Die Ankündigung war unvollständig: Das Konzert des Ensembles mit ca. 25 Kammermusikern und Solisten unter der Leitung von Primgeiger Fritz Kircher begann mit Joseph Haydns Symphonie Nr. 74 in Es-Dur, erst danach mit der Symphonie g-Moll (KV 550) ein Hit von Mozart. Dann Pause bzw. Arbeitstag-Ende für die Bläser, die Streicher plus ein Mensch am Cembalo fidelten sich dann durch die Vier Jahreszeiten – ein Vivaldi-Evergreen, der zurecht als eines der Highlights der Barockmusik gilt. Kircher drückte dabei ziemlich aufs Tempo (wollte er seine Virtuosität beweisen? Zur ZIB2 zuhause sein?), live ist das vierteilige Werk jedenfalls beeindruckend, erst recht, wenn man dank eines Wien-Ticket-Geschenks der Ex-Arbeitskollegen in Reihe 8 sitzen darf.
Zum Ende viel Applaus. „In Wien wird so lange geklatscht, bis es eine Zugabe gilt“, merkte Kircher erläuternd an. Im prächtigen Brahms-Saal des Musikvereins viele Touristen, darunter viele Ostasiat:innen, für die Klassische Musik offenbar zu einem Wien-Besuch dazugehört.
Radtour Bernhardsthal – Wien, 1.6.2025
Krems (84 km)? Retz (ebenfalls 84 km)? Laa a.d. Thaya (70 km)? Allesamt mögliche Destinationen für einen Radausflug mit Bahnanreise und dann zurück nach Hause in die Donaustadt. Ich entschied mich für Bernhardsthal kurz vor dem tschechischen Breclav, weil es eine Fahrt durch die mir weitgehend unbekannte Region des nördlichen Weinviertels verhieß. Eine Gegend „jwd“, wie Berlinerinnen sagen würden; „janz weit draußen“. Sichtlich wenig benutzte Bahnhöfe wie jener in Drösing, Sierndorf a.d. March oder Jedenspeigen zeigten überdeutlich, dass ich mich hier „an der Peripherie“ bewegte.

Ab Bernhardsthal ging’s flach dahin. Wenig Bäume, umso mehr Felder, kaum Straßenverkehr an einem Sonntag. Wobei: Ich radelte über gut asphaltierte Nebenstraßen bzw. Feldwege – und das blieb auch den Rest des Ausflugs mit nur wenigen Schotterabschnitten so. Bald erreichte ich die Eurovelo-9-Strecke, die von der Ostsee bis zur Adria führt und sich im ersten österreichische Teilstück weitgehend mit der Route „Breclav-Wien“ überschneidet. Das Vermeiden der Schnellstraßen führte dazu, dass die 75 km, für die ein Auto auf der A5 nach Wien eine knappe Stunde benötigt, mit dem E-Bike letztlich 104 km (um 15 mehr als meine Komoot-Planung verhieß) und knappe 5 Stunden reine Fahrzeit wurden.
Kurz vor Mistelbach kam ich beim jetzt völlig eingerüsteten Schloss Ebendorf vorbei, wo ich vor 40 Jahren bei der Landadelsfamilie Mitscha-Märheim als potenzieller Schwiegersohn vorstellig wurde und bis 2003 noch regelmäßig mit Frau und Söhnen zu Gast war. Auch der Umweg über die Innenstadt von Mistelbach erinnerte mich an diese Zeit vor der Scheidung.




