Peter Gabriel, “i/o”, 2023 ****

Es war in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre, als ich durch die legendäre “Musicbox” (als Ö3 noch ein innovativer Radiosender war) auf Peter Gabriel aufmerksam wurde: Man brachte sein archaisch anmutendes “Rhythm of the Heat” in deutschsprachiger Version zu Gehör (der einstige “Genesis”-Mitgründer spielte später ja auch das großartige “Games without Frontiers” in einer deutschen Version ein) – und ich war hingerissen. Ich liebte Songs wie “Solsbury Hill”, “Shock the Monkey” und “Biko” als Beispiel für Gabriels Affinität für weltmusikalische Einflüsse. Spätestens mit dem grenzgenialen Album “So” (1986) – eines meiner Top Ten ever – wurde ich ein großer Fan des seit kurzem 76-jährigen Briten.
Nun das Alterswerk “i/o”, und ich muss sagen, Peter Gabriel muss sich nicht sehr hinter großartigen Arbeiten alt gewordener Größen wie Johnny Cash oder David Bowie – Gott hab sie selig – verstecken. Die Arrangements, die Percussion-Lastigkeit, die Melodieführung, die noch immer unverwechselbare Stimme – all das erkennt man von früheren Alben wieder. Und es gefällt.
Sehr eigenwillig war freilich der Modus der Publikation von “i/o”: 2023 kam an jedem Voll- und an jedem Neumond EIN Song heraus, “It’s a little like getting a Lego piece each month”, kommentierte Gabriel das erst nach einem Jahr komplette Doppelalbum. Es bietet zwei verschiedenen Abmischungen jedes Songs – der Bright Side Mix und der Dark Side Mix unterscheiden sich dabei gar nicht so sehr. Aber solche Absonderlichkeiten lasse ich dem innovativen Briten gerne durchgehen. Für 2026 hat der Altmeister “o\i” angekündigt, die Songs dazu sollen wiederum an Voll- bzw. Neumondtagen erscheinen. Nun denn.

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