19. Dezember – 6
Kult im besten Sinn des Wortes ist die im goldenen Pop-Jahr 1967 aufgenommene britische TV-Serie “The Prisoner”, die unter dem Titel “Nummer 6” auch im deutschsprachigen Raum mit Erfolg lief. Hauptdarsteller und Regisseur war Patrick McGoohan, der mit seiner Vorgänger-Serie “Geheimauftrag für John Drake” in den 1960ern für meine ersten TV-Erlebnisse sorgte.
In “Nummer 6” geht es um einen nicht mehr aktiven Geheimagent, der gekidnappt wird und in einem als Urlaubsort getarnten Gefängnis erwacht – gedreht in der surreal anmutenden Kulisse des nordwalisischen Dorfes Portmeirion.
In dem Dorf befinden sich merkwürdig gekleidete Bewohner, die alle keinen Namen führen, sondern nur durch eine Nummer gekennzeichnet sind. Der immer wiederkehrende Abschiedsgruß “Wir sehen uns!” („Be seeing you!“) wurde auch hierzulande ein geflügeltes Wort. Der Protagonist – dessen Name der Zuschauer bis ans Ende der Serie nie erfährt – wird von allen als Nummer Sechs (Number Six) bezeichnet. Das Sagen hat eine Person, die als Nummer Zwei (Number Two) bezeichnet wird.
“Nummer 6” besticht in insgesamt 17 Folgen durch schauspielerische Leistungen und ein visionäres, gut umgesetztes Thema: McGoohan setzt sich mit Themen wie privater Überwachung (das gesamte Dorf ist videoüberwacht), Methoden zum Brechen des Willens und dem Individuum als Opfer einer übermächtigen und anonymen Macht auseinander.
Die Reihe gilt als eine der besten Fernsehserien dieser Zeit (im Vorjahr als DVD-Box erschienen) und hat eine starke Fankultur geschaffen. Inzwischen finden in jedem Jahr in Portmeirion Veranstaltungen statt, die auf die Serie Bezug nehmen, und die daran teilnehmenden Fans verkleiden sich als Einwohner des Ortes von Nummer 6/The Prisoner. Und in der Simpsons-Folge “Mr. X und der Website-Schund” findet sich Homer plötzlich als Nr. 5 im Village wieder und stößt dort u. a. auch auf Nr. 6.
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Adventmail 2007/18 (Countdown 24-1)
18. Dezember – 7
“Die 7 ist alles” – Die Toten Hosen, 1995
Die 1 steht für den Anfang, für Gott und das Universum.
Die 2 bedeutet Zweifel, Gegensatz und Widerspruch.
Die 3 steht für das Gute und für die Dreieinigkeit.
4 ist die Ordnung, Himmelsrichtung und Jahreszeit.
Die 5 steht für den Menschen, die 6 für Vollkommenheit.
8 ist die Glückszahl, 9 die Potenz aus der heiligen 3.
Doch die 7 ist für mich alles und nichts kommt an sie heran.
Ja, die 7 ist einfach alles, es ist die Zauber- und Märchenzahl.
7 Schöpfungstage brauchte Gott um die Welt zu bauen.
7 Tage hat die Woche, 7 mal geht die Sonne im Osten für uns auf.
Über 7 Brücken musst du gehen, 7 dunkle Jahre überstehen,
7 mal, 7 mal, das ist unsere Zahl, die über allem steht.
7 Priester rannten 7 mal um die ganze Stadt.
Und erst nachdem er 7 Geißlein fraß, war der Wolf so richtig satt.
7 Raben, 7 Schwaben und das verflixte 7. Jahr,
Jesus hängt schon lange am Kreuz, als er noch 7 Worte sprach.
Es ist nur ‘ne Zahl, doch sie lässt mich nicht mehr los.
Nur eine Zahl, ich kann nichts dagegen tun.
7 Meere gibt es auf der Welt, 7 Wunder wurden bisher gezählt
und man weiß, dass es 7 Zwerge hinter 7 Bergen gibt.