Danach wurde es hügeliger und bewaldeter. Fast durchwegs aber gepflegte Radwege mit immer wieder reizvollen Aussichten wie jene auf ein blühendes Rapsfeld, für die das Weinviertel zurecht beliebt ist. Auch das Wetter passte: Während der ersten Stunde mal dichtere Bewölkung, dann aber bis kurz vor Wien frühsommerliches Warmwetter. Den Sonnenschutz hatte ich nicht umsonst eingepackt. In Ladendorf musste ich einmal ein Stück zurückradeln, weil ich zunächst irrtümlich die Route über Großrußbach erwischte, aber eigentlich nach Kreuzstetten wollte. Und nach Wolkersdorf/Obersdorf drückte ich aufs Tempo (letztlich 21,5 km/h Schnitt), denn am Himmel zeigten sich bedrohliche Gewitterwolken… zwei Minuten nach der Ankunft zuhause gingen Sturm und Hagel los.
Fazit: NÖ hat sich einmal mehr als reizvolles, gut ausgeschildertes Radlerland erwiesen. Schöne Gegend, hat trotz etwas Gräserpollenallergiebelastung viel Spaß gemacht und war sicher nicht mein letzter Ausflug ins Weinviertel.
Barista Workshop bei Gota/Wien, 31.5.2025
Wir waren mit dem Auto unterwegs – was in Wien selten der Fall ist. Aber es galt, Claudia zum Operateur ihrer lädierten Schulter zu bringen. Und danach wollte sie unbedingt in die äußere Mariahilferstraße (Nr. 192), warum auch immer. Ich wenig begeistert, da nicht gerade auf der Strecke am Weg nach Hause. Aber gut.
Ihr Ziel war ein Café, ein besonderes, für seine Röstkompetenz ausgezeichnetes: Gota, “Coffee Experts”, die Internationalität u.a. mit einer nur auf Englisch gehaltenen Website zum Ausdruck bringen. Als wir exzellenten Cappuccino und einen Snack aßen, eröffnete mir Claudia, sie schenke mir als Dank für meine „Schulter-Unterstützung“ einen Barista Workshop, den Gota regelmäßig anbietet und der für mich an einem Samstag während ihres mehrwöchigen Reha-Aufenthalts anberaumt war.
Heute, am letzten Mai, war es soweit. Vorab informierte ich mich auf Wikipedia über Kaffee-Basics: Arabica und Robusta als Hauptsorten, anregende und sogar gesundheitsfördernde Wirkung des Koffeins, Handelsströme ausgehend vom Coffee belt… Gota-Experte Michi informierte weiters über die verschiedenen Kaffeeverarbeitungsmethoden, vor allem übers Rösten, über Mahlwerkkalibrierung, Umgang mit Espressomaschinen und Kaffeemühlen, Extraktion und sogar übers Aufschäumen von Milch bis hin zur Latte Art. Viel Interessantes und vieles, dass ich bald wieder vergessen werde, vor allem den Umgang mit Maschinen, die wir gar nicht im Haushalt haben.

Was ich mir merken möchte: die Grundregeln der Espressozubereitung: 15g Kaffeepulver sollen nach dem Bedienen unserer Delonghi Dedica zwischen 20 und 30 Sekunden lang die doppelte Menge Espresso – also 30g – ergeben. Die Brühtemperatur liegt bei über 90 Grad, der Druck bei beachtlichen 9 bar. Das sollte eine gut sichtbare Crema ergeben. Läuft das Wasser zu kurz durch, kommt es zu einer Unterextraktion, d.h. die Gehaltsstoffe der (zu grob gemahlenen? Im Siebträger mit dem Tamper unzureichend planierten?) Bohnen kommen nicht zur Geltung. Das Ergebnis hat statt einem ausgewogenen Verhältnis von sauer, bitter und süß nur ersteres. Werden die Bohnen aber zu fein gemahlen und „tropft“ der Espresso nur so runter, dann kommt es zu einer Textur „wie Sirup“, so Michi über diese Überextraktion.
Wer Kaffee lieber als Verlängerten mag so wie meine Liebste, dann ist es laut Michi besser, heißes Wasser zuzugeben („Americano“) statt eines zweiten Durchlaufs desselben Siebinhalts.
Gute Kaffeeröstungen bieten viele Infos zu Herkunft, Geschmacksprofil, Anbauhöhe und Röstungsvariante – in Italien wird stark geröstet, die Bohnen sehen dann sehr dunkel aus; bei Gota mag man’s lieber weniger und heller (was aber eher die Säure betont und ich nicht so schätze).
Wie auch immer: Ich muss mal in unserer Küche mit Waage und verschiedenen Malgraden herumexperimentieren und Geschmackserfahrungen sammeln. Morgen geht’s los (heute hatte ich schon zu viele Espressi).

