Adventmail 2007/24 (Countdown 24-1)

24. Dezember – 1

    Höre Jisrael:
    ER unser Gott, ER Einer!
    Liebe denn
    IHN deinen Gott
    mit all deinem Herzen, mit all deiner Seele, mit all deiner Macht.

    (Dtn 6, 4-5; Buber-Rosenzweig-Übersetzung)

    Dieses Hauptgebot der Gottesliebe wird oftmals auch als Glaubensbekenntnis Israels bezeichnet, einer der zentralen Texte des Monotheismus. Auf diesem biblischen Glauben an den einen und einzigen Gott fußt die jüdisch-christliche Glaubenstradition. Monotheistische Religionen sind auch der Islam und die Neuzeitreligion der Baha’i.
    Als älteste (bekannte) monotheistische Religion wird gelegentlich der Zoroastrismus (von Zarathustra, um 1.800 v. Chr.) angesehen, entstanden im heutigen Iran. Allerdings ist dessen Hauptgott Ahura Mazda nicht alleiniger Schöpfer.
    Nach einer anderen Theorie tritt der Monotheismus erstmals in Ägypten im 14. Jht. v. Chr. auf, bei Pharao Echnaton, der Aton als alleinigen Gott Ägyptens bestimmte. Aber auch hier ist unklar, ob Echnaton die Existenz anderer Götter bestritt.
    Es wird allgemein angenommen, dass die altisraelitische/judäische Religion ihre monotheistische Lehre erst seit dem 5. Jht. v. Chr. unter Einflüssen von zoroastrischem und klassisch-griechischem Gedankengut entwickelt habe und vorher ihren Gott (Jahwe) nur als den eigenen Stammesgott (neben Göttern anderer Stämme oder Völker) verstand. Laut dem Selbstverständnis der heutigen Religionen Judentum, Christentum und Islam – die Orthodoxie (Rechtgläubigkeit) tut sich überall schwer mit historischem Denken – war bereits Abraham, der mythische Stammvater des Judentums ca. 1800 v. Chr., Monotheist. In Wahrheit war er bestenfalls Monolatrist, also Verehrer eines einzigen (Haupt)Gottes.
    Nach der Europäischen Wertestudie 2000 glauben 83 % der ÖsterreicherInnen an (einen nicht näher definierten) Gott, mehr als 1990 (77 %). Und auch wenn ich mit dem trinitarischen Gottesbild des Christentums so meine Probleme habe, glaube ich doch an den Gott, wie ihn Jesus der Christus vermittelt hat. Aber ob Gott in Jesus Mensch wurde? Hm, schwierige Frage… Ich denke, da lass ich mich mal überraschen.

    Und wünsche euch allen, ihr lieben AdressatInnen, ein schönes Fest heute Abend mit vielen schönen Überraschungen. Und auch gleich einen guten Start in ein hoffentlich freudvolles Jahr 2008!
    Robert

    Adventmail 2007/23 (Countdown 24-1)

    23. Dezember – 2
    Wenn ich meine Arbeits-Telefonnummer in den Hörer spreche, sage ich „fünfhundertzwölf – zwoundfünfzig – sechsundachzig“. Insofern stimmt der vorletzte Satz des folgenden Wikipedia-Eintrags nicht ganz:
    „Mit Aufkommen von elektronischen Sprechverbindungen (Telefon und Sprechfunk) bürgerte sich die Form zwo für zwei ein, um bei schlechter Übertragungsqualität, wie sie anfänglich an der Tagesordnung war, das Wort besser vom lautlich ähnlichen „drei“ unterscheiden zu können. Sie übertrug sich auf den allgemeinen geschäftlichen Verkehr und auf die Umgangssprache. Mittlerweile ist die ‚Zwo‘ nicht mehr weit verbreitet. Wert auf die Verwechslungsgefahr ausschließende Aussprache ‚Zwo‘ wird allerdings nach wie vor im Sprechfunk und auch im Alltagsbetrieb beim Heer gelegt.“

      Adventmail 2007/22 (Countdown 24-1)

      22. Dezember – 3
      Nach der moralischen Bestärkung im gestrigen Mail wage ich heute ein heißes Thema anzupacken: den Flotten Dreier als kleinstmögliche Besetzung beim Gruppensex. Folgende Illustration dazu – unter 18-Jährige jetzt bitte wegschauen – fand sich noch vor kurzem auf Wikipedia (die jetzt durch eine harmlosere und „politisch korrektere“ – weil mit Kondomen versehene – ersetzt wurde, die ihr sicher gleich mal anklicken werdet http://de.wikipedia.org/wiki/Flotter_Dreier).

