Adventmail 2010/24 (Namenstage)

Mit Adam, „dem von der Erde Genommenen“, dem „Erdling“, fing alles an, berichtet der biblische Mythos: Geschichte, Kultur, Entwicklung der Menschheit. Als Adam mit seiner Eva, „der Leben Schenkenden“, seine Nacktheit erkannte, war der Übergang vom Tier zum Menschen ebenso vollzogen wie mit dem Verzehr der Frucht vom Baum der Erkenntnis.
Dass am Heiligen Abend nicht Jesus Namenstag hat, sondern Adam (und mit ihm alle Vorfahren des Menschensohns wie Abraham, David, Salomo…), ist Ausdruck der Überzeugung, dass mit der Geburt eines „göttlichen Kindes“ in einem ärmlichen Stall etwas Neues begann.
Was könnte das sein – jenseits von theologisch Vorformuliertem wie „Gott lässt sich radikal auf die menschliche Existenz und deren Begrenztheit ein und vollendet sie durch die Kraft der Liebe“?
Vielleicht geben wir’s bescheidener: Wie wär’s mit einem Neuanfang in Form einer Politik in Österreich, die das ausdrückliche Ziel eines „guten Lebens“ für alle verfolgt, statt Lobbys zu bedienen – und zwar „mit Liebe, Mut und Phantasie“, wie jemand während meiner Studienzeit auf das Grazer Forum Stadtpark sprayte? Wie wär’s mit einer Gesellschaft, die wieder mehr auf Solidarität setzt statt auf größtmögliches persönliches Glück? Und wie wär’s im Alltag mit mehr individueller Ausrichtung an der Frage: Was ist mir wirklich wichtig, welche Spuren möchte ich hinterlassen im Leben derjenigen, die mir wichtig sind, in Bereichen, die mir am Herzen liegen?
Ich wünsche mir heuer vom Christkind eine bessere Welt. Und vielleicht kann ich ja was dazu beitragen.
Gesegnete und besinnliche Weihnachten wünscht Euch allen herzlich
Robert

Adventmail 2010/23 (Namenstage)

Die katholische Kirche gedenkt heute Hartmanns, des Bischofs von Brixen in der Kreuzzugszeit. Sie sollte aber auch Josef Hartmanns gedenken, der 1995 in Rage geriet, als er las, dass sich sein ehemaliger Lehrer im Knabenseminar von Hollabrunn, der Wiener Erzbischof Hans Hermann Groer, über die Verwerflichkeit gleichgeschlechtlicher Liebe ausließ. Ausgerechnet er, der Josef und andere Zöglinge unangenehm deutlich über die Freuden der Intimpflege unterrichtet und auch sonst die angemessene Distanz zwischen Erziehern und minderjährigen Anbefohlenen missachtet hatte.
Hartmann gab via „profil“ den Anstoß zu einem Skandal. Es folgte eine päpstliche Visitation, Groers Nachfolger Schönborn u.a. Bischöfe kamen zur „moralischen Gewissheit“, dass die Anschuldigungen gegen den mittlerweile Zurückgetretenen zutrafen.
Die Kirche lernt langsam, aber sie lernt: Ombudsstellen für Missbrauchsopfer wurden in allen Diözesen eingerichtet, Richtlinien für Priesterausbildung und Umgang mit Minderjährigen erstellt. Aber es bedurfte eines weiteren Skandals – diesmal ausgelöst durch Missbrauchsfälle an einer Berliner Jesuitenschule – um „Altlasten“ nicht weiter zu verleugnen, sondern ehrlich aufzuarbeiten sowie Prävention konsequent zu regeln.
Ich teile die Einschätzung, dass es eines „reinigenden Feuers“ in Bezug auf Missbrauch bedurfte. Ich habe Respekt für Schönborns Reden und Handeln dazu. Missbrauchsopfer bekommen Entschädigungen auch dann, wenn Ansprüche längst verjährt sind. Das ist ok und auch notwendig für eine Institution, die von Glaubwürdigkeit lebt.
Weiter so, z.B. in Bezug auf die Zölibatspflicht für Priester. Da wäre mal unvoreingenommen zu fragen, was die mit allen Beteiligten macht – mit den berufenen Männern, den Frauen, in die sie sich trotzdem verlieben, etwaigen Kindern, den „Beseelsorgten“ usw.

