3 Fragen an meinen Freund und Studienkollegen…
SEPP, 51, AHS-Lehrer und Schulbibliothekar, Graz
1.) Mir gingen in meiner kurzen Berufsphase als Reli-Lehrer Schüler ziemlich auf den Keks, die Religion als „Ventilfach“ betrachteten. Wie sorgst DU für Disziplin?
Ich habe das Glück, an einer Schule Religion zu unterrichten, in der auch Ethikunterricht angeboten wird – verpflichtend für all jene, die ohne rel. Bekenntnis sind, aber auch für alle, die sich vom Religionsunterricht abmelden. Dadurch kann ich bei meinen SchülerInnen von einem Mindestmaß an Lernbereitschaft und Interesse für das Fach ausgehen. Unter „Disziplin“ verstehe ich nicht eine Friedhofsruhe, die zwar für mich als Vortragenden manchmal ganz angenehm wäre, die aber wohl eher lähmt und zum Einschlafen verführt. Ich wünsche mir eine entspannte Atmosphäre, in der es möglich ist, miteinander zu arbeiten, Erfahrungen auszutauschen, sich neues Wissen anzueignen. Diese Atmosphäre ist nicht mit Druck und Drill herzustellen, sondern erwächst aus gegenseitigem Respekt und einer großen Portion an Humor.
2.) Was ist das Wichtigste am Versuch, bei jungen Menschen Interesse an Religion zu wecken?
Das Interesse kann bei den meisten nur geweckt werden, wenn Religion mit ihrer konkreten