Man soll 7 mal 70 Mal verteilen*, 7 Namen hat der heilige Geist,
für den siebten Himmel gibt einen Likör, der nach 7 Kräutern heißt.
7 mageren Jahren gingen 7 fette voraus,
7 drückt die Unendlichkeit und die Sonnen der Weisheit aus.
Es ist nur ‘ne Zahl, doch sie läßt mich nicht mehr los.
Nur eine Zahl, ich kann nichts dagegen tun.
Die 7 Posaunen von Jericho klingen immer noch in unseren Ohren.
7 Sachen mußt du packen, wenn du die Stadt für immer verlassen sollst.
Der Mensch lebt 10 mal 7 Jahre lang, hat uns die Bibel mal gesagt.
Bei den 4 Winden und der Dreifaltigkeit wird dir sofort wieder klar:
Es ist nur ‘ne Zahl, doch sie läßt mich nicht mehr los.
Nur eine Zahl, ich kann nichts dagegen tun.
*) hier ist wohl „verzeihen“ gemeint – aber was weiß die heutige Jugend denn schon von der Bibel?!
Adventmail 2007/17 (Countdown 24-1)
17. Dezember – 8
Das Castel del Monte ist das wohl bekannteste Bauwerk aus der Zeit des Hohenstaufer-Kaisers Friedrich II. in Apulien im Südosten Italiens. Die Festung wurde von 1240 bis um 1250 errichtet, wahrscheinlich aber nie ganz vollendet. Insbesondere der Innenausbau scheint nicht beendet worden zu sein.
Seine Bedeutung erhält Castel del Monte vor allem durch seinen idealtypischen Grundriss als Achteck. Die Räume sind in zwei Geschossen um einen achtseitigen Innenhof angeordnet. Die äußeren Ecken des Oktogons sind wiederum mit acht Türmen (mit ebenfalls achteckigem Grundriss) besetzt, die jeweils mit zwei Seiten in die Mauer eingebunden sind, sodass sechs Seiten freiliegen. Die Festung ist immer noch von weitem sichtbar, sie liegt auf einer Hügelspitze mitten in der kargen Landschaft unweit von Bari.
Das Bauwerk ist voll von Symbolismen und ein Stein gewordener Herrschaftsanspruch. Die Zahl Acht ist in mehrfacher Hinsicht symbolisch bedeutsam. Sie verweist einerseits auf das morgenländische Urbild des achtstrahligen Sternes und symbolisiert damit die Idee des Kaisertums. Das Achteck vermittelt außerdem zwischen dem Quadrat und dem Kreis als den Symbolen der Materie und des Geistes, zwischen Diesseits und Jenseits. Daneben verweist die Zahl Acht darauf, dass nach den sieben Schöpfungstagen der 8. Tag der Tag der Neuschöpfung durch die Auferstehung ist, Acht also der Wiederkunft Christi entspricht, mit der sich der Kaiser in seiner Architektur und deren Zahlensymbolik hier bewusst in Verbindung brachte.
Castel del Monte sieht nicht nur aus wie eine Krone, es ist bewusst als Abbild der Kaiserkrone gedacht, die ebenfalls oktogonal ist. Acht Ecken hat auch die Pfalzkapelle in Aachen, wo der Staufer gekrönt wurde. Angeblich soll der hoch gebildete, mehrsprachige Friedrich II. selber an der Planung beteiligt gewesen sein. Seine einzigartige Form hat kein eindeutiges Vorbild und auch keine Nachfolge gefunden.
Bei der Verfilmung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ hat man sich architektonisch beim Castel del Monte bedient. Es ziert auch die Rückseite der italienischen 1-Cent-Münze.
Adventmail 2007/16 (Countdown 24-1)
16. Dezember – 9
Griechisch „ennea“ heißt neun; „gramma“ heißt Buchstabe oder Punkt, und „Enneagramm“ bezeichnet ein neunspitziges esoterisches Symbol, das neun elementare Qualitäten unterscheiden, ordnen und miteinander in Beziehung setzen soll.
