Unter dem Titel “Noble Begierden” zeichnet das Wiener Palais Liechtenstein die Geschichte des europäischen Kunstmarkts nach. Die Adresse passt, war doch das Fürstenhaus über Jahrhunderte voll von kundigen Sammlern und besitzt heute eine der größten privaten Kunstsammlungen in Europa. Laut dem Schweizer Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ beziffert sich der Wert der Fürstlichen Sammlungen auf vier Milliarden Euro. In den quer durch die Kulturgeschichte ausgerichteten Ausstellungsräumen im pompösen Wiener Gartenpalais der Liechtensteins bietet die Schau schlaglichtartige Einblicke von der griechisch-römischen Antike über die italienischen Stadtstaaten der Renaissance und das Goldene Zeitalter der Niederlande “bis hin zu sensationsheischenden Präsentationen und transatlantischen Verkäufen im 19. Jahrhundert”. Die Exponate dazu stammen nicht nur aus eigenen Beständen – u.a. von Brueghel, Rembrandt und Canaletto -, es finden sich auch hochkarätige Leihgaben von Arbeiten eines Tizian, Van Dyck, Daumier, Monet und Klimt.

Sukkus der Gratisführung bei dichtem Schneefall draußen vor den Fenstern: Kunst war immer schon auf Gönner, Financiers, Sammler und Händler angewiesen, war neben ästhetischem Genuss immer schon Statussymbol und Investment. Zu sehen sind u.a. Porträts des Londoner Auktionshaus-Gründers James Christie und des Wiener Kunstvermarkter Karl Sedelmeyer, der die riesigen Gemälde des ungarischen Malers Mihaly Munkacsy wie in einem Kinosaal einem Millionenpublikum zugänglich macht – für gutes Geld, versteht sich.

Spannend im Hinblick auf eine kommende Flandern-Reise: Im Antwerpen des 17. Jht.s gehörte es zum guten Ton, in den repräsentativen Häusern der besseren Gesellschaft durchschnittlich drei Dutzend Gemälde aufzuhängen. Und auch im Bürgertum vergangener Generationen zeigte man gern Kulturbeflissenheit durch Stillleben, Landschaften und Hubertusjagdszenerien; heute dominieren eher Fotografien und Nachdrucke moderner Ikonen wie Rothko, Mondrian oder Kandinsky.