www.youtube.com/watch?v=PqG8hnZ94hc

Adventmail 2010/22 (Namenstage)

Francesca Cabrini, die heutige Jubilarin, wurde 1850 als jüngstes von 13 Bauernkindern in der Nähe von Mailand geboren und tat schon als Mädchen viele gottgefällige Werke. Und mehr noch, als sie 1880 den Orden der „Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen“ gründete – nicht zu verwechseln mit der 20 Jahre später in Münster gegründeten gleichnamigen Schwesterngemeinschaft (nicht umsonst witzelt man, dass nicht einmal der allwissende Gott die zahllosen Frauenorden alle kennt).
Francesca ging in die USA, erst nach New York, dann nach Chicago und kümmerte sich mit ihren Mitschwestern um die italienischen Einwanderer (ob auch Al Capone ihr Schützling war, ist unbekannt). Nicht weniger als 67 Einrichtungen – Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und Klöster – gehen auf ihre Initiative zurück. Mutter Cabrini erhielt im Jahre 1909 die amerikanische Staatsbürgerschaft und wurde 1946 als erste amerikanische Bürgerin heiliggesprochen. Seit 1950 ist sie Patronin der Migranten.
Das Leben in einer Ordensgemeinschaft hat seit geraumer Zeit eine gewisse Sogwirkung auf mich. Ein „Wohnprojekt“ in überschaubarer Größe, dazu interne Güterteilung, weltzugewandte Solidarität, auch Spiritualität in nicht übertriebenem Ausmaß – all das klingt gut in meinen Ohren. Weniger gut die traditionellen Ordens-Prinzipien Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit/Keuschheit. „Mein“ Orden sollte Billardtisch und Heimkino nicht verbieten, auf Beratung und Dialog statt auf Ja und Amen setzen und Männlein und Weiblein nicht trennen. In „meinem“ Orden sollte es Kinder und Pensionisten geben, regelmäßig ausgelassene Feste, viele Zeitschriften-Abos, Spieleabende, Berufstätigkeit und Urlaub, einen Raum für Gebet und Meditation und eine Gastwohnung für Asylwerber.
Möchte nicht jemand von Euch sowas gründen?

Adventmail 2010/21 (Namenstage)

In Kärnten glaubte man, in der „Thomasnacht“, der längsten des Jahres, in die Zukunft sehen zu können. Ein bei Jungbauern beliebter Brauch war das „Zaunstecken zählen“: Man nannte eine Zahl und zählte dann rechts von der Zauntür den entsprechenden Zaunpfahl ab. Dessen Aussehen sollte jenem der zukünftigen Liebsten entsprechen: jung und frisch oder alt und morsch.
In Altbayern wiederum glaubte man an die Weissagung in Träumen in jener Nacht: Wenn sich eine ledige Frau vor ihrem Bett ganz nackt auf einen Schemel stellte und folgenden Spruch aufsagte, dann sollte sie im Traum ihren künftigen Mann sehen: „Betschemel, i tritt di, heiliger Thomas, i bitt di, lass mi sehn den Herzallerliebsten mein in dieser heiligen Nacht!“
Der heilige Thomas wurde deswegen angerufen, weil der 21. Dezember traditionell dem „Ungläubigen“ unter den Aposteln gewidmet war (erst seit der Liturgiereform 1970 ist sein kath. Festtag der 3. Juli; die Protestanten blieben beim Dezembertermin). Thomas wurde wegen seiner Zweifel an der Auferstehung Jesu berühmter als andere Apostel: Erst als er – wie verlangt – die Wundmale des Auferstandenen sehen und berühren durfte, bekannte er: „Mein Herr und mein Gott!“ Immerhin: Damit erkannte er laut der Bibel als erster der Jünger die göttliche Natur Christi.
Seine Zweifel machten Thomas zum Schutzpatron der Theologen. Das gefällt mir als skeptischer Mag.theol., und ich hätte da auch ein paar Fragen in Bezug auf Glaubenswahrheiten – Fragen, die mir das Studium nicht schlüssig beantworten konnte: Wofür hat Jesus sich selbst gehalten? Steht Gott auf stellvertretendes Leid? Warum nützt er seine Allmacht nicht für unschuldige Tsunami-Opfer? Und wer bitte soll das mit der Trinität verstehen?

