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RME lautete mehr als 30 Jahre lang mein Kürzel als Nachrichtenredakteur. Seit Anfang 2025 pensioniert, arbeite ich, Robert Mitscha-Eibl, als freier Journalist. Und ich schreibe weiter Kulturkritiken, Reiseberichte, Artikel, Kommentare, Adventmailserien. Über Themen, die mich (und vielleicht auch dich) interessieren. Weil mich das geistig rege hält, es mir Spaß macht und ich mich gerne mit Freund:innen über Gott und die Welt austausche. Und auch, weil das hier etwas ist, mit dem ich mich bei meinen Nachkommen in Erinnerung halten möchte.

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RME liest ...
RME liest: Buchkritiken v.a. Belletristik, aber auch Fachliteratur, Graphic Novels …
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RME schreibt: Artikel aus näherer Vergangen-heit, Kommentare …
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RME sieht: Filme, z.B. mit meiner Kinorunde, vereinzelt auch Gestreamtes …
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RME hört: Favoriten und Entdeckungen im weiten Feld der Musik, Konzertbesuche …
AUSSTELLUNG. Robert besucht ...
RME besucht: Aus-stellungen, Theater, Events …
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RME adventmailt: gesammelte Adventmails, die ich seit 2003 alljährlich versende …
MEIN LEBEN. Robert biographiert: Erzählenswertes aus meinem Leben
RME biographiert: Erzählenswertes aus meinem Leben …

„Rose“ (Markus Schleinzer, Ö/D 2026) ******

Und wieder eine Wahnsinnsperformance von “Jahresregentin” Sandra Hüller: Sie gibt Rose, eine Frau im 17. Jahrhundert, die als männlich gekleideter Soldat und vermeintlicher Erbe eines verfallenen Bauernhofes Teil einer abgeschiedenen Dorfgemeinschaft wird. Und sie spielt zum Niederknien.
Markus Schleinzers Drehbuch ist inspiriert von dokumentierten Berichten über als Männer verkleidete Frauen, vor allem von Catharina Margaretha Linck (1687–1721), die im heutigen Sachsen-Anhalt wegen Unzucht mit einer anderen Frau hingerichtet wurde.
Auch Rose bekommt eine Ehepartnerin: die Großbauerstochter Suzanna, Teil eines Deals um ein Stück Land, das Rose zum erfolgreichen Wiederaufbau der heruntergekommenen Landwirtschaft – “Erbe” eines im 30-jährigen Krieg gefallenen Mitstreiters – benötigt. Die Ehe wird nach der Hochzeit zunächst nicht vollzogen, Rose begründet dies mit der Reinheit Suzannas, die noch nicht getrübt werden solle. Suzanna ist unglücklich darüber und ihr Vater macht Druck. Rose behilft sich mit umgeschnalltem Ersatzpenis beim Sex in Hundestellung. Und siehe da – Suzanna wird schwanger – wodurch, bleibt offen – und danach glückliche Mutter.
Der Identitätswechsel fliegt auf, als Rose beim Imkern mehrfach gestochen wird und danach ohnmächtig und krank. Die bisher ahnungslose Suzanna und eine Magd entdecken nach dem Ausziehen der Tarn-Hose ein “Weibs-Bild”. Rose gesteht Suzanne ihren Betrug, der letztlich eine Win-win-Situation für alle Beteiligten war, diese verharrt als absehbar zu bestrafende Ehebrecherin in ihrer Rolle.
Anders die empörte Magd. Sie setzt das Rad der Inquisition einer rigiden Gesellschaft in Gang, in der sich Frauen in eine gottgewollte Unterordnung zu fügen haben und jeder Verstoß dagegen brutal geahndet wird. Warum sie sich das Mannsein angemaßt habe, wird Rose vor Gericht gefragt. „In der Hose war mehr Freiheit und es ist ja nur ein Stück Stoff. Da bin ich in die Hose“, antwortet sie sich am Ende.
Was den österreichischen Auslandsoscar-Kandidaten neben den schauspielerischen Leistungen so sehenswert macht, ist die altertümelnd-poetische Sprache – oft aus dem Off -, die eindringlichen Musik der norwegisch-irischen Singer-Songwriterin Tara Nome Doyle, die eindrucksvollen Schwarzweiß-Bildkompositionen und der emanzipatorische Inhalt. Große Empfehlung!

„Musikalische Verführungen“

So, hier die schon angekündigte Playlist im Anschluss an die „Musikalische Verführung“ durch Wien anlässlich meines 67. Geburtstags. Ich hatte euch Eingeladene um Musikstücke gebeten, die euch – aus welchem Grund auch immer – viel bedeuten. Manche sandten mir gleich mehrere Kompositionen zu, ich nehme mir die Freiheit, mir eines davon auszusuchen.
Die Bandbreite eurer musikalischen Vorlieben ist enorm. Es war spannend, das alles anzuhören. Wer mag, kann das jetzt auch tun.