Die Wurzeln des Enneagramms sind unbekannt, es birgt Elemente der abrahamitischen Religionen ebenso wie griechische, altbabylonische und altägyptische Quellen. In den okzidentalen Kulturraum brachte es Georges I. Gurdjieff, ein russischer Esoteriker, Autor und Musiker, den die Oktoberrevolution nach Westen und schließlich nach Paris vertrieb.
Das Persönlichkeits-Enneagramm teilt Menschen in neun als fest angenommene Typen ein, ausgehend von den drei Intelligenzzentren Kopf (Verstand), Herz (Emotionen) und Bauch (Instinkt). Details erspare ich mir und euch. Wer Lust auf Selbsteinstufung hat, kann ja mal http://www.eclecticenergies.com/deutsch/enneagramm/dotest.php anklicken.
Erkenne-dich-selbst-Spiele nach Kategorien können durchaus Spaß machen. Ich hatte mal eine Phase, in der ich mich für die Typologien nach Riemanns „Grundformen der Angst“ interessierte, und eine andere, in der ich Geburtshoroskope für Frauen erstellte, für die ich mich interessierte. Und in meinem eigenen, nach dem Tierkreis erstellten, finde ich luftige Waage mich durchaus wieder. Aber das würde ich wohl auch im chinesischen Horoskop oder im Medizinrad des Sun Bear. Ein Horoskop nach den 12 Mondzyklen eines Jahres erscheint mir jedenfalls naheliegender als ein neungliedriges wie das Enneagramm.
Aber egal: Derartige Modelle haben nun einmal heuristischen Charakter: Wer suchet, der findet.
In der Psychologie nennt man die Neigung, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung zu erkennen, „Barnum-Effekt“. Er geht auf Prof. Bertram Forer zurück, der 1948 vorgab, einen Persönlichkeitstest mit seinen Studenten durchzuführen. Im Anschluss gab er ihnen die vermeintlichen Auswertungen und forderte sie auf, den Wahrheitsgehalt mit Werten von 0 (= trifft gar nicht zu) bis 5 (= trifft sehr gut zu) zu bewerten. Das Ergebnis war eine durchschnittliche Bewertung von 4,26. Groß war die Überraschung, als den Studenten eröffnet wurde, dass alle den exakt gleichen Text zu bewerten hatten, den Forer aus einem am Kiosk erhältlichen Horoskop zusammengestellt hatte.
Adventmail 2007/15 (Countdown 24-1)
15. Dezember – 10
“Als Zehen werden die Endabschnitte der Gliedmaßen der vierfüßigen Wirbeltiere bezeichnet, bei Primaten und Menschen nur die der hinteren Gliedmaßen”, heißt es anschaulich bei Wikipedia. Die deutsche Bezeichnung gehe wohl auf das indogermanische “deik” (Zeiger) zurück, heißt es weiter. Das Deutsche Etymologische Wörterbuch (homepage.uibk.ac.at/~c30310/derwbhin.html) behauptet dasselbe: Zehe komme von ahd. “zeha”, germ. *taiho und idg. *deik (zeigen, weisen, sagen).
Hier melde ich massive Zweifel an: Es ist doch viel naheliegender, dass Zehen von der Zahl “zehn” abzuleiten sind. Oder? Und ich argumentiere nicht nur mit dem Hausverstand, sondern auch mit der zweiten Lautverschiebung: t (toe) wird zu z (Zehe) wie “tide” zu “Zeit”.
Schluckt das, Wikipetymologen!
“Ist der große Zeh der längste, so spricht man von einer ägyptischen Fußform. Ist jedoch der zweite Zeh der längste, so spricht man von einer griechischen Form. Die dritte Form ist die römische, bei der die Zehen in etwa in einer Linie stehen.”
Und: Die große Zehe trägt ca. 5 % des Körpergewichts, die übrigen Zehen ca. 7 %.
