Lesung „Literatur im Dialog: Bernhard“, Radiokulturhaus, 29.11.2025 *****

Zum zweiten Mal „Literatur im Dialog“ im Radiokulturhaus. Diesmal im Mittelpunkt der Lesungsreihe mit den Schauspieler:innen Nicholas Ofczarek und Tamara Metelka sowie dem Violinisten Nikolai Tunkowitsch: Thomas Bernhard. Und ich nehm’s vorweg: Es wurde viel unterhaltsamer als der Abend mit/über Kafka.

Ein schönes gemeinsames Projekt des Paares Ofczarek/Metelka: Literatur im Dialog, ORF-Radiokulturhaus

Im Mittelpunkt stand »Der österreichische Staatspreis für Literatur«, den Thomas Bernhard in den 1960er-Jahren aus den Händen des damaligen Kulturministers im ÖVP-Alleinregierungs-Kabinett Josef Klaus, Theodor Piffl-Perčević. Diese Ehrung empfand der Literat als Demütigung, denn es war – wie Ofczarek mehrmals aus Bernhards posthum erschienenem Text „Meine Preise“ vorlas – der kleine, für vielversprechende Talente gedachte Staatspreis und nicht der große, für ein Lebenswerk verliehene. Bernhard war zum Zeitpunkt der Auszeichnung bereits 37, aber jung genug, um das Geld zu brauchen: Die 25.000 ausgelobten Schilling waren ihm willkommen, um Schulden zu tilgen.

In der ihm auferlegten Dankesrede, zu der ihm lange nichts einfiel, sagte Bernhard u.a.: Der Staat ist ein Gebilde, das fortwährend zum Scheitern, das Volk ein solches, das ununterbrochen zur Infamie und zur Geistesschwäche verurteilt ist. Piffl-Perčević verließ wegen dieser Beleidigung Österreichs daraufhin in großer Erregung die Festveranstaltung. Der Skandal war perfekt.

Thomas Bernhard ist ein literarischer Lästerer, ein scharfsinniger Querulant, ein Übertreibungskünstler, den ich im Germanistikstudium und danach links liegen ließ. Aber sein Rückblick auf die Nestbeschmutzung anlässlich einer Preisverleihung ist fast 60 Jahre danach noch immer höchst witzig und entlarvend hinsichtlich des problematischen Verhältnisses von Kunst und Politik in Österreich. Künstlingswirtschaft?

„Du & Ich und alle reden mit“ (Paolo Genovese, I 2025) ****

Ein Film wie ein Kammerspiel: Zwei Personen, die 35-jährige Möbelrestauratorin Lara und der 50-jährige Gymnasiallehrer Piero treffen sich nach einem Kennenlernen in einer Bar zu einem ersten Date bei ihr in der Wohnung. Prosecco, Blumen einfrischen, Häppchen, Smalltalk. Dann verschafft sich das sonstige bzw. bisherige Leben der beiden Raum: durch einen Anruf der minderjährigen Tochter beim geschiedenen Vater mit Sorgerecht und durch das unerwartete Auftauchen des Ex von Lara, den sie trotz eines mitgebrachten Geschenks – es ist ein Ring! – empört abwimmelt. Piero und Lara werden miteinander vertraut, kommen sich näher.

So weit, so unspektakulär.

Der Gag des Filmes von Regisseur Paolo Genoves ist, dass sich während des gesamten Plots die inneren Stimmen der beiden zu Wort melden – in Form von jeweils vier sichtbaren Personen, die für unterschiedliche Persönlichkeitsfacetten und Herangehensweisen stehen. Das ist ein ständiger Quell von Komik, denn wer kennt das nicht bei einem Date: Sage ich jetzt das Richtige? Wie stehe ich da – optisch und auch sonst? Ist der richtige Zeitpunkt für Zärtlichkeit? Und später dann: Wie mache ich’s beim Sex? Ist ein guter Zeitpunkt zum Sich-Verabschieden?