Ich beginne mit einem Hit, den gleich zwei von euch aussuchten:
O Lady Gaga, ” Shallow”
https://open.spotify.com/intl-de/track/2VxeLyX666F8uXCJ0dZF8B?si=bdcaee9e0dc94dfa
Dazu Carmen, Freundin aus der autofreien Siedlung: Warum? Ich habe es kürzlich wieder im Radio gehört und an den wunderbaren SommerAbend mit Carola gedacht, an dem wir mit unseren Mädchen im SommerKino in Stuttgart diesen tollen Film gesehen haben…
Dazu Silvia, Freundin seit Niederöblarner Familiensporturlauben: Wir haben den Film damals im ersten Lock down im TV gesehen, und diese Zeit wird vielen von uns immer in Erinnerung bleiben, auch emotional. Der Song hat mich danach noch eine Weile begleitet, und ich höre ihn immer noch gern ab und zu, auch wenn er mich immer ein bisschen traurig macht.
O Pink Floyd, “The Great Gig in the Sky” (LP The Dark Side of the Moon)
https://youtu.be/tibM1jhbZdM?si=7gTRPEoSmDT85_Xi
Dazu Heinrich, Freund seit (nie umgesetzten) Wohnprojektplanungszeiten in den 1980ern:
Angeblich suchten Pink Floyd lange nach einer vokalen Umsetzung und baten Clare Torry, einfach zu singen, wonach ihr war.
O Fish / Marillion, “Kayleigh”
https://www.youtube.com/watch?v=JKu-8hedvVA
Dazu Andreas, Kathpress-Kollege seit vielen, Freund seit einigen Jahren: Erinnert mich an meine erste Backpackerreise durch Schottland im Jahr meiner Matura 1997. Marillion-Frontmann Derek William Dick, damals als Sänger schon einige Jahre solo als “Fish” unterwegs, begleitete meinen Freund Markus und mich auf der Insel nicht nur musikalisch: Angetrieben von der jugendlichen Hoffnung auf eine persönliche Begegnung mit Fish strampelten wir bei massivem Gegenwind und auf ausgeborgten, zu kleinen Uralt-Rädern von Edinburgh aus 15 Kilometer in ein Örtchen namens Haddington. Im Gepäck: acht aus Österreich importierte Dosen des damals in Britannien noch nicht erhältlichen Red-Bull-Gesöffs, das Fish laut Medienberichten sehr verehrte. Im örtlichen Pub, das der Meister nach eigenem Bekunden quasi täglich frequentierte, trafen wir zwar nicht auf Fish, aber auf den Besitzer des Ladens. Er versprach uns, die Dosen weiterzureichen… angekommen sind sie wohl nie. Nun ja, wir radelten dennoch fröhlich den ganzen Weg zurück, Gott sei Dank damals sehr überzeugt von unserer Mission, denn: Der Wind hatte gedreht…
O Miles Davis, “It Never Entered My Mind“
https://open.spotify.com/track/6QlkHjQmo2YncQN5MQXgPZ?si=c2b3915d2ff345f4
Dazu Gregor, ältester Lieblingssohn: Dieser Song war mein Wiedereinstieg in den Jazz vor ca 3 Jahren. Vermutlich weil er einfach hübsch ist ohne Elemente die Jazz für Newcomer oft schwer verdaulich machen. Miles Davis’ erstes Quintett 1956, sehr empfehlenswert als Einstiegsmaterial generell 🙂
O Molden/Resetarits/Soyka/Wirth, “Awarakadawara“
https://open.spotify.com/intl-de/track/4irSxWzhA0OAATIlUQnz1O?si=fe15874e8b564bfc
Dazu Helga, Georgienurlaubsfreundin: Gerne erfülle ich Deinen Geburtstagswunsch und verrate eines meiner Lieblingslieder: 1) es besingt – dem Anlass entsprechend – Freundschaft, 2) Willi Resetarits – schon immer bin ich sein Fan, 3) Ernst Molden – Supermusiker und wie Willi a Wödmensch, 4) ein Erinnerung, für meine Freundinnen und Freunde auch bei Regen da zu sein.
O Kärntnerlied „Wenn du durchgehst durchs Tal…“
https://open.spotify.com/intl-de/track/3C3x90o5nW5IVan01Nuq6y?si=f338c9e988ac4bd4
