2010/13 (Namenstage)

Die heute im Mittelpunkt stehende Lucy (Namenstag: Lucia) lebte vor 3,2 Millionen Jahren, war nur rund einen Meter groß, und wer sie besuchen will, muss nach Addis Abeba reisen.
Lucy bezeichnet den Skelettfund eines Australopithecus afarensis, dessen wissenschaftliche Bezeichnung AL 288-1 lautet („AL“ steht für „Afar Locality“).
Entdeckt wurde Lucy von Don Johanson am 30. November 1974 bei archäologischen Feldstudien im äthiopischen Omo-Gebiet. Johanson zufolge erhielt das Fundstück noch am selben Abend seinen Namen: In der Euphorie über den gleich als sensationell erkannten Fund feierte das Grabungsteam feuchtfröhlich und hörte dabei immer wieder auch eine Tonkassette mit Beatles-Songs – darunter den LSD-Song „Lucy In The Sky With Diamonds“.
Auf zusammengehörige Bein-, Arm- und Rumpffragmente stoßen auch findige Forscher nur äußerst selten. Wie außerordentlich der Fund war – dass er nämlich eine neue Hominiden-Art repräsentierte – stellte sich aber erst drei Jahre später aufgrund der Analysen im Labor heraus.
Noch ein Wort zu Don Johanson: Der Sohn schwedischer Auswanderer wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Connecticut auf. Als Achtjähriger lernte er einen Nachbarn kennen, der am Theologischen Seminar Anthropologie lehrte und das Interesse des vaterlosen Buben weckte. Dennoch studierte Don zunächst Chemie; sein Mentor hatte ihm geraten, etwas „Praktisches“ und Lukratives zu wählen statt eines „Orchideenfachs“ aus dem 19. Jahrhundert. Don langweilte die Chemie aber derart, dass er sich schließlich doch der Anthropologie zuwandte – und die alte Weisheit bestätigte: Arbeite an Themen, die dich wirklich fesseln, nicht an (vermeintlich) einträglichen. Die Welt braucht Begeisterte, die nach Schätzen im Himmel streben, nicht Begüterte, die sie im Tresor horten.

Adventmail 2010/12 (Namenstage)

Dass ein verheirateter Schafhirte Bischof wird, ist ungefähr so wahrscheinlich wie dass ein „Mädchen für alles“ in der griechischen Armee bei Olympischen Spielen siegt. Doch Wunder geschehen, im Fall des Schutzheiligen von Kreta ebenso wie bei seinem Namensvetter Spiridon Louis.
Der Bauernsohn Spiridon war „Wasserträger“ und 23 Jahre alt, als sein Oberst mit dem prachtvollen Namen Papadiamantopoulos befand, sein (auf den Wikipedia-Fotos etwas dümmlich aussehender) Untergebener eigne sich zur Teilnahme am eigens für die Olympischen Spiele 1896 in Athen kreierten Marathonlauf. Zwei Wochen vor dem für Griechenland besonders prestigeträchtigen Bewerb nahm Spiridon an einem Vorbereitungslauf teil – mit mäßigem Erfolg: Louis wurde sieben Minuten hinter dem Sieger Fünfter, zählte aber nun zu den 13 Griechen, die beim Marathonlauf die Ehre des bis dahin sieglosen Gastgeberlandes retten sollten.
Die Konkurrenz war überschaubar: Lediglich vier ausländische Teilnehmer nahmen die 40-km-Strecke auf sich, nur einer davon war diese Distanz davor schon einmal gelaufen, ein weiterer – der Australier Edwin Flack – wurde am Marathon-Tag Sieger des 800-Meter-Olympia-Laufes.
Spiridon teilte sich seine Kraft gut ein, bei Kilometer 33 überholte er den bis dahin führenden Flack, der daraufhin erschöpft aufgab. Im offiziellen Rennbericht heißt es, Spiridon habe sich bei einem Wirtshaus am Weg mit einem Glas Wein gestärkt, sich nach seinen voran liegenden Gegnern erkundigt und Zuversicht über den Ausgang des Laufes geäußert. Zurecht: Spiridon Louis gewann den Marathon in 2:58:50 mit acht Minuten Vorsprung vor seinen Landsleuten Charilaos Vasilakos und einem weiteren Spiridon, der dann allerdings wegen Mitfahrens auf einem Fuhrwerk disqualifiziert wurde.
Louis war nun ein Nationalheld, erhielt ein kleines Stück Land und eine bescheidene Rente. An offiziellen Wettkämpfen nahm er nach seinem Olympiasieg nie wieder teil.