Adventmail 2010/20 (Namenstage)

Klatsch und Promi-News aller Art interessieren mich nicht, bedaure. Mir ist schnurz, was sich Hollywood-Starletts in die Nase ziehen, wie viele Aufgüsse schwedische Könige sich wo und in welcher Gesellschaft gönnen und welche Lidschatten-Tipps Frau Merkels Äußerem zum Vorteil gereichen könnten.
Manchmal stolpere ich aber doch über was, das das gelangweilte Kopfschütteln zu einem „Das darf doch nicht wahr sein!“ steigert. Vor einiger Zeit fügte ich der Sammlung journalistischer Kuriositäten auf meinen Toilettefliesen einen Zeitungsausschnitt mit Foto hinzu: Dieter Bohlen räkelt sich da in der Sonne neben einer viel zu jungen Streckbett-Genossin. Und der Bildtext darunter teilte mit, dass Bohlens Neue „Fatma“ heißt, „doch der Name der Berlinerin gefiel ihm nicht, deshalb nennt er sie Karina“ (eine Variante von Katharina). Und dann heißt es noch: „Er (Bohlen) bot ihr bereits eine Brustvergrößerungs-OP an.“
Ich war baff angesichts von so viel unverblümtem Machismo. Ob Fatma manchmal den Impuls verspürt, ihrem Dieterle zu sagen, „du, Bohlen gefällt mir nicht mehr, ich nenne dich ab jetzt ‚Öztürk'“. Vielleicht sollte ihr jemand mit vielsagender Miene mitteilen, dass ihr eigentlicher Name arabischer Herkunft ist und „Die, die sich entwöhnt“ bedeutet…

Adventmail 2010/19 (Namenstage)

Die „Noah“ ist eine weiße Rebsorte, hervorgegangen aus einer Kreuzung amerikanischer Spezies. Sie hat einen nur leichten Fox-Ton – so heißt der typische Erdbeerton im Winzerdeutsch – und kommt im Südburgenland häufig in der lokalen Spezialität Uhudler vor. Von dem ich mir jetzt mal ein Glaserl gönne…
DIE Noah kommt latürnich von DEM aus der Sintfluterzählung bekannten Noah (sprich: Noach), der als Begrünner des Weinbaus gilt *hicks*, weshall de Steira heut no singen: „Da Adam hot d’Liab aufbrocht, da Noah den Wein, da David des Zitherspül’n, ’s miassn Steira g’we’n sein.“
Der Herrgott hat den Noach zwar gerretet *hicks*, aber gans ohne Fehl un Tadel war der ARCH-itekt (der war gut, net?) auch nich. Ein alter Sünder sozagen. Weil einmal hat er si so antschechert, das er ein schlief + garnet mertke, daß er … ein Glaserl geht no …. dass er … wo war i jetzt?, ahja, daser unterrum pudelnackert war und sich siene drei söhne gschämt haben undden Mantel des Scweigens, pschscht, über dem StammPApa seinn … Stamm *hicks*
gähntest mussins bet morng mehr

Bonusdreck: http://www.youtube.com/watch?v=6B26asyGKDo
http://www.youtube.com/watch?v=qQaLzjnD4Xc

Adventmail 2010/18 (Namenstage)

