Adventmail 2011/24 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meinen Fußballfreund …
MARKUS, 44, Professor für neutestamentliche Bibelwissenschaft an der evang.theolog. Fakultät der Uni Wien, Würnitz (NÖ)

1.) Zur Zeit der Geburt Jesu gab es viele Endzeitverkünder und Umkehrrufer. Warum hat sich grad Jesus durchgesetzt?
Jesus hat sich nicht durchgesetzt: Er ist als Gekreuzigter gescheitert. Durchgesetzt hat sich seine Botschaft, weil sie den Menschen vermittelt hat, dass die Gegenwart der neuen Gottesbeziehung nicht erst irgendwann in der Zukunft geschieht, sondern schon jetzt, wenn sie sich auf Gottes barmherzige Zuwendung einlassen, ihr Leben verändert. Bestätigt hat sich diese Botschaft für seine Anhänger und Anhängerinnen nach dem Scheitern in Visionen des Auferstandenen, sie hat aber ihre Faszination nicht daraus allein, sondern aus dem Inhalt.

2.) Die katholische Kirche verweigert Frauen die Priesterweihe, die evangelische ordiniert seit der Nachkriegszeit auch Frauen. Welche ist näher an der biblischen Vorgabe?
Heimspiel, 90. Minute, 3:3, Stanglpass von Mitscha-Eibl, Öhler braucht den Ball nur ins Tor zu drücken: Wer sich an Jesus und Paulus orientiert, wird – so das Gehirn noch strukturiert funktioniert – nichts anderes sagen können: Geschlechterdifferenzen spielen keine Rolle in der Kirche. „Da ist weder männlich noch weiblich“, schreibt Paulus und erwähnt sogar eine Apostelin. Wer sich an den (nicht von Paulus stammenden) späten Briefen orientiert, die eine stärkere Anpassung der Christen und Christinnen an gesellschaftliche Rollenbilder widerspiegeln, wird sich auf das Schweigegebot für die Frau berufen können, das sogar in einen echten Paulusbrief nachträglich hineingeschrieben wurde. Tor, Tor, Tor: Klar ist aus der Bibel, trotz ihrer patriarchalen Prägung, ganz klar zu erkennen: Frauen haben in der Kirche in allen Bereichen völlig uneingeschränkte Gleichheit, genauso wie Hundebesitzer, Schifahrerinnen, Skythen, Steirer …

3.) Meine drei boyz sind (als Kinder eines Theologenpaars) alles andere als fasziniert von Religion. Gelingt es DIR, deine Söhne zu interessieren?
Naja, es kommt darauf an, was mit „Interesse“ gemeint ist: Ich habe den Eindruck, dass „Religion“ kein bestimmender Faktor im Leben meiner drei Kinder ist, sie das aber auch nicht als völlig irrelevant abtun würden. Immerhin haben sie zuletzt bei den Gemeindevertretungswahlen mitgemacht, kommen (sehr selten) auch mal in einen Gottesdienst mit, und haben alle in Religion maturiert bzw. der dritte hat es noch vor. Aber Theologie wollte leider keiner machen, obwohl der Jonathan (Psychologiestudent, Anm.R.) da sicherlich auch gut aufgehoben wäre.

*

Meine Lieben,
hiermit endet die diesjährige Adventmailserie. Sie hat – wie ich mehreren Feedbacks entnehme – nicht nur mir viel Spaß gemacht. Ich nehme dies als Bestätigung, dass ich viele interessante Pers*nlichkeiten in meinem Bekannten- und Freundeskreis habe – EUCH! Und ich bin sehr happy darüber. Den aktiv Beteiligten danke ich n*chmals herzlich für die Mühe, die sie sich gemacht haben. Und allen Schreibenden und Lesenden wünsche ich Festtage und dann auch ein Jahr 2012 v*ll mit dem Geschenk bereichernder Begegnungen und tragender Beziehungen. R*bert

Adventmail 2011/23 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meine Schulkollegin aus meiner Kapfenberger Gym-Zeit …
ULRIKE, 51, ao. Univ.Prof. am Anglistik-Institut, Uni Innsbruck, Präsidentin der „International Association of Multilingualism“, Rott am Inn (Bayern)

