Über Robert Mitscha-Eibl

Katholischer, weltoffener Publizist im aktiven Ruhestand; gebürtiger Steirer, durch Theologie- und Germanistikstudium ausgebildeter Lehrer, später Redakteur bei Kathpress, verheiratet mit Claudia, dreifacher Vater, fünffacher Großvater

Adventmail 2025/18 (Anfang/Ende)

„Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ Mit diesen Worten bringt der Verfasser des letzten Buches der Bibel, der Apokalypse/Offenbarung des Johannes, einen theologischen Allmachtsanspruch zum Ausdruck: Von Gott/Christus ging alles aus, auf ihn steuert alles zu – er umfasst die ganze Wirklichkeit. Wer’s glaubt, wird selig, sag ich jetzt mal ganz ohne Ironie.

Aber ich wollte auf etwas anderes hinaus: auf Alphabete. Alpha und Omega sind Anfang und Ende der Buchstabenliste des in der Antike kulturdominanten Griechischen, in dem auch das Neue Testament geschrieben ist. Davon stammen u.a. das heute weltweit meistverbreitete lateinische Alphabet sowie das kyrillische ab. Das A und O wird bis heute noch als Umschreibung für die Quintessenz von etwas benutzt. Unser deutsches Alphabet ist eine Variante des lateinischen Alphabets. Von diesem stammen die 26 Buchstaben A bis Z; hinzu kommen noch die Umlaute ä, ö und ü sowie das ß.

Von Marokko bis zum Irak werden das arabische Alphabet und dessen Varianten verwendet. Im Chinesischen gibt es insgesamt über 100.000, für jeweils eine Silbe stehende Schriftzeichen. Die meisten werden jedoch nur noch selten verwendet, im Alltag reiche die Kenntnis von 3000 bis 5000 Zeichen aus, heißt es. Ich war jedenfalls froh, dass bei meinem Chinabesuch 2011 die Straßenschilder in Peking und Shanghai auch mir vertraute Buchstaben zeigten, wie im Jahr darauf auch jene in Marrakesch oder Rabat.

„Mimi ist da“ war meiner Erinnerung nach einer der ersten Sätze, anhand derer ich das Schreiben erlernte. Vokale und häufige, motorisch leicht bewältigbare Konsonanten bilden auch heute noch den Anfang. Laut Studien des deutschen Schreibmotorik-Instituts beginnen die meisten Kinder mit vier Jahren, ihren Namen zu schreiben. Vorschulkinder sind in der Regel hoch motiviert, schreiben zu lernen, erst recht, wenn sie ältere Geschwister haben. Mein Jüngster, Fabian, späterer Popper-Schüler, erledigte mit 4 bereits den erbetenen Gästebucheintrag bei der Oma.

Adventmail 2025/17 (Anfang/Ende)

Meine sieben Lieblingsfilme über die Apokalypse:

„Interstellar“ (USA/GB 2014) Der Film von Christopher Nolan spielt in einer dystopischen Zukunft, in der die Menschheit die Erde verlassen muss und ein neues Zuhause auf einem anderen Planeten sucht. Der ehemalige NASA-Pilot Cooper (Matthew McConaughey) nutzt für seine Mission ein Wurmloch, das in eine andere Galaxie zu einem Planetensystem um ein Schwarzes Loch führt. Ausführlich beschrieb ich den Film, als er in Österreichs Kinos kam, für die Adventmailserie 2014. Der Plot klingt mehr nach Fiction als nach Science, aber in die Entstehung des Films war der Astrophysiker und spätere Nobelpreisträger Kip Thorne wissenschaftlich eingebunden.

„Melancholia“ (Dk/Sv/F/D 2011) Der Endzeitfilm des Dänen Lars von Trier erzählt von der depressiven jungen Justine (Kirsten Dunst), die das Ende der Welt durch die Kollision mit einem anderen Planeten vorhersieht. Dazu kommt es auch; in der Schlusssequenz des mit viel Wagner-Musik gestalteten Films sitzt Justine mit ihrer Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) und ihrem kleinen Neffen in dessen „magischer Höhle“ aus Ästen, die sie behüten soll, und erwarten händchenhaltend den Weltuntergang.

„Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ (GB/USA 1964) Ein Klassiker von Stanley Kubrick über den Kalten Krieg und die nukleare Abschreckung, voll von bitterböser Satire und einem ikonisch gewordenen Bild: Der Kommandant eines Bombers der US-Luftwaffe schafft es, eine davor störrische Wasserstoffbombe aus ihrer Verankerung zu lösen und nähert sich rittlings auf der Bombe sitzend, mit Freudengejohle und seinen Cowboyhut schwenkend, seinem Einschlagort auf sowjetischem Terrain. Peter Sellers brilliert in einer Tripple-Rolle als nazihafter Wissenschafter, US-Präsident und britischer Austauschoffizier, wobei er einen Teil der Dialoge improvisierte. Einer von vielen Must-see-Filmen von Meister Kubrick.

„WALL·E – Der Letzte räumt die Erde auf“ (USA 2008) Es ist das Jahr 2805 und nach 700 Jahren des Müllsammelns ist der Protagonist WALL·E der einzige noch funktionsfähige Aufräumroboter, die Erde freilich noch immer eine desolate Müllhalde. Der verbliebene Rest der Menschheit hat sich auf dem Raumschiff Axiom durch Automatisierung, mediale Dauerberieselung und geringe Gravitation zu fettleibigen, degenerierten Wesen entwickelt. Ein Raumtransporter setzt auf der Erde den Roboter EVE (Extraterrestrial Vegetation Evaluator) aus, um nach photosynthesefähigem, organischem Leben zu suchen. EVE spürt dieses auch auf in Form des Pflänzchens, das WALL·E entdeckt hat und zum Ausgangspunkt für die Wiederbesiedlung der Erde. Verdienter Oscar und Golden Globe 2009 für diesen familientauglichen Disney-Animationsfilm.

„The Road“ (USA 2009) Hoffnungslosigkeit ist das bestimmende Gefühl dieser bewegenden Vater-Sohn-Geschichte inmitten einer sterbenden Welt. Das sollte eigentlich bei einem Endzeitfilm nicht weiter verwundern. Tut es aber doch, weil „The Road“ auf bizarre Sci-Fi- und Fantasy-Szenarien verzichtet. Wie in der großartigen Romanvorlage von Cormac McCarthy wird die bewegende Reise eines Vaters (Vigo Mortensen) und seines jungen Sohnes in Richtung Meer erzählt. Da einige Jahre nach einem apokalyptischen Ereignis alles Leben am Verenden ist, hoffen sie im Süden eine lebensfreundlichere Umgebung zu finden, sehen sich aber Gefahren durch Diebe und sogar Kannibalen gegenüber.

„Matrix“ (USA/AUS 1999) In einer postapokalyptischen Zukunft wurde die Menschheit von Maschinen besiegt und zu Energielieferanten degradiert. Nur eine überschaubare Gruppe von Menschen leistet Widerstand und dringt in die virtuelle Welt ein, die den Menschen in ihren Nährstofftanks vorgegaukelt wird. Eine spezielle Truppe unter der Führung von Morpheus (Laurence Fishburne) findet den in Legenden angekündigten Auserwählten Neo (Keanu Reeves), der die Menschen in die Freiheit führen soll. Ein in Style und Inhalt höchst einflussreicher Streifen der Wachowski Brothers

„Don’t look up“ (USA 2021) Als ein Asteroid auf die Erde rast, wenden sich die Astronomen Kate (Jennifer Lawrence) und Randall (Leonardo DiCaprio) an die Öffentlichkeit. Doch ihre Warnungen verpuffen ungehört, weswegen sie sich auf große Tour durch die Medien begeben. Doch es stellt sich auch die Frage, wie korrekt ihre Vorhersagen und Berechnungen tatsächlich sind. Irgendwo zwischen Dramedy und Sci-Fi stimmt der Endzeitfilm von Adam McKay schwarzhumorige Töne an und punktet mit einer grandiosen Besetzung.

Adventmail 2025/16 (Anfang/Ende)

In meinen 32 Jahren als Kathpress-Redakteur hab ich nur zwei Pontifikatsanfänge (Benedikt, Franziskus) und zwei Pontifikatsenden (Johannes Paul II., Benedikt) miterlebt. In seiner langen Ära leistete der Wojtyła-Papst einen wesentlichen Beitrag zum Fall des Eisernen Vorhangs in Europa, es gab aber auch Einschränkungen der theologischen Freiheit (Hans Küng!) und fatale Bischofsernennungen (Groer, Krenn, Eder…). Seinem Tod nach 26½-jähriger Amtszeit gingen Jahre körperlicher Gebrechlichkeit bis hin zur Sprechunfähigkeit voraus. Auf die mehrfache Anregung zum Rücktritt entgegnete der polnische Papst, er lege die Dauer seiner Amtszeit in Gottes Hände.