“Ist der große Zeh der längste, so spricht man von einer ägyptischen Fußform. Ist jedoch der zweite Zeh der längste, so spricht man von einer griechischen Form. Die dritte Form ist die römische, bei der die Zehen in etwa in einer Linie stehen.”
Und: Die große Zehe trägt ca. 5 % des Körpergewichts, die übrigen Zehen ca. 7 %.
Interessant, WikipedautorInnen. Aber wo bitte steht was über die…
– literarische (“… sie falten die kleinen Zehlein, die Rehlein”, Christian Morgenstern),
– kunsthistorische (“Zehen aus Schokolade werden wie Reliquien zum Kauf angeboten”, siehe “muse au chocolat” von Katarina Schmidl),
– religiöse (1 Chronik 20,6b “Da trat ein Mann von riesenhafter Größe auf; er hatte je sechs Finger und sechs Zehen, zusammen 24…”)
– extremsportliche (Reinhold Messner: “Ich hab meine Zehen verloren, das ist ein Handicap.” Berliner Zeitung, 1.10.94),
– kulinarische (“Pro Teller 2 kleingehackte Knoblauchzehen und 1 Scheibe Brot gewürfelt hineingeben”
und
– erotische (Toe sucking)
… Bedeutung der Zehen??
Also: Zehen-Artikel überarbeiten! Aber gründlich!
Adventmail 2007/14 (Countdown 24-1)
14. Dezember – 11
„Die elf Gebote“ heißt eine recht erfolgreiche Geschichtensammlung von Norbert Silberbauer, einem 1959 in Eggenburg geborenen und jetzt in Ober-Retzbach lebenden Weinviertler Schriftsteller. Die von schwarzem Humor geprägten Geschichten ranken sich um die Zehn Gebote – und um ein elftes. Es wird gelogen und betrogen, gemordet und gestohlen, es geht also zu wie im Alten Testament. Oder wie eben in so ziemlich jeder Gesellschaft.
Silberbauer erzählt von einem leidenden Sprachpuristen, der ständig mit den grammatikalischen Fehlern seiner Umwelt konfrontiert ist. Und von einem scheinheiligen Mesner, der sich nach seinem Tod von Gott verraten und verlassen fühlt und nun seiner Kritik an Kirche und Religion im Allgemeinen und seinem Hass auf die Sonntage im Besonderen freien Lauf lässt. Wir lesen von einem verzweifelten Autor auf der Frankfurter Buchmesse, der unbeachtet bleibt – bis zu einem peinlichen Skandal, der ihn zum gefeierten Helden seiner Träume macht. Oder: Auf der Hochzeit der schwangeren Religionslehrerin Maria erinnert sich einer der Gäste schwermütig an seine eigene Beziehung mit der Braut zurück, getragen von einer Erotik, die vor allem von Entsagung bestimmt war, eine Beziehung, die ihn zunächst impotent macht für weitere.
Alle Geschichten bauen auf einem der Gebote auf, verletzen es oder führen es ad absurdum, indem sie es mehr als wörtlich nehmen, bestätigen es, indem seine Missachtung ins Verderben oder stellen es infrage, indem seine Beachtung zu gar nichts führt. Immer wiederkehrende Motive sind Einsamkeit, sexuelle Probleme oder der Kampf um Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung.
Norbert Silberbauer. Die elf Gebote. Droemer/Knaur-Taschenbuch 2004. 238 Seiten.
Adventmail 2007/13 (Countdown 24-1)
13. Dezember – 12
Heute 12 Fragen zu den 12 Aposteln:
1.) Was ist ein Apostel?
In den Evangelien des Neuen Testaments wird berichtet, dass Jesus unter seinen Jüngern „zwölf Apostel” (von griech. „Apostolos“, Gesandter) auswählte, kurz auch „die Zwölf” genannt. Ihre Aufgabe war es, den Glauben im Sinne Jesu zu verbreiten und zu bewahren.
2.) Und warum gerade 12?
Diese Zahl lehnt sich an den zwölf Stämmen Israels an.
3.) Und es gab wirklich nur 12 Apostel?
