Adventmail 2010/23 (Namenstage)

Die katholische Kirche gedenkt heute Hartmanns, des Bischofs von Brixen in der Kreuzzugszeit. Sie sollte aber auch Josef Hartmanns gedenken, der 1995 in Rage geriet, als er las, dass sich sein ehemaliger Lehrer im Knabenseminar von Hollabrunn, der Wiener Erzbischof Hans Hermann Groer, über die Verwerflichkeit gleichgeschlechtlicher Liebe ausließ. Ausgerechnet er, der Josef und andere Zöglinge unangenehm deutlich über die Freuden der Intimpflege unterrichtet und auch sonst die angemessene Distanz zwischen Erziehern und minderjährigen Anbefohlenen missachtet hatte.
Hartmann gab via „profil“ den Anstoß zu einem Skandal. Es folgte eine päpstliche Visitation, Groers Nachfolger Schönborn u.a. Bischöfe kamen zur „moralischen Gewissheit“, dass die Anschuldigungen gegen den mittlerweile Zurückgetretenen zutrafen.
Die Kirche lernt langsam, aber sie lernt: Ombudsstellen für Missbrauchsopfer wurden in allen Diözesen eingerichtet, Richtlinien für Priesterausbildung und Umgang mit Minderjährigen erstellt. Aber es bedurfte eines weiteren Skandals – diesmal ausgelöst durch Missbrauchsfälle an einer Berliner Jesuitenschule – um „Altlasten“ nicht weiter zu verleugnen, sondern ehrlich aufzuarbeiten sowie Prävention konsequent zu regeln.
Ich teile die Einschätzung, dass es eines „reinigenden Feuers“ in Bezug auf Missbrauch bedurfte. Ich habe Respekt für Schönborns Reden und Handeln dazu. Missbrauchsopfer bekommen Entschädigungen auch dann, wenn Ansprüche längst verjährt sind. Das ist ok und auch notwendig für eine Institution, die von Glaubwürdigkeit lebt.
Weiter so, z.B. in Bezug auf die Zölibatspflicht für Priester. Da wäre mal unvoreingenommen zu fragen, was die mit allen Beteiligten macht – mit den berufenen Männern, den Frauen, in die sie sich trotzdem verlieben, etwaigen Kindern, den „Beseelsorgten“ usw.

www.youtube.com/watch?v=PqG8hnZ94hc

Adventmail 2008/18 (Briefe an…)

amaetfacquodvis@gmx.at an bischof@kath-kirche-vorarlberg.at, 18.3.2008
Sehr geehrter Herr Bischof Fischer!
Ich habe mit Ihrer Stellungnahme zu Moscheebauten ein grundsätzliches Problem: Sie schreiben, es wäre nicht „angemessen“ bzw. eine „harte Gangart“, sollten Muslime ihr Recht (auf freie Religionsausübung) in Anspruch nehmen, „im Bereich des religiösen Lebens Bauwerke durch gesetzlich möglichen Druck umzusetzen“. Es wäre dies laut Ihrer Stellungnahme in der Karwoche eine „Vorgangsweise, die in unserem demokratischen Land in Möglichkeiten nützte, die in islamisch dominierten Ländern meist strikt unterbunden sind“.
Soll den Muslimen hierzulande nur eingeschränkte (Menschen)Rechte zukommen, weil anderswo in der Welt Christen in ebendiesen Rechten beschnitten werden?! Sind Sie für eine Art „Sippenhaftung“ aller Muslime? Oder meinen Sie nicht auch, dass die im christlich geprägten Europa entwickelte Idee UNTEILBARER Menschenrechte FÜR ALLE nicht doch mehr der Liebesbotschaft Christi entspräche?
Mit ratlosen Grüßen und der Bitte um Antwort,
Klaus Halling,
Pfarrgemeinderat in Krems [von mir frei erfunden]

bertram.neurauter@kath-kirche-vorarlberg.at an amaetfacquodvis@gmx.at, 3.4.2008
Büro +Elmar Fischer
6800 Feldkirch, Hirschgraben 2, Tel. +43 5522 72080
Werte Frau!
Werter Herr!
Auf Grund der sehr zahlreichen Zuschriften ist es Bischof Elmar nicht möglich, persönlich zu antworten.
Er dankt für die Reaktionen, die für ihn Signal der Aktualität der mit dem Islam in unsrem Land gegebenen Fragen sind.
Mit freundlichen Grüßen
i. A. Bertram Neurauter