Anders sein Nachfolger Joseph Ratzinger, der schon unter Johannes Paul II. sowas wie der zweite Mann im Vatikan war und als Präfekt der Glaubenskongregation bei fortschrittlichen Theologen wie mir kaum Sympathiepunkte sammelte. Als er am 19. April 2005 als Benedikt XVI. mit seinem zähnefletschenden Lächeln auf den Balkon des Apostolischen Palastes trat, war ich trotz seiner bescheidenen Worte über sich als „einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn“ entsetzt über die Wahl. Der intellektuelle Deutsche auf dem Stuhl Petri war im Februar 2013 – als 85-Jähriger – einer der wenigen Päpste, die freiwillig von ihrem Amt zurücktraten. Was ich ihm hoch anrechne, auch wenn er sich danach von Konservativen noch als „Papa emeritus“ instrumentieren ließ.

Groß war dagegen meine Freude, als Jorge Mario Bergoglio mit den schlichten Worten „Fratelli e sorelle, buonasera“ sein Papstamt antrat. Noch dazu erstmals als ein Franziskus, nach dem glaubwürdigsten aller Heiligen. Ich saß damals mit dem Grazer Bischof Egon Kapellari im Konferenzzimmer der Kathpress und sollte dessen Reaktion in eine Meldung gießen. „Was, ein Jesuit?!“, nahm der Bischof überrascht Bezug auf eine weitere Premiere. Papa Francesco blieb mir sympathisch, trotz gelegentlicher Machismo-Ausrutscher; aber so sind ältere Herren aus Lateinamerika nun mal.

Seinen Tod im April 2025 und die Wahl Leos XIV. im Mai verfolgte ich von der stressarmen Pensionistenbank aus, wohl wissend, was sich da grad in der Redaktion abspielt. Vom ersten US-Amerikaner als Pontifex Maximus habe ich noch einen wenig nuancierten Eindruck. Dass er sein Amt mit den Worten “Peace be with you! Beloved brothers and sisters, this is the first greeting of the Risen Christ“ begann, finde ich in Zeiten wie diesen immerhin sympathisch und passend.

Adventmail 2025/15 (Anfang/Ende)

„Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist das nicht das Ende.“ Dieses Zitat wird immer wieder John Lennon zugeschrieben. Laut dem Tiroler Literaturwissenschaftler Gerald Krieghofer, der in „Die besten falschesten Zitate aller Zeiten“ (Molden 2023) über „Kuckuckszitate“ informiert und dazu auch bloggt (https://falschzitate.blogspot.com/), war der Urheber aber nicht Lennon, sondern der brasilianische Autor Fernando Sabino (1923-2004). Der sei deprimiert gewesen und habe von seinem Vater folgenden Trost vernommen: „Mein Sohn, am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“

Was nicht gut und wo leider auch noch kein Ende absehbar ist: bei der inflationär in Politik-, Wirtschafts- und jetzt auch Sportinterviews verwendeten Floskel „am Ende des Tages“ (AEDT). Geht mir mächtig auf den Sack. JedeR, die/der auf sich hält, meint, diese aus dem Englischen entlehnte Phrase (at the end of the day) verwenden zu müssen. Weil Alternativen wie „im Endeffekt“, „letzten Endes“, „letztlich“, „schließlich“ oder „schlussendlich“ zu wenig sophisticated wirken?

Die Berliner Genossenschaftszeitung „taz“ veröffentlichte 2022 eine „Floskelkritik“ unter dem resignierenden Titel „Ohne Ende am Ende des Tages“. Schon vor mehr als zehn Jahren hätten wache Kolleg:innen „angemessen angepisste Artikel“ über das „algenblütenartige Anwachsen“ von AEDT geschrieben, ist dort zu lesen. Damals allerdings im Managersprech verortet, „heute schallt sie einem schon frühmorgens aus jedem zweiten Politinterview entgegen, mit einer mümmeligen Mundgeruch verbreitenden Penetranz, dass sich einzig der Weg zurück in Bett als Rettung vor einem trüben Tag und seinem unvermeidlichen Ende anbietet“, wie es herrlich polemisch weiter heißt.