1.) Du beschäftigst dich wissenschaftlich viel mit Mehrsprachigkeit. Wann ist denn der günstigste Zeitpunkt, eine Zweit- oder Drittsprache zu erlernen?
Spontane Antwort: Es gibt keinen günstigsten Zeitpunkt, sondern eine Reihe von Faktoren, die man berücksichtigen muss. Allgemein gilt noch immer die Annahme, dass der frühe Erwerb vorteilhaft wäre („the earlier the better“). Es gibt aber mittlerweile einige Studien (zB. aus span. bilingualen [katalanisch/spanisch] Kontext zu Englisch als dritter Sprache), die belegen, dass diese Annahme so nicht stimmt, da auch Erwerb, der später einsetzt, zu gleichem Lernerfolg führen kann. Was aber von größter Bedeutung ist, ist die Anzahl der Stunden und bestimmt auch die Qualität des Unterrichtes.

2.) Erziehst du deine eigenen beiden Kinder mehrsprachig?
Ja, wenn man Obersteirisch und Oberbayrisch als Teile einer Mehrsprachigkeit sieht, zu der nun im Falle meines älteren Sohnes Latein und Englisch und im Falle meines jüngeren Englisch dazugekommen sind. Nicht im Sinne von derartiger zwei/mehrsprachiger Erziehung, dass ich sie z.B. auf Englisch anspreche, da diese Art (L1 Deutschvariante/L2 Fremdsprache) der mehrsprachigen Erziehung auf emotionaler Ebene nur ganz selten funktioniert und ich daher auch davon abrate. Sprache ist auch Ausdruck einer Gefühlswelt, die sich z.B. in kulturgeprägten Märchen/Geschichten/Kinderreimen spiegelt und Eltern sollten auch diese Ebene von Sprache vermitteln können.

3.) I would like to brush up mein etwas zähflüssig gewordenes Schulenglisch – aber ohne allzu großen Aufwand. Was kannst du mir raten?
Ich rate gerne zu englischsprachigen Hörbüchern, die man auch beim Autofahren hören kann.

Adventmail 2011/22 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meinen zweitältesten/jüngsten Sohn…
MORITZ, 23, Student, Wien

1.) Der deutsche Starphilosoph Richard David Precht hat kürzlich bei einem Gesprächsabend in Wien verpflichtende Sozialdienste für junge Männer und Frauen gefordert. Sein Argument: Praktisch alle Zivildienstabsolventen bewerten ihre Tätigkeit im Nachhinein als Bereicherung und Horizonterweiterung, und viele bleiben weiterhin freiwillig engagiert. So eine institutionalisierte „Solidaritätsschule“, so Precht, wiegt schwerer als der staatliche Eingriff in die persönliche Freiheit. Du warst neun Monate Zivi in einer Behinderten-Einrichtung. Was sagst DU zu dem Thema?
Halte ich für keine schlechte Idee. Mir hat mein Zivildienst Spaß gemacht. Ich hatte vorher noch keinen Job, so habe ich einen Einblick in die Arbeitswelt bekommen. Es war auch sehr interessant, weil es ein Bereich war, mit dem ich sonst vermutlich nie in Kontakt gekommen wäre.
Allerdings muss ich schon sagen, dass es nicht allen Zivildienern bei uns so gegangen ist wie mir. Es gab auch Leute, die mit einer solchen Arbeit nicht klarkommen. Ich weiß nicht, ob diese auch davon profitieren, bzw. die Einrichtung, wenn Aufgaben schlampig oder halbherzig gemacht werden. Dennoch: Wie ich gehört habe, ist es dem Großteil der Zivis im Behindertenwohnhaus wie mir ergangen. Und das, obwohl die meisten, die bei der Lebenshilfe landen, Leute sind, die sich zu spät um eine andere Zivildienststelle gekümmert haben. Viele von ihnen machen auch weiterhin Springerdienste oder Besuchsdienste, um den Kontakt zu halten.