Protected: Wohlerziehende Kinder
„Ripley“, Kurzserie auf Netflix (USA 2024) *****
Tom Ripley, ein New Yorker Hochstapler, soll in den 1950er-Jahren Dickie, den Sohn eines reichen Geschäftsmanns, aus dessen italienischem Bella-Vita-Leben zurück nach Hause holen. Er erschleicht sich dessen Vertrauen, wohnt über Wochen bei ihm an der Amalfiküste, doch als sich die Gelegenheit bietet, tötet den wohlhabenden jungen Mann und nimmt dessen Identität an. Doch hinter seinem komplexen Lügengeflecht wähnt er sich in falscher Sicherheit.
Die Serienverfilmung des berühmten Kriminalromans „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith legt in acht Folgen die tödliche Leere und die Abgründe der Hauptfigur frei. Gezeigt wird das alles in fantastischen Schwarzweiß-Bildern, die an die legendären Aufnahmen von Henri Cartier-Bresson erinnern und über die sich manchmal etwas dahinschleppende Handlung mit so manchen Unwahrscheinlichkeiten hinwegsehen lassen. Hinter dem Lügengeflecht Ripleys zieht sich die Schlinge der polizeilichen Ermittlungen immer enger. Der zunehmend Verdächtige switcht zwischen Dickie und Tom und reist nach Neapel, Rom, Palermo, Venedig – Städte, deren Atmosphäre immer wieder großartig fotografiert wird. Außerdem könnte man durch die Serie zum Caravaggio-Fan werden (was ich allerdings ohnehin schon lange bin).
Steven Zaillian, Drehbuchautor und Regisseur von „Ripley“, hat von den bisherigen filmischen Umsetzungen des Highsmith-Romans – u.a. mit Alain Delon (1959) und Matt Damon (1999) in der Hauptrolle – sicher nicht die schlechteste geschaffen.
„Das Reservat“, Kurzserie auf Netflix (Dk 2025) ******
Streaming-Serien begleiten mich seit ca. zwei Jahrzehnten, und Werke wie „Six Feet Under“, „Breaking Bad“ oder „The Wire“ können mit den besten Filmarbeiten durchaus mithalten. Nicht nur aus den USA, auch aus Skandinavien kommen immer wieder gute Serien, und die jüngst von mir auf Netflix gesehene „Das Reservat“ fand ich hervorragend.
Es geht um eines der wohlhabendsten und nobelsten Viertel im Norden Kopenhagens, wo nur vordergründig alles perfekt zu sein scheint. Plötzlich ist das philippinische Au-pair-Mädchen Ruby wie vom Erdboden verschluckt, nachdem sie die reiche, gestylte Nachbarin Cecilie um Hilfe bat. Sie halte es bei deren Freunden Katarina und Rasmus nebenan nicht mehr aus. Cecilie tut dies ab und rät zu einer Aussprache, das anhaltende Verschwinden Rubys weckt aber Schuldgefühle. Wie ihr eigenes Au-pair-Mädchen Angel misstraut sie den Beschwichtigungen ihrer Nachbarsfreunde und ihres eigenen Ehemannes Mike, der den superreichen Rasmus als Anwalt vertritt.
Cecilies Bemühungen, so wie die zuständige Kriminalpolizistin Aicha die Wahrheit herauszufinden, werfen Konflikte in ihrer Ehe auf, als sich herausstellt, dass Mike mehr kontakt zu Ruby hatte, als seine Frau bisher wusste. Der Fund der Leiche scheint zu bestätigen, dass es sich um ein Verbrechen handelt – oder war es doch „nur“ ein Suizid aufgrund einer unerwünschten Schwangerschaft?
Es zeigt sich, dass sich hinter dem schönen Schein einer nahezu makellosen Fassade düstere Wahrheiten verbergen, die auch die pubertierenden, wohlstandsverwahrlosten Söhne der beiden Familien betreffen. Und auch Cecilie wird vor Augen gehalten, dass sie vom Leben ihrer untergebenen Filipina null Ahnung hat…
„Das Reservat“ hat sechs Folgen und bleibt spannend bis zum überraschenden, desillusionierenden Schluss.
Ausstellung 28.5. “Wer hat die Hosen an?”, Weltmuseum Wien
Ich musste erst Pensionist werden, um erstmals das Weltmuseum in der Neuen Hofburg zu besuchen (oder ich war schon dort, kann mich aufgrund meines nachlassenden Gedächtnisses aber nicht mehr erinnern). Allein der Bau – eines der jüngeren Gebäude des bis ins 13. Jht. zurückreichenden Hofburg-Komplexes, die weltweit größte ihrer Art – ist imposant.