Dazu Sonja, Adventlesungsfreundin: Es gäbe so viele andere Lieder, die ich nennen könnte – aber keines hat eine stärkere Wirkung auf mich wie dieses. Schon nach den ersten Klängen fließen die Tränen und ich muss das Lied dann mindestens, wirklich mindestens zehn Mal hintereinander hören. Es muss etwas mit meiner tiefsten Kindheit zu tun haben. Mein erwachsenes Ich hat keine Assoziation anzubieten und trotzdem habe ich beim Anhören das Gefühl, eine Zeitreise in die längst vergessene Vergangenheit machen zu dürfen. Für mich ist das etwas ganz Besonderes. Und so ein Kärntner Viergesang ist ja auch wirklich was Schönes, oder?
O Mazzy Star, “Fade Into You“
https://open.spotify.com/intl-de/track/1LzNfuep1bnAUR9skqdHCK?si=32d1975e04f24d19
Dazu Moritz, mittlerer Lieblingssohn: Die Komposition ist eine “save bet”, die ihr aber wahrscheinlich kennt. Kaum ein anderes Lied vermittelt mir so ein schönes melancholisches Gefühl.
O Shakira, “Waka Waka”
https://m.youtube.com/watch?v=Ntn1-SocNiY
Dazu Manuela, langjährige Kollegin, Fußballgroßereignis-Tippfreundin: Ich steuere “Waka Waka” von Shakira bei, weil das ein energiegeladener Song ist, der mit Afrika und Fußball zu tun hat und mich an meine Austrian-Development-Agency-Zeit und die „KeNaKo Afrika Now“-Ausstellung erinnert, die wir damals anlässlich der WM auf die Beine gestellt haben.
O Robert Schumann, “Märchenbilder”
https://open.spotify.com/intl-de/track/7uRQnI4xFqbDODqtanflqb?si=83a7a95f22534e70 Dazu Rudi, weitmehralsnur Kinomittwoch-Freund: Schumanns Märchenbilder haben mir schon immer gefallen … ich weiß aber nit, warum.
O hmbc Holstuonarmusigbigbandclub, „Vo Mello bis ge Schoppornou“
https://open.spotify.com/intl-de/track/3KttDSBXuACB5l9w8OtXfJ?si=ce25a5caf1a9445e
Dazu Stefan, autofreier Spieleabendfreund: In meinen jungen Jahren habe ich vor allem die Musik der Beatles geschätzt, Lieder wie etwa Michelle habe mich tief beeindruckt. Diese Songs schätze ich natürlich heute noch. Eine gute Erinnerung verbinde ich mit „Vo Mello bis ge Schoppornou“ des hmbc Holstuonarmusigbigbandclub. Das habe ich zweimal beim Siedlungsfest gesungen und fand es sehr lustig, in Wien ein Lied vom anderen Ende von Österreich zu performen und die Leute zum Mitsingen zu bewegen.
O Umineko no Naku Koro ni, “Fishy Aroma”
https://www.youtube.com/watch?v=ENL0nPskSao
Dazu Fabian, jüngster Lieblingssohn: Das Lied taugt mir immer noch sehr, es spielt, als ein Brief eines mysteriösen unbekannten Gastes im Schloss zu Abend vorgelesen wird, und vermittelt ein gewisses “Catch me if you can”-Gefühl, angespannt, aber auch spaßig. Ist vermutlich das erste Lied, das mich so richtig in das Umineko Anime hineingezogen hat, und Umineko kennen und lieben zu lernen hatte einen doch sehr starken Einfluss darauf, welche Menschen ich online kennen lernen würde.
O Georg Danzer, Gaudenzdorfer Gürtel 47
https://open.spotify.com/intl-de/track/01KJGlu2iICL6VS7PA4MWV?si=3fe500e9c9d34889
Dazu Norbert alias Liedermacher dog&SCHWOAZ, langjähriger Freund und Kinomittwochteilnehmer: Danzer deswegen, weil ich die Ehre habe, an seinem 80. Geburtstag bei der Enthüllung einer Gedenktafel an eben dieser, seiner Kindheits- und Jugendadresse ein paar Danzer-Songs zu spielen.
O Billy Joel, You’re my home
https://youtu.be/zDH2E2wWjc0?si=3Qcw3j-i4sH-oKup
Dazu Henning, mein Lieblingsdeutscher in der Kathpress und weit darüber hinaus: Ich wähle zum einen den für mich immer wieder und immer noch großartigen Billy Joel – und ein vielleicht etwas unbekannteres, gleichwohl m.E. bezauberndes Liebeslied von ihm. Es begleitet mich von Anbeginn meiner „Billy-Liebe“ an – und macht für mich dreifach Spaß: es zu singen, es auf der Gitarre zu spielen – und auf dem Klavier…
O Reinhard Mey, Sommermorgen
https://open.spotify.com/intl-de/track/6nGwCFba5oNIJIuTVGlioi?si=ca471c6549864834
Dazu Claudia, Herzallerliebste: Im Hintergrund dieses Liedes habe ich über mein Eheversprechen nachgedacht und es dann formuliert…

