Adventmail 2007/16 (Countdown 24-1)

16. Dezember – 9
Griechisch „ennea“ heißt neun; „gramma“ heißt Buchstabe oder Punkt, und „Enneagramm“ bezeichnet ein neunspitziges esoterisches Symbol, das neun elementare Qualitäten unterscheiden, ordnen und miteinander in Beziehung setzen soll.
Die Wurzeln des Enneagramms sind unbekannt, es birgt Elemente der abrahamitischen Religionen ebenso wie griechische, altbabylonische und altägyptische Quellen. In den okzidentalen Kulturraum brachte es Georges I. Gurdjieff, ein russischer Esoteriker, Autor und Musiker, den die Oktoberrevolution nach Westen und schließlich nach Paris vertrieb.
Das Persönlichkeits-Enneagramm teilt Menschen in neun als fest angenommene Typen ein, ausgehend von den drei Intelligenzzentren Kopf (Verstand), Herz (Emotionen) und Bauch (Instinkt). Details erspare ich mir und euch. Wer Lust auf Selbsteinstufung hat, kann ja mal http://www.eclecticenergies.com/deutsch/enneagramm/dotest.php anklicken.
Erkenne-dich-selbst-Spiele nach Kategorien können durchaus Spaß machen. Ich hatte mal eine Phase, in der ich mich für die Typologien nach Riemanns „Grundformen der Angst“ interessierte, und eine andere, in der ich Geburtshoroskope für Frauen erstellte, für die ich mich interessierte. Und in meinem eigenen, nach dem Tierkreis erstellten, finde ich luftige Waage mich durchaus wieder. Aber das würde ich wohl auch im chinesischen Horoskop oder im Medizinrad des Sun Bear. Ein Horoskop nach den 12 Mondzyklen eines Jahres erscheint mir jedenfalls naheliegender als ein neungliedriges wie das Enneagramm.
Aber egal: Derartige Modelle haben nun einmal heuristischen Charakter: Wer suchet, der findet.
In der Psychologie nennt man die Neigung, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung zu erkennen, „Barnum-Effekt“. Er geht auf Prof. Bertram Forer zurück, der 1948 vorgab, einen Persönlichkeitstest mit seinen Studenten durchzuführen. Im Anschluss gab er ihnen die vermeintlichen Auswertungen und forderte sie auf, den Wahrheitsgehalt mit Werten von 0 (= trifft gar nicht zu) bis 5 (= trifft sehr gut zu) zu bewerten. Das Ergebnis war eine durchschnittliche Bewertung von 4,26. Groß war die Überraschung, als den Studenten eröffnet wurde, dass alle den exakt gleichen Text zu bewerten hatten, den Forer aus einem am Kiosk erhältlichen Horoskop zusammengestellt hatte.

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