Leo Perutz, „Der schwedische Reiter“, SZ Bibliothek 2008 ******

Kafka, Rilke, Werfel, Kisch – sie alle wurden als deutsch schreibende, altösterreichische Autoren in Prag geboren. Auch Leo Perutz (1882-1957), von dem ich soeben ein erstes Buch, „Der schwedische Reiter“, fertig las. Es ist ein Meisterwerk, und ich bin froh, diese trotz Germanistikstudiums lang bestehende Lücke nun geschlossen zu haben.
Der in der ausgehenden Barockzeit spielende Roman um zwei junge Männer erschien 1936, als Perutz‘ erfolgreichste Zeit als Schriftsteller eigentlich schon vorbei war. Das Buch ist wie andere des gelernten Versicherungsmathematikers in der Vergangenheit angesiedelt und weist Elemente des Phantastischen auf. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die altertümelnde Sprache in „Der schwedische Reiter“, die der Autor aber virtuos und passend zur geschilderten Epoche um das Jahr 1700 einsetzt.
Die Geschichte handelt von einem namenlosen Dieb, der die Identität eines adeligen schwedischen Soldaten annimmt, um in einer von Krieg und Verrat geprägten Welt zum Erfolg zu kommen. Die finanzielle Basis, um das Herz und das Landgut der schönen und tugendhaften Maria Agneta zu gewinnen, schafft er sich als Hauptmann einer sechsköpfigen Räuberbande. Einige Jahre später holt ihn diese Vergangenheit aber ein, und um Frau und Tochter nicht zu brüskieren, zieht er vermeintlich in den Krieg im Dienst des Schwedenkönigs Karl XII., wobei auch der wieder aufgetauchte eigentliche schwedische Reiter Christian von Tornefeld wieder auftaucht.
Der namenlose Dieb verstrickt sich in ein Netz aus Identitätswechseln, Täuschungen und Schicksalsschlägen, das die Grenzen zwischen Realität und Illusion verschwimmen lässt. Perutz verbindet meisterhaft Spannung mit philosophischen Reflexionen über Wahrheit, Identität und das Schicksal, dem sich alle zu beugen haben… Mein Buch des Jahres, schon im Jänner gelesen?

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