Dazu haben der rationale Professor, der romantische Romeo, der leidenschaftliche Eros und der desillusionierte Valium ihre eigenen Vorstellungen und Ratschläge für Piero, ebenso die Einflüsterinnen von Sara, deren Namen ich vergaß. Es gibt da die kompromisslose, die verträumte, die verführerische, die wilde.

Dass der Spielfilm von „Paul aus Genua“ der erfolgreichste des Jahres in Italien wurde, ist vielleicht etwas überbewertet. Unterhaltsam war er allemal.

Adventmails 2025 (Ankündigung)

Liebe Adventmailbezieher:innen,

ich bin – wie meine Claudia – seit Jahresbeginn in Pension, die 32 Jahre als Redakteur der Kathpress gingen zu Ende (wenn auch nicht meine freie Mitarbeit dort und anderswo). Zu meinen drei Enkelsöhnen kamen im Februar zwei süße Mädchen dazu, ein weiteres wächst – juhuu! – gerade im Schwiegertochterbauch; im August verstarb mein Stiefvater, wie es formelhaft heißt, nach kurzer, schwerer Krankheit. Das sind die individuellen Zugänge zu meinem diesjährigen Adventmailthema „Anfang und Ende“. Zu denen kommen noch eine Reihe politischer: Trumps Demokratieabbruchbirne begann zu schwingen, Österreich hat eine neue Ampelregierung, der Gaza-Krieg stoppte nach furchtbaren Gemetzeln usw. In der katholischen Kirche – meinem langjährigen Arbeitsfeld – endete die Ära von Franziskus und Schönborn, jene von Leo und Grünwidl begann.

Ab 1. Dezember also wie gehabt tägliche „Kästchen“ mit Wissenswertem und Unterhaltsamem, mit Persönlichem und Allgemeingültigem rund um die Frage, wie etwas anfängt oder aber aufhört. Ich werde dafür meine heuer eingerichtete Website www.robertmitschaeibl.eu nutzen (auf der auch sämtliche Adventmails der vergangenen Jahre verewigt sind!), auf den zusätzlichen Kanälen Facebook und Mailversand wird es nur mehr „Appetizer“ geben.

Seit ich dieses Projekt im Dezember 2002 begann, sind Advent(s)kalender – analog und digital – zahlenmäßig geradezu explodiert. Zuletzt sah ich 24 im Advent zu öffnende Gewürzgläschen, zudem Minibüchlein mit Zusammenfassungen von Literaturklassikern und Geolino-Anleitungen für kindlichen Experimentierspaß. So viel „Konkurrenz“ in einer ohnehin allzu geschäftigen Zeit könnte mich zum Verstummen bringen. Tut es aber nicht. Dazu hab ich viel zu viel Freude am Brainstormen, Recherchieren, Formulieren und zu viel Ermutigung seitens des „Stammpublikums“, zu dem ja auch DU zählst. Am Montag beginnt’s, ad multos annos!

Noch ein Hinweis: Am Mittwoch, 10. Dezember, wird es um 19 Uhr in der autofreien Siedlung in Wien-Floridsdorf (Nordmanngasse 27, „Aquarium“) eine Best-of-Lesung meiner Adventmails geben. Ich gestalte den Abend gemeinsam mit der Autorin Sonja Rosenzweig, die bereits Leseerfahrung in der Siedlung hat. Wäre schön, wenn Du Dir dafür Zeit nehmen würdest!

„One Battle After Another“ (Paul Thomas Anderson, USA 2025) *****

Es geht um eine Gruppe revolutionärer Linker aus Los Angeles, die wegen ihrer Attacken gegen das System vom Militär gesucht werden. Näherhin geht es um zwei Kämpfer, die der Kämpferin Perfidia Beverly Hills verfallen sind: Um ihren Mitstreiter Bob (Leonardo DiCaprio) und den erzkonservativen Befehlshaber Steven J. Lockjaw (Sean Penn), der auf beide Jagd macht und dabei ganz eigene Ziele verfolgt. Was Sean Penn hier darbietet, ist Schauspielkunst vom Feinsten. Würde mich nicht wundern, bekäme er dafür einen Oscar.

