Adventmail 2009/16 (Was geschah am … Dezember?)

Am 16. Dezember …
… 1938 wurde die Münchnerin Louise Weidenfeller, 61 Jahre alt, dafür geehrt, acht Kinder auf die Welt gebracht zu haben. Sie war die erste Frau, die sich das „Mutterkreuz“, einen Orden mit der Aufschrift „Der Deutschen Mutter“ und dem Hakenkreuz, an die Brust heften durfte. Ab 1939 erfolgte die Verleihung dann am Muttertag.
„Den ersten, besten und ihr gemäßesten Platz hat die Frau in der Familie und die wunderbarste Aufgabe, die sie erfüllen kann, ist die, ihrem Volk Kinder zu schenken.“ So hörte sich das nationalsozialistische Frauenbild aus dem Mund von Joseph Goebbels an, der 1931 mit Hitler als Trauzeugen die spätere NS-Vorzeigefrau Magda geehelicht hatte. Die wiederum als siebenfache Mutter von Helga, Hilde, Helmut, Holdine, Hedwig, Heidrun sowie Harald aus erster Ehe selbst Mutterkreuz-Trägerin war.
Voraussetzung für die Auszeichnung war, dass die Frau „deutsch-blütig“ nach dem Ariernachweis, „erbgesund“, „anständig“ und „sittlich einwandfrei“ war. (Bei der glamourösen, rauchenden, trinkenden vormaligen Ehebrecherin Magda Goebbels, die ein Jahrzehnt lang den jüdischen Namen „Friedländer“ trug, nahm man es nicht so genau.)
Das Mutterkreuz wurde an einem Band zu feierlichen Anlässen getragen und brachte der Trägerin verschiedene Privilegien wie einen Sitzplatz in öffentlichen Verkehrsmitteln, Bevorzugung in Ämtern oder Ehrengruß durch die Hitler-Jugend des Ortes. Es dauerte bis in den Sommer 1957, bis das deutsche „Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen“ das Tragen des Mutterkreuzes verbot. Mir fällt ein, dass meine Großmutter auch eine Kandidatin gewesen wäre (oder: war?): In der Zeit zwischen 1932 und 1943 gebar sie neun Kinder.

Adventmail 2007/11 (Countdown 24-1)

11. Dezember – 14
Die 14 ist eine spannende Zahl mit vielen Bezügen zum Geistesleben:
KatholikInnen denken natürlich sofort an den Kreuzweg mit seinen 14 Stationen, bei denen der Leidensweg Christi nachvollzogen werden kann.
Oder an die 14 Nothelfer, die in bestimmten Notlagen angerufen werden (z.B. den heiligen Blasius bei Halsschmerzen).
Von 14 Frauen sagt die hebräische Bibel, sie seien schön gewesen, z.B. Judit, wegen der Holofernes gar den Kopf verlor.
14 ist die numerische Umsetzung des Namens BACH (2+1+3+8); Johann Sebastian der Große griff in seinen Werken immer wieder auf Zahlensymbolik zurück und verewigte sich so in seinen Kantaten oft selbst.
Ich greife aber die Fourteen Words („vierzehn Worte“) heraus, die besonders in den USA, mittlerweile aber auch in Europa für einen verbreiteten Glaubenssatz weißer Neonazis und Rassisten stehen: „We must secure the existence of our people and a future for White children.“ („Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft der weißen Kinder sichern.“) Formuliert wurden sie angeblich vom US-amerikanischen Rechtsextremisten David Eden Lane.
Der Satz drückt eine Überzeugung besonders US-amerikanischer Neonazis aus, die der Weltsicht der deutschen Nationalsozialisten sehr ähnlich ist: Die Weißen, die „arische Rasse“, sei allen anderen „Rassen“ überlegen. Diese – besonders die Juden und die Schwarzen – würden dennoch versuchen, die Weißen zu unterdrücken. Dagegen müssten sich die Weißen wehren, um den vermeintlich rechtmäßigen Platz für ihre heute und auch zukünftig lebenden Angehörigen zu sichern. Nicht-„Arier“ haben nach dieser Weltsicht bestenfalls als nützliche Diener eine Daseinsberechtigung, oder aber sollen überhaupt abgesiedelt werden.
Seit spätestens Mitte der 1990er Jahre wurden diese kruden Ideen auch von Neonazis in Europa übernommen. Eine 1996 in Ostdeutschland gegründete Rechtsrock-Band mit ideologischer Nähe zur verbotenen Freien Kameradschaft „Skinheads Sächsische Schweiz“, nennt sich „Die 14 Nothelfer“. In ihrem Lied „14 Words“ heißt es: „Es gibt einen Satz, den vergesse nie! Kämpfe, lebe, streite nach ihm! 14 words, never forget!“.