Bad Waltersdorf, 28.9.-3.10.2026

Das oststeirische Hügelland ist eine Wohlfühlregion, erst recht für Radbegeisterte wie mich.

Im Osten Österreichs entwickelte sich seit den 1980ern eine touristisch hochwertige Thermenregion. Ich war schon zweimal auf Kur in Bad Gleichenberg, mit Claudia in Bad Tatzmannsdorf, Bad Blumau und Bad Loipersdorf, diesmal ging’s nach Waltersdorf zum Wilfinger. Fünf Nächte im ruhigen Biodorf mit eigenem Wellness-Bereich abseits des tendenziell Thermenbetriebs waren erholsam und anregend. Ein Apartment mit VZ, Bad, WZ und Schlafraum, niemals überfüllte Indoor- und Outdoor-Becken, Sauna, Sonnenterrasse… uns ging’s richtig gut.
Wir hatten unsere Räder mit, gleich am ersten Tag ging’s nach Hartberg und retour über die Pöllauer Gegend und Kaindorf zurück. Zwei weitere Touren unternahm ich alleine: die erste über Burgau und Blumau nach Fürstenfeld (Bild 3) mit einem Sidestep zur angeblich ältesten Eiche Europas (1000 Jahre, Bild 2) und auf anderem Weg zurück, die zweite auf dem anspruchvoll hügeligen Thermenradweg (=Eurovelo 13, Iron Curtain Trail, Bild 1), der auch E-Bike Fahrer:innen einiges abverlangt. Das Wetter war spätsommerlich warm mit ca. 25 Grad Höchstwerten, nachts kühlte es auf deutlich unter 10 Grad ab. Ideales Ausflugswetter in herrlichen Landschaften mit kulinarisch ergiebigen Buschenschanken, die einander offenbar mit der Größe der Portionen übertrumpfen wollen. Besonders schön: Der Maluhof (Ausblick von dort Bild 4), der auch mit einem wohlsortierten Hofladen punktet.

Ich kenne die Region ja bereits von meinen beiden Kuraufenthalten gut und bin einiges mit dem Fahrrad abgefahren. Jeden Freitagnachmittag gibt es in Gleichenberg den “Vulkanlandmarkt”; dass wir dort meine alten Freunde Seppl und Agnes trafen und danach noch bei ihnen Maroni vertolgten, machte den Tag so richtig perfekt.
Wir werden noch einige Zeit von diesem letzten Urlaub des Jahres zehren – auch geschmacklich, denn wir brachten viele Leckereien wie Kaffee von der Rösterei Maitz, Bioaufstriche von der Molkerei Thaller, Uhudler-Essig von Maluhof oder prämierten Baumpresse-Wein vom Wurzinger. Heute auf der Rückfahrt waren wir uns einig: gerne wieder!

Musikalische Verführung in der Wiener Innenstadt

Am 31. März 1913 fand im großen Musikvereinssaal in Wien ein Orchesterkonzert statt, das einen der größten Skandale im Wiener Musikleben auslöste. Dirigent war der Komponist und Begründer der Zwölftonmusik Arnold Schönberg, der bereits mit den Uraufführungen seiner ersten Streichquartette und der Kammersymphonie op. 9 in den Jahren 1907 und 1908 für Skandale beim Wiener Publikum gesorgt hatte. Besonders sein 2. Streichquartett, das als ein Schlüsselwerk der atonalen Musik gilt, wurde vom Publikum mit Gelächter und Lärm quittiert.
Das Konzert von 1913 wurde vom Akademischen Verband für Literatur und Musik veranstaltet, einer Vereinigung von Studierenden, die besonders Musiker und Literaten der „Jungen Generation“ fördern wollte. Obmann war der 23jährige Erhard Buschbeck, der später bis 1960 eine wichtige Rolle als Dramaturg und stellvertretender Direktor im Wiener Burgtheater spielen sollte. Er wollte „Dinge tun, die in Wien sonst niemand macht”, u.a. jene Künstler einladen, die aufgrund ihrer neuen Musik angefeindet wurden. Wie Arnold Schönberg und dessen Schüler Anton von Webern und Alban Berg, von denen Kompositionen zum Besten gegeben werden sollten.
Die neuartige Musik polarisierte das Wiener Publikum derart, dass es einerseits demonstrativen Beifall von den Befürwortern gab, andererseits Pfiffe, Zischen und Lachen von den Gegnern. Es kam zu tumultartigen Szenen mit gegenseitigen Beschimpfungen und sogar Handgreiflichkeiten, die schließlich in einer Ohrfeige und dem Abbruch des Konzertes gipfelten. Die Watschen soll Erhard Buschbeck dem Arzt Viktor Albert verpasst haben. Die Kontrahenten gingen später auch vor Gericht, klagten einander wegen Ehrenbeleidigung und wurden schließlich beide zu einer Geldstrafe verurteilt. In der Presse und in der Wiener Öffentlichkeit wurden die Ereignisse des 31. März noch lange genüsslich ausgekostet; es wurde von der süffisanten Einschätzung berichtet, das Geräusch der Ohrfeige sei das bei weitem hörenswerteste des Abends gewesen.
Diese Geschichte des als „Watschenkonzert“ in die Geschichte eingegangenen Ereignisses war eines der Highlights bei meiner diesjährigen Geburtstagsführung durch die Wiener City, (wie im Vorjahr) kompetent und unterhaltsam angeleitet von Guide Wolfgang Reisinger. Beim bisher von den etwa 20 Teilnehmenden kaum jemals wahrgenommenen Alban-Berg-Denkmal zur Zwölftonmusik vor der Wiener Oper erzählte er auch eine andere passende Anekdote: War es Arnold Schönberg, der einmal sagte, seine Musik werde man erst in 50 Jahren verstehen, worauf die Replik eines Orchestermitglieds zu hören war: “Und warum müssen wir sie dann jetzt schon proben?”