Die in den Evangelien überlieferten Namenslisten geben kein einheitliches Bild darüber ab. Das Matthäus- und das Markusevangelium listen von den Namen her zwar identische Apostel auf. Bei Lukas kommt statt Thaddäus aber Judas, ein Jakobusbruder, vor. Im Johannesevangelium scheint eine Namensliste gar nicht auf.
4.) Hieß es nach dem Ausscheiden des Judas aus dem Apostelkreis: Da waren’s nur noch elf?
Aber nein: Statt dem Verräter Judas Iskariot wurde nach Christi Himmelfahrt Matthias als einer der Zwölf nachgewählt.
5.) Also Anzeichen von Demokratie in der Urkirche?
Nun ja, nicht wirklich: Die Entscheidung fiel durch das Los. Also eine Art Gottesurteil.
6.) Wie konnte man Apostel werden?
Der Bericht über die Wahl des Matthias in der Apostelgeschichte nennt die Voraussetzungen, die ein Mitglied der apostolischen Zwölfergruppe spätestens zu dieser Zeit (also ca. 80/90 n.Chr.) zu erfüllen hatte: „Das muss einer von den Männern sein, die mit uns (den anderen Zwölfen) gewesen sind in all der Zeit, in der der Herr Jesus bei uns ein- und ausging, und zwar von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tage, an dem er aufgenommen wurde.“
7.) War Paulus also gar kein Apostel?
Der „Völkerapostel“ Paulus erfüllte die genannte Bedingung nicht, er hatte Jesus nie zu dessen Lebzeiten kennengelernt. Doch war zur Zeit des Paulus der Begriff „Apostel“ noch nicht exklusiv für „die Zwölf“ reserviert, sodass in seinen Schriften und den mit Paulus zusammenhängenden Bibelstellen (in der Apostelgeschichte) die Bezeichnung „Apostel“ wesentlich großzügiger verwendet wurde.
8.) Gab es auch Apostelinnen?
Im Neuen Testament wurden z.B. Barnabas und Paulus als Apostel bezeichnet, Andronikus und – zur Freude aller feministisch bewegten und lange als Mann “umgedeutet” – die Frau Junia. Und die drei Frauen, die am Ostermorgen auf dem Weg zum Grab zuerst die Kunde der Auferstehung erhielten, werden in der frühchristlichen Tradition immer wieder als „Apostelinnen der Apostel“ bezeichnet. Vor allem Maria Magdalena, offenbar eine besondere Vertraute Jesu.
9.) War Maria Magdalena die Geliebte Jesu?
Also das gehört jetzt wirklich nicht hierher!
10.) Was unterscheidet Jünger von Aposteln?
„Jünger“ ist im Neuen Testament generell weiter gefasst (der Begriff übersetzt das griechische Wort „mathetai“ (Schüler/Lehrlinge). Ihre Zahl wird mit 70 bzw. 72 beziffert, andere Stellen lassen sogar eine noch größere Anzahl vermuten. Und darunter fanden sich unbestritten auch etliche Frauen: Maria und Martha, die Schwestern des Lazarus, Lydia und Tabita.
11.) Gibt es heute noch Apostel?
Nach katholischer Auffassung setzt sich in den (mehreren tausend) Bischöfen die Lehr- und Leitungsvollmacht fort, die Jesus den zwölf Aposteln übertrug. In einer ununterbrochenen “Reihe der Handauflegungen” (Apostolische Sukzession) seien alle heutigen Bischöfe mit den Aposteln verbunden. Den obersten Dienst der Einheit hat nach katholischem Glauben der Bischof von Rom (=Papst) als Amtsnachfolger des Petrus.
He, das waren erst 11! Da fehlt noch eine 12. Frage!!
Äh… ahja… schluck … also gut:
12.) Warum wird Schurl Znidaritsch aus dem 12. Hieb eigentlich auch Apostel genannt?
Hier liegt wahrscheinlich ein Hörfehler vor: Georg Znidaritsch aus Wien-Meidling ist Briefträger, also „a Postler“.
