Lesung in der autofreien Siedlung, 10.12.2025

Es war nicht meine erste Lesung aus eigenen Texten, somit ordne ich diesen Beitrag auch unter „biografiert“ ein. Aber der bisher letzte Auftritt mit Selbstgeschriebenem fand während meiner Studienzeit in den 1980ern in Graz statt. Und ich weiß nicht, war es bei einem Event mit anderen Jungpoeten in der „Brücke“ oder der auch vom ORF eingefangene in der Grazer Herrengasse, als ich auf einem Tennisschiedsrichterstuhl sitzend von oben herab auf ein mäßig interessiertes Publikum las. Egal.

Diesmal eine Art „Heimspiel“, wie ich einleitend sagte. Denn in der autofreien Siedlung lebte ich 14 Jahre lang, von 2004 bis 2018. Und ich kenne dort immer noch etliche Bewohner:innen so gut, dass meine vorangegangene Werbung via Rundmail und Zettelaushang in den Stiegenhäusern Interesse weckte. Zusätzlich zu den acht von mir von außerhalb eingeladenen (darunter meine drei Söhne) kamen nochmal so viele aus der Siedlung (darunter eine meiner Mieterinnen). Krankheitsbedingt kamen auch Absagen, sogar Claudia musste wegen ihrer fiebrigen Erkältung passen.

Meine davor von mir angefragte Lesepartnerin war Sonja Rosenzweig, die über ihren Freund Stefan seit längerem Kontakt zur Siedlung hat und im „Aquarium“ auch schon mal gelesen hat. Vereinbart war, dass ich sie „umrahme“: erst ein halbstündiger Block mit sieben Adventmails von mir, dann Sonja mit einem neuen Text und nach einer Pinkelpause mein zweiter Block mit acht Texten, nochmals ca. 30 Minuten lang.

Ich hatte davor etwas „geübt“, denn so vorzulesen, dass Leute gerne zuhören, ist gar nicht so einfach. Und der Besuch von Lesungen davor – von Milena Michiko Flasar bzw. Nicholas Ofczarek legte die Latte ganz schön hoch, was Ausdruckskraft betrifft. Und auch Sonja las ihren Text über den jüdischen Festkreis, der humorvoll auf ihr früheres Nahverhältnis zum Judentum Bezug nahm, wie eine Schauspielerin. Chapeau!

Ein Wohlfühlabend: Lesung im „Aquarium“ der autofreien Siedlung

Ich kenne meine Texte ja nicht, wie Sonja ihre, „fast auswendig“, aber auch mir gelang das Vorlesen ganz okay, wie ich finde. Und ich erhielt manchmal Applaus nach einem Adventmail, vor allem, wenn es witzig und sprachspielerisch war. Und auch danach sprachen mich einige auf vorgelesene Themen wie Chat GPT, das Tourenradeln oder Kosenamen an.

Für mich war’s ein Wohlfühlabend, der auch nach dem letzten Text noch länger nicht endete. Und eine Ermutigung, sowas mal zu wiederholen…

Meine „Tracklist“: www.robertmitschaeibl.eu/?p=557, www.robertmitschaeibl.eu/?p=1459, www.robertmitschaeibl.eu/?p=999, www.robertmitschaeibl.eu/?p=969, www.robertmitschaeibl.eu/?p=1626, www.robertmitschaeibl.eu/?p=757, www.robertmitschaeibl.eu/?p=1594, nach der Pause www.robertmitschaeibl.eu/?p=488, www.robertmitschaeibl.eu/?p=560, www.robertmitschaeibl.eu/?p=1190, www.robertmitschaeibl.eu/?p=869, www.robertmitschaeibl.eu/?p=467, www.robertmitschaeibl.eu/?p=1373und als Abschluss den zu diesem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Text …

Wienführung für Besserwisser mit Guide Wolfgang Reisinger, 27.9.2025 ******

Wisst Ihr, was ein „Dachhase“ ist? (1) Aus welcher Nation die größte Minderheit in Wien komme? (2) Wie lange es auf Wiens Straßen Linksverkehr gab? (3) Und was bedeutet es, wenn ein Fiaker eine Porzellanfahrt macht? (4) Oder hättet Ihr vermutet, dass bei Beethovens Begräbnis 20.000 Verehrer im damals noch deutlich kleineren Wien mittrauerten, bei Falcos dagegen „nur“ 5.000? Dass der kleine, große Napoleon in der Augustinerkirche eine Enkelin von Kaiserin Maria Theresia heiratete, ohne selbst anwesend zu sein?