Auch für den von mir geschätzten deutschen „Filmdienst“ ist Penn „der eigentliche Star des Films […], der die freudlose Figur des Obersts mit steifem Gang und nervösen Gesichtszuckungen oft am Rand zur Karikatur verkörpert, ihr aber auch eine tragische Dimension verleiht, die sie verletzlich und nahbar wirken lässt“ und die einem am Ende „fast leid tut“.

Der auf zwei Zeitebenen angesiedelte 162-Minuten-Film von Regisseur und Drehbuchautor Paul Thomas Anderson („Licorice Pizza“, „There Will Be Blood“) zeigt die US-Gesellschaft als bürgerkriegsähnliches Kampfgebiet, in dem konträre Ideologien aufeinanderprallen. Perfidia und Bob kämpfen zwar gegen Kapitalismus und Ausgrenzungspolitik, sind aber selbst problematische Charaktere mit über Leichen gehende Radikalität auf der einen und dauerbekiffter Paranoia auf der anderen Seite. Am „normalsten“ kommt da noch die im zweiten Teil zur Heldin gezwungene 16-jährige Tochter Willa rüber. Spannend jedenfalls. Empfehlung.

Lisette Model, Retrospektive. Albertina ****

Und wieder mal ein Beweis, was für einen fatalen Aderlass an Kreativität und Intellektualität das NS-Terrorregime in Österreich verantwortete: Die aus einer jüdischen Wiener Familie stammende Lisette Model (1901–1983) wurde erst nach Frankreich, dann in die USA vertrieben. Heute gilt sie als eine der einflussreichsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Die noch bis 22. Februar 2026 geöffnete Ausstellung in der Albertina zeigt eine umfassende Retrospektive ihrer wichtigsten Werkgruppen von 1933 bis 1959. Etwa eine Fotoserie von der Promenade des Anglais in Nizza, auf der in den 1930ern die gelangweilte Haute volée in demaskierenden Posen abgebildet ist. Models Fotos erschienen 1941 in Harper’s Bazaar in den USA unter dem provokanten Titel „Why France Fell“.

Weitere Serien zeigen Badende auf Coney Island, die triste soziale Realität auf der Lower Eastside, Studien über Jazz-Stars wie Billie Holiday oder Ella Fitzgerald oder Opernbesucher:innen in San Francisco. Vielen Bildern stünden heute Datenschutzbestimmungen entgegen, denn die Abgebildeten würden gegen ihre für sie wenig vorteilhafte Zurschaustellung protestieren. Dabei finde ich gerade diese Charakterköpfe und ihre Lebens-Haltungen so interessant.

Lesung Milena Michiko Flasar, Buchhandlung Seeseiten, 19.11.25 *****

Meine zweite Lesung in der äußerst sympathischen Buchhandlung Seeseiten in der Seestadt – diesmal präsentierte Milena Michiko Flasar mit dem Kurzgeschichtenband „Der Hase im Mond“ und dem Essay „Sterben auf Japanisch“ gleich zwei Bücher. Die Lesung erfolgte vor allem aus dem ersten: Es ging um ein in Alltagsroutine erstarrtes japanisches Paar um die 30, die durch die Beobachtung einer Frau, die jener aus dem Paar bis aufs Haar gleicht, erst fasziniert und dann zunehmend aus der Bahn geworfen wird. Wie Flasar, Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters, die langweilig gewordene Beziehung der beiden Hauptfiguren in wenigen Sätzen schildert, ist einfühlsam und glaubwürdig. Noch beeindruckender fand ich, wie die Autorin liest: akzentuiert, flüssig, fehlerlos wie eine professionelle Schauspielerin. So würde ich das auch gerne hinkriegen, wenn ich in drei Wochen erstmals meine Adventmails vor Publikum vorlese.

