Adventmail 2007/14 (Countdown 24-1)

14. Dezember – 11
„Die elf Gebote“ heißt eine recht erfolgreiche Geschichtensammlung von Norbert Silberbauer, einem 1959 in Eggenburg geborenen und jetzt in Ober-Retzbach lebenden Weinviertler Schriftsteller. Die von schwarzem Humor geprägten Geschichten ranken sich um die Zehn Gebote – und um ein elftes. Es wird gelogen und betrogen, gemordet und gestohlen, es geht also zu wie im Alten Testament. Oder wie eben in so ziemlich jeder Gesellschaft.
Silberbauer erzählt von einem leidenden Sprachpuristen, der ständig mit den grammatikalischen Fehlern seiner Umwelt konfrontiert ist. Und von einem scheinheiligen Mesner, der sich nach seinem Tod von Gott verraten und verlassen fühlt und nun seiner Kritik an Kirche und Religion im Allgemeinen und seinem Hass auf die Sonntage im Besonderen freien Lauf lässt. Wir lesen von einem verzweifelten Autor auf der Frankfurter Buchmesse, der unbeachtet bleibt – bis zu einem peinlichen Skandal, der ihn zum gefeierten Helden seiner Träume macht. Oder: Auf der Hochzeit der schwangeren Religionslehrerin Maria erinnert sich einer der Gäste schwermütig an seine eigene Beziehung mit der Braut zurück, getragen von einer Erotik, die vor allem von Entsagung bestimmt war, eine Beziehung, die ihn zunächst impotent macht für weitere.
Alle Geschichten bauen auf einem der Gebote auf, verletzen es oder führen es ad absurdum, indem sie es mehr als wörtlich nehmen, bestätigen es, indem seine Missachtung ins Verderben oder stellen es infrage, indem seine Beachtung zu gar nichts führt. Immer wiederkehrende Motive sind Einsamkeit, sexuelle Probleme oder der Kampf um Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung.

    Norbert Silberbauer. Die elf Gebote. Droemer/Knaur-Taschenbuch 2004. 238 Seiten.