Immer wieder ein ZuHörgenuss: Spaziergänge durch Wien mit Guide Wolfgang Reisinger

Neu für mich war auch, dass der Komponist und katholische Priester Antonio Vivaldi in Wien Probleme wegen seiner Beziehung zur Sängerin Anna Girò bekam und auf einem Friedhof unter der heutigen TU am Karlsplatz begraben wurde. Oder dass Mozart besser Italienisch als Deutsch schreiben konnte, und dass ihm erst seine erfolgreichste Oper „Die Entführung aus dem Serail“ die Hochzeit mit seiner Constanze ermöglichte. Oder dass zu Beethovens Begräbnis in Wien 20.000 Trauernde kamen, bis zu zehn Prozent der damaligen Bevölkerung.
Meiner Bitte, nicht nur „Klassisches“, sondern auch moderne Wiener Musik in seine Ver-Führung einzubauen, entsprach Wolfgang mit Stopps vor dem Café Havelka (Danzer!), hinter der Peterskirche (Heller/Qualtinger) vor der Fledermaus (Bronner/Kreisler). Wen dies und noch viele spannende Details interessiert, dem/der sei ein Spaziergang mit Wolfgang Reisinger wärmstens empfohlen… zu meinem 68er ja vielleicht nächstes Jahr wieder gemeinsam.

PS: Ich bat die Eingeladenen um Musikstücke, die ihnen aus irgendeinem Grund besonders viel bedeuten. Die daraus gebildete “Musikbox” lade ich in einem eigenen Beitrag auf dieser Website hoch.

„Vaterland“ (Paweł Pawlikowski, Pl/D/F/I 2026) ******

So eine filmische Aufarbeitung der Nachkriegszeit würde ich mir für Österreich auch wünschen: Dem polnischen Filmemacher Paweł Pawlikowski gelingt mit seinem in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichneten Thomas-Mann-Roadmovie ein beeindruckender Rückblick in Schwarzweiß auf das nach dem “heißen” nun vom Kalten Krieg gezeichnete, bereits geteilte Deutschland im Jahr 1949. Es ist ein Goethejahr, der Weimarer Klassiker wurde 1749 in Frankfurt geboren, und die Besatzungsmächte in diesen beiden Städten – die USA und die Sowjetunion – wollen sich mit dem vor den Nazis ins amerikanische Exil geflüchteten Nobelpreisträger zu diesem Anlass durch Ehrungen schmücken. Begleitet wird Thomas Mann auf seiner Fahrt von West nach Ost mit einem schwarzen Buick durch das immer noch kriegsversehrte Deutschland von seiner polyglotten Tochter Erika (über deren spannendes Leben ich heute viel nachlas), beide hinreißend dargestellt von Hanns Zischler und der “Jahresregentin” Sandra Hüller.
Und dann ist da auch noch Klaus Mann, gleich in der Anfangssequenz in einem Telefonat mit seiner innig geliebten Schwester Erika zu sehen. Sie will den in Frankreich Lebenden dafür gewinnen, auch bei der anstehenden Tour mit dem Vater dabei zu sein, doch Klaus (“Mephisto”) zieht nichts zurück nach Deutschland, das ihn so schlecht behandelt und vertrieben hat. Dass die Beziehung zwischen Thomas und Klaus Mann gestört ist, verdeutlicht sich, als nach der Ehrung in Frankfurt bekannt wird, dass sich Klaus das Leben nahm. Der damals 74-jährige Literaturstar reagiert darauf beinahe ungerührt und verweist gegenüber Erika auf dessen jahrelange Suizidgedanken und Drogensucht. Erika dagegen ist erschüttert und wirft dem Vater später in Weimar vor, sich hinter seiner wohlformulierten Schöngeistigkeit zu verstecken.
Ein Hauptthema des Films ist die Heimatlosigkeit, in die das NS-Regime Dichter und Denker wie Thomas Mann gestürzt hat. Er wohnte mit seiner Familie nach der Machtergreifung Hitlers erst in Frankreich, dann in der Schweiz, in Kalifornien und zuletzt wieder in der Schweiz. “Wo ich bin, ist Deutschland. Ich trage meine deutsche Kultur in mir”, sagte Mann schon 1938 in einem Interview. Im Film hört man ihn sagen, “Heimat” sei ein komplexeres Thema als wechselnde Wohnorte. Und im Nachkriegsdeutschland – das erfährt man auch – wurden die Manns wegen ihrer Emigration angefeindet, manchen galten sie als Büttel der USA, anderen als “Stalins fünfte Kolonne”. Mann wehrt sich gegen die Vereinnahmung durch Enkel des von Hitler geschätzten Richard Wagner, und Tochter Erika ohrfeigt in einer bemerkenswerten Szene des Films ihren Ex-Mann Gustav “Mephisto” Gründgens (Joachim Meyerhoff) wegen dessen Anpassungsbereitschaft im NZ-Regime. Auch der sowjetischen Umgarnung entzieht sich Mann.
Aber Entschiedenheit für Humanitas und Demokratie schafft noch keine Heimat. Berührend die Schlusssequenz des Films, als Thomas und Erika in einer verfallenen Kirche den Klängen des Chorals “Wohl mir, dass ich Jesum habe” als Orgelversion lauschen. Es ist von Johann Sebastian Bach, einer anderen unbestrittenen deutschen Kulturgröße, deren Musik Klaus Mann zuletzt als letzte ertrug. Vater und Tochter sitzen etwas verloren im leeren Kirchenraum, und Erika ergreift Thomas’ Hand, als diesem die Tränen kommen. Großes Kino!

