Adventmail 2010/13 (Namenstage)

Die heute im Mittelpunkt stehende Lucy (Namenstag: Lucia) lebte vor 3,2 Millionen Jahren, war nur rund einen Meter groß, und wer sie besuchen will, muss nach Addis Abeba reisen.
Lucy bezeichnet den Skelettfund eines Australopithecus afarensis, dessen wissenschaftliche Bezeichnung AL 288-1 lautet („AL“ steht für „Afar Locality“).
Entdeckt wurde Lucy von Don Johanson am 30. November 1974 bei archäologischen Feldstudien im äthiopischen Omo-Gebiet. Johanson zufolge erhielt das Fundstück noch am selben Abend seinen Namen: In der Euphorie über den gleich als sensationell erkannten Fund feierte das Grabungsteam feuchtfröhlich und hörte dabei immer wieder auch eine Tonkassette mit Beatles-Songs – darunter den LSD-Song „Lucy In The Sky With Diamonds“.
Auf zusammengehörige Bein-, Arm- und Rumpffragmente stoßen auch findige Forscher nur äußerst selten. Wie außerordentlich der Fund war – dass er nämlich eine neue Hominiden-Art repräsentierte – stellte sich aber erst drei Jahre später aufgrund der Analysen im Labor heraus.
Noch ein Wort zu Don Johanson: Der Sohn schwedischer Auswanderer wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Connecticut auf. Als Achtjähriger lernte er einen Nachbarn kennen, der am Theologischen Seminar Anthropologie lehrte und das Interesse des vaterlosen Buben weckte. Dennoch studierte Don zunächst Chemie; sein Mentor hatte ihm geraten, etwas „Praktisches“ und Lukratives zu wählen statt eines „Orchideenfachs“ aus dem 19. Jahrhundert. Don langweilte die Chemie aber derart, dass er sich schließlich doch der Anthropologie zuwandte – und die alte Weisheit bestätigte: Arbeite an Themen, die dich wirklich fesseln, nicht an (vermeintlich) einträglichen. Die Welt braucht Begeisterte, die nach Schätzen im Himmel streben, nicht Begüterte, die sie im Tresor horten.

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