2.) Es heißt oft, „Sandwichkinder“ hätten es nicht leicht. Wie siehst du das? Ist es eher ein Vorteil, einen großen und einen kleinen Bruder zu haben, oder ein Nachteil, weil man wegen der vielen Aufmerksamkeit für „den Großen“ und das „Nesthäkchen“ eher übersehen wird?
Ich weiß nicht so recht, ob ich mich je wirklich als Sandwichkind gefühlt habe. Für mich war es durch die Altersunterschiede zu meinen Brüdern immer viel mehr „Gregor und Moritz“ (1 1/2 Jahre Abstand) und „Fabian“ (8 Jahre dahinter), oder, wenn‘s ums Computerspielen ging, immer „Fabian und Moritz“. Ich habe mich da immer mehr als der Bruder gesehen, zu dem beide anderen auf ihre eigene Art einen sehr vertrauten Draht haben, den sie zueinander vielleicht nicht so haben.
Auf der anderen Seite bin ich mir total sicher, dass jede schlechte Note in der Schule darauf zurückzuführen ist, dass ich der mittlere bin.
Ich denke schon auch, dass es Auswirkungen auf mein soziales Umfeld hat. Ich finde mich nämlich auch in meinem Freundeskreis sehr stark in derselben Rolle wieder.

3.) Bei der Aufnahmeprüfung fürs Sportstudium musstest du Leichtathletik, Schwimmen, Ballsport und Turnen absolvieren – eine ziemliche Bandbreite also. Was davon liegt dir am meisten und wirst du somit weiter forcieren?
Rhythmik hast du noch vergessen. Das war lustigerweise nämlich für die meisten „richtig guten“ Sportler bei der Prüfung die größte Hürde.
Zu deiner Frage:
Für mich ist eigentlich total klar, dass ich weiterhin Turnen will. Diesen Sport habe ich ja bereits vor einem Jahr im Rahmen eines USI-Kurses für mich entdeckt. Mit der ursprünglichen Motivation mir Basics für Free-Running zu erlernen, habe ich mir ein paar USI-Kurse angeschaut und mich dann für Boden und -Geräteturnen entschieden. Ich dachte mir, bevor ich Salti, Flickflacks und diverse andere Sachen im Freien versuche, lerne ich lieber die korrekte Ausführung erst in der Halle. Free-Running ist ein Trendsport mit einer ständig wachsenden Community, der in den letzten Jahren entstand. Für die Leute unter euch, denen das nichts sagt, hier ein speziell gut gelungenes Video:
http://www.youtube.com/watch?v=dHy9W9LpvlQ&fb_source=message
Mich fasziniert die Körperbeherrschung und dass man dafür nicht mehr als den eigenen Körper plus Umgebung benötigt. Bodenturnen war eigentlich auch die erste Sportart, die ich betrieben habe ohne direkten Konkurrenzkampf. In meinem Kurs feuern wir uns gegenseitig an, gratulieren uns bei erstmalig gestandenen Tricks und bleiben sogar oft nach der Stunde noch ein bisschen in der Halle und üben weiter. Es ist jedes Mal ein unglaublich tolles Gefühl, einen neuen Trick zu lernen und ihn zum ersten Mal zu stehen.
Da ich sowieso regelmäßig Fußball und im Sommer auch Volleyball spiele, wird die zweite forcierte Sportart wohl Schwimmen sein. Dazu hab ich keine Geschichte, aber jeder, der schon mal einen Schwimmer oben ohne gesehen hat, wird meine Motivation verstehen… 😉

Adventmail 2011/21 (Drei Fragen an…)

Heute gibt’s ausnahmsweise zweimal drei Fragen,
und zwar an meine Nachbarin in der autofreien Mustersiedlung, Petra, und an meinen Bruder Thomas, der Autos in Sofia verkauft und in Bad Schallerbach (OÖ) lebt.

PETRA, 44, Wien, Geschäftsführerin Netzwerk Soziale Verantwortung

1.) Du lebst jetzt seit 10 Jahren in der Autofreien Mustersiedlung. Hältst du – frei nach Freud – Auto-Triebverzicht für einen Lebenskulturgewinn?
Ja, unbedingt, Autoverzicht ist Lebenskulturgewinn! Darüber hinaus weniger Stress, keine Autowerkstätten und keine mühsame Diskussion mit Mechanikern. Und – kein Stau in der Früh bei der Fahrt in die Arbeit. Dafür stattdessen: bewundernde Blicke beim Ausziehen der Radüberhose, wenn das kleine Schwarze zum Vorschein kommt, und der Radhelm cool an die Abendtasche gehängt wird …

2.) Was sollte man mit denen machen, die sich trotz der vertraglich vereinbarten Autofreiheit morgens zu ihrem Auto schleichen?
Ich habe das auch bereits in einer Sitzung des Mieterbeirates eingebracht – ich bin dafür, diesen MieterInnen und EigentümerInnen, die Autos besitzen oder regelmäßig nutzen (inkl. Elektroautos), den Zugang zu den Gemeinschaftsräumen zu verweigern.