Programm “Wow!” im Zirkus Knie, 20.9.2026

Zirkus mit Tierdressur mag sie nicht, sagte meine Liebste und folgte der Einladung unserer Freundin Martina, die Gratistickets für den bei der U1-Station Altes Landgut gastierenden Zirkus Knie hatte, nicht. Ein Fehler, denn erstens kam das Programm “Wow!” der seit mehr als 200 Jahren bestehenden Ziskusdynastie ohne Tiernummern aus, und zweitens waren einige der Darbietungen sehenswerte Akrobatik auf höchstem Niveau. Z.B. amüsierte uns eine Slapstick-Trapeznummer mit einem Kraftprotz und einem “Zniachtl”, wie Martina es ausdrückte, die nach einigen Fehlversuchen, überhaupt auf das hoch hängende Gerät zu gelangen, mit gut koordinierter Geschicklichkeit überraschte. Oder ein Rollschuhfahrerpaar, das auf einer winzigen Plattform Halsbrecherisches zum Besten gab. Oder ein anderes Paar, das auf zwei Seilen vom Zirkuszeltdach Körperbeherrschung mit Anmut verband; der Mann bewahrte seine biegsame Partnerin teils mit den Fußschaufeln vor dem Absturz in die Tiefe. Oder die spektakuläre Wippennummer zum Schluss: Zwei Kerle sprangen auf ein Brett und katapultierten eine Akrobatin hoch in die Luft, genau auf die Schultern eines Kollegen oder einen meterhoch oben von einem Muskelmann gestemmten Sitz. “Wow!” war dazu der passende Kommentar.

Die Blonde in der Bildmitte wird gerade hoch nach oben auf die Schultern ihres Kollegen katapultiert.

Die Knies haben übrigens österreichische Wurzeln. Den Grundstein legte Friedrich Knie, Sohn des Leibarztes der Kaiserin Maria Theresia im Jahr 1806. Sieben Generationen folgten. Louis Knie sen. übernahm 1993 den Österreichischen Nationalcircus Elfi Althoff-Jacobi, aktuell regiert sein Sohn Louis jun. Ad multos annos!

Kellergassenführung in Oberkreuzstetten, 19.9.2026

Wer (wie ich) schon einmal im Frühjahr zur Rapsblütezeit durch das Weinviertel geradelt ist, weiß, wie schön diese unterschätzte Region Österreichs ist. Besondere Perlen darin sind Kellergassen, also oftmals als Hohlweg ausgebildete, gepflasterte Gassen mit Weinkellern und Presshäusern an beiden Seiten (seltener nur an einer Seite). Eine besonders schöne Kellergasse befindet sich in Oberkreuzstetten, in die Claudia und mich unsere “georgische Freundin” Helga lotste, weil dort ein alter Bekannter von ihr, der zertifizierte Kellergassenführer Alois Ullmann sein umfassendes Wissen über dieses Kulturgut ausbreitete.

