Adventmail 2011/17 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meinen Freund und Mit-Cineasten …
RUDI, 56, Werbegrafiker, Religionslehrer, Langenzersdorf (NÖ.)

1.) Du hast als katholischer Theologe sowohl Hebräisch als auch Arabisch gelernt und dich viel und wertschätzend mit dem Judentum und Islam beschäftigt. Meinst du eigentlich, dass alles Reden von Gott letztlich kulturbedingte Varianten desselben „höchsten Wesens“ sind?
Als Student in Jerusalem hat es angefangen, bei diversen Bibelschulen in Israel hab ich es eifrig weitergepflegt und beim Studieren (Judaistik) hab ich es vertieft: mein Interesse für das Judentum. War es das Fremde im eigenen Glauben? War es das phantasievolle Spielen mit Buchstaben als legitime Auslegungsweise der Bibel? War es der Eindruck, in der katholischen Theologie nur „halbherzig“ über „unsere älteren Brüder und Schwestern“ informiert worden zu sein? –
Was den Islam angeht, waren es zunächst Lebensweise und Kulturen im „Orient“, aber auch die neue gesellschaftliche Situation in Europa, die mich angeregt haben. Ehrlicherweise aber auch einige Mystiker wie z.B. Dschalal ad-Din Rumi: „Komm, wer du auch seiest! Wanderer, Anbeter, Liebhaber des Loslassens, komm. Dies ist keine Karawane der Verzweiflung. Auch wenn du deinen Eid tausendmal gebrochen hast, komm nur, und noch einmal: komm!“
Ist es legitim, die Frage nach den kulturbedingten Varianten des letztlich selben „höchsten Wesens“ mit einem Zitat aus dem Qur’an zu beantworten? „Und sprecht: ,Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt ward und was zu euch herabgesandt ward; und unser Gott und euer Gott ist Einer; und Ihm sind wir ergeben.’“ (Sure 29:47)

2.) Seit September unterrichtest du nach 24 Jahren Pause wieder Religion – neben deinem bisherigen Beruf. Inwiefern hat sich das System Schule (die Schüler, die Lehrerkollegen, die inhaltlichen Vorgaben) seit damals verändert?
Ich bin angetan vom Interesse der am Unterricht teilnehmenden SchülerInnen am Thema Religion(en) und an gesellschaftlichen und alltäglichen Themen, die davon berührt werden. Ich bin nicht überrascht über das Bild, das sie von der Kirche haben …
Wie soll ich es sagen? Früher hätte man/frau es vielleicht „postmodern“ genannt, was ich bei meiner teilweisen Rückkehr in den Religionsunterricht (halbe Lehrverpflichtung) vorfinde. Ich bin in der nächsten, besser: in der übernächsten Generation gelandet. Eine uniforme Gesellschaft ist längst vergangen, Pluralität ist angesagt – ein Konsens lässt sich im Glücksfall über Kommunikation herstellen … und das tun wir eifrig im Unterricht.
Ein Beispiel: Unlängst stand in der Maturaklasse das Thema Schöpfung/Verantwortung auf dem Programm. Ich hab meinen SchülerInnen zunächst das Projekt www.neotopia.ch vorgestellt, also die Abschlussarbeit (Buch und Webseite) einer Schweizer Grafikerin Manuela Pfrunder (ja, eine Grafikerin …) zum Thema „Uniform“ nach ihrer Ausbildung. Sie hat – ausgehend von weltweiten Daten der UNO – errechnet, wie die Welt aussehen würde, wenn alle von allem (Sonne, Wasser, Land, Essen, Kleidung, Internet …) gleich viel hätten und hat einen „utopogeografischen“ Atlas der beendeten Schöpfung, eine Apokalypse der Gerechtigkeit gestaltet … jedeR auf einer kleinen Insel. Wir würden zum Beispiel alle 60 Tage einen Kaffee trinken … die Arbeit wurde vielfach prämiert.
Und im Unterricht waren wir damit neben einer intensiven Diskussion, wie sich heute Gerechtigkeit herstellen lässt, gut eingestimmt auf die biblischen Schöpfungsberichte, ihre literarische Form, ihre Anliegen … und in diesem Zusammenhang geben die Kreationisten ein gutes Beispiel ab, wie „Fundis“ einer pluralen Welt entkommen möchten…

3.) Seit 1999 bist du Werbegrafiker. Schick uns doch bitte einen link zu einer Webseite, auf die du besonders stolz bist…
Besondere Freude gemacht hat mir u.a. die Gestaltung der folgenden Seiten, weil es Kooperationen mit interessanten Menschen waren, bzw. wichtige Anliegen: www.armutskonferenz.at, www.bildungsberatung-noe.at, www.impulsleben.at, www.ksoe.at, www.ausbildungsinstitut.at, gaby.rass-hubinek.at, www.morenomuseum.at
Die interessantesten Bücher, die ich gemacht, bzw. mitgearbeitet habe: „Umwelt Stadt. Geschichte des Natur- und Lebensraumes Wien“; Josef Mann, „Nie wieder Jerusalem?“

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