Adventmail 2010/20 (Namenstage)

Klatsch und Promi-News aller Art interessieren mich nicht, bedaure. Mir ist schnurz, was sich Hollywood-Starletts in die Nase ziehen, wie viele Aufgüsse schwedische Könige sich wo und in welcher Gesellschaft gönnen und welche Lidschatten-Tipps Frau Merkels Äußerem zum Vorteil gereichen könnten.
Manchmal stolpere ich aber doch über was, das das gelangweilte Kopfschütteln zu einem „Das darf doch nicht wahr sein!“ steigert. Vor einiger Zeit fügte ich der Sammlung journalistischer Kuriositäten auf meinen Toilettefliesen einen Zeitungsausschnitt mit Foto hinzu: Dieter Bohlen räkelt sich da in der Sonne neben einer viel zu jungen Streckbett-Genossin. Und der Bildtext darunter teilte mit, dass Bohlens Neue „Fatma“ heißt, „doch der Name der Berlinerin gefiel ihm nicht, deshalb nennt er sie Karina“ (eine Variante von Katharina). Und dann heißt es noch: „Er (Bohlen) bot ihr bereits eine Brustvergrößerungs-OP an.“
Ich war baff angesichts von so viel unverblümtem Machismo. Ob Fatma manchmal den Impuls verspürt, ihrem Dieterle zu sagen, „du, Bohlen gefällt mir nicht mehr, ich nenne dich ab jetzt ‚Öztürk'“. Vielleicht sollte ihr jemand mit vielsagender Miene mitteilen, dass ihr eigentlicher Name arabischer Herkunft ist und „Die, die sich entwöhnt“ bedeutet…

Adventmail 2008/13 (Briefe an…)

Am 6.10.2007 erging folgendes Schreiben an die Redaktion von „Innenwelt – Magazin für seelische Gesundheit und Lebensqualität“:
Sehr geehrte Damen und Herren,
gerade ist mir die aktuelle Ausgabe Ihres Magazins in die Hände gefallen, in dem es um „Wege zur seelischen Gesundheit“ geht. Sie lassen darin eine ganze Reihe von Experten mehr als ein Dutzend Begriffe von Depression bis Psychische Erkrankungen erklären.
Beim raschen Durchblättern fühlte ich mich in das vorige Jahrhundert zurückversetzt, denn auf jeder Doppelseite prangt ein Spezialistenmännerkopf, der mir als Leserin einen Sachverhalt erklärt. Ich finde keine einzige Spezialistin in dieser Ausgabe.
Damit Sie mich richtig verstehen:
1. Ich kenne und schätze einige der hier dargestellten Personen.
2. Meine letzte schriftliche Initiative in Sachen Gender-Sensibität liegt sicherlich mehr als zehn Jahre zurück. Ich neige also keineswegs dazu, bei jeder Gelegenheit aufzuzeigen.
3. Ich bin auf den hier dargestellten Fachgebieten selbst nicht tätig.
4. Was ich aber ganz und gar nicht verstehen kann ist, wie es einem Redaktionsteam gelingen kann, bei einem derart frauenlastigen Thema (sowohl hinsichtlich der Expertinnen als auch hinsichtlich der Betroffenen in Sachen Psyche) so selektiv und durchgängig nur Männer zu Wort kommen zu lassen. Grundsätzlich bin ich davon ausgegangen, dass im 21. Jahrhundert mehr Sensibilität auf diesem Gebiet besteht. Es sollte doch mittlerweile bekannt sein, dass Frauen und Männer unterschiedliche Lebenserfahrungen machen und daher auch unterschiedliche Zugänge zur Welt haben. Dies gilt auch im Bereich der Wissenschaft. Um also die „ganze Welt“ darzustellen, muss auch die „ganze Welt“ vertreten sein.
Zur Erläuterung: Ich bin Unternehmerin und im Bereich Beratung und Training von Betrieben tätig. Als Arbeits- und Wirtschaftspsychologin bin ich Mitglied des Berufsverbandes Österreichischer Psychologinnen und Psychologen.
Als Psychologin kann ich ja noch irgendwie nachvollziehen, dass die hier vertretenen Spezialisten ausschließlich Mediziner sind, weil es sich um ein Fachmagazin für Medizin handelt. Aber auch das medizinische Fach besteht nicht ausschließlich aus Männern.
Was hielten Sie davon, wenn jemand eine Fachzeitschrift über Journalismus macht und in diesem Magazin äußern sich seitenweise nur Journalisten, aber keine Journalistinnen?
Eine Stellungnahme fände ich wirklich nett!
Mit besten Grüßen,
Mag. Martina Molnar
Geschäftsführung
human-ware GmbH

Sehr geehrte Frau Mag. Molnar,
Grund für die „Spezialistenmännerköpfe“: die Auswahl der Interviewpartner zu den unterschiedlichen Themen beschränkte sich bei dieser ersten Ausgabe der Innenwelt spezial auf Institutsvorstände bzw. Präsidenten der Fachgesellschaften, und in diesen Funktionen sind in Österreich derzeit nun mal Psychiater und nicht Psychiaterinnen zu finden. Daran können wir als Redaktion auch nichts ändern.
1. Bei der Innenwelt spezial handelt es sich nicht um ein medizinisches Fachmedium, die Publikation richtet sich bewusst an Laien und kommt beim Publikum hervorragend an. Übrigens gibt es bereits eine zweite Ausgabe zum Thema Schizophrenie.
2. Warum das Thema psychische Erkrankungen tendenziell „frauenlastig“ sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Abgesehen davon ist es auch nicht in unserem Sinn, hier eine Geschlechtertrennung vorzunehmen. Unser Ziel ist Aufklärung für Betroffene, egal, ob diese nun männlich oder weiblich sind. Als Frau bin ich der Meinung, nicht unbedingt einen weiblichen Experten zu benötigen, bei welcher gesundheitlichen Fragestellung auch immer, wohl aber einen kompetenten Experten.
Mit freundlichen Grüßen,
Katja Beran
Chefredakteurin Innenwelt und Innenwelt spezial

Adventmails 2006/14 (Listen aller Art)

Fünf Frauen, die mein Leben besonders inspiriert haben:

Elisabeth Kübler-Ross. (Weil sie gezeigt hat, dass Abschiednehmen ein wesentlicher Teil unseres Lebens ist und durch ihr Tun vielen Menschen ein Gehen in Würde und Liebe ermöglicht hat.)

Gitti Ederer. (Ja, die! Weil sie eine der intelligentesten Antworten auf die Frage eines Journalisten gegeben hat. Die Frage war: „Was wollen Sie noch gerne werden, Frau Magister Ederer?“ Und ihre Antwort lautete: „Eine g´scheite, alte Frau.“)

Marie Jahoda. (Weil sie eine der wenigen weiblichen unter den großen
SoziologInnen war und mit ihrer Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ ein zeitlos gültiges Werk zur Würde des modernen Menschen vorgelegt hat.)

Kristin Scott-Thomas. (Weil „Der Englische Patient“ einfach einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist.)

Meine Freundin Helene. (Weil sie mir seit Jahr und Tag vorlebt, mit wie viel Respekt und Achtsamkeit frau liebevolle Beziehungen gestalten kann.)

Kathi, 37, Soziologin, OE-Beraterin