Die prachtvolle, liebevoll restaurierte Kellergasse von Oberkreuzstetten

In Niederösterreich gibt es etwa 1100 Kellergassen in 181 Gemeinden. Die längste davon in Hadres nahe der Grenze zu Mähren mit einer Länge von 1600 Metern und 400 Kellern und Presshäusern. Die Kelleranlage in Oberkreuzstetten zeichnet sich dadurch aus, dass Alois Ullmann (zu sehen unten auf Bild 1) nicht nur pensionierter Mitarbeiter der Bundestheater (damals für Bühnenbilder zuständig) ist, sondern auch kundiger Baumeister, der in den vergangenen Jahren einige der bis zu 200 Jahre alten Keller wiederbelebte, Treppen ins Erdreich (Bild 2) anlegte, “unter Tag” Gewölbe auftürmte (Bild 3) und dabei Tonnen von Erdmaterial (Löss!) bewegte.
Manche der dicht nebeneinander liegenden Kelleranlagen haben ein knapp unter Erdniveau liegendes Presshaus. Dieses wurde durch einen sogenannten Kellerhals mit dem weiter hinten liegenden eigentlichen Lagerkeller verbunden. Herr Ullmann lagert dort nur wenig Wein, viel mehr Fossilien und andere Fundstücke, auf deren Suche er sich nach Regenfällen macht – und immer wieder fündig wird. Paläontolog:innen sind regelmäßig bei ihm zu Gast, berichtete er.

“Kellermander” hielten sich oft tagelang – auch winters – in ihren Kellern auf, tranken, feixten, stritten und ließen den lieben Gott einen guten Mann sein. Das tat auch unser Grüppchen von 14 Personen nach der unterhaltsamen Führung bei einem Heurigen in Großrußbach gemäß der alten Weisheit „Essen und Trinken hoit Leib und Söö z’samm“ und stieß auf Peters Jungpensionisten-Geburtstag an.

Heimfahrt durch das schöne Weinviertel mit Blick auf die Kirche von Karnabrunn und den Abendhimmel

Richard Powers, “Die Wurzeln des Lebens” (2018; Fischer TB 2024/5.) ****

“Der Hunger der Menschen lässt sich nicht stillen. Er lässt sich nicht einmal mindern. Schon ihn auf jetzigem Niveau zu halten ist mehr, als die Spezies sich leisten kann.” Diese Sätze auf Seite 592 des mit dem Pulitzer-Preis (2019) ausgezeichneten Romans von Richard Powers klingen wie ein Fazit nach dem davor ausführlich geschilderten Widerstand einer kleinen Gruppe von Umweltaktivisten gegen Raubrodungen in US-amerikanischen Primärwäldern. Geschützt durch Eigentumsrechte fallen auch jahrhundertealte Mammutbäume der Profitgier und der Naturignoranz der Holzindustrie zum Opfer.

Schöner Zufall: Einen der im Roman beschriebenen Baumriesen – eine Sequoia sempervirens – erblickte ich, während ich das Buch auf einer Radtour durch Flandern gerade las, im September in einem Park in Gent.

Powers legt seinen Text wie einen Baum an: Im Abschnitt “Wurzeln” stellt er die neun Protagonisten des Romans vor, deren Schicksale in den folgenden – “Stamm” und “Krone” – entfaltet und teilweise verquickt werden. Der kurze letzte Abschnitt “Samen” ist zugleich resignativ und hoffnungsvoll: Wie die oben genannte Aussage über die Unfähigkeit der Menschen zur Selbstbeschränkung begründet, scheitert der Versuch einer Minderheit, der Mehrheit den Wert der unwiederbringlich zerstörten Natur auch für das eigene Wohlbefinden zu vermitteln. Wobei: “unwiederbringlich”? Nein. Denn laut Powers’ Buch wird sich die Natur nach dem kollektiven Selbstmord der Spezies Mensch wieder erholen und neue, verblüffende Formen des Lebens ausbilden. Denn Bäume denken in anderen Zeiträumen als das gehetzte Menschengeschlecht. Die ältesten der im Roman so anschaulich geschilderten Urwaldriesen waren längst vor der Besiedelung Amerikas durch europäische Einwanderer schon groß, ja, stammen aus der Zeit Jesu.
Powers recherchierte enorm viel gerade über Bäume. Er verschränkt das Leben seiner Held:innen eng mit unterschiedlichen Arten dieser aus seiner Sicht völlig falsch eingeschätzten Lebensform. Wälder, so lernte auch ich bei der Lektüre, sind vernetzte Systeme voll von wechselseitiger Unterstützung. Es gibt noch ungemein viel über the secret life of plants zu erfahren. Wer Bäume liebt, wird auch dieses manchmal etwas ins Esoterische abgleitende Buch schätzen. Die neun Hauptpersonen bleiben demgegenüber in vielem blass, ihr Leben lückenhaft.
Ist die Welt, wie wir sie kennen, durch die vom Menschen verursachten Kipppunkte dem Untergang geweiht? Vieles von dem, was unsere Spezies in der verblüffend kurzen Zeit, da sie in der Erd- bzw. Evolutionsgeschichte auftauchte, angerichtet hat, lässt auch mich wenig optimistisch in die fernere Zukunft blicken – erst recht nach einem Rekordhitzesommer wie dem jüngsten. Adam, Psychologe und einer der scheiternden Helden des Romans, sagt einmal: “Wir können noch so gute Argumente haben, damit ändern wir die Einstellung der anderen nicht. Das Einzige, was so etwas kann, ist eine gute Geschichte.” Richard Powers’ Geschichte ist, so fürchte ich, dafür nicht gut genug.