Die Berliner Agentur „textbest“ wies darauf hin, dass es AEDT hinter „zeitnah“ bereits 2015 auf Platz 2 bei den „10 schlimmsten Floskeln im Bürodeutsch“ schaffte. Heute stecke die Floskel allerdings „in der Spätphase ihrer Karriere als ausgelutschte Metapher“. Lasst uns hoffen so! Oder wird am Ende des Tages klar sein, dass wir den Tag nicht vor dem Abend hätten loben sollen?

Adventmail 2025/14 (Anfang/Ende)

„Alles ist vorherbestimmt, Anfang wie Ende, durch Kräfte, über die wir keine Gewalt haben. Es ist vorherbestimmt, für Insekt nicht anders wie für Stern. Die menschlichen Wesen, Pflanzen oder der Staub, wir alle tanzen nach einer geheimnisvollen Melodie, die ein unsichtbarer Spieler in den Fernen des Weltalls anstimmt.“ Wer dieses sagte, war kein Geringerer als Albert Einstein (1879-1955). Er war der wohl einflussreichste Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts, weil er das Verständnis von Raum, Zeit und Materie grundlegend veränderte.

Den „unsichtbaren Spieler“ nannte Max Planck (1858-1947) explizit: „Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller seiner Überlegungen.“ Planck gilt als Begründer der Quantenphysik, in diesem Forschungsfeld bekam neben ihm auch der gebürtige Innviertler Anton Zeilinger (*1945) einen Nobelpreis, Er sah seinen Glauben an Gott nie im Widerspruch zur Naturwissenschaft – und wurde deshalb immer wieder gerne von Kathpress zitiert wurde.

Eine andere Geistesgröße, Stephen Hawking (1942-2018), ist diesbezüglich skeptischer: „Wenn das Universum einen Anfang hatte, können wir von der Annahme ausgehen, dass es durch einen Schöpfer geschaffen worden sei. Doch wenn das Universum wirklich völlig in sich selbst abgeschlossen ist, wenn es wirklich keine Grenze und keinen Rand hat, dann hätte es auch weder einen Anfang noch ein Ende; es würde einfach sein. Wo wäre dann noch Raum für einen Schöpfer?“

Da stellt sich mir die berühmte Heidegger-Frage (die eigentlich schon Leibniz formulierte). „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“ Da ist der Weg nicht weit zum Gott der Philosophen – der freilich nochmal was ganz anderes ist als der von Jesus vertraut angesprochene, den Menschen zugewandte „Abba“.

Ein paar weniger metaphysische Zitate zum Thema Anfang und Ende hab ich noch:

„Now this is not the end. It is not even the beginning of the end. But it is, perhaps, the end of the beginning.“ Das sagte Winston Churchill 1942, mitten im Krieg nach verheerenden Bombardements auf englische (und deutsche) Städte.

„Am Anfang war das Wort und nicht das Geschwätz, und am Ende wird nicht die Propaganda sein, sondern wieder das Wort.“ Dein Wort in Gottes Ohr, Gottfried Benn!

„Alle Menschen sollten ihre Kindheit von Anfang bis Ende mit sich tragen.“ Wie recht du hast, Astrid Lindgren.

„Die wichtigsten Dinge des Lebens spielen sich zwischen Anfang und Ende des Verdauungskanals ab.“ Das ist fast schon zu prosaisch, quasi Darm ohne Charme, Paracelsus.

Adventmail 2025/13 (Anfang/Ende)

Jedem Anfang wohnt(e) ein Zauber inne…

Ich war 20-jähriger Student, als ich einen Ferienjob als Hendlgriller beim „Wienerwald“ in München-Grünwald antrat. Wie auch drei dort kellnernde Österreicherinnen. Mit einer davon saß ich am Isarstrand und sang Lagerfeuerlieder, beeindruckte sie beim Holzhacken; gegen Ende der zwei Monate lagen wir uns verliebt in den Armen und vereinbarten, einander in drei Wochen auf dem Bahnhof von San Remo für einen gemeinsamen Urlaub an der Cote d’Azur zu treffen.

Ich war 24-jähriger Student, als ich einen Ferienjob beim Konsum in Wien antrat und dafür die Wohnung der im Ausland befindlichen, inzwischen verheirateten, oben genannten Nichtmehrgeliebten nutzen durfte. Ich traf dort auf deren Freundin, die eines der Zimmer bewohnte. Und die in meinem Tagebuch festgehaltene Vorahnung wurde wahr: Wir wurden ein Paar. Und heirateten und bekamen drei wunderbare Söhne.