Adventmail 2010/11 (Namenstage)

Säulenheilige gehören zu den sonderbarsten Erscheinungen der christlichen Mystik. Wenn zu lesen ist, dass der heilige Daniel Stylitis (=Säulensteher) 33 Jahre seines Lebens auf einer Säule verbrachte, kommen da nur mir Assoziationen zu Bestleistungen wie 30 Stunden Dauerküssen oder 30 Kilometer mit dem Fahrrad rückwärts fahren aus dem Guiness-Buch der Rekorde?
Den spätantiken Säulenheiligen ging es natürlich nicht um äußeren Ruhm in Form einer Eintragung ins „Guiness-Heiligenlexikon“, sondern sie pflegten Askese zur höheren Ehre Gottes – in diesem Fall durch Unbehaustsein und möglichst stehendes Verweilen am immer selben Ort.
Besondere Steherqualitäten hatte wie gesagt Daniel (409-493). Der wie viele andere Heilige (Paulus, Nikolaus) aus der heutigen Türkei stammende Fromme begegnete dem Syrer Symeon (+459), dem Begründer der Säulenaskese, also quasi „Erstbesteiger“. Davon beeindruckt fand Daniel bei Konstantinopel eine eigene freie Säule und verharrte fortan dort oben auf einer kleinen Plattform, betend, predigend und seinen zahlreicher werdenden Besuchern Rat gebend. Daniel starb hoch angesehen im bemerkenswerten Alter von 84 und wurde am Fuß seiner Säule begraben.
Eine moderne Variante sind jene „Säulenheiligen“, die stundenlang und unbeweglich auf allerdings kleinen Säulen in Fußgängerzonen stehen, fotogen gekleidet in mitunter einfallsreiche Gewänder. Einen von ihnen sah ich einmal nach einem harten Arbeitstag seine Utensilien packen. „Und – lohnt sich das?“, wollte ich wissen. Nun ja, antwortete der junge, sogar im Gesicht goldschimmernde Mann: An die 100 Euro verdiene er an guten Tagen schon mal…

Adventmail 2010/10 (Namenstage)

Was „Es ist alles sehr kompliziert“ für Fred Sinowatz und „Wer Visionen hat, braucht einen Arzt“ für Franz Vranitzky, war „Lernen Sie Geschichte, Herr Reporter!“ für deren Vorgänger Bruno Kreisky: ein Zitat, das vielleicht gerade deshalb zum geflügelten Wort wurde, weil es so gut zur Persönlichkeit des Sprechenden passte.
Bruno Kreisky löste 1967 einen anderen Bruno, Pittermann, als SPÖ-Parteichef ab und wurde 1970 Bundeskanzler. Die Belehrung des ORF-Journalisten (und SPÖ-Mannes) Ulrich Brunner vor laufender Kamera fiel in seine Spätzeit als Politiker. Thema beim Pressefoyer am 24. Februar 1981 war der AKH-Bauskandal. Kreisky sah im Vorgehen der oppositionellen ÖVP die Gefahr, die Lagerbildungen der 1930er Jahre könnten sich wiederholen. Brunner stellte dies infrage: „Wir leben doch heute in einer ganz anderen politischen Situation.“ Für den mürrischen Kanzler eine Majestätsbeleidigung und Anlass zu: „Lernen Sie Geschichte, Herr Reporter!“
Das Publikum der „Zeit im Bild“, in der das Interview abends ausgestrahlt wurde, quittierte freche Fragen an den Kanzler fast immer mit Tadel für die unbotmäßigen Journalisten. Am 24.2.1981 war das anders. Es gab mehr als 100 Anrufe, die große Mehrheit eindeutig gegen Kreisky. Das Publikum hatte ein feines Gespür dafür, dass der brummelnde Grantler hier die Grenzen der Fairness überschritten hatte.
Erst viel später registrierte ich die noch viel gravierenderen Untergriffe Kreiskys gegen Simon Wiesenthal, der die Nazi-Vergangenheit von Mitgliedern im Kabinett Kreisky und vor allem jene des FPÖ-Obmannes Friedrich Peter angeprangert hatte. Kreiskys Unterstellung, Wiesenthal sei selbst ein Nazi-Kollaborateur gewesen, ist unterste Schublade und bezeichnend für Österreichs lange Zeit schlampigen Umgang mit seiner braunen Vergangenheit.
Dennoch halte ich Bruno Kreisky für den bedeutendsten österreichischen Politiker der Zweiten Republik, weil er das Land in vieler Hinsicht modernisierte und zur Welt hin öffnete.