      Inzwischen (2025) gibt’s weitere Illu-
      sttationen in verschiedenen Sprachen

      „Insbesondere von Menschen mit bisexuellen Neigungen wird ein Flotter Dreier als sehr befriedigend geschildert“, behauptete das Internet-Lexikon in der vor drei Monaten noch ungekürzten „Clubversion“: „Fans preisen die zusätzlichen Möglichkeiten der sexuellen Stimulation. Stimuliert die erste Person die zweite, kann diese den Lustgewinn an die dritte Person weitergeben, welche wiederum mit der ersten verkehrt. Dadurch erhält sich ein Kreislauf, indem die Lust ‚zirkuliert’. Man bekommt das, was man gegeben hat, in verwandelter Form wieder zurück.“ Wenn man bedenkt, wie viele Schüler ihre Referate direkt aus Wikipedia übernehmen, klingt dies viel zu verlockend und schrie geradezu nach Überarbeitung und Zensur. Die neue Version ist deutlich weniger enthusiastisch…

      Die Berliner Band „Stereo Total“ behandelte das Thema in ihren (auf FM4 oft gespieltem) Song „Liebe zu dritt“ (CD „Musique automatique“, 2001). Die deutsch-französische Künstlerin Francoise Cactus haucht darin lasziv…
      „ich liebe es, / liebe zu machen/ am liebsten zu dritt
      das ist total out / das ist hippieshit / aber ich sag es laut / ich liebe liebe zu dritt;
      ich liebe es, / von vier händen gestreichelt zu werden / ist der eine müde, der zweite ist fit
      uuuh! bei der liebe zu dritt…“

        Empfehlenswerte Filme zum Thema Dreieckskonstellationen sind „Jules und Jim“, „Henry & June“, „Intime Fremde“ und „Die fetten Jahre sind vorbei“, passende Bücher z.B. „Menage a trois“ von Juerg Kilchherr und „Der Gott Jesu Christi. Betrachtungen über den Dreieinigen Gott“ von Joseph Ratzinger.

        Adventmail 2007/21 (Countdown 24-1)

        21. Dezember – 4
        Klugheit/Weisheit (sophia), Gerechtigkeit (dikaiosynê), Tapferkeit (andreia) und Mäßigung (sôphrosynê) sind nach Auffassung Platons die vier wichtigsten menschlichen Qualitäten („Kardinaltugenden“). Das hat was für sich, zumindest gefällt mir seine softskill-Liste besser als die seines Lehrers Sokrates, der vor Tapferkeit und Gerechtigkeit noch Gottesfurcht und Enthaltsamkeit nennt; Gottes“furcht“ klingt doch irgendwie unsympathisch, und Enthaltsamkeit erst recht (vielleicht wäre Xanthippe weniger zänkisch gewesen, hätte ihr Mann Sokrates weniger Wert auf diese Tugend gelegt).
        Die Stoiker wiederum ergänzten die beiden unumstrittenen Tapferkeit und Gerechtigkeit durch Geschicklichkeit und Bescheidenheit. Auch nicht optimal, wie ich finde: Denn was kann ich z.B. dafür, dass ich zwar gerade Sätze, aber keine geraden Mauern fügen kann. Und Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr, wie man (fälschlicherweise) Wilhelm Busch zugeschrieben hat.
        Platon war also zu Recht der meistrezipierte Tugendauflister. Das fand z.B. auch der Vorgänger Papa Ratzis, der deutsche Papst Clemens II., der sein marmornes Grabmal im Bamberger Dom mit Allegorisierungen der vier Kardinaltugenden verzieren ließ.
        Vier passen besser auf die Seitenwände eines Sargs, deshalb ließ Clemens die drei christlichen Kardinaltugenden außen vor: Die sind laut Ambrosius Glaube, Liebe und Hoffnung, die Paulus im wunderbaren Hohelied der Liebe (1 Kor 13) nennt und dabei die Liebe als größte Tugend bezeichnet.
        Gut gefallen hat mir immer die zu meiner Studienzeit am Grazer Forum Stadtpark aufgesprühte Trias „Mit Liebe, Mut und Phantasie“.

