Adventmail 2007/17 (Countdown 24-1)

17. Dezember – 8
Das Castel del Monte ist das wohl bekannteste Bauwerk aus der Zeit des Hohenstaufer-Kaisers Friedrich II. in Apulien im Südosten Italiens. Die Festung wurde von 1240 bis um 1250 errichtet, wahrscheinlich aber nie ganz vollendet. Insbesondere der Innenausbau scheint nicht beendet worden zu sein.
Seine Bedeutung erhält Castel del Monte vor allem durch seinen idealtypischen Grundriss als Achteck. Die Räume sind in zwei Geschossen um einen achtseitigen Innenhof angeordnet. Die äußeren Ecken des Oktogons sind wiederum mit acht Türmen (mit ebenfalls achteckigem Grundriss) besetzt, die jeweils mit zwei Seiten in die Mauer eingebunden sind, sodass sechs Seiten freiliegen. Die Festung ist immer noch von weitem sichtbar, sie liegt auf einer Hügelspitze mitten in der kargen Landschaft unweit von Bari.
Das Bauwerk ist voll von Symbolismen und ein Stein gewordener Herrschaftsanspruch. Die Zahl Acht ist in mehrfacher Hinsicht symbolisch bedeutsam. Sie verweist einerseits auf das morgenländische Urbild des achtstrahligen Sternes und symbolisiert damit die Idee des Kaisertums. Das Achteck vermittelt außerdem zwischen dem Quadrat und dem Kreis als den Symbolen der Materie und des Geistes, zwischen Diesseits und Jenseits. Daneben verweist die Zahl Acht darauf, dass nach den sieben Schöpfungstagen der 8. Tag der Tag der Neuschöpfung durch die Auferstehung ist, Acht also der Wiederkunft Christi entspricht, mit der sich der Kaiser in seiner Architektur und deren Zahlensymbolik hier bewusst in Verbindung brachte.
Castel del Monte sieht nicht nur aus wie eine Krone, es ist bewusst als Abbild der Kaiserkrone gedacht, die ebenfalls oktogonal ist. Acht Ecken hat auch die Pfalzkapelle in Aachen, wo der Staufer gekrönt wurde. Angeblich soll der hoch gebildete, mehrsprachige Friedrich II. selber an der Planung beteiligt gewesen sein. Seine einzigartige Form hat kein eindeutiges Vorbild und auch keine Nachfolge gefunden.
Bei der Verfilmung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ hat man sich architektonisch beim Castel del Monte bedient. Es ziert auch die Rückseite der italienischen 1-Cent-Münze.

    Adventmails 2006/09 (Listen aller Art)

    Einige absolut sichere Methoden, das Minimum aus Ihrem Architekten herauszuholen.

    Es gibt viele Vorschläge, wie man aus einem Architekten das Optimum herausholt. Dem ist nichts hinzuzufügen. Wie man es allerdings anstellt, nahezu nichts von einem Architekten zu profitieren, ist hier zusammengestellt. Die folgenden Tipps basieren auf verbürgten Berichten renommierter Architekten und sind wärmstens zu empfehlen:

    Lassen Sie Ihren Architekten im Dunkeln.
    Sagen Sie dem Architekten, dass alles, was Sie brauchen, etwas Behübschung ist. Damit erübrigt sich die Beschäftigung mit Daten, Fakten, Bedürfnissen, Vorstellungen und anderem irrelevanten Zeug. Sie erhalten auf diese Weise von Ihrem Architekten garantiert unbrauchbare Architektur.

    Verunsichern Sie den Architekten.
    Geben Sie Ihrem Architekten konstant das Gefühl, dass Sie auch mit anderen Baufachleuten (befreundete Selberbauer) sprechen, dass Sie „Fachmeinungen“ einholen. (Nicht wirklich, es reicht, so zu tun.) Im Handumdrehen wird sich Ihr Architekt mehr darauf konzentrieren, Ihnen zu gefallen und in allem nachzugeben, statt seine Arbeit künstlerisch und wirtschaftlich verantwortungsbewusst zu leisten.

    Ignorieren Sie, dass Architekten Gewinne machen müssen.
    Bestellen Sie immer mehrere kreative Lösungen zum Aussuchen. Bestellen Sie aufwendige Darstellungen oder Modelle, Expertisen), die „nichts kosten dürfen“. Weisen Sie darauf hin, dass Ihr Neffe für einen Bruchteil des Honorars einen Entwurf zeichnen würde, wenn er Zeit hätte. Damit erreichen Sie, dass Ihr Architekt statt an Qualität nur mehr an eins denkt: an Geld.

    Installieren Sie ein komplexes, hierarchisches Genehmigungsverfahren.
    Damit nicht versehentlich gute Architektur das Licht der Welt erblickt, muss Sie durch mehrere „Gutachterverfahren und Meinungseinholungen“ gefiltert werden. Sorgen Sie dafür, dass Verwandte und Bekannte Ihre fachlichen Ansichten äußern, befragen Sie auch Ihr Personal, damit der gesunde Menschenverstand bzw. die Meinung des Volkes einfließt. Die simultane Anwendung mehrerer der angeführten Methoden erhöht die Wirkung beträchtlich. Ihr Architekt ist nur mehr damit beschäftigt, seinen Entwurf zu rechtfertigen.

    Fällen Sie Entscheidungen hinter dem Rücken des Architekten.
    Besonders auf Baustellen ist diese Praxis sehr effizient und sorgt regelmäßig für heilloses Durcheinander und verführt beteiligte Professionisten mitunter dazu, Bauherr und Architekt gegeneinander auszuspielen.
    Da man bekanntlich nie genug gute Ratschläge einholen kann, sind wir über weitere sachdienliche Hinweise zu diesem Thema sehr dankbar. Der Fairness halber wird es eine Fortsetzung dieser Serie mit folgendem Titel geben: „Einige absolut sichere Methoden, Ihren Auftraggeber in den Herzinfarkt zu treiben.“

    Heinrich, Architekt, staatlich befugt und beeid. Ziviltechniker, ig passivhaus, nö ökobau- u. holzcluster, österr. inst. für baubiologie und ökologie