Ich war 48-jähriger Kathpress-Redakteur und geschieden, als ich nach einigen Partnerinnensuchbewegungen die richtige kennenlernte. Es war tiefster Winter und sie hatte wenige Tage vorher Geburtstag. Zum ersten Date nahm ich also ein Stifterl Sekt mit und einen selbstgebackenen Brownie mit Kerze drauf. Beides genossen wir auf den Stufen vor der Mariahilferkirche und noch am selben Abend folgte der erste Kuss. Heute ist sie meine Frau.

Wie Liebesbeziehungen beginnen (sollen), ist Gegenstand reichhaltiger Ratgeberliteratur. Brauchbar weit über die Anfangsphase hinaus erscheinen mir z.B. diese 10 Tipps von deutschen Paartherapeut:innen:

1: Werdet euch über Gemeinsamkeiten und gleiche Werte bewusst

2: Haltet eure selbst festgelegten Freiräume ein

3: Vergleicht nicht jede Kleinigkeit mit der vergangenen Beziehung

4: Nehmt euch so viel Zeit für das Kennenlernen, wie es für euch stimmig ist

5: Versucht einander nicht zu verändern, sondern sprecht ungute Gefühle offen aus

6: Seid von Anfang an ehrlich zueinander

7: Kommuniziert offen miteinander

8: Schafft Klarheit über wichtige Fragen

9: Macht euch keinen Druck

10: Zeigt eure Gefühle

Ergänzen würde ich das noch mit dem klugen Rat eines antiken Philosophen: „Wenn du geliebt werden willst, liebe!“ (Seneca)

„Der Fremde“, (Francois Ozon, F 2025) ****

Diesen wunderbar fotografierten Schwarzweißfilm nach dem berühmten Roman von Albert Camus gibt’s eigentlich noch gar nicht in Österreichs Kinos. Dass ich ihn schon vorab mit einer Schar Mitfeiernder sah, lag am Preis, den der Verleih „Filmladen“ bekam: Eine Gratulantin aus Frankreich überreichte den „Europa Cinemas Awards 2025“ für „Best Programming“ in den beiden Kinos Votiv und DeFrance – eine tolle und verdiente Auszeichnung für das Mitglied von „Europas Cinemas“, einem Netzwerk von rund 1300 Arthouse-Kinos in 39 Ländern. Glückliche Gewinner wie ich durften gratis mitfeiern.

Geschäftsführer Michael Stejskal lobte Ozons neuen Streifen vorab als eine der herausragendsten Produktionen des Jahres 2025, der den lakonisch-nihilistischen Ton des Camus-Klassikers gut treffe. Im Mittelpunkt steht der im Algier der 1930er-Jahre lebende junge Büroangestellte Mersault. Als er ein Telegramm erhält, das ihm den Tod seiner in einem Altersheim lebender Mutter kundtut, zeigt sich sein gefühlsarmer Charakter. Am Tag der Beerdigung beginnt er nach dem Besuch einer Filmkomödie eine Affäre mit Marie und schläft noch am selben Abend mit ihr. Die Beziehung verfestigt sich, ohne dass Mersault je Liebe verbalisiert. Er bleibt konsequent ehrlich desinteressiert, auch das Lügen scheint ihn zu langweilen. Als ihn sein Nachbar Raymond in einen Konflikt mit Einheimischen verstrickt und Mersault an einem heißen Tag am Strand einen Mord begeht, landet der durch scheinbar nichts Berührbare vor Gericht. Seine Weltsicht legt er am deutlichsten, ja sogar oder leidenschaftlich im Gespräch mit einem Priester im Gefängnis dar, der vergeblich versucht, Mersault zu Reue und Hinwendung zu Gott zu bewegen. Denn „das Leben ist absurd“ und „was für eine Rolle spielt es, ob man mit 30 oder 70 stirbt“.

Francois Ozon erzählt diese Geschichte sehr europäisch im Arthouse-Stil, lässt sich und seinen Bildern viel Zeit. Beim Abspann zu hören: „The Cure“ mit ihrer Romanvertonung aus dem Jahr 1978 „Killing an Arab“.

