RME schreibt weiter …

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RME lautete mehr als 30 Jahre lang mein Kürzel als Nachrichtenredakteur. Seit Anfang 2025 pensioniert, arbeite ich, Robert Mitscha-Eibl, als freier Journalist. Und ich schreibe weiter Kulturkritiken, Reiseberichte, Artikel, Kommentare, Adventmailserien. Über Themen, die mich (und vielleicht auch dich) interessieren. Weil mich das geistig rege hält, es mir Spaß macht und ich mich gerne mit Freund:innen über Gott und die Welt austausche. Und auch, weil das hier etwas ist, mit dem ich mich bei meinen Nachkommen in Erinnerung halten möchte.

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RME liest ...
RME liest: Buchkritiken v.a. Belletristik, aber auch Fachliteratur, Graphic Novels …
Robert schreibt ...
RME schreibt: Artikel aus näherer Vergangen-heit, Kommentare …
FILM. Robert sieht ...
RME sieht: Filme, z.B. mit meiner Kinorunde, vereinzelt auch Gestreamtes …
MUSIK. Robert hört ...
RME hört: Favoriten und Entdeckungen im weiten Feld der Musik, Konzertbesuche …
AUSSTELLUNG. Robert besucht ...
RME besucht: Aus-stellungen, Theater, Events …
KOMPASS. Fobert fährt nach ...
RME fährt nach: Reiseberichte über Ausflüge/Urlaub …
ADVENT. Robert adventmailt ...
RME adventmailt: gesammelte Adventmails, die ich seit 2003 alljährlich versende …
TERMINE. Robert kündigt an ...
RME kündigt an: Termine/Events, bei denen ich über Begleitung froh wäre …
MEIN LEBEN. Robert biographiert: Erzählenswertes aus meinem Leben
RME biographiert: Erzählenswertes aus meinem Leben

In Pension – und was jetzt?

Viel reisen, Rad fahren, lesen, Beziehungen pflegen, und als Journalist muss ich ja arbeitsmäßig nicht von 100 auf 0 Prozent wechseln … so umschrieb ich meine Erwartungen an die Pensionszeit vor deren Antritt mit Jahreswechsel 2024/25. Nach gut zwei Monaten eine erste Bilanz: Es ist schon sehr viel anders geworden in meinem Alltag.
Schon alleine das Wegfallen des von der Arbeit dominierten Tagesablaufs: Kein Wecker läutet mehr um 7 Uhr und mahnt zum Aufbruch in die Redaktion. Dafür ausgedehntes Frühstück mit ausgiebiger Zeitungslektüre. Ausstellungsbesuche mit der zu Weihnachten geschenkten Bundesmuseen-Card. Mehr Zeit als je zuvor mit der ebenfalls frisch pensionierten Ehefrau verbringen (was schon davor zutage tretende Unterschiede im Lebensstil noch offenkundiger macht). Den Kontakt mit meinen Söhnen und deren Familien intensivieren – was auch an zwei neugeborenen Enkelinnen im Februar innerhalb von nur 24 Stunden lag. Ausflüge nach Bad Tatzmannsdorf, Bad Schönau und Graz. Joggen an der Alten Donau. Zeit verplempern durch Internetsurfen, TV und Videos in den Social Media.
Etliches noch auf der To-do-list, z.B. eine Form sozialen Engagements, die „egoistische“ Pläne wie Reisen erlaubt. Immerhin: eine eigene Website als Großprojekt zumindest ansatzweise umgesetzt.
Also: Vieles noch ungewohnt, aber ich übe …

Entspannung ist schön. Aber da ist noch mehr…

„Der Lehrer, der uns das Meer versprach“ (Patricia Font, Sp 2023) **** 3.3.25

Spanien war noch eine brutale Diktatur, als ich längst geboren war. Bis 1975 dauerte das Franco-Terrorregime, dem Tausende Oppositionelle zum Opfer fielen, viele davon namenlos in Massengräbern verscharrt. Einer davon war Antoni Benaiges (Enric Auquer), der kurz vor Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs Grundschullehrer in einem kleinen, abgelegenen Dorf in der Provinz Burgos wird. Dank seiner fortschrittlichen, antiautoritären Unterrichtsmethoden baut er schnell eine vertrauensvolle Beziehung zu seiner Klasse auf. Doch der freundschaftliche Umgang mit den Kindern wird von Eltern und Dorfgrößen argwöhnisch beobachtet und dann von den faschistischen neuen Machthabern brutal beendet.
Dieser historischen Person auf der Spur geht in der etwas aufgesetzten Rahmenhandlung die Enkelin eines inzwischen schwer kranken Ex-Schülers von Benaiges. Im Zuge der Exhumierung von Franco-Opfern schafft es Ariadna, ihrem Großvater ein Stück verlorene Lebensgeschichte zurückzugeben.