        PS: Das passende Spiel zum Adventkästchen. „4 gewinnt“ online.

          Adventmail 2007/20 (Countdown 24-1)

          20. Dezember – 5
          Punsch ist ein alkoholisches Heißgetränk, das in der Grundvariante aus Rotwein, Rum, Orangen und Gewürzen wie Anis und Zimt zubereitet wird.
          Das Mischgetränk stammt ursprünglich aus Indien, wo es aus den fünf Grundzutaten – daher die Entlehnung aus dem Hindi-Wort panca für „fünf“ – Arrak, Zucker, Zitrone, Wasser und Tee „zusammengepantscht“ wurde. Englische Seefahrer der britischen Ostindien-Kompanie brachten den Punch im 17. oder 18. Jahrhundert mit nach Europa. Zu dieser Zeit galt er in Großbritannien als Lieblingsspirituose der konservativen Tories. Das englische Getränk Punch wurde später im deutschsprachigen Raum unter der Bezeichnung Punsch bekannt.
          Bei der Zubereitung sollte darauf geachtet werden, dass das Getränk nur erhitzt wird und nicht anfängt zu kochen, damit das Aroma und der Alkohol erhalten bleiben.
          Eine bekannte Variation der Rum-Orangen-Version ist die Feuerzangenbowle. Durch die hohe Temperatur, aber auch durch den beigesetzten Zucker, wirkt der Alkohol sehr schnell.
          Beim Eierpunsch wird steif geschlagenes Eiweiß und mit Rum vermischtes Eigelb zugesetzt. Kinderpunsch ist eine alkoholfreie Variante, die meist aus Früchtetee und Orangensaft besteht und mit Zimt und Nelken gewürzt ist.
          HIER noch ein Rezept für einen Festtagspunsch.

            Adventmail 2007/19 (Countdown 24-1)

            19. Dezember – 6
            Kult im besten Sinn des Wortes ist die im goldenen Pop-Jahr 1967 aufgenommene britische TV-Serie „The Prisoner“, die unter dem Titel „Nummer 6“ auch im deutschsprachigen Raum mit Erfolg lief. Hauptdarsteller und Regisseur war Patrick McGoohan, der mit seiner Vorgänger-Serie „Geheimauftrag für John Drake“ in den 1960ern für meine ersten TV-Erlebnisse sorgte.
            In „Nummer 6“ geht es um einen nicht mehr aktiven Geheimagent, der gekidnappt wird und in einem als Urlaubsort getarnten Gefängnis erwacht – gedreht in der surreal anmutenden Kulisse des nordwalisischen Dorfes Portmeirion.
            In dem Dorf befinden sich merkwürdig gekleidete Bewohner, die alle keinen Namen führen, sondern nur durch eine Nummer gekennzeichnet sind. Der immer wiederkehrende Abschiedsgruß „Wir sehen uns!“ („Be seeing you!“) wurde auch hierzulande ein geflügeltes Wort. Der Protagonist – dessen Name der Zuschauer bis ans Ende der Serie nie erfährt – wird von allen als Nummer Sechs (Number Six) bezeichnet. Das Sagen hat eine Person, die als Nummer Zwei (Number Two) bezeichnet wird.
            „Nummer 6“ besticht in insgesamt 17 Folgen durch schauspielerische Leistungen und ein visionäres, gut umgesetztes Thema: McGoohan setzt sich mit Themen wie privater Überwachung (das gesamte Dorf ist videoüberwacht), Methoden zum Brechen des Willens und dem Individuum als Opfer einer übermächtigen und anonymen Macht auseinander.
            Die Reihe gilt als eine der besten Fernsehserien dieser Zeit (im Vorjahr als DVD-Box erschienen) und hat eine starke Fankultur geschaffen. Inzwischen finden in jedem Jahr in Portmeirion Veranstaltungen statt, die auf die Serie Bezug nehmen, und die daran teilnehmenden Fans verkleiden sich als Einwohner des Ortes von Nummer 6/The Prisoner. Und in der Simpsons-Folge „Mr. X und der Website-Schund“ findet sich Homer plötzlich als Nr. 5 im Village wieder und stößt dort u. a. auch auf Nr. 6.