Als optimistische Ergänzung zu dem etwas unheimlichen Text aus „Der Hase im Mond“ las Flasar einen kurzen Abschnitt über Erlebnisse in ihrer zweiten Heimat Japan. Güte führt zu Güte führt zu Güte…, hieß es da abschließend.

Von der japanisch-österreichischen Schriftstellerin habe ich noch kein Buch gelesen, nur ÜBER sie. Der gestrige Abend war aber ein Anstoß, diese Lücke zu schließen.

Christa Englinger/Christian Hlavac: 99 Fragen zu österreichischen Sehenswürdigkeiten. Ueberreuter 2015 ****

Dieses Buch war der Siegespreis für eine Art Rätselrallye durch die Wiener Innenstadt, gespendet von Guide Wolfgang Reisinger bei einer anlässlich meines Geburtstags bei ihm gebuchte Führung. „In Wien ein Besserwisser … aber auch in ganz Österreich?“ schrieb er hinein.

Die 99 Fragen – oder besser: Kapitel – zu Themen wie Geografie, Kultur, Geschichte, Verkehr und Technik, Gastlichkeit sowie „Potpourrie“ sind angetan, Allgemeinwissen über Österreich zu steigern, und auch unterhaltsam. Wobei: Manche Fragen hätte ich so nicht gestellt (Wann entstand die Eisriesenwelt in Werfen? Was warf der heilige Domitian der Legende nach in Kärntens tiefsten See?), andere waren für mich als Steirer/Theologe/Germanist leicht zu beantworten (Ist die Grazer Murinsel tatsächlich eine Insel?Wodurch zeichnet sich die Wotrubakirche in Wien aus?).

Kein Buch, das man von A bis Z durchliest. Aber eines, das am stillen Örtchen stehen könnte und dort immer wieder zur Hand genommen wird.

„Elements of(f) Balance“, (Othmar Schmiderer, Ö 2025) ****

In der Tradition österreichischer Filmdokus über Missstände in Natur und (Arbeits)Welt durch Regisseure wie Nikolaus Geyrhalter, Erwin Wagenhofer und den früh verstorbenen Michael Glawogger begab sich der bereits 71-jährige Salzburger Othmar Schmiderer auf eine Recherchereise rund um die Welt. Im Fokus stehen gefährdete oder gesundende Ökosysteme inmitten einer auf Ausbeutung ausgerichteten Welt: Bodenbehandlung auf einem österreichischen Bergbauernhof, Revitalisierung eines toten Forstes in Thüringen, schwimmende Beete in Bangladesch oder Wiederbepflanzung in Chinas Wüstenregionen geben Hoffnung auf eine ökologische Wende, der Blick ins auch durch den Krieg höchst gefährdete Donaudelta zwischen Rumänien und der Ukraine oder in die quallenverseuchte Adria viel weniger.

Am verblüffendsten für mich waren die Erläuterungen über die faszinierende Welt der Pilze und Myzele und sich dabei ergebende Möglichkeiten für zukünftiges Bauen und Sich-Kleiden. Verleiher Filmladen über den am 5. Dezember in den Kinos startenden Schmiderer-Streifen: „Nicht dystopische Zukunftsvisionen stehen im Mittelpunkt, sondern ein neues Bewusstsein und neue, konkrete Möglichkeiten, die sich der Menschheit bieten, wenn verstrickte Lebensformen und vergessene Allianzen die Grundlage des Umgangs mit der Natur sind.“

Stimmt, dachte ich nach der Presse-Preview. Aber warum Kino und keine mindestens so brauchbare arte-Doku?