Beim Namen des heutigen Tagesheiligen – Wunibald – muss ich schmunzeln. Es ist nämlich so:
Der Programmierer der Software meiner Redaktion, früher Geschäftsführer, trägt die Vornamen Michael W. Wofür das „W.“ steht, fanden wir Redakteure nie heraus, waren aber in unserer Phantasie herausgefordert. W. wie Waldebert? Wedekind? Wanja? Oder gar W. wie „Wiesengrund“, das der deutsche Philosoph zwischen Theodor und Adorno zwängte?
Wir entschieden uns – ohne Wissen des Betreffenden – für Wunibald. Seine oft nicht gerade bedienerfreundlichen Programmier-Ergebnisse bekamen dementsprechend die negativ konnotierte Bezeichnung „Wunisoft“.
Trotz der Freude am Herumspötteln bin ich auf Michael „Wunibald“ auch ein wenig neidisch. Während meine Geschwister (Andreas, Kerstin), meine Ex- und meine Jetzt-Claudia (Maria Antonia Martha bzw. Maria Renate) und auch meine Söhne (wie Ihr schon wisst: Erasmus, Jeremias, Franziskus) allesamt über prächtige Zweit-(und Mehr-)namen verfügen, heiße ich nur Robert. Sonst nix. Enttäuschend, irgendwie. Weshalb ich mir in Studienzeiten selbst einen (inoffiziellen) zweiten Vornamen verpasste: Pilgrim, also Pilger, einer, der auf dem Weg ist. Aber so was ist halt nur eine halbe Sache…

Adventmail 2010/17 (Namenstage)

Adelheid, es ist so weit“ war der inoffizielle Wahlspruch des preußischen Kürassier-Regiments der Gardes du Corps. Es wurde 1740 von Friedrich II. gegründet. Mit dem Wahlspruch wurde auf ein Zitat des Rittmeisters Achatz von Wacknitz in der Schlacht von Roßbach angespielt, in der die Preußen 1757 im Siebenjährigen Krieg gegen das Kaiserreich Österreich, gegen Frankreich und Russland einen überraschenden Sieg landete. Spöttisch hieß es danach: „Und kömmt der große Friederich und klopft nur auf die Hosen, So läuft die ganze Reichsarmee, noch mehr als die Franzosen.“
Über Friedrich ist an anderer Stelle zu lesen: „Der Friederich, der Friederich, Das war ein arger Wüterich“ (1845, Heinrich Hoffmann, „Struwwelpeter“). Erneut ein Menschenalter später sangen die Comedian Harmonists „Veronika, der Lenz ist da“ (1930).
Reime mit Namen haben immer wieder Menschen erfreut (wobei: Bei „Adelheid“ ging es gar nicht um einen Frauennamen, des Rittmeisters Spruch war vielmehr auf den Adel oder auf ritterliche Gesinnung gemünzt).
Auch Ostfriese Otto Waalkes nahm sich Friedrichs in einem Gute-Nacht-Lied an und dichtete: „Das erste Schaf hieß Friederich, das war erschreckend niederich.“ Und weiter: „Das zweite Schaf hieß Dörte, weil es so gerne röhrte, / das dritte Schaf hieß Gunter, wollte nie von Dörte runter…“
Nun ja. Lustiger finde ich Josef Haders „Lied von den Leuten, die nicht ins Kabarett gehen“:
Und die Karin liegt im Bett statt im Kabarett /
und macht durt ganz wunderschene Sochn. /
Sie mocht mitn Koarl an klan Koarl, /
so an Koarl kaun ich ihr ned mochn.

Oder:
„Und die Irmgard, und die Irmgard /
war’ heit do, wenn sie da Franz ned wiargn tat. /
Z’erscht hot er ’tan, wia waun er auf sie fliagn tat, /
und jetzt war’ er froh, waunn sie si wieda riarn tat.“

Weitere Beispiele dieser „Namensdichtung“ kennt jeder von uns. „Wie die Nase eines Mannes … “, „Jetzt kommt Kurt, ohne Helm und ohne Gurt.“
Eher schwarzhumorig sind die Reime nach dem Muster: „Allen steht das Wasser bis zum Hals – nur nicht Rainer, der ist kleiner“ oder „Alle Kinder sitzen ums Lagerfeuer –nur nicht Brigitte, die sitzt in der Mitte.
Habt Ihr das selber auch schon mal versucht für euch selbst oder Leute in eurer Umgebung? Sowas wie: „Der Fabian, der Fabian, der will so gerne Trabi fahr’n.“
Oder: „Die Sitha, die Sitha, hot ein neichn Mieter. / Es ist die Rita, und des is bitter, vü liaber war ihr g’wen der Dieter.“
Und jetzt Ihr: …

Adventmail 2010/16 (Namenstage)