              Adventmail 2007/18 (Countdown 24-1)

              18. Dezember – 7

                „Die 7 ist alles“ – Die Toten Hosen, 1995

                Die 1 steht für den Anfang, für Gott und das Universum.
                Die 2 bedeutet Zweifel, Gegensatz und Widerspruch.
                Die 3 steht für das Gute und für die Dreieinigkeit.
                4 ist die Ordnung, Himmelsrichtung und Jahreszeit.

                Die 5 steht für den Menschen, die 6 für Vollkommenheit.
                8 ist die Glückszahl, 9 die Potenz aus der heiligen 3.
                Doch die 7 ist für mich alles und nichts kommt an sie heran.
                Ja, die 7 ist einfach alles, es ist die Zauber- und Märchenzahl.

                7 Schöpfungstage brauchte Gott um die Welt zu bauen.
                7 Tage hat die Woche, 7 mal geht die Sonne im Osten für uns auf.
                Über 7 Brücken musst du gehen, 7 dunkle Jahre überstehen,
                7 mal, 7 mal, das ist unsere Zahl, die über allem steht.

                7 Priester rannten 7 mal um die ganze Stadt.
                Und erst nachdem er 7 Geißlein fraß, war der Wolf so richtig satt.
                7 Raben, 7 Schwaben und das verflixte 7. Jahr,
                Jesus hängt schon lange am Kreuz, als er noch 7 Worte sprach.

                Es ist nur ’ne Zahl, doch sie lässt mich nicht mehr los.
                Nur eine Zahl, ich kann nichts dagegen tun.

                7 Meere gibt es auf der Welt, 7 Wunder wurden bisher gezählt
                und man weiß, dass es 7 Zwerge hinter 7 Bergen gibt.
                Man soll 7 mal 70 Mal verteilen*, 7 Namen hat der heilige Geist,
                für den siebten Himmel gibt einen Likör, der nach 7 Kräutern heißt.

                7 mageren Jahren gingen 7 fette voraus,
                7 drückt die Unendlichkeit und die Sonnen der Weisheit aus.

                Es ist nur ’ne Zahl, doch sie läßt mich nicht mehr los.
                Nur eine Zahl, ich kann nichts dagegen tun.

                Die 7 Posaunen von Jericho klingen immer noch in unseren Ohren.
                7 Sachen mußt du packen, wenn du die Stadt für immer verlassen sollst.
                Der Mensch lebt 10 mal 7 Jahre lang, hat uns die Bibel mal gesagt.
                Bei den 4 Winden und der Dreifaltigkeit wird dir sofort wieder klar:

                Es ist nur ’ne Zahl, doch sie läßt mich nicht mehr los.
                Nur eine Zahl, ich kann nichts dagegen tun.

                *) hier ist wohl „verzeihen“ gemeint – aber was weiß die heutige Jugend denn schon von der Bibel?!

