Adventmail 2007/10 (Countdown 24-1)

10. Dezember – 15
Fünfzehnmal zu lebenslanger Haft verurteilt zu werden, ist schon eine „Leistung“: Der als „Doktor Tod“ bekannt gewordene Arzt Harold Shipman schaffte dies, nachdem ihm ein britisches Gericht in fünfzehn Fällen Mord nachgewiesen hatte. Begangen hatte er als Hausarzt bei Manchester im Zeitraum von 1970 bis 1998 Morde wohl rund 250 Morde an seinen Patienten, die meisten davon weiblich, die meisten betagt.
Harold Frederick Shipman wurde 1946 geboren, die Schulausbildung absolvierte er in Nottingham, Medizin studierte er in Leeds. Er heiratete und wurde Vater einer Tochter und dreier Söhne. 1974 bekam er seine erste Stelle als praktischer Arzt in der Nähe von Halifax. Im Jahr darauf wurde Shipman dabei ertappt, dass er Rezepte auf das Opioid Pethidin für den eigenen Gebrauch fälschte. Er kam auf Reha und wurde kurz darauf als geheilt entlassen. Danach etablierte er sich als respektierter Arzt mit eigener Praxis in Hyde, einem Vorort von Manchester.
1998 fiel einer Kollegin die hohe Todesrate unter Shipmans Patienten auf, verbunden mit einer hohen Zahl an Einäscherungen vor allem älterer Frauen, die Shipman zu unterzeichnen hatte. Die Polizei wurde auf den Fall aufmerksam, fand aber zunächst zu wenig schlagende Beweise. Zwischen dem Beginn der Ermittlungen und Shipmans Verhaftung kamen so drei weitere Patienten ums Leben. Sein letztes Opfer war die frühere Bürgermeisterin von Hyde, Kathleen Grundy; sie wurde am 24. Juni 1998 tot zuhause aufgefunden. Der letzte, der sie lebend gesehen hatte, war Harold Shipman.
Grundys Tochter Angela Woodruff wurde stutzig, als ihr der Anwalt der Familie eröffnete, ihre Mutter habe Shipman 386.000 Pfund hinterlassen. Sie suchte die Polizei auf, nun begannen gründliche Untersuchungen. Grundys Leichnam wurde exhumiert, und prompt wies man eine Überdosis Diamorphin nach. Shipman wurde am 7. September 1998 verhaftet. Die nachfolgenden Ermittlungen ergaben einen Rattenschwanz an ähnlich gelagerten Fällen – allerdings ohne finanzielle Motive. Wann er mit den Morden begann, und wie viel es letztlich waren, blieb bis heute unklar. Insgesamt starben während Shipmans medizinischen Behandlungen 459 Personen.
Sein Prozess begann im Oktober 1999 und endete im Jänner 2000 mit 15facher Verurteilung, obwohl er seine Schuld hartnäckig leugnete. Manche Kommentatoren vermuteten als Hintergrund seiner Taten, dass Shipman als Jugendlicher dem langsamen Streben seiner krebskranken Mutter zusehen musste, andere dagegen erkannten nur „an arrogant desire to control life and death“ wie es im englischen Wikipedia heißt. Am 13. Jänner 2004, fast vier Jahre nach seiner Verurteilung und am Vorabend seines 58. Geburtstages, wurde Shipman erhängt in seiner Zelle gefunden. Das Massenblatt “The Sun” quittierte dies mit der Titelzeile „Ship Ship hooray!“
Shipman war einer der “produktivsten” Serienmörder der modernen Geschichte. Als
Folge seiner Verbrechen wurde die britische Gesetzgebung in Bezug auf Pflege und Gesundheit erheblich reformiert.

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