Die Katalanin Rosalía fiel mir mit ihrer spannenden Verbindung von Flamenco mit Popmusik schon mit ihrer vorletzten CD „Motomami“ auf. Ihr jüngstes Opus „Lux“ öffnet Musik-Genres noch weiter: Es kommen auch Klassikelemente, elektronische Beats und Folklore vor. Und das überzeugte die Kritik: „Lux“ gilt als eines DER gelungensten Erscheinungen im Musikjahr 2025.
Es gab Zeiten, da blickte ich noch systematisch zurück auf abgelaufene Popjahre (mein FM4-affiner Bruder legte sogar über viele Jahre Best-of-Listen an). Das tue ich derzeit nicht mehr, zumal ich nicht mehr annähernd soviel Musik höre wie in Jugendtagen, als ich mir z.B. den Beatles-Kanon erschloss, von Schulkollegen LPs ausborgte, die Ö3-Charts auf Kassette aufnahm und später noch, als Familienvater, digitale Tracklists zusammenstellte.
Hits wie „La Fama“ oder „Candy“ sind auf Rosalias neuer CD (https://open.spotify.com/intl-de/album/0avVU24xBfXW7ItE0xtzN2?si=WVo8Fd3rRp2lxqralWiEZg) zwar nicht wirklich dabei. Aber Stücke fernab von Berieselung, die einen – mich – zuhören lassen. Das liegt nicht nur an der markanten Stimme der Katalanin, sondern auch an Duettpartner:innen wie Björk und an einfallsreichen Arrangements. Voraus ging dem Album im Oktober 2025 die Single Berghain, das von Hildegard von Bingen inspiriert ist und aus großenteils deutschem Songtext besteht. Wie auf Björks „Bachelorette“ (mein Liebling der eigenwilligen Isländerin) wuchtige London-Symphony-Orchestra-Klänge. Sehr hübsch auch das danach zu hörende „La Perla“, „Dios es un Stalker“ (sic!) oder „La Rumba del Perdón“.
Während ich das schreibe, höre ich „Lux“ zum dritten Mal. „Ist das noch Pop? Oder schon klassische Musik? … egal“, schrieb der Musik Express in einer hymnischen Kritik. Jedenfalls keine Musik, die sich gleich arschkriecherisch Zutritt verschafft. Ich muss mich mit ihr vertraut machen. Und das lohnt sich.