Adventmail 2010/09 (Namenstage)

Anna Frebel ist 30 Jahre alt, Deutsche und Astrophysikerin am renommierten Harvard Smithsonian Center in den USA. Vor fünf Jahren entdeckte sie mit „HE 1327-2326“ den ältesten bisher bekannten Stern. Mit einem Alter von etwa 13 Milliarden Jahren ist er fast so alt wie das Universum selbst. Heute gilt Anna als eine Art Shootingstar der Astronomie.
Ihre Begeisterung für das Universum kam mit 14 oder 15 Jahren – inspiriert durch „Star Trek“, Weltraumbücher und den ersten Besuch in der Göttinger Sternwarte. Heute hält sie an der dortigen Universität Vorlesungen über Astrophysik, die sie so beginnt: „Ich möchte Sie willkommen heißen zu einer kosmischen Achterbahnfahrt durch das frühe Universum!“ Supernova-Explosionen und Sternenstaub nennt sie „ziemlich cool, oder?“. In 90 Minuten fasst sie zusammen, was vom Urknall bis heute geschah und erklärt, wie so alles im Universum entstanden ist.
Anna Frebel ist in ihren Forschungsgruppen immer die einzige Frau. Noch dazu sehr jung, kennt sie das Gefühl, von Männern unterschätzt zu werden. Doch statt sich darüber zu ärgern, überzeugt sie die Kritiker auf ihre Art: „Ich gebe dann lieber einen guten Vortrag, schreibe ein richtig gutes Paper oder finde wieder irgendeinen neuen tollen Stern.“
Wer übrigens noch ein originelles Weihnachtsgeschenk für jemanden mit einer romantischen Ader sucht: Via www.sterntaufe.at kann man sich einen der vielen noch unbenannten Sterne aussuchen und ihn für seine/n Liebste/n um 180 Euro fantasievoller „taufen“ als „HE 1327-2326“; so wie dies Nicole Kidman tat mit dem Stern „Forever Tom“ für ihren Star und Ehemann Tom Cruise (von dem sie allerdings seit zehn Jahren wieder geschieden ist).
Und hier singen die Beatles über die heutige Namentagsinhaberin.

Adventmail 2010/08 (Namenstage)

Wer die Frida Kahlo-Ausstellung im Wiener Kunstforum noch nicht gesehen hat, ist zu spät dran: Sie endete vor drei Tagen.
Mich hat die Ausstellung eines Besseren belehrt: Vor meinem Besuch im Oktober war ich der Auffassung, Fridas Leben sei um einiges spannender als ihre Malerei. Deren folkloristischer Symbolismus und die Selbstinszenierung als Leidende erschienen mir als ein wenig zu plump und egozentrisch. Doch die Originale im Kunstforum fand ich dann doch beeindruckend in ihrer Farbkraft, Intensität, Unverwechselbarkeit, Eigenständigkeit. Es ist eine Malerei, die unweigerlich nach ihrer Schöpferin fragen lässt.
Und die zeigte sich auch auf zahlreichen faszinierenden Fotos (Fridas Vater war Fotograf): Die Künstlerin, die nach Kinderlähmung und schwerem Unfall von Jugend an mit einer äußerst fragilen Gesundheit zurechtkommen musste, inszeniert sich darauf sehr gezielt als selbstbewusste, ihrer Heimat und ihrem „Lebensmenschen“ Diego Rivera eng verbundene Frau, die „gebrochen“ und lebendig zugleich war. Nicht umsonst wurde Frida Kahlo zur berühmtesten Mexikanerin, 2002 beeindruckend dargestellt von der vielleicht zweitberühmtesten, Salma Hayek.

Adventmail 2010/07 (Namenstage)

Ambrosius hätte mir als Zweitname für einen meiner Söhne gut gefallen. Es blieb aber bei Erasmus, Jeremias und Franziskus. Ambros als Zweitname führt auch Wolfgang, der 19-jährig mit seinem Hit „Da Hofa“ den Startschuss für den Austropop gab.
Ich war damals 12 und alt genug, unter dem Eindruck von Peter Alexander, Roy Black oder Rex Gildo Deutschsprachiges in der Popmusik für grundsätzlich minderwertig zu halten. „Da Hofa“ fand ich ganz ok, ebenso später Danzers „Nackerten im Hawelka“ oder Falcos „Der Kommissar“. Aber eine Platte von einem Österreicher kaufen? Nie und nimmer.
Jetzt im Rückblick finde ich die alten Sachen von Ambros richtig gut. „A Mensch möcht i bleibn“, „I drah zua“, „Es lebe der Zentralfriedhof“, „Die Blume aus dem Gemeindebau“ und auch die Dylan-Coverversionen auf der LP „Wie im Schlaf“ sind echte Songperlen und auch nach Jahren immer wieder gut zu hören.
Wie einigen Popstars fällt es auch Ambros nicht leicht, in Würde zu altern bzw. der Rolle als Verwalter der eigenen Vergangenheit zu entgehen. Das liegt weniger an privaten Brüchen wie Scheidung und Alkoholismus als am Qualitätsverlust der Musik. Wer seine Werke „Verwahrlost aber frei“ titelt oder Hans Moser nachsingt, hat mit Musikkonsumenten diesseits der 50 nicht mehr viel am Hut.