3.) Du warst lange Zeit in der Entwicklungszusammenarbeit tätig: Warum denkst du sind die ÖsterreicherInnen relativ spendenfreudig für EZA, machen aber bei diesem Thema so wenig Druck auf die Regierung/en, dass kaum ein Bericht über staatliche Entwicklungshilfe ohne das Wort „beschämend“ auskommt?
Eine gute argentinische Freundin hat dazu mal gesagt: „un chancho gordo no se mueve“ – ein dickes Schwein bewegt sich nicht. Dieses Bild trifft sehr gut den Partizipationswillen von uns ÖsterreicherInnen 😉

3 Fragen an meinen Bruder
THOMAS, 36, Geschäftsführer von Porsche Bulgarien

1.) Du lebst seit sieben Jahren unter der Woche am Balkan. Inwieweit reist du allmontäglich auch in eine andere Mentalität?
Nach sieben Jahren kann ich sagen, dass die Österreicher mit den Bulgaren viel gemeinsam haben. Beide haben wir nicht so viel Selbstvertrauen, aber doch einiges am Kasten. Beide sind wir eher gemütlich und abwartend, wir kommentieren lieber, als dass wir etwas unternehmen. Beide sind wir große Fußballfans und werden immer von der Nationalmannschaft enttäuscht. In beiden Ländern habe ich das Gefühl, dass wir mehr machen und schaffen sollten. Das Potenzial ist groß, vor allem in Bulgarien… Natürlich gibt es auch Unterschiede. Hier spielt sich alles auf sehr niedrigem Niveau ab. Meine Bulgarisch-Lehrerin, die 35 Jahre an der Universität unterrichtet hat, bekommt 200 Euro Pension. Und das Leben hier ist nicht so viel billiger als in Österreich. Insofern ist das eine andere Realität.

2.) Was meinst du als Manager: War die Finanzkrise des Jahres 2008 erst der Vorgeschmack auf eine Wirtschaftskrise, bei der uns allen noch Hören und Sehen vergehen wird?
In Bulgarien hatten wir in unserer Branche in den Jahren 2008 und 2009 einen Gesamtmarktrückgang von 70 %. Und für die Leute hier war das keine Krise. Die hatten schon etwas ganz anderes erlebt. Nach der Wende war von heute auf morgen das Geld nichts mehr wert. Und nach Einführung des Währungsbords Ende der 90er mussten die meisten Bulgaren echt ums Überleben kämpfen.
Daher sage ich, das jetzt ist keine Krise. Das ist das normale Auf und Ab in der Wirtschaft. Das gibt es immer. Kann schon sein, dass ein Staat pleitegeht – aber auch das ist nicht ungewöhnlich. Ich weiß nicht, wie oft Österreich schon pleite war. Schon einige Male.
Langfristig wird es bergauf gehen. Ich glaube an uns, wir entwickeln uns immer weiter.

3.) Du hast als Schüler/Student Tennis gespielt und gekickt, in einer Hardrock-Band eigene Lieder gesungen, Ölbilder gemalt, in New Orleans und Sidney gelebt und „nichts anbrennen lassen“. War es für dein heutiges Standing wichtig, deine „Jugendträume“ verwirklicht zu haben?
Absolut. Ganz wichtig. Ich zehre noch immer von den schönen Erinnerungen. Das ist eine große Energiequelle. Vor allem auf das mit der Band bin ich stolz, da ich mich damals gegen unseren Vater durchgesetzt habe.