                Adventmail 2007/17 (Countdown 24-1)

                17. Dezember – 8
                Das Castel del Monte ist das wohl bekannteste Bauwerk aus der Zeit des Hohenstaufer-Kaisers Friedrich II. in Apulien im Südosten Italiens. Die Festung wurde von 1240 bis um 1250 errichtet, wahrscheinlich aber nie ganz vollendet. Insbesondere der Innenausbau scheint nicht beendet worden zu sein.
                Seine Bedeutung erhält Castel del Monte vor allem durch seinen idealtypischen Grundriss als Achteck. Die Räume sind in zwei Geschossen um einen achtseitigen Innenhof angeordnet. Die äußeren Ecken des Oktogons sind wiederum mit acht Türmen (mit ebenfalls achteckigem Grundriss) besetzt, die jeweils mit zwei Seiten in die Mauer eingebunden sind, sodass sechs Seiten freiliegen. Die Festung ist immer noch von weitem sichtbar, sie liegt auf einer Hügelspitze mitten in der kargen Landschaft unweit von Bari.
                Das Bauwerk ist voll von Symbolismen und ein Stein gewordener Herrschaftsanspruch. Die Zahl Acht ist in mehrfacher Hinsicht symbolisch bedeutsam. Sie verweist einerseits auf das morgenländische Urbild des achtstrahligen Sternes und symbolisiert damit die Idee des Kaisertums. Das Achteck vermittelt außerdem zwischen dem Quadrat und dem Kreis als den Symbolen der Materie und des Geistes, zwischen Diesseits und Jenseits. Daneben verweist die Zahl Acht darauf, dass nach den sieben Schöpfungstagen der 8. Tag der Tag der Neuschöpfung durch die Auferstehung ist, Acht also der Wiederkunft Christi entspricht, mit der sich der Kaiser in seiner Architektur und deren Zahlensymbolik hier bewusst in Verbindung brachte.
                Castel del Monte sieht nicht nur aus wie eine Krone, es ist bewusst als Abbild der Kaiserkrone gedacht, die ebenfalls oktogonal ist. Acht Ecken hat auch die Pfalzkapelle in Aachen, wo der Staufer gekrönt wurde. Angeblich soll der hoch gebildete, mehrsprachige Friedrich II. selber an der Planung beteiligt gewesen sein. Seine einzigartige Form hat kein eindeutiges Vorbild und auch keine Nachfolge gefunden.
                Bei der Verfilmung von Umberto Ecos „Der Name der Rose“ hat man sich architektonisch beim Castel del Monte bedient. Es ziert auch die Rückseite der italienischen 1-Cent-Münze.

                  Adventmail 2007/16 (Countdown 24-1)

                  16. Dezember – 9
                  Griechisch „ennea“ heißt neun; „gramma“ heißt Buchstabe oder Punkt, und „Enneagramm“ bezeichnet ein neunspitziges esoterisches Symbol, das neun elementare Qualitäten unterscheiden, ordnen und miteinander in Beziehung setzen soll.
                  Die Wurzeln des Enneagramms sind unbekannt, es birgt Elemente der abrahamitischen Religionen ebenso wie griechische, altbabylonische und altägyptische Quellen. In den okzidentalen Kulturraum brachte es Georges I. Gurdjieff, ein russischer Esoteriker, Autor und Musiker, den die Oktoberrevolution nach Westen und schließlich nach Paris vertrieb.
                  Das Persönlichkeits-Enneagramm teilt Menschen in neun als fest angenommene Typen ein, ausgehend von den drei Intelligenzzentren Kopf (Verstand), Herz (Emotionen) und Bauch (Instinkt). Details erspare ich mir und euch. Wer Lust auf Selbsteinstufung hat, kann ja mal http://www.eclecticenergies.com/deutsch/enneagramm/dotest.php anklicken.
                  Erkenne-dich-selbst-Spiele nach Kategorien können durchaus Spaß machen. Ich hatte mal eine Phase, in der ich mich für die Typologien nach Riemanns „Grundformen der Angst“ interessierte, und eine andere, in der ich Geburtshoroskope für Frauen erstellte, für die ich mich interessierte. Und in meinem eigenen, nach dem Tierkreis erstellten, finde ich luftige Waage mich durchaus wieder. Aber das würde ich wohl auch im chinesischen Horoskop oder im Medizinrad des Sun Bear. Ein Horoskop nach den 12 Mondzyklen eines Jahres erscheint mir jedenfalls naheliegender als ein neungliedriges wie das Enneagramm.
                  Aber egal: Derartige Modelle haben nun einmal heuristischen Charakter: Wer suchet, der findet.
                  In der Psychologie nennt man die Neigung, vage und allgemeingültige Aussagen über die eigene Person als zutreffende Beschreibung zu erkennen, „Barnum-Effekt“. Er geht auf Prof. Bertram Forer zurück, der 1948 vorgab, einen Persönlichkeitstest mit seinen Studenten durchzuführen. Im Anschluss gab er ihnen die vermeintlichen Auswertungen und forderte sie auf, den Wahrheitsgehalt mit Werten von 0 (= trifft gar nicht zu) bis 5 (= trifft sehr gut zu) zu bewerten. Das Ergebnis war eine durchschnittliche Bewertung von 4,26. Groß war die Überraschung, als den Studenten eröffnet wurde, dass alle den exakt gleichen Text zu bewerten hatten, den Forer aus einem am Kiosk erhältlichen Horoskop zusammengestellt hatte.