Solche Staunen machenden Bildungsschätze erschloss mir und den gut 20 Gästen meiner Geburtstagsführung durch Wien unser Guide Wolfgang Reisinger am Tag nach meinem Jubelfest, dem 27. September. Ich hatte mich im Internet schlau gemacht, wer sowohl Wissenswertes als auch Unterhaltsames bei einem Spaziergang durch die Innenstadt vermitteln könnte – und ich gestehe, meine Recherchen als Redakteur waren nicht immer so ins Schwarze treffend wie diesmal: Wolfgang machte, da waren wir uns einig, einen Superjob. Keine Vorträge an Overtourism-Plätzen, sondern Ratespiele an gut ausgewählten Nischen, bei denen nicht nur die Besserwissenden mit Pez-Zuckerl als Pluspunkten belohnt wurden, sondern auch jene, die witzig-originelle Falschantworten ablieferten. Wie mein jüngster Sohn Fabian, der die Frage nach der Bezeichnung für einen mit Alkohol angereicherten Einspänner-Kaffees schlagfertig „Entspanner“ antwortete.

Wir waren in Gruppen aufgeteilt, die in Plastiktrinkbechern ihre errungenen Pez-Punkte sammelten. Die Route führte von der Albertina über den Schweizerhof und den Graben zum Platz Am Hof. Und dank meiner Mitwissenden Helga, Gaby und Martina hatte meine Gruppe am Schluss die meisten Pezis gehortet. Das wurde von Guide Wolfgang mit dem Buch „99 Fragen zu österreichischen Sehenswürdigkeiten“ belohnt. Nach diesem Geburtstag hab ich jetzt viel zu lesen 😉

Führung „Wien für Besserwisser“, Standort Albertina, ich mit PEZ-Sammelbox

Falls es wen interessiert, über den Startpunkt Albertina habe ich mir Folgendes gemerkt: Der Name des heute international renommierten Museums geht auf ein unter Hochadeligen seltenes Liebespaar zurück: Marie Christine (1742-1798), die Lieblingstochter Maria Theresias, wohnte in dem Gebäude hinter der (erst später errichteten) Oper mit ihrem Gemahl und Cousin 2. Grades, Albert von Sachsen-Teschen. Andere Nachkommen der Kaiserin trafen es nicht so gut wie die beiden Turteltäubchen – obwohl bei ihrer Hochzeit 1766 wegen des Todes des Kaiserinnengemahls Franz Stephan von Lothringen schwarz getragen wurde. Marie Antoinette und andere mussten sich der Heiratspolitik der Habsburger beugen. Albert und Marie Christine wurden zu Begründern der heutigen Kunstsammlung, die nach den Vornamen der beiden Eheleute ALBER- und -TINA benannt ist.

Danke, Wolfgang, für die höchst anregenden 2 Stunden mit dir und die Vermittlung unPEZahlbaren Wissens. Und sehr nett, dass du für die eingestreuten Fragen über das Geburtstagskind zum bisher aufmerksamsten (?) Leser meiner Website wurdest. Übrigens: Wolfgang lässt sich buchen.