Adventmail 2011/20 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meinen Freund und Studienkollegen…
SEPP, 51, AHS-Lehrer und Schulbibliothekar, Graz

1.) Mir gingen in meiner kurzen Berufsphase als Reli-Lehrer Schüler ziemlich auf den Keks, die Religion als „Ventilfach“ betrachteten. Wie sorgst DU für Disziplin?
Ich habe das Glück, an einer Schule Religion zu unterrichten, in der auch Ethikunterricht angeboten wird – verpflichtend für all jene, die ohne rel. Bekenntnis sind, aber auch für alle, die sich vom Religionsunterricht abmelden. Dadurch kann ich bei meinen SchülerInnen von einem Mindestmaß an Lernbereitschaft und Interesse für das Fach ausgehen. Unter „Disziplin“ verstehe ich nicht eine Friedhofsruhe, die zwar für mich als Vortragenden manchmal ganz angenehm wäre, die aber wohl eher lähmt und zum Einschlafen verführt. Ich wünsche mir eine entspannte Atmosphäre, in der es möglich ist, miteinander zu arbeiten, Erfahrungen auszutauschen, sich neues Wissen anzueignen. Diese Atmosphäre ist nicht mit Druck und Drill herzustellen, sondern erwächst aus gegenseitigem Respekt und einer großen Portion an Humor.

2.) Was ist das Wichtigste am Versuch, bei jungen Menschen Interesse an Religion zu wecken?
Das Interesse kann bei den meisten nur geweckt werden, wenn Religion mit ihrer konkreten Lebenswelt zu tun hat (nur die Reiferen, unabhängig vom Alter, wollen und können sich auch auf Wirklichkeiten außerhalb ihres Erfahrungshorizonts einlassen). Ein Gott, den wir im Elfenbeinturm der Sakristeien verstecken und von dem wir in einer den Jugendlichen völlig unverständlichen Sprache sprechen, kann bei den jungen Menschen nicht ankommen. So mancher Jugendliche findet Gott vielleicht eher in der Disko oder bei seiner großen Liebe als im kalten Kirchenraum.

3.) Brauchen wir Gott – oder kommt man ohne sie auch ganz gut zurecht?
SchülerInnen teilen mir immer wieder mit, dass sie „Gott eigentlich nicht brauchen“. Wenn ich genauer nachfrage, merke ich, dass sie dem fordernden, strengen Gott (der anscheinend die ihn verehrenden Menschen für sein Ego braucht) den Rücken kehren wollen. Eine Sehnsucht nach dem Gott der Liebe, der mein Glück und meine Freiheit will, der mich annimmt, so wie ich bin, diese Sehnsucht kann ich fast bei all meinen SchülerInnen feststellen – und auch bei mir!

Adventmail 2011/19 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meine Nichte …
SOPHIE, 20, Studentin, Graz

1.) Liebe Sophie, du studierst – wie ich das Anfang der 1980er tat – Theologie (und Germanistik) in Graz. Begeisterung à la „Wow, dann wirst du ja für die Kirche arbeiten!“ hat meine Studienwahl schon damals nicht ausgelöst – und seither ist das Image der katholischen Kirche noch viel mehr gesunken. Bist du mit Vorbehalten konfrontiert, und wie antwortest du darauf?
Ich war durchaus am Beginn meines Studiums mit Vorbehalten konfrontiert, da ich mein Studium zu einem Zeitpunkt begonnen habe, an dem das Thema Kirche in den Medien eher negativ präsent war. Die häufigste Frage war: „Wie kannst du nur zu so einer Kirche und solchen negativen Ereignissen stehen?“ Meine Antwort ist heute noch dieselbe: „Ich studiere nicht Kirche, sondern Religion. Religion umfasst sehr viele Themengebiete und das Studium an sich bietet sehr viel Raum, sich eigene Gedanken und Meinungen zu bilden. Ich stehe einzig hinter dem, was ich unter Religion und meinem Glauben verstehe.

