„Ich war zu Hause unter meiner kalten Brause. Da kam Herr Wichsmann unter meinen Wasserhahn. Ach, war das toll…“ Das sang 1978 die damals noch blutjunge, rotzfreche, eben erst aus der DDR rausgeworfene Nina Hagen im Song „Heiß“ auf ihrer viel beachteten ersten LP. Laut ihrer heuer erschienenen Autobiographie „Bekenntnisse“ hatte die in einem atheistischen Umfeld aufgewachsene Stieftochter des Liedermachers Wolf Biermann damals ihre erste Begegnung mit Jesus schon hinter sich. Nina hatte unter Drogeneinfluss ein Nahtod-Erlebnis und erkannte dabei, dass Jesus – so schreibt sie jetzt – „mein Herr, mein Retter und bester Freund seit meinem 17. Lebensjahr“ sei.
Bis zu ihrer Taufe im Jahr 2009 folgten noch viele Umwege und Sackgassen. Exzesse in der Londoner Punkszene der 1970er, Exzentrik bei jedem öffentlichen Auftritt, Sexhibitionismus im ORF-„Club 2“, Experimente mit dem Hinduismus (ihre schauspielende Tochter heißt Cosma Shiva) – von dem sich Nina enttäuscht wieder abwandte.
Jesus sei ihr immer nah geblieben, beteuert die teilweise nervend schrille Sängerin heute. Viele Machtstrukturen der irdischen Kirche seien ihr lange fremd geblieben, doch schließlich habe sie mit der Taufe „eine lange Liebesgeschichte besiegelt“.
Als ausgewiesene Christin wurde Nina Hagen auch „Kathpress“-kompatibel. Ein dort tätiger Kulturredakteur mit wachem Blick für Musik von Punk bis Klassik erwähnte ihre jüngste, auf Gospel fokussierte CD „Personal Jesus“ und zitierte sie mit der Aussage, die gegenwärtige Missbrauchskrise werde einen Anstoß zur Erneuerung von Kirche und Gesellschaft geben. Es sei positiv, dass lange verdrängte Verfehlungen ans Tageslicht kommen, denn „die Wahrheit wird uns frei machen“. Die katholische Kirche werde „hoffentlich eine richtig gute Reform auf den Weg bringen“. Ach, leg dafür doch ein gutes Wort bei deinem besten Freund ein, Schwester Nina!