Ausflug 25.-28.2.25 Graz

Ach, Graz. Dorthin zu fahren – diesmal mit der Bahn mit wohlfeilem Sparschiene-Ticket, ist jedes Mal wie ein Stück heimkommen – obwohl ich schon seit 40 Jahren nicht mehr dort wohne. Einiges hat sich seither verändert: das „friendly Alien“ (Kunsthaus) wurde gebaut, die Acconci-Insel in der Mur, die Theolog:innen verließen die Hauptuni. Ich bezog Quartier bei lieben Freunden, den Pichlbauers, in deren gemütlichem Haus am westlichen Stadtrand, traf mit Pepi PT einen weiteren Gefährten aus meiner Studienzeit (bei einer Vernissage im Kunsthaus), stieg wie so oft auf die gotische Doppelwendeltreppe, kaufte in der Buchhandlung Moser ein, labte mich im Café Promenade, wanderte die hübsche Innenstadt ab, holte Atem in der Stadtpfarrkirche (wo ich mich wunderte, dass ich an dieser Oase der Stille alleine blieb (siehe Instagram). Und besuchte natürlich meine Geschwister: Martina in ihrer neuen Wohnung nahe dem Lendplatz, Andreas an seinem 55. Geburtstag im Restaurant unter seiner Wohnung – nachdem meine Nichte Rosa im Hinblick auf ihre Erstkommunion getauft wurde.
Schön war es auch, den Leiter des „Kultum“, Johannes Rauchenberger, in Begleitung DES Brückenbauers zwischen Moderner Kunst und Theologie, Friedhelm Mennekes SJ, zu treffen und von ihm ermuntert zu werden, die neue Ausstellung über Kultum-Gründer Josef Fink schon vor der Eröffnung zu besuchen. Den attraktiven Rahmen dafür bietet das umgebaute, seit 50 Jahren bestehende Kulturzentrum, in dem glaubensoffene Kunst und Kultur eine einladende Heimstatt hat. Ich komme wieder – ins Kultum, und nach Graz sowieso.

Die Stadtpfarrkirche in der Grazer Herrengasse – einen Besuch wert

Benoit Simmat/Tristan Garnier: Money, Money, Money (Knesebeck 2024) ****

„Ein Meisterwerk“ nennt der Pariser Finanzwissenschaftler Olivier Bossard diese fundierte, detailfreudige Kulturgeschichte des Geldes in Form einer Graphic Novel. Der Inhalt stammt vom Wirtschaftsjournalisten B. Simmat, zeichnerisch originell und witzig umgesetzt hat sie Illustrator T. Garnier. Das Werk erinnert mich an Hararis „Sapiens“, das gleich die gesamte Frühgeschichte zum Thema hat. Hier als Geld vom frühen Tauschhandel über „Währungen“ wie Kauri-Muscheln und Goldmünzen bis hin zu Wertpapieren und Kryptos.
Ich hatte mir ja erhofft, durch das Werk einen vertieften Einblick in die Mechanismen der Finanzwirtschaft zu gewinnen. Aber wenn ich ehrlich bin, verstehe ich von Geldanlage und den Fallstricken dabei weiterhin recht wenig. Mich da wirklich zu vertiefen interessiert mich auch nicht wirklich, auch wenn ich das in „Money, Money, Money“ Gebotene immer wieder durchaus amüsant fand – und dann die Ausflüge in die Münzsysteme im Kaiserreich Chinas oder die finanzhistorische Bedeutung von König Kroisos/Krösus doch etwas langatmig. Zu kurz gerieten demgegenüber die Info über die wirtschaftlichen Vorteile, die die Amis durch die Dominanz des Dollars als Leitwährung auch in der Zeit des Marshall-Plans hatten.

Ausflug 19.2-21.2.2025 Gourmet-Restaurant Triad, Bad Schönau ******

Das Triad ist regelmäßig unter den Top-Gasthäusern Österreichs und in NÖ schon länger an der Spitze – sowas wie das Steirereck am Pogusch in meiner Heimatregion. Und das zurecht, nimmt man die beiden Falstaff- und Gault-Millau-belobigten Abendmenüs zum Maßstab, die Teil des Zwei-Nächte-Packages waren, mit denen ich meine Liebste zu Weihnachten beglückte. Am zweiten Abend wurden wir sogar in die Küche gebeten und sahen Küchenmeister Uwe Machreich beim Dirigieren seiner Kulinarikbrigade zu. Erstaunlich stressarm ging’s dort zu, und zum Plaudern u.a. über die drei Teenagerkinder der Wirtsleute blieb auch noch Zeit („Wir machen das nicht für sie, sondern für uns…“).

“Weg der Blicke” rund um Bad Schönau

Nicht von schlechten Eltern auch das Frühstück und die geschmackvoll eingerichteten Zimmer. Und die landschaftlich reizvolle Umgebung der Buckligen Welt lud tagsüber zu Ausflügen aus – am Freitag z.B. 16.000 Schritte rauf zum und rund um den 896m hohen Hutwisch. Fazit: nichts für Sparmeister, aber für bewegungsfreudige Feinschmecker!