Adventmail 2007/12 (Countdown 24-1)
12. Dezember – 13
“Triskaidekaphobie” ist die irrationale Furcht vor der Zahl 13. Menschen mit dieser Phobie meiden Räume, Stockwerke oder allgemein die Zahl 13, die in vielen Kulturen als Unglückszahl gilt. Dieser weit verbreitete Aberglaube geht so weit, dass in Gebäuden oftmals der 13. Stock „fehlt“ bzw. nicht ausgeschildert wird. In Flugzeugen wird öfters die 13. Sitzreihe in der Nummerierung ausgelassen. Auch in Krankenhäusern wird auf ein Zimmer Nr. 13 verzichtet.
Der dreizehnte Tag eines Monats gilt in westlicher Tradition als Unglückstag, besonders wenn er auf einen Freitag fällt. Als mögliche Herkunft gilt der Verrat des Judas Ischariot, da er der dreizehnte Anwesende beim letzten Abendmahl war und der Tod Christi auf einen Freitag fiel (Karfreitag).
Im Tarot ist die 13 dem Tod (La Mort) zugeordnet. „Der Dreizehnte“ ist auch ein Synonym für den Teufel.
Sportler sind unterschiedlich triskaidekaphobisch: Im Formel-1-Motorsport wird seit jeher auf die Startnummer 13 verzichtet; Michael Ballack dagegen hat bei jedem Verein, für den er gespielt hat, wie auch in der Nationalmannschaft, stets das Trikot mit der Nummer 13 getragen.
Dass Glück UND Unglück zur 13 passt, weiß ich aus eigener Erfahrung: Ich hab an einem 13. (kirchlich) geheiratet – und 17 Jahre später an einem 13. die Scheidung eingereicht.
Adventmail 2007/11 (Countdown 24-1)
11. Dezember – 14
Die 14 ist eine spannende Zahl mit vielen Bezügen zum Geistesleben:
KatholikInnen denken natürlich sofort an den Kreuzweg mit seinen 14 Stationen, bei denen der Leidensweg Christi nachvollzogen werden kann.
Oder an die 14 Nothelfer, die in bestimmten Notlagen angerufen werden (z.B. den heiligen Blasius bei Halsschmerzen).
Von 14 Frauen sagt die hebräische Bibel, sie seien schön gewesen, z.B. Judit, wegen der Holofernes gar den Kopf verlor.
14 ist die numerische Umsetzung des Namens BACH (2+1+3+8); Johann Sebastian der Große griff in seinen Werken immer wieder auf Zahlensymbolik zurück und verewigte sich so in seinen Kantaten oft selbst.
Ich greife aber die Fourteen Words (“vierzehn Worte”) heraus, die besonders in den USA, mittlerweile aber auch in Europa für einen verbreiteten Glaubenssatz weißer Neonazis und Rassisten stehen: “We must secure the existence of our people and a future for White children.” (“Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft der weißen Kinder sichern.”) Formuliert wurden sie angeblich vom US-amerikanischen Rechtsextremisten David Eden Lane.
Der Satz drückt eine Überzeugung besonders US-amerikanischer Neonazis aus, die der Weltsicht der deutschen Nationalsozialisten sehr ähnlich ist: Die Weißen, die „arische Rasse“, sei allen anderen „Rassen“ überlegen. Diese – besonders die Juden und die Schwarzen – würden dennoch versuchen, die Weißen zu unterdrücken. Dagegen müssten sich die Weißen wehren, um den vermeintlich rechtmäßigen Platz für ihre heute und auch zukünftig lebenden Angehörigen zu sichern. Nicht-„Arier“ haben nach dieser Weltsicht bestenfalls als nützliche Diener eine Daseinsberechtigung, oder aber sollen überhaupt abgesiedelt werden.
