Francesca Cabrini, die heutige Jubilarin, wurde 1850 als jüngstes von 13 Bauernkindern in der Nähe von Mailand geboren und tat schon als Mädchen viele gottgefällige Werke. Und mehr noch, als sie 1880 den Orden der „Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen“ gründete – nicht zu verwechseln mit der 20 Jahre später in Münster gegründeten gleichnamigen Schwesterngemeinschaft (nicht umsonst witzelt man, dass nicht einmal der allwissende Gott die zahllosen Frauenorden alle kennt).
Francesca ging in die USA, erst nach New York, dann nach Chicago und kümmerte sich mit ihren Mitschwestern um die italienischen Einwanderer (ob auch Al Capone ihr Schützling war, ist unbekannt). Nicht weniger als 67 Einrichtungen – Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und Klöster – gehen auf ihre Initiative zurück. Mutter Cabrini erhielt im Jahre 1909 die amerikanische Staatsbürgerschaft und wurde 1946 als erste amerikanische Bürgerin heiliggesprochen. Seit 1950 ist sie Patronin der Migranten.
Das Leben in einer Ordensgemeinschaft hat seit geraumer Zeit eine gewisse Sogwirkung auf mich. Ein „Wohnprojekt“ in überschaubarer Größe, dazu interne Güterteilung, weltzugewandte Solidarität, auch Spiritualität in nicht übertriebenem Ausmaß – all das klingt gut in meinen Ohren. Weniger gut die traditionellen Ordens-Prinzipien Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit/Keuschheit. „Mein“ Orden sollte Billardtisch und Heimkino nicht verbieten, auf Beratung und Dialog statt auf Ja und Amen setzen und Männlein und Weiblein nicht trennen. In „meinem“ Orden sollte es Kinder und Pensionisten geben, regelmäßig ausgelassene Feste, viele Zeitschriften-Abos, Spieleabende, Berufstätigkeit und Urlaub, einen Raum für Gebet und Meditation und eine Gastwohnung für Asylwerber.
Möchte nicht jemand von Euch sowas gründen?
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Adventmail 2010/18 (Namenstage)
Beim Namen des heutigen Tagesheiligen – Wunibald – muss ich schmunzeln. Es ist nämlich so:
Der Programmierer der Software meiner Redaktion, früher Geschäftsführer, trägt die Vornamen Michael W. Wofür das „W.“ steht, fanden wir Redakteure nie heraus, waren aber in unserer Phantasie herausgefordert. W. wie Waldebert? Wedekind? Wanja? Oder gar W. wie „Wiesengrund“, das der deutsche Philosoph zwischen Theodor und Adorno zwängte?
Wir entschieden uns – ohne Wissen des Betreffenden – für Wunibald. Seine oft nicht gerade bedienerfreundlichen Programmier-Ergebnisse bekamen dementsprechend die negativ konnotierte Bezeichnung „Wunisoft“.
Trotz der Freude am Herumspötteln bin ich auf Michael „Wunibald“ auch ein wenig neidisch. Während meine Geschwister (Andreas, Kerstin), meine Ex- und meine Jetzt-Claudia (Maria Antonia Martha bzw. Maria Renate) und auch meine Söhne (wie Ihr schon wisst: Erasmus, Jeremias, Franziskus) allesamt über prächtige Zweit-(und Mehr-)namen verfügen, heiße ich nur Robert. Sonst nix. Enttäuschend, irgendwie. Weshalb ich mir in Studienzeiten selbst einen (inoffiziellen) zweiten Vornamen verpasste: Pilgrim, also Pilger, einer, der auf dem Weg ist. Aber so was ist halt nur eine halbe Sache…
Adventmail 2010/05 (Namenstage)
Heute gedenkt die Kirche des heiligen Geralds, eines Bischofs im fernen Braga in Portugal. Ich jedoch gedenke jenes Geralds, der mein Schulkollege in Kapfenberg war und dazu beitrug, dass ich heute kein Instrument spiele und kein Popstar wurde.
Ich war vor vielen Jahren Pflegekind bei Frau Dietz in Bruck/Mur. Deren Enkel Sigi spielte die Stromgitarre in einer Band namens „Blackbirds“, die regelmäßig in der geräumigen Wohnung der Frau Dietz „A Whiter Shade of Pale“, „Massachusetts“ u. a. Hits dieser Zeit probte. Ich Vorschulkind hörte wohl so andächtig dabei zu, dass Sigi mir Jahre später bei einem Besuch bei der Ex-Pflegemutter seine alte Gitarre schenkte – mit der Auflage, fleißig zu üben und den Ruhm der Beatmusik in Österreich zu mehren.
Nun komme ich aus einer Familie, in der zwar gerne gesungen wurde, es jedoch keine Tradition beim und damit keine Ermunterung zum Erlernen eines Instruments gab. Trotz jährlich erneuerter Vorsätze blieb Sigis funktionstüchtige Gitarre so lange stumm, bis mir besagter Gerald Reiter anbot, sie mir abzukaufen, um in der Klassenband zu spielen.
Geblendet vom Glanz des schnellen Geldes nahm ich seine Silberlinge und verriet meine hoffnungsvolle Karriere als Falco von Kapfenberg, die sicher kurz danach eingesetzt hätte. Somit friste ich nunmehr ein Schattendasein als Gelegenheitssänger bei Geburtstagen meiner Geschwister, bei denen ich mit einem stolzen und einem neidischen Auge auf die Zupf- und Tastenkünste meiner drei Söhne blicke.
Was aus Sigis Gitarre und aus Gerald wurde, lässt sich nicht mehr eruieren. Angesichts des Naserümpfens der damaligen Klassenbandmitglieder über Geralds Musikalität kann ich jedoch ausschließen, dass er mit dem im Internet vorfindbaren Namensvetter, dem Sänger und Schauspieler Gerald R., irgendetwas zu tun hat.