2.) Weil’s grad zum Advent passt: Glaubst du, Maria von Nazaret hatte eine Ahnung davon, was für ein Kind da in ihrem Bauch heranwächst?
Maria ist als Mutter Jesu heutzutage so ziemlich jedem bekannt, wobei sie im Neuen Testament eigentlich nicht sehr oft genannt wird. Die Beziehung von Jesus zu seiner Mutter ist nur mithilfe der Bibel schwer auszumachen. Wenn ich jetzt kurz über einige Passagen lese, erscheint sie mir als eher sorgsame Mutter. Hätte sie Ahnung davon gehabt, was für ein Kind ihr Kind ist, ich denke, sie wäre in der Bibel anders dargestellt worden: Sie wäre noch mehr in das Leben Jesu integriert gewesen und ihm mit ihrer „Voraussicht“ zur Seite gestanden – und deshalb im Neuen Testament viel öfter erwähnt worden.

3.) Wenn man dich googelt, kommt man auf den Satz: „Der Anschlusstreffer von Sophie Weinberger kam zu spät.“ Was meinst du als Landesliga-Strikerin: Mit welcher Leistungsebene im Männerfußball könnte es ein Super-Frauenteam wie Turbine Potsdam aufnehmen?
Das Champions-League-Spiel von Turbine Potsdam gegen Lyon ist leider das einzige, das ich von dieser Mannschaft gesehen habe. Interessant war, dass der Durchschnittswert der während dem Spiel zurückgelegten Kilometer der Spielerinnen 10 km betrug. Den ungefähr gleichen Wert haben zum Beispiel die Spieler des FC Barcelona. Somit sind die Damen, was das anbelangt, schon auf gleichem Niveau, das Problem ist logischerweise der Körperbau und -einsatz. Ich schätze, dass Turbine Potsdam es mit der österreichischen Oberliga aufnehmen kann. Vielleicht ist auch mehr möglich, ich habe leider keinen guten Vergleichswert, da ich wie gesagt zu wenige Spiele gesehen habe.

Adventmail 2011/18 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meine Arbeitsbekannte und Freundin …
CLAUDIA, Fotokünstlerin, Salzburg

1.) Ich kenne niemanden, der so ausdrucksstarke Fotos macht wie du. Was müssen Nichtprofis am meisten beachten, um etwas bestmöglich ins rechte Licht zu rücken?
Licht und Schatten. Beides im richtigen Verhältnis zu sehen bzw. zu nutzen, sind in meinen Augen das A und O. Davon lasse ich mich leiten und setze beides gezielt ein. Denn dadurch wird „Dramatik“ und „Atmosphäre“ erzeugt. Licht und Schatten sind für mich noch wichtiger als der Einsatz von Farbe.

2.) Du hast schon Reisen u.a. nach Haiti, in den Kosovo oder ins Heilige Land für deine „photos with a message“ gemacht. Was ist denn deine „message“?
Meine Botschaft, Vision und Mission ist „connect – communicate – cooperate“. Das bedeutet für mich: in Beziehung treten, zu kommunizieren (mit Herz und Verstand), sich auszutauschen und zusammenzuarbeiten, jenseits von kulturellen, religiösen oder sozialen Barrieren. In Kürze geht es mir um die Förderung von Mensch und Menschlichkeit durch die Fotografie.

3.) Könntest du als Geschenk für die MailempfängerInnen einen link posten zu einem deiner Fotos, das dir besonders am Herzen liegt?
Link: www.henzlerworks.com
Kurzfotovideo: „Under my skin“ http://www.youtube.com/watch?v=bjkoS-dZFns

Adventmail 2011/17 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meinen Freund und Mit-Cineasten …
RUDI, 56, Werbegrafiker, Religionslehrer, Langenzersdorf (NÖ.)

