3 Fragen an meinen Fußballfreund …
MARKUS, 44, Professor für neutestamentliche Bibelwissenschaft an der evang.theolog. Fakultät der Uni Wien, Würnitz (NÖ)
1.) Zur Zeit der Geburt Jesu gab es viele Endzeitverkünder und Umkehrrufer. Warum hat sich grad Jesus durchgesetzt?
Jesus hat sich nicht durchgesetzt: Er ist als Gekreuzigter gescheitert. Durchgesetzt hat sich seine Botschaft, weil sie den Menschen vermittelt hat, dass die Gegenwart der neuen Gottesbeziehung nicht erst irgendwann in der Zukunft geschieht, sondern schon jetzt, wenn sie sich auf Gottes barmherzige Zuwendung einlassen, ihr Leben verändert. Bestätigt hat sich diese Botschaft für seine Anhänger und Anhängerinnen nach dem Scheitern in Visionen des Auferstandenen, sie hat aber ihre Faszination nicht daraus allein, sondern aus dem Inhalt.
2.) Die katholische Kirche verweigert Frauen die Priesterweihe, die evangelische ordiniert seit der Nachkriegszeit auch Frauen. Welche ist näher an der biblischen Vorgabe?
Heimspiel, 90. Minute, 3:3, Stanglpass von Mitscha-Eibl, Öhler braucht den Ball nur ins Tor zu drücken: Wer sich an Jesus und Paulus orientiert, wird – so das Gehirn noch strukturiert funktioniert – nichts anderes sagen können: Geschlechterdifferenzen spielen keine Rolle in der Kirche. „Da ist weder männlich noch weiblich“, schreibt Paulus und erwähnt sogar eine Apostelin. Wer sich an den (nicht von Paulus stammenden) späten Briefen orientiert, die eine stärkere Anpassung der Christen und Christinnen an gesellschaftliche Rollenbilder widerspiegeln, wird sich auf das Schweigegebot für die Frau berufen können, das sogar in einen echten Paulusbrief nachträglich hineingeschrieben wurde. Tor, Tor, Tor: Klar ist aus der Bibel, trotz ihrer patriarchalen Prägung, ganz klar zu erkennen: Frauen haben in der Kirche in allen Bereichen völlig uneingeschränkte Gleichheit, genauso wie Hundebesitzer, Schifahrerinnen, Skythen, Steirer …
3.) Meine drei boyz sind (als Kinder eines Theologenpaars) alles andere als fasziniert von Religion. Gelingt es DIR, deine Söhne zu interessieren?
Naja, es kommt darauf an, was mit „Interesse“ gemeint ist: Ich habe den Eindruck, dass „Religion“ kein bestimmender Faktor im Leben meiner drei Kinder ist, sie das aber auch nicht als völlig irrelevant abtun würden. Immerhin haben sie zuletzt bei den Gemeindevertretungswahlen mitgemacht, kommen (sehr selten) auch mal in einen Gottesdienst mit, und haben alle in Religion maturiert bzw. der dritte hat es noch vor. Aber Theologie wollte leider keiner machen, obwohl der Jonathan (Psychologiestudent, Anm.R.) da sicherlich auch gut aufgehoben wäre.
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Meine Lieben,
hiermit endet die diesjährige Adventmailserie. Sie hat – wie ich mehreren Feedbacks entnehme – nicht nur mir viel Spaß gemacht. Ich nehme dies als Bestätigung, dass ich viele interessante Pers*nlichkeiten in meinem Bekannten- und Freundeskreis habe – EUCH! Und ich bin sehr happy darüber. Den aktiv Beteiligten danke ich n*chmals herzlich für die Mühe, die sie sich gemacht haben. Und allen Schreibenden und Lesenden wünsche ich Festtage und dann auch ein Jahr 2012 v*ll mit dem Geschenk bereichernder Begegnungen und tragender Beziehungen. R*bert