Ein Dietrich war nicht nur der heute im Kirchenkalender verzeichnete Abt von Rommersdorf, er ist auch ein Werkzeug von Dieben und Polizisten zum Öffnen von Schlössern.
Schon im 14. Jht. wurden Nachschlüssel scherzhaft mit Männernamen bezeichnet, z.B. Peterchen oder Kläuschen. Es wird angenommen, dass bei Dietrich (seit dem 15. Jht. belegt) der Anklang an Dieb, bei Peterchen der Gedanke an Petrus mit dem Himmelsschlüssel eine Rolle spielten.
Der klassische Dietrich ist ein sehr einfaches Sperrwerkzeug und dient lediglich zum Aufsperren von Buntbart- bzw. Besatzungsschlössern. Wesentlich ausdifferenzierter sind die beim Lockpicking („Schloss-Stochern“) verwendeten Gerätschaften wie Spanner, Hook, Schneemann oder Six Mountains.
Lockpicking hat sich in den letzten Jahren zu einer Art Sport entwickelt. Der deutsche Verein „Sportsfreunde der Sperrtechnik e.V.“ veranstaltet jährlich Meisterschaften. In verschiedenen Disziplinen werden diejenigen zum Sieger gekürt, die Schlösser in möglichst kurzer Zeit öffnen können, ohne sie zu beschädigen. Die Besten schaffen es hierbei, auch als sehr sicher geltende Schlösser in teilweise weniger als einer Minute zu öffnen. Workshops zur Steigerung der Fingerfertigkeit werden angeboten.
Falls dies jetzt jemanden beunruhigt: Der Verein hat einen Kodex, demzufolge die Tätigkeiten grundsätzlich nicht für kriminelle Zwecke missbraucht werden dürfen. Na dann…

Adventmail 2010/15 (Namenstage)

„Ich war zu Hause unter meiner kalten Brause. Da kam Herr Wichsmann unter meinen Wasserhahn. Ach, war das toll…“ Das sang 1978 die damals noch blutjunge, rotzfreche, eben erst aus der DDR rausgeworfene Nina Hagen im Song „Heiß“ auf ihrer viel beachteten ersten LP. Laut ihrer heuer erschienenen Autobiographie „Bekenntnisse“ hatte die in einem atheistischen Umfeld aufgewachsene Stieftochter des Liedermachers Wolf Biermann damals ihre erste Begegnung mit Jesus schon hinter sich. Nina hatte unter Drogeneinfluss ein Nahtod-Erlebnis und erkannte dabei, dass Jesus – so schreibt sie jetzt – „mein Herr, mein Retter und bester Freund seit meinem 17. Lebensjahr“ sei.
Bis zu ihrer Taufe im Jahr 2009 folgten noch viele Umwege und Sackgassen. Exzesse in der Londoner Punkszene der 1970er, Exzentrik bei jedem öffentlichen Auftritt, Sexhibitionismus im ORF-„Club 2“, Experimente mit dem Hinduismus (ihre schauspielende Tochter heißt Cosma Shiva) – von dem sich Nina enttäuscht wieder abwandte.
Jesus sei ihr immer nah geblieben, beteuert die teilweise nervend schrille Sängerin heute. Viele Machtstrukturen der irdischen Kirche seien ihr lange fremd geblieben, doch schließlich habe sie mit der Taufe „eine lange Liebesgeschichte besiegelt“.
Als ausgewiesene Christin wurde Nina Hagen auch „Kathpress“-kompatibel. Ein dort tätiger Kulturredakteur mit wachem Blick für Musik von Punk bis Klassik erwähnte ihre jüngste, auf Gospel fokussierte CD „Personal Jesus“ und zitierte sie mit der Aussage, die gegenwärtige Missbrauchskrise werde einen Anstoß zur Erneuerung von Kirche und Gesellschaft geben. Es sei positiv, dass lange verdrängte Verfehlungen ans Tageslicht kommen, denn „die Wahrheit wird uns frei machen“. Die katholische Kirche werde „hoffentlich eine richtig gute Reform auf den Weg bringen“. Ach, leg dafür doch ein gutes Wort bei deinem besten Freund ein, Schwester Nina!