1.) Du hast als katholischer Theologe sowohl Hebräisch als auch Arabisch gelernt und dich viel und wertschätzend mit dem Judentum und Islam beschäftigt. Meinst du eigentlich, dass alles Reden von Gott letztlich kulturbedingte Varianten desselben „höchsten Wesens“ sind?
Als Student in Jerusalem hat es angefangen, bei diversen Bibelschulen in Israel hab ich es eifrig weitergepflegt und beim Studieren (Judaistik) hab ich es vertieft: mein Interesse für das Judentum. War es das Fremde im eigenen Glauben? War es das phantasievolle Spielen mit Buchstaben als legitime Auslegungsweise der Bibel? War es der Eindruck, in der katholischen Theologie nur „halbherzig“ über „unsere älteren Brüder und Schwestern“ informiert worden zu sein? –
Was den Islam angeht, waren es zunächst Lebensweise und Kulturen im „Orient“, aber auch die neue gesellschaftliche Situation in Europa, die mich angeregt haben. Ehrlicherweise aber auch einige Mystiker wie z.B. Dschalal ad-Din Rumi: „Komm, wer du auch seiest! Wanderer, Anbeter, Liebhaber des Loslassens, komm. Dies ist keine Karawane der Verzweiflung. Auch wenn du deinen Eid tausendmal gebrochen hast, komm nur, und noch einmal: komm!“
Ist es legitim, die Frage nach den kulturbedingten Varianten des letztlich selben „höchsten Wesens“ mit einem Zitat aus dem Qur’an zu beantworten? „Und sprecht: ,Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt ward und was zu euch herabgesandt ward; und unser Gott und euer Gott ist Einer; und Ihm sind wir ergeben.’“ (Sure 29:47)

2.) Seit September unterrichtest du nach 24 Jahren Pause wieder Religion – neben deinem bisherigen Beruf. Inwiefern hat sich das System Schule (die Schüler, die Lehrerkollegen, die inhaltlichen Vorgaben) seit damals verändert?
Ich bin angetan vom Interesse der am Unterricht teilnehmenden SchülerInnen am Thema Religion(en) und an gesellschaftlichen und alltäglichen Themen, die davon berührt werden. Ich bin nicht überrascht über das Bild, das sie von der Kirche haben …
Wie soll ich es sagen? Früher hätte man/frau es vielleicht „postmodern“ genannt, was ich bei meiner teilweisen Rückkehr in den Religionsunterricht (halbe Lehrverpflichtung) vorfinde. Ich bin in der nächsten, besser: in der übernächsten Generation gelandet. Eine uniforme Gesellschaft ist längst vergangen, Pluralität ist angesagt – ein Konsens lässt sich im Glücksfall über Kommunikation herstellen … und das tun wir eifrig im Unterricht.
Ein Beispiel: Unlängst stand in der Maturaklasse das Thema Schöpfung/Verantwortung auf dem Programm. Ich hab meinen SchülerInnen zunächst das Projekt www.neotopia.ch vorgestellt, also die Abschlussarbeit (Buch und Webseite) einer Schweizer Grafikerin Manuela Pfrunder (ja, eine Grafikerin …) zum Thema „Uniform“ nach ihrer Ausbildung. Sie hat – ausgehend von weltweiten Daten der UNO – errechnet, wie die Welt aussehen würde, wenn alle von allem (Sonne, Wasser, Land, Essen, Kleidung, Internet …) gleich viel hätten und hat einen „utopogeografischen“ Atlas der beendeten Schöpfung, eine Apokalypse der Gerechtigkeit gestaltet … jedeR auf einer kleinen Insel. Wir würden zum Beispiel alle 60 Tage einen Kaffee trinken … die Arbeit wurde vielfach prämiert.
Und im Unterricht waren wir damit neben einer intensiven Diskussion, wie sich heute Gerechtigkeit herstellen lässt, gut eingestimmt auf die biblischen Schöpfungsberichte, ihre literarische Form, ihre Anliegen … und in diesem Zusammenhang geben die Kreationisten ein gutes Beispiel ab, wie „Fundis“ einer pluralen Welt entkommen möchten…

3.) Seit 1999 bist du Werbegrafiker. Schick uns doch bitte einen link zu einer Webseite, auf die du besonders stolz bist…
Besondere Freude gemacht hat mir u.a. die Gestaltung der folgenden Seiten, weil es Kooperationen mit interessanten Menschen waren, bzw. wichtige Anliegen: www.armutskonferenz.at, www.bildungsberatung-noe.at, www.impulsleben.at, www.ksoe.at, www.ausbildungsinstitut.at, gaby.rass-hubinek.at, www.morenomuseum.at
Die interessantesten Bücher, die ich gemacht, bzw. mitgearbeitet habe: „Umwelt Stadt. Geschichte des Natur- und Lebensraumes Wien“; Josef Mann, „Nie wieder Jerusalem?“

Adventmail 2011/16 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meinen jüngsten Sohn …
FABIAN, 15, Schüler, Korneuburg.