„Wax & Gold“ (Ruth Beckermann, Ö 2026) ***

Ich schätze Ruth Beckermann (*1952) als Regisseurin und Persönlichkeit, ihre vorletzte Kinodoku “Favoriten” über eine Pflichtschule im multikulturellen 10. Wiener Bezirk fand ich berührend und großartig. Ihre neue Doku “Wax & Gold” über eine Recherche im geschichtsträchtigen Hilton-Hotel von Addis Abeba hinterließ mich jedoch etwas ratlos. Es geht darin um … ja, was eigentlich? Zum einen um das Hotel als Mikrokosmos der noch immer von der Regentschaft Haile Selassies geprägter äthiopischen Gesellschaft, um dessen Bedeutung und Macht als letzter Kaiser aus dem Stamm Juda (er verstand sich als Nachkomme des biblischen Königs Salomo und der legendären Königin von Saba) und dessen ungewollte Rolle als Rastafari-Erlöser, weiters um der von Beckermann im Film oft zitierte Bestseller “König der Könige” des polnischen Essayisten Ryszard Kapuściński, um die Modernisierung Äthiopiens, des größten Binnenstaates der Welt, um die Machtergreifung des faschistischen Mussolini-Regimes in “Abessinien” und um persönliche Reiseeindrücke der Regisseurin… etwas von jedem und keines davon wirklich vertieft, wie ich meine.
Gut, die vorkommenden Personen wie der inzwischen greise Architekt des Hotels, ein früherer Diener des Kaisers, der nach dessen Sturz für die neuen kommunistischen Machthaber weiterarbeitete, oder eine Rastafari-Anhängerin aus Österreich sind kurzweilig, die persönlichen Kommentare Beckermanns erhellend. Aber letztlich bleibt bei mir doch die Frage: Worum ging’s da eigentlich?
Beim anschließenden Gespräch im Stadtkino saß die Regisseurin auf dem Podium, die drei anderen fokussierten jedoch so auf die Historizität des bereits Ende der 1970er im kommunistischen Polen erschienenen Kapuściński-Buches, dass wir den Saal vorzeitig verließen.

“Der Revisor” von Nikolai Gogol, Akademietheater, 10.9.26 ***

Die von Korruption verseuchte russische Gesellschaft der ersten Hälfte des 19. Jhd.s geißelt Nikolai Gogol in seiner 1836 uraufgeführten Komödie “Der Revisor”. Es geht um Chlestakow, einen jungen Mann aus St. Petersburg, der in einem Provinzgasthaus abgestiegen ist und aus Geldmangel seine Rechnung nicht bezahlt. Das macht das Gerücht umso glaubwürdiger, dass es sich bei ihm um einen Kontrolleur aus der Hauptstadt handelt, der inkognito die Machenschaften im Dorf unter die Lupe nehmen will. Alle diesbezüglich schuldigen Beamten der Stadt, allen voran der Stadthauptmann, stecken dem vermeintlichen Revisor nun bereitwillig Bestechungsgelder zu, um für vergangene Verfehlungen nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden. Chlestakow hält dies zuerst für Großmut, begreift aber bald, dass man ihn verwechselt. Er spielt das Spiel weiter, verlobt sich sogar mit der Tochter des Stadthauptmanns, macht sich danach aber aus dem Staub. Die Dorfgrößen sehen sich übertölpelt – und sehen zuletzt der Ankündigung des echten Revisors entgegen.
Die Inszenierung der Slowenin Mateja Koležnik im Akademietheater steigert das Groteske der Verwechslungskomödie bis hin zum Klamauk, und das mit einem Bühnenbild mit einem Allzweckturm in der Mitte, das Rätsel aufgibt. Meine Liebste, die die verbilligten Theaterkarten kurzfristig erwarb, fand an dem parodistisch-überzeichneten Bühnengeschehen viel Gefallen; ich deutlich weniger. Ich hab’s lieber subtiler.
Und wie schon bei Brechts “Herr Puntila und sein Knecht Matti”, das wir vor dem Sommer im Burgtheater sahen, stellt sich bei mir ein grundsätzliches Theaterproblem ein: Ich verstehe die Dialoge schlecht, wenn sie – wie in diesen Inszenierungen – begleitet von Nebengeräuschen oder Musik weit hinten auf der Bühne gesprochen werden. Eine Alterserscheinung offenbar, die meine Freude an Theaterbesuchen trübt …
Wird Gogols demaskierender Revisor auch im heutigen Putin-Russland aufgeführt? Ja, mehrfach, wie ich der “Presse” entnehme. “Gogol” hat übrigens auch etwas Maskenhaftes: Der Dichter wurde als Nikolai Janowski geboren, den Beinamen “Gogol” nahm die Familie an, um Kleinadelsprivilegien zu genießen.