Adventmail 2010/06 (Namenstage)

Franz von Assisi verehren drei Konfessionen, Nikolaus von Myra aber gleich sieben. Er ist also sowas wie ein christlicher Superheiliger, an dem man auch als innovationsfreudiger Adventkalenderproduzent nicht vorbeikommt, zumal er ja auch die Vorlage für Santa Claus ist.
Zunächst aber zu Thomas Nast, einem 1846 nach New York ausgewanderten deutschen Karikaturisten. Zu Weihnachten 1863 zeichnete er während des Amerikanischen Bürgerkriegs für „Harper’s Weekly“ einen alten Vollbartträger, der von einem Schlitten herab die Soldaten der Unionstruppen beschenkt. Vorbild war der pfälzische „Belznickel“, eine Pelz tragende Weihnachtsmannfigur aus dem 19. Jht., die Nast noch aus Kindheitstagen kannte. Als man Nast später bat, seine Zeichnung zu kolorieren, wählte er die Farben rot und weiß. Später wurde daraus der Pfeife rauchende, altersfidele Santa Claus. Ihn stellte Nast bis zu seinem Lebensende 1903 immer wieder dar.
In den 1920er Jahren setzte sich die heute bekannte rotweiße Robe des Weihnachtsmanns immer mehr durch. Die „New York Times“ schrieb 1927: „Ein standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern. Größe, Gewicht, Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart.“ Den letzten Schub zur weihnachtlichen Allgegenwart bekam Santa 1931 durch eine Coca-Cola-Werbekampagne, die ebenfalls nach Nasts Vorlage gestaltet wurde.
Und jetzt noch ein Voting* darüber, was Ihr eher mit Weihnachten assoziiert, liebe FreundInnen: die schlichte Krippe des Franziskus mit dem neugeborenen Jesuskind als Symbol für die gottgewollte Macht der Machtlosigkeit – oder der schweiß- und kommerztriefende, pädophilieverdächtige Fettsack als Verhohohöhnung des Kinder beschenkenden Bischofs Nikolaus aus dem 4. Jht.?

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