1.) Im Moment wird sehr viel über Schulreformen geredet. Könnte man sich auf der Suche nach Verbesserungen was von einer Hochbegabtenschule wie dem Poppergymnasium abschauen?
Einige Lehrer an unserer Schule erwähnen hin und wieder, dass sie es eigentlich enttäuschend finden, dass andere Schulen keine erprobten Systeme von der Popperschule übernehmen. Sie ist ein Schulversuch, den Schülern geht es sehr gut an der Schule – aber dennoch sind andere Schulen skeptisch gegenüber Neuerungen, die bei uns sehr gut funktioniert haben. Beispielsweise das Contracting-System: Jeder Schüler entscheidet mit jedem Lehrer gemeinsam darüber, wie er zu seiner Note kommt. Oder das Coaching: Alle zwei Wochen treffen sich die Schüler mit einem eigens zugeteilten Coach (aus dem Lehrkörper), dem sie alle ihre Beschwerden/Anregungen/Probleme (z.B. mit Lehrern oder Schülern) bezüglich der Schule anvertrauen können.

2.) Was findest Du am schwierigsten beim Erwachsenwerden?
Das Ansteigen der Erwartungen. Ich habe manchmal das Gefühl, den Herausforderungen nicht gewachsen zu sein und damit andere zu enttäuschen. Natürlich habe ich nichts dagegen, wenn man je älter ich werde, mehr von mir verlangt, aber das geht mir ein bisschen zu schnell.

3.) Du hast kürzlich mal gesagt, Arno Geigers Buch über seinen demenzkranken Vater („Der alte König in seinem Exil“) hat dir gefallen. Ich hab’s inzwischen auch gelesen. Was genau hat dich daran beeindruckt?
Ich hatte einmal im Fach KoSo (Kommunikation und Sozialkompetenz) bei einem Sozialprojekt in einem Altersheim mit dem Thema Demenz zu tun. Als ich für den Deutschunterricht dann später ein Buch beschreiben sollte, bin ich auf das von Geiger gekommen. Ich fand das Buch sehr berührend – ich fühlte mich in die Geschichte hineingezogen und empfand mit Arno Geiger mit. Es lässt verstehen, wie es ist, einen demenzkranken Vater zu haben. Es zeigt, dass mit der Krankheit nicht nur Trauer und Verzweiflung verbunden sein müssen, sondern auch unerwartete Erkenntnisse und gelegentlich sogar Humor.

Adventmail 2011/15 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meine Freundin …
KATHI, 42, Soziologindiplomarbeitscoachlektorinautorin, Wien

1.) Du hast mit „Indico“ ein Institut für Diplomarbeitscoaching gegründet. Sind die Unis mit immer mehr und immer dümmeren MaturantInnen so überfordert, dass es so etwas braucht?
nein, die unis sind nicht in der lage, den nötigen kompetenzaufbau zum „derheben“ einer wissenschaftlichen arbeit zu leisten. würde es mehr/bessere einschlägige lehrveranstaltungen geben bzw. tatsächliche betreuung durch die profs, bräuchte es mich eh nimmer… mal sehen, ob die künftigen maturantInnen durch die verpflichtende vorwissenschaftliche arbeit diese kompetenzen schon in der schule lernen….

2.) Könnte man mit deiner Hilfe – jetzt rein theoretisch gefragt – seine Abschlussarbeit so zusammenkopieren, dass das Plagiat nicht auffällt?
diese frage ist ja fast eine ehrenbeleidigung… natürlich nicht. ich unterstütze studierende dabei, ihre eigenen forschungsfragen, methodendesigns, theorie-einbettungen und interessenszusammenhänge zu finden und nicht, fremde zu collagieren….

3.) Du hast Soziologie und Europäische Ethnologie studiert, lehrst an diesen Instituten und auch an jenem für Bildungswissenschaften, bist Organisationsentwicklerin, Coach, Bewährungshelferin und angehende Psychotherapeutin. Warum hast du eigentlich die Theologie, die Mutter aller Wissenschaften, ausgelassen?!?
priester konnt‘ ich nicht, religionslehrerin wollt‘ ich nicht werden…. und zur pastoralassistentin fehlt mir irgendwie der hang zum faltenrock… 🙂