27.1.25 Ausstellung „Erwin Wurm. Die Retrospektive zum 70. Geburtstag“, Albertina modern *****

Kunst darf Spaß machen, schrieb ich auf Instagram über diese Hommage an den fünf Jahre vor mir in Bruck/Mur geborenen internationalen Kunststar. Viele kennen seinen gesellschaftskritischen Arbeiten wie die „Fat“-Skulpturen, die kleinbürgerliche Statussymbole wie Autos oder Einfamilienhäuser in einem „verfetteten“, aufgeblähten Zustand zeigen. Vergnüglich sind auch seine „One Minute Sculptures“, bei denen sich das Publikum selbst in einen Kunstkontext einbringen darf. Ich tat das auf einem Podium mit Polizeikappe, ein Museumswächter fotografierte mich in Stopp-Pose. Das postete ich zum Gaudium mancher Follower:innen später in den Social Media mit dem Text „Stopp, Trump! Lange sehe ich mir das nicht mehr an!“

Dieses Foto postete ich mit dem Kommentar „Stopp Trump!
Lange sehe ich mir das nicht mehr an…“ auf Facebook

Elizabeth Strout: Am Meer (Luchterhand 2024) *****

Mein erster Pandemie-Roman: Die Pullitzer-Preisträgerin (2009 für „Olive Kitteridge“) lässt Schriftstellerin Lucy Barton und ihren Ex-Mann William aus New York, wo sich bereits die Covid-Todesopfer häufen, nach Maine in ein Haus in einem abgeschiedenen Küstenort fliehen. Das Paar ist seit Jahren geschieden, die beiden erwachsenen Töchter und deren eigene Probleme fließen in die Handlung rund um das sich wieder annähernde ältere Paar ein. Die studierte Rechtswissenschaftlerin Strout schreibt abseits von „Juristendeutsch“. Es gibt viele kurze Erzähleinheiten, Gedankenschnipseln und Plauderton wie aus einem Notizbuch. Das zerhackt das Geschehen aber nicht etwa, sondern weckt Lust, sich in diesem Erzählstrom einzurichten.
Alle handelnden – und nachdenkenden – Figuren sind dabei glaubhaft und nachvollziehbar geschildert, sie werden einem in Freud und Leid bald vertraut. Das liest sich richtig gut und kommt ganz ohne literarischen Gestus aus. Macht Appetit auf die drei anderen Bücher der Strout, in denen Lucy Barton bereits im Mittelpunkt steht.

„Der Mauretanier“ (Kevin Macdonald, GB/USA 2021) ***** 17.2.25 (Netflix)

Filme von Streaming-Plattformen kommen hier eigentlich nicht vor – aber in diesem Fall mache ich eine Ausnahme. Denn „Der Mauretanier“ ist einer jener Filme, die mich zum Weinen bringen: aus Wut darüber, was Recht brechende Vertreter eines an sich demokratischen Staats ungestraft anderen antun können; und aus Berührtsein darüber, wie manche aufrechten Persönlichkeiten auch unter widrigsten Bedingungen humane Größe oder auch nur menschliche Gesten zeigen.
Der Film basiert auf dem Guantanamo-Tagebuch von Mohamedou Ould Slahi. Er wird nach den Terroranschlägen von 9/11 in Mauretanien festgenommen und ohne formelle Anklage ins US-Internierungslager Guantanamo Bay verschleppt. Man wirft dem Gefangenen Zusammenarbeit mit den Attentätern vor. Doch dem Chefankläger Stuart Couch (Benedict Cumberbatch) kommen Zweifel an Mohamedous Schuld, erst recht, als er – wie Mohamedous Rechtsanwältin Nancy Hollander (Jodie Foster) erkennt, dass seine Geständnisse durch Folter erzwungen wurden. Diese werden in Rückblenden drastisch gezeigt, mir ging es dabei wie beim Besuch des KZ Ravensbrück, der menschliche Abgründe offenbarte.
Der deutsche Filmdienst, dessen Wertungen ich im Allgemeinen sehr schätze, kritisierte die „streckenweise biedere, oft etwas träge Inszenierung“ Macdonalds und verlieh nur 2 von 5 Sternen. Ich komme vor dem Hintergrund dessen, was sich in der Ära Trump II gerade in den USA abspielt, zu einer anderen Wertung: politische Bildung, wie sie sein soll.

14.2.25 „Zehn Jahre magdas Hotel“

Die Caritas Wien hatte allen Grund zu feiern: Seit einem Jahrzehnt betreibt sie, „nicht auf Gewinn ausgerichtet, sondern auf Menschen“, ein Social Business. Soll heißen: sinnstiftende Arbeitsplätze und eine fundierte Ausbildung für Menschen mit Fluchthintergrund, die hier in der Wiener Ungargasse zu professionellen Gastgeber:innen werden. Von der Professionalität der Küche konnte ich mich bei diversen Brunch-Besuchen (Empfehlung!) bereits mehrfach überzeugen, Geschäftsführerin Gabriele Sonnleitner kenne und schätze ich seit ihrer Zeit bei der Caritas Österreich.
Das Jubiläumsfest an diesem so sympathischen Ort mit originell eingerichteten Zimmern war liebevoll vorbereitet, es gab wohlschmeckende Snacks und Drinks, Musik im Parterre und im 7. Stock, gute Gespräche mit alten Bekannten. Ich bin sicher. Hier wird der magdas-Wahlspruch „stay open minded“ weiter hochgehalten.