Endlich nachgeholt: Besuch bei der an meinem Geburtstag eröffneten und noch bis 11. Juli zugänglichen Jubiläumsschau zu 50 Jahre KULTUM, der Topadresse in Österreich für Brückenschläge zwischen zeitgenössischer Kunst und Christentum. “GOTT HAT KEIN MUSEUM” ist programmatisch und war bereits bei Johannes Rauchenbergers dreibändiger Bestandsaufnahme von Religion in der Kunst des 21. Jht.s titelgebend. Wer im ehemaligen Grazer Minoritenkloster museale Bildtradition mit Gott als zwei Männer und einer Taube, einer gläubig schicksalsergebenen Madonna oder einem triumphalistisch (?) leidenden Gekreuzigten sucht, ist hier fehl am Platz. Gott entzieht sich jeder Musealität, und bei so manchem Exponat stellte sich (wohl nicht nur mir) die Frage: Was hat das mit Religion/Gott zu tun?

Dass Gott/Christus in der heutigen Gesellschaft zum großen Abwesenden wurde, zeigt sich z.B. in einem Dutzend Kreuzigungsszenen, die das Künstlerpaar “zweintopf” als Puzzle (siehe Fotos unten) zusammengesetzt hat. Jesus bleibt dabei aber jeweils ausgespart, unsichtbar, unerkannt vielleicht. Er fehlt, würde Martin Walser sagen. Ganz offensichtlich und zugleich ironisch gebrochen ist die Absenz Gottes auch in Werner Reiterers „Altarentwurf“: Gezeigt wird „Gottes Schreibtisch“ mit zurückgelassenem Handy, einem abgelegten Heiligenschein und einer lapidaren Notiz auf einem Zettel: „Will be back in 5 minutes. God“. Wann er/sie wiederkommt, und ob überhaupt, bleibt offen. Religion als Tabula Rasa, sprichwörtlich wie auch buchstäblich im Letzten Abendmahl – „Ultima Cena“ – von Julia Krahn: Ein großer, nur mit einem weißen Tuch bedeckter Tisch und der darauf sitzenden Taube (Heiliger Geist?) bietet nichts Einladendes oder gar Nahrhaftes. Kein Wunder, dass auf dem Foto auch Fußabdrucke einer Weggehenden zu sehen sind.
Subtil Guillaume Bruères wie hingekritzelt wirkende Golgatha-Szene mit drei Gekreuzigten. Über dem linken steht “GOTT WO BIST ICH?” Ich statt du – wer diese Frage stellt, ist selbst ein mit (Fall-)Fehlern behafteter Verlorengegangener, der sich (und Gott?) erst finden muss.






Wie sagte Bischof Hermann Glettler, der mit seinem Geflecht aus verschweißten Sargkreuzen selbst in der Ausstellung vertreten ist, bei der Eröffnung am 26. September 2025? Das KULTUM sei ein Ort, in dem für die Gläubigen, Suchenden und Zweifelnden genügend Platz sei. Auch ich von Gott etwas Entfremdeter suche nach Halt in dieser haltlosen, wertarmen Ära – und will mich dabei, wie im “Kultum”, irritieren und provozieren lassen. Jesus macht dabei keinen Druck. ER HAT ZEIT, dachte ich mir bei Manfred Erjautz’ kühner Installation “Your Own Personal Jesus”, bei der Corpus und Arme Christi zu Turmuhrzeigern werden. Einer von vielen Exponaten im KULTUM, das zum Nach-Denken einlädt. Und je länger ich das tue, umso kostbarer erscheint mir die Schau.

Lieber Robert, wir brauchen Kundschafter wie du, dass wir selber auf den Geschmack kommen, diese Expositur zu besuchen. Expositur oder ausgesetzte Außenstelle für alle, die etwas “Verunsicherung” vertragen.
Vielen Dank.