(1) scherzhafte Umschreibung für Hauskatze (2) Serbien (3) bis zur Machtergreifung Hitlers 1938 (4)“Sehenswürdigkeiten“ finden sich bei geschlossener Kutsche und betont langsamer Fahrt eher unter dem Rock der mitfahrenden Dame

Geboren in Bruck an der Mur

„Ich wurde am 26. September 1959 in Bruck an der Mur geboren.“ So beginnt der Lebenslauf, den ich bei verschiedenen Gelegenheiten vorzulegen hatte.
Geboren“ wurde ich im LKH Bruck, das nach seiner Gründung 1887 „Rudolf Spital“ hieß. Ich sei zwei Wochen nach dem errechneten Termin auf die Welt gekommen, berichtet meine Mutter. Schwangerschaft und Geburt seien aber – im Unterschied zu ihren weiteren – problemlos verlaufen.
Am 26. September“ bedeutet, dass ich bei einer neunmonatigen Schwangerschaft rund um die Weihnachtstage 1958 gezeugt wurde. Von einem frühreifen, auf einem Ballfoto mit meiner Mutter jedoch recht unbedarft aussehenden 17-jährigen Rudolf aus dem Nest Göriach bei Turnau und der dreieinhalb Jahre älteren Handelsangestellten Franziska. Beide beschäftigt im GÖC-Kaufhaus (für: „Grosseinkaufsgesellschaft österreichischer Consumvereine“) am Brucker Hauptplatz, eigentlich Koloman-Wallisch-Platz, der übrigens in meinem Geburtsjahr asphaltiert wurde und mit 13.000 m² (knapp nach Linz) der zweitgrößte Innenstadtplatz in Österreich ist.
1959“ war ein Jahr kurz vor dem Höhepunkt der Babyboomer-Jahre 1960-1965, als eine Frau in Österreich durchschnittlich 2,78 Kinder gebar (2024: 1,31 Kinder). Heute, da ich das schreibe, verzeichnet Statistik Austria 77.238 Lebendgeborene bei rund 9 Mio. EinwohnerInnen in Österreich (2024), 1959 waren es bei knapp 7 Mio. 124.377 Babys. Geradezu dramatisch schaut es hier in der Steiermark aus: Bei ähnlicher Gesamtbevölkerung von etwa 1,2 Mio. Menschen kommen heute mehr als zehnmal weniger Kinder zur Welt als in den frühen 1960ern. Das ist Ausdruck des demografischen Wandels – weniger Kinder, spätere Geburten, ältere Bevölkerung, dafür mehr Migration.
Eingeschult wurde ich nach einem Kindergartenjahr (an das mir jede Erinnerung fehlt) knapp vor meinem 7. Geburtstag – zusammen mit 30 anderen Buben in meiner Klasse. Über meinen Geburtszeitpunkt scherzte ich später manchmal, ich wollte die Roaring Sixties in voller Lände miterleben.
In Bruck an der Mur“: Mein Herkunftsort in der Obersteiermark war durch seine Lage am Zusammenfluss von Mur und Mürz eine wichtige Handelsstadt – und das schon in der späten Bronzezeit um 800 v. Chr., dann wieder im Noricum der Römerzeit und zur Blütezeit im Mittelalter, als Bruck (von „Prukke“, Brücke, erste urkundliche Erwähnung 860) zur wichtigsten Handelsstadt der Obersteiermark wurde und bereits 1263 als eine der ältesten Städte in Österreich aufschien. In den zehn Jahren, als ich mit meiner alleinerziehenden Mutter in der zentralen Mittergasse wohnte, bekam ich nur am Rande mit, dass die Bezirkshauptstadt Bruck als wichtiger Bahnknotenpunkt viele Eisenbahner (darunter meinen Onkel Fredi und früher schon Opa Hans Eibl) beschäftigte und die seit 1901 in der Obersteiermark präsente Drahtzieherei „Felten & Guilleaume“ ein weiterer wichtiger Arbeitgeber mit Standorten in Bruck und Diemlach war.
Bruck hatte Anfang der 1960er-Jahre ca.17.500 Einwohner:innen, zehn Jahre später mit 18.300 den Höchststand. Aktuell sind es nur mehr 15.750 Menschen. Das reicht aber weiterhin zu Platz 4 unter den größten steirischen Städten (nach Graz, Leoben und Kapfenberg, vor Leibnitz und Feldbach). Kapfenberg, wohin ich nach der Heirat meiner Mutter übersiedelte, bildet mit Bruck die größte Doppelstadt Österreichs, seit über 70 Jahren von (O-)Bussen der MVG verbunden. Pläne zu einer Fusion vor rund zehn Jahren scheiterten aber (an der Rivalität der beiden Gemeinden?).