                    Adventmail 2007/15 (Countdown 24-1)

                    15. Dezember – 10
                    „Als Zehen werden die Endabschnitte der Gliedmaßen der vierfüßigen Wirbeltiere bezeichnet, bei Primaten und Menschen nur die der hinteren Gliedmaßen“, heißt es anschaulich bei Wikipedia. Die deutsche Bezeichnung gehe wohl auf das indogermanische „deik“ (Zeiger) zurück, heißt es weiter. Das Deutsche Etymologische Wörterbuch (homepage.uibk.ac.at/~c30310/derwbhin.html) behauptet dasselbe: Zehe komme von ahd. „zeha“, germ. *taiho und idg. *deik (zeigen, weisen, sagen).
                    Hier melde ich massive Zweifel an: Es ist doch viel naheliegender, dass Zehen von der Zahl „zehn“ abzuleiten sind. Oder? Und ich argumentiere nicht nur mit dem Hausverstand, sondern auch mit der zweiten Lautverschiebung: t (toe) wird zu z (Zehe) wie „tide“ zu „Zeit“.
                    Schluckt das, Wikipetymologen!
                    „Ist der große Zeh der längste, so spricht man von einer ägyptischen Fußform. Ist jedoch der zweite Zeh der längste, so spricht man von einer griechischen Form. Die dritte Form ist die römische, bei der die Zehen in etwa in einer Linie stehen.“
                    Und: Die große Zehe trägt ca. 5 % des Körpergewichts, die übrigen Zehen ca. 7 %.
                    „Ist der große Zeh der längste, so spricht man von einer ägyptischen Fußform. Ist jedoch der zweite Zeh der längste, so spricht man von einer griechischen Form. Die dritte Form ist die römische, bei der die Zehen in etwa in einer Linie stehen.“
                    Und: Die große Zehe trägt ca. 5 % des Körpergewichts, die übrigen Zehen ca. 7 %.
                    Interessant, WikipedautorInnen. Aber wo bitte steht was über die…
                    – literarische („… sie falten die kleinen Zehlein, die Rehlein“, Christian Morgenstern),
                    – kunsthistorische („Zehen aus Schokolade werden wie Reliquien zum Kauf angeboten“, siehe „muse au chocolat“ von Katarina Schmidl),
                    – religiöse (1 Chronik 20,6b „Da trat ein Mann von riesenhafter Größe auf; er hatte je sechs Finger und sechs Zehen, zusammen 24…“)
                    – extremsportliche (Reinhold Messner: „Ich hab meine Zehen verloren, das ist ein Handicap.“ Berliner Zeitung, 1.10.94),
                    – kulinarische („Pro Teller 2 kleingehackte Knoblauchzehen und 1 Scheibe Brot gewürfelt hineingeben“
                    und
                    – erotische (Toe sucking)
                    … Bedeutung der Zehen??

                    Also: Zehen-Artikel überarbeiten! Aber gründlich!