Marina Abramović, Albertina Modern, 17.11.2025 ****

Marina Abramović (1946 in Belgrad geboren) gilt als eine der wichtigsten zeitgenössischen Performance-Künstlerinnen. Sie setzt sich selbst und ihren Körper vor Publikum aus, dessen Reaktion Teil des künstlerischen Prozesses werden soll – etwa in ihrer frühen Performanceserie „Rhythm“: Ein weiß gedeckter Tisch mit Utensilien wie Ketten, Messer, Schal, Rasierklingen, einer dornigen Rose u.a. lud Besucher:innen dazu ein, damit und mit der regungslos davor stehenden Künstlerin etwas zu gestalten. Männer entblößten sie, legten ihr eine Kette um, küssten sie, verletzten sie mit Dornen – bis sie durch Blickkontakt Scham auslöste. Noch reduzierter Abramovićs Aktion „The Artist is Present“: Da saß sie stundenlang nur da und blickte einem wechselnden Gegenüber in die Augen – so lange, wie der/die Gegenübersitzende das wünschte.

An den Wiener Aktionismus und Valie EXPORT erinnert Abramovićs Zusammenarbeit mit ihrem Lebenspartner von 1976 bis 1988, Ulay: Zu sehen sind Videos mit wechselndem Anschreien, Ohrfeigen, Selbstverletzungen. Explizit politisch wurde ihr Schaffen mit dem Krieg in Ex-Jugoslawien. Aufgetürmte blutige Rinderknochen und filmische Ausführungen über die Vernichtung von Ratten veranschaulichten die alltägliche Gewalt.

In ihrem Spätwerk wendet sich die inzwischen fast 80-Jährige immer mehr der Natur und der darin verborgenen Spiritualität zu. Esoterisch mutet z.B. die Einladung an die Albertina-Besuchenden an, die Energie verschiedener Metalle und Gesteine durch Anlehnen oder Draufliegen zu erspüren. Naja.

All das verstört und fasziniert zugleich. Es weckt Lachen und Angst, Wut und Abscheu, Scham und Voyeurismus – jedenfalls Neugier. Und hielt mich knapp zwei Stunden in der noch bis 1. März 2026 zugänglichen Sonderausstellung fest.

„Girls & Gods“ (Arash T. Riahi, Verena Soltiz, Ö/Ch 2025) *****

Können Feministinnen religiös sein, gläubige Mitglieder einer abrahamitischen Weltreligion? Wenn es nach der ukrainischen Femen-Aktivistin („Pussy Riot“) Inna Schewtschenko geht, eher nicht. Sie betrachtet Christentum, Judentum und Islam als unheilbar patriarchalisch und zitiert dazu die mir noch von meinem Theologiestudium bekannte Mary Daly: „If God is male, then male is God.“ In einer der ersten Szenen des auf einem Drehbuch Schewtschenkos basierenden Film sind barbusige Feministinnen zu sehen, die in Kiew triumphierend ein Holzkreuz umsägen und danach schnell die Flucht ergreifen. Ohje, dachte ich da. Das wird jetzt ein filmisches Pamphlet, das Identifikationsfiguren keinerlei Raum gibt, die Religion und Feminismus sehr wohl für vereinbar halten. Da kann dann auch ich nicht mit, denn ein Gott, der Unterdrückung von Frauen gutheißt oder sogar verlangt, ist weit entfernt von dem, an den ich glaube.

Aber dem war dann gar nicht so. Es kamen auch religiös offene wie die (widerrechtlich geweihte) katholische Bischöfin Christine Mayr-Lumetzberger zu Wort, selbstbewusste Musliminnen, die aus Überzeugung den Hidschāb tragen, eine jüdische transsexuelle Rabbinerin u.a. Schewtschenko traf sich mit diesen Frauen in Europa und in den USA, widersprach ihnen zu Themen wie Abtreibung und Bekleidungsvorschriften, ließ ihre andere Sichtweise aber letztlich gelten.

Schmunzeln machte mich die russische Pussy-Riot-Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa, die wegen ihrer feministischen Haltung ins Gefängnis musste und dort – „It was a torture!“ – nur die Bibel zu lesen bekam. Jesus sei ihr dabei sehr sympathisch geworden, und sie habe bei der Lektüre genug Stoff zum Argumentieren gegen die Putin-freundliche, den Krieg rechtfertigende russisch-orthodoxe Kirchenleitung gesammelt.