“Der europäische Koran”
Mich interessierte die aktuelle Ausstellung „Wer hat die Hosen an?“ Dieser Titel suggeriert ein Machtgefälle. Und tatsächlich oblag es über Jahrhunderte meist den gesellschaftlich dominierenden Männern, Beinkleider zu tragen, für Frauen galt das als unschicklich und musste von ihnen erst erkämpft werden – anfangs reitend oder auf Bühnen spielend. Und Hosen sind auch ein typisch europäisches Kleidungsstück, auch wenn die älteste gefundene Hose aus Westchina rund 1000 v. Chr. stammt. Indigene in Amerika oder Afrika mussten sich bald den Kleidungsvorstellungen der Kolonialisten aus der Alten Welt beugen.
Die Ausstellung bietet in fünf Räumen eine Vielzahl an Beispielen, wie unterschiedlich Hosen aussehen können: Die Palette reicht vom tangaähnlichen Seidenband der Sumoringer über metallene Harnische der Ritterzeit bis hin zum allgegenwärtigen Denimstoff, aus dem die Jeans dieser Welt geschneidert sind. Und auch konsumkritische Anmerkungen zu den Folgen der heutigen Kleidungs(über)produktion kommen nicht zu kurz.

Protected: Traumprinz via Mail
Protected: Auf dem Bärentrail mit Fabian (Mai 2023)
Lange Nacht der Kirchen 23. Mai 2025
Meine erste LNdK ohne die Verpflichtung, über eine der unzähligen Veranstaltungen zu berichten (was diesmal laut Kathpress-Ex-Kollegen schwerer fiel, da nur wenige Programmpunkte in Wien „journalistisch relevant“ seien). Also: Programm nach Lust und Laune.
Ich startete mit „Dreck“, einem vom Katholischen Bildungswerk veranstalteten Einpersonenstück von Robert Schneider („Schlafes Bruder“) aus dem Jahr 1991 über Xenophobie. Es geht um einen arabischen Rosenverkäufer namens Sad (Saddam), der sich auf diese Weise sein Studium finanziert. Er beschreibt sein Leben in einer deutschen Stadt, seine Erfahrungen mit Fremdheit und Verachtung. Sad macht sich demütig zum Sündenbock, übernimmt die absurdesten Vorurteile über „die Ausländer“ und hält dem Publikum damit einen Spiegel vor

Beim anschließenden Gespräch, moderiert von KAÖ-Vizepräsidentin Kathi Renner, wurde deutlich, dass trotz Hilfsbereitschaft der oft in Pfarren engagierten Anwesenden Fremdheit irritiert. Die 1956 aus Ungarn, 1968 aus der CSSR oder in den 1990ern aus dem zerfallenden Jugoslawien Geflohenen seien „uns doch viel näher als die heutigen Flüchtlinge aus Afghanistan oder Syrien“.
Dann hieß es für mich. „Komm vorbei in Mamas Café!“: Das Social Business im Zwettlerhof/Stephansplatz schafft für Alleinerziehende, die in der St. Elisabeth-Stiftung begleitet werden, Arbeitsplätze im Berufsfeld Gastronomie. Zu meiner Überraschung gab’s dann dort auch eine von meinem Ex-Kollegen Henning Klingen moderierte Diskussion über katholische Bildung bzw. Religionsunterricht mit vorhersehbaren Statements von Fachleuten wie Schulamtsleiterin Andrea Pinz (am Bild ganz rechts). War froh, dass ich darüber nichts mehr schreiben musste und ging vorzeitig ab.

Denn in der Votivkirche war ein A-cappella-Konzert des „V.O.I.C.E Vienna Pop & Jazz Choir“ angekündigt – das leider nicht das hielt, was ich mir davon erwartete. Die Akustik in der riesigen, gut gefüllten neugotischen Kirche war katastrophal, die Darbietung u.a. mit einem Falco-Medley und Filmsongs eher mau.

Also ab zur letzten Station: Im kirchlichen Begegnungszentrum „FranZ“ in der Bruno-Marek-Allee wurde unter dem Motto „Anybody out there?“ ein „Streifzug durch die Bibel und die Musik von Pink Floyd“ beworben. Erinnerte mich an einen von mir mitgestalteten Abend der Grazer LaientheologInnen, bei dem Bischof Johann Weber als Gast Popmusik und selbst verfasste Meditationstexte ertragen musste. Im FranZ war eher älteres Publikum präsent, ca. 15 Leute, die in entspannter Haltung Musik aus ihrer Jugendzeit und Perikopen aus dem Alten und Neuen Testament hörten. Eine gelungene Kombination. Muss wieder mal „Dark Side oft the Moon“ und „Wish You Were Here“ hören…

Rund 300.000 Besucher bei “Langer Nacht der Kirchen”, vermeldete Kathpress im Anschluss an die schon traditionelle Veranstaltung in ganz Österreich. Geschätzt wie üblich “Daumen mal Pi”.