Adventmail 2010/06 (Namenstage)

Franz von Assisi verehren drei Konfessionen, Nikolaus von Myra aber gleich sieben. Er ist also sowas wie ein christlicher Superheiliger, an dem man auch als innovationsfreudiger Adventkalenderproduzent nicht vorbeikommt, zumal er ja auch die Vorlage für Santa Claus ist.
Zunächst aber zu Thomas Nast, einem 1846 nach New York ausgewanderten deutschen Karikaturisten. Zu Weihnachten 1863 zeichnete er während des Amerikanischen Bürgerkriegs für „Harper’s Weekly“ einen alten Vollbartträger, der von einem Schlitten herab die Soldaten der Unionstruppen beschenkt. Vorbild war der pfälzische „Belznickel“, eine Pelz tragende Weihnachtsmannfigur aus dem 19. Jht., die Nast noch aus Kindheitstagen kannte. Als man Nast später bat, seine Zeichnung zu kolorieren, wählte er die Farben rot und weiß. Später wurde daraus der Pfeife rauchende, altersfidele Santa Claus. Ihn stellte Nast bis zu seinem Lebensende 1903 immer wieder dar.
In den 1920er Jahren setzte sich die heute bekannte rotweiße Robe des Weihnachtsmanns immer mehr durch. Die „New York Times“ schrieb 1927: „Ein standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern. Größe, Gewicht, Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart.“ Den letzten Schub zur weihnachtlichen Allgegenwart bekam Santa 1931 durch eine Coca-Cola-Werbekampagne, die ebenfalls nach Nasts Vorlage gestaltet wurde.
Und jetzt noch ein Voting* darüber, was Ihr eher mit Weihnachten assoziiert, liebe FreundInnen: die schlichte Krippe des Franziskus mit dem neugeborenen Jesuskind als Symbol für die gottgewollte Macht der Machtlosigkeit – oder der schweiß- und kommerztriefende, pädophilieverdächtige Fettsack als Verhohohöhnung des Kinder beschenkenden Bischofs Nikolaus aus dem 4. Jht.?

* war 2025 auf Facebook nicht mehr auffindbar

Adventmail 2010/05 (Namenstage)

Heute gedenkt die Kirche des heiligen Geralds, eines Bischofs im fernen Braga in Portugal. Ich jedoch gedenke jenes Geralds, der mein Schulkollege in Kapfenberg war und dazu beitrug, dass ich heute kein Instrument spiele und kein Popstar wurde.
Ich war vor vielen Jahren Pflegekind bei Frau Dietz in Bruck/Mur. Deren Enkel Sigi spielte die Stromgitarre in einer Band namens „Blackbirds“, die regelmäßig in der geräumigen Wohnung der Frau Dietz „A Whiter Shade of Pale“, „Massachusetts“ u. a. Hits dieser Zeit probte. Ich Vorschulkind hörte wohl so andächtig dabei zu, dass Sigi mir Jahre später bei einem Besuch bei der Ex-Pflegemutter seine alte Gitarre schenkte – mit der Auflage, fleißig zu üben und den Ruhm der Beatmusik in Österreich zu mehren.
Nun komme ich aus einer Familie, in der zwar gerne gesungen wurde, es jedoch keine Tradition beim und damit keine Ermunterung zum Erlernen eines Instruments gab. Trotz jährlich erneuerter Vorsätze blieb Sigis funktionstüchtige Gitarre so lange stumm, bis mir besagter Gerald Reiter anbot, sie mir abzukaufen, um in der Klassenband zu spielen.
Geblendet vom Glanz des schnellen Geldes nahm ich seine Silberlinge und verriet meine hoffnungsvolle Karriere als Falco von Kapfenberg, die sicher kurz danach eingesetzt hätte. Somit friste ich nunmehr ein Schattendasein als Gelegenheitssänger bei Geburtstagen meiner Geschwister, bei denen ich mit einem stolzen und einem neidischen Auge auf die Zupf- und Tastenkünste meiner drei Söhne blicke.
Was aus Sigis Gitarre und aus Gerald wurde, lässt sich nicht mehr eruieren. Angesichts des Naserümpfens der damaligen Klassenbandmitglieder über Geralds Musikalität kann ich jedoch ausschließen, dass er mit dem im Internet vorfindbaren Namensvetter, dem Sänger und Schauspieler Gerald R., irgendetwas zu tun hat.