Eins muss man dem Mann lassen: Joachim Meyerhoff kann richtig gut erzählen. Auch wenig spektakuläre Nebenbeigeschichten, die sich in diesem Buch meist um seine 86-jährige Mutter ranken, lesen sich leicht, machen schmunzeln, wecken Bewunderung für die so agile, reflektierte Greisin. Wobei – darf man „Greisin“ sagen zu einer Frau, die mit dem Auto durch die Landstraßen Schleswig-Holsteins düst? Die zu kaum erreichbaren Apfelbäumen in ihrem Ein-und-alles-Garten hochklettert? Die bei kühlen Temperaturen in der Ostsee weit hinausschwimmt? Die kurzerhand eine Lesung für den indisponierten, berühmten Schauspieler-und-Autor-Sohn übernimmt und dafür tosenden Applaus erntet?
Joachim, mittlerweile Mitte 50, flüchtet aus einer Lebenskrise im ungeliebten Berlin zu seiner liebenswerten Mutter aufs Land und verbringt dort 10 erholsame Wochen, ist viel an der frischen Luft und schreibt am bereits 6. Band seiner Autobiografie-Reihe „Alle Toten fliegen hoch“. Mehr als er selbst steht dabei seine manchmal schrullige, oft altersweise Gastgeberin im Mittelpunkt, ergänzt durch Geschichten aus der Theaterwelt wie jene, als Meyerhoff als Panther Baghira in einer Dschungelbuch-Kindertheateraufführung in Ulm auftrat oder als einer seiner wenigen TV-Auftritte zum Desaster wurde. Das ist zwar nicht immer so berührend wie der Band über seine Kindheit in einer Psychiatrischen Anstalt in Norddeutschland, nicht so unterhaltsam wie seine Ausbildungszeit als „Lieberling“ im Münchner Haus der Großeltern und nicht so augenzwinkernd wie das Buch über seine Parallelliebschaften … aber lesenswert allemal.