Seit spätestens Mitte der 1990er Jahre wurden diese kruden Ideen auch von Neonazis in Europa übernommen. Eine 1996 in Ostdeutschland gegründete Rechtsrock-Band mit ideologischer Nähe zur verbotenen Freien Kameradschaft „Skinheads Sächsische Schweiz“, nennt sich „Die 14 Nothelfer“. In ihrem Lied „14 Words“ heißt es: „Es gibt einen Satz, den vergesse nie! Kämpfe, lebe, streite nach ihm! 14 words, never forget!“.
Adventmail 2007/10 (Countdown 24-1)
10. Dezember – 15
Fünfzehnmal zu lebenslanger Haft verurteilt zu werden, ist schon eine „Leistung“: Der als „Doktor Tod“ bekannt gewordene Arzt Harold Shipman schaffte dies, nachdem ihm ein britisches Gericht in fünfzehn Fällen Mord nachgewiesen hatte. Begangen hatte er als Hausarzt bei Manchester im Zeitraum von 1970 bis 1998 Morde wohl rund 250 Morde an seinen Patienten, die meisten davon weiblich, die meisten betagt.
Harold Frederick Shipman wurde 1946 geboren, die Schulausbildung absolvierte er in Nottingham, Medizin studierte er in Leeds. Er heiratete und wurde Vater einer Tochter und dreier Söhne. 1974 bekam er seine erste Stelle als praktischer Arzt in der Nähe von Halifax. Im Jahr darauf wurde Shipman dabei ertappt, dass er Rezepte auf das Opioid Pethidin für den eigenen Gebrauch fälschte. Er kam auf Reha und wurde kurz darauf als geheilt entlassen. Danach etablierte er sich als respektierter Arzt mit eigener Praxis in Hyde, einem Vorort von Manchester.
1998 fiel einer Kollegin die hohe Todesrate unter Shipmans Patienten auf, verbunden mit einer hohen Zahl an Einäscherungen vor allem älterer Frauen, die Shipman zu unterzeichnen hatte. Die Polizei wurde auf den Fall aufmerksam, fand aber zunächst zu wenig schlagende Beweise. Zwischen dem Beginn der Ermittlungen und Shipmans Verhaftung kamen so drei weitere Patienten ums Leben. Sein letztes Opfer war die frühere Bürgermeisterin von Hyde, Kathleen Grundy; sie wurde am 24. Juni 1998 tot zuhause aufgefunden. Der letzte, der sie lebend gesehen hatte, war Harold Shipman.
Grundys Tochter Angela Woodruff wurde stutzig, als ihr der Anwalt der Familie eröffnete, ihre Mutter habe Shipman 386.000 Pfund hinterlassen. Sie suchte die Polizei auf, nun begannen gründliche Untersuchungen. Grundys Leichnam wurde exhumiert, und prompt wies man eine Überdosis Diamorphin nach. Shipman wurde am 7. September 1998 verhaftet. Die nachfolgenden Ermittlungen ergaben einen Rattenschwanz an ähnlich gelagerten Fällen – allerdings ohne finanzielle Motive. Wann er mit den Morden begann, und wie viel es letztlich waren, blieb bis heute unklar. Insgesamt starben während Shipmans medizinischen Behandlungen 459 Personen.
Sein Prozess begann im Oktober 1999 und endete im Jänner 2000 mit 15facher Verurteilung, obwohl er seine Schuld hartnäckig leugnete. Manche Kommentatoren vermuteten als Hintergrund seiner Taten, dass Shipman als Jugendlicher dem langsamen Streben seiner krebskranken Mutter zusehen musste, andere dagegen erkannten nur „an arrogant desire to control life and death“ wie es im englischen Wikipedia heißt. Am 13. Jänner 2004, fast vier Jahre nach seiner Verurteilung und am Vorabend seines 58. Geburtstages, wurde Shipman erhängt in seiner Zelle gefunden. Das Massenblatt “The Sun” quittierte dies mit der Titelzeile “Ship Ship hooray!”
Shipman war einer der “produktivsten” Serienmörder der modernen Geschichte. Als
Folge seiner Verbrechen wurde die britische Gesetzgebung in Bezug auf Pflege und Gesundheit erheblich reformiert.