Lesung in der autofreien Siedlung, 10.12.2025

Es war nicht meine erste Lesung aus eigenen Texten, somit ordne ich diesen Beitrag auch unter „biografiert“ ein. Aber der bisher letzte Auftritt mit Selbstgeschriebenem fand während meiner Studienzeit in den 1980ern in Graz statt. Und ich weiß nicht, war es bei einem Event mit anderen Jungpoeten in der „Brücke“ oder der auch vom ORF eingefangene in der Grazer Herrengasse, als ich auf einem Tennisschiedsrichterstuhl sitzend von oben herab auf ein mäßig interessiertes Publikum las. Egal.

Diesmal eine Art „Heimspiel“, wie ich einleitend sagte. Denn in der autofreien Siedlung lebte ich 14 Jahre lang, von 2004 bis 2018. Und ich kenne dort immer noch etliche Bewohner:innen so gut, dass meine vorangegangene Werbung via Rundmail und Zettelaushang in den Stiegenhäusern Interesse weckte. Zusätzlich zu den acht von mir von außerhalb eingeladenen (darunter meine drei Söhne) kamen nochmal so viele aus der Siedlung (darunter eine meiner Mieterinnen). Krankheitsbedingt kamen auch Absagen, sogar Claudia musste wegen ihrer fiebrigen Erkältung passen.

Meine davor von mir angefragte Lesepartnerin war Sonja Rosenzweig, die über ihren Freund Stefan seit längerem Kontakt zur Siedlung hat und im „Aquarium“ auch schon mal gelesen hat. Vereinbart war, dass ich sie „umrahme“: erst ein halbstündiger Block mit sieben Adventmails von mir, dann Sonja mit einem neuen Text und nach einer Pinkelpause mein zweiter Block mit acht Texten, nochmals ca. 30 Minuten lang.

Ich hatte davor etwas „geübt“, denn so vorzulesen, dass Leute gerne zuhören, ist gar nicht so einfach. Und der Besuch von Lesungen davor – von Milena Michiko Flasar bzw. Nicholas Ofczarek legte die Latte ganz schön hoch, was Ausdruckskraft betrifft. Und auch Sonja las ihren Text über den jüdischen Festkreis, der humorvoll auf ihr früheres Nahverhältnis zum Judentum Bezug nahm, wie eine Schauspielerin. Chapeau!

Ein Wohlfühlabend: Lesung im „Aquarium“ der autofreien Siedlung

Ich kenne meine Texte ja nicht, wie Sonja ihre, „fast auswendig“, aber auch mir gelang das Vorlesen ganz okay, wie ich finde. Und ich erhielt manchmal Applaus nach einem Adventmail, vor allem, wenn es witzig und sprachspielerisch war. Und auch danach sprachen mich einige auf vorgelesene Themen wie Chat GPT, das Tourenradeln oder Kosenamen an.

Für mich war’s ein Wohlfühlabend, der auch nach dem letzten Text noch länger nicht endete. Und eine Ermutigung, sowas mal zu wiederholen…

Meine „Tracklist“: www.robertmitschaeibl.eu/?p=557, www.robertmitschaeibl.eu/?p=1459, www.robertmitschaeibl.eu/?p=999, www.robertmitschaeibl.eu/?p=969, www.robertmitschaeibl.eu/?p=1626, www.robertmitschaeibl.eu/?p=757, www.robertmitschaeibl.eu/?p=1594, nach der Pause www.robertmitschaeibl.eu/?p=488, www.robertmitschaeibl.eu/?p=560, www.robertmitschaeibl.eu/?p=1190, www.robertmitschaeibl.eu/?p=869, www.robertmitschaeibl.eu/?p=467, www.robertmitschaeibl.eu/?p=1373und als Abschluss den zu diesem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Text …

Adventmail 2025/12 (Anfang/Ende)

Das Christentum ist eine Tochterreligion des Judentums. An keinem Thema wird das deutlicher als bei Erschaffung der Welt (Gott erschuf die Welt, der Mensch erschöpft sie). Das Christentum hat keinen eigenen Weltentstehungsmythos, sondern übernahm die beiden Texte am Anfang des Buches Genesis in der hebräischen Bibel.

Laut dem ersten, literarisch durchkomponierten „priesterlichen“ Schöpfungsbericht aus dem 6. Jhd.v.Chr. erschuf der allmächtige Gott (hier „Elohim“ genannt) aus dem Nichts an sechs Tagen den Himmel (Universum) mit Sonne und Mond, die Erde mit Land und Meeren, Pflanzen und Tieren, den Tag und die Nacht. Und er erschuf mit Adam und Eva das erste Menschenpaar – nach seinem Ebenbild. In der Ruhe Gottes am siebten Tag gipfelt die Erzählung. Und gibt einen bis heute gültigen Wochenrhythmus vor.

Die „jahwistische“ Schöpfungsgeschichte in Genesis 2 (mit dem Gottesnamen Jahwe/JHWH) ist um 400 Jahre älter und zeigt weniger Interesse an der Erschaffung der Welt als an jener des Menschen. Diesen formte Gott aus Ackererde (Adam, hebr. ădāmāh = „Erdboden“) und hauchte ihm Leben ein; später folgte die Frau (Eva, hebr. ḥawwāh = „die ins Leben Rufende“) aus der Rippe des Mannes. Diese Reihenfolge ist feministischen Theolog:innen deutlich weniger sympathisch.

Schöpfungsmythen gab es auch bei anderen Hochkulturen (Sumerer, Zoroastrismus, Hinduismus, Griechen, Germanen, Inka…), der für mich schönste ist die erwähnte Priesterschrift der Genesis wegen seiner poetischen Kraft und seinem Hinweis auf die Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau. Mehr Würde geht nicht.

Adventmail 2025/11 (Anfang/Ende)

Wo begann Anfang? Und womit wurde Ende nicht fertig?

Es gibt Familiennamen, die passen wie die Faust aufs Auge zum diesjährigen Adventmailthema. Zum Beispiel Markus Anfang, 1974 in Köln geborener Fußballspieler und jetzt -trainer. Er spielte zuerst beim TSV Bayer Dormagen, trainiert von seinem Vater. Als aktiver Kicker war er von 1998 bis 2002 beim FC Tirol Innsbruck engagiert und wurde mit Teamkollegen wie Michi Baur, Radoslaw Gilewicz, Robert Ibertsberger oder Alfred Hörtnagl dreimal Meister unter den Trainern Kurt Jara und Jogi Löw. Nach dem Konkurs des Tiroler Klubs wechselte Anfang zum 1. FC Kaiserslautern, mit dem er 2003 im Finale des DFB-Pokals dem FC Bayern München unterlag. Es folgten Stationen bei weniger prominenten Klubs und 2008/09 nochmal ein kurzes Gastspiel beim FC Wacker Innsbruck.

Spannend finde ich, dass der Nachname „Anfang“ in Nordamerika und Europa gar nicht so selten ist. Er könnte ursprünglich ein Spitzname für jemanden gewesen sein, der mit Neuanfängen oder vielleicht einer bedeutenden Veränderung in Verbindung gebracht wurde.

Von Michael Ende (der Name geht auf jemanden zurück, der am Ende einer Siedlung oder Straße lebt https://dieherkunft.com/ende) dürften schon mehr von euch gehört und gelesen haben. Ich z.B. verschlang den Welterfolg „Momo“ (1973), meinen Söhnen las ich „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (1960) vor. Geboren wurde Michael Ende 1929 in Garmisch. Sein Vater, ein Maler, wurde von den Nazis wegen „entarteter Kunst“ schikaniert, was erklärt, dass der 15-jährige Michael 1945 wenige Wochen vor Kriegsende seinen Stellungsbefehl zerriss und sich einer Widerstandsbewegung anschloss. Nach Anfängen als Schauspieler und Filmkritiker wurde er durch den Bestseller „Jim Knopf…“ finanziell unabhängig.

Interessant, wie Ende den Beginn dieses Buches schilderte: „Das Land, in dem Lukas der Lokomotivführer lebte, war nur sehr klein. Das war der erste Satz, und ich hatte nicht die geringste Vorstellung, wie der zweite heißen würde… Ich ließ mich einfach ganz absichtslos von einem Satz zum anderen, von einem Einfall zum nächsten führen. So entdeckte ich das Schreiben als ein Abenteuer. Die Geschichte wuchs und wuchs, immer mehr Gestalten stellten sich ein, Handlungsfäden begannen zu meinem eigenen Erstaunen sich durcheinander zu weben.“

Na, wenn’s so leicht ist, probiere ich das auch mal. Unendlich wird die Geschichte ja wohl nicht werden: „Wo begann Anfang? Und womit wurde Ende nicht fertig? …“ Geht doch…

Ach ja: Endes letzte Arbeit nach seiner Krebsdiagnose und vor seinem Tod im August 1995 war das Libretto zu „Mamonella oder der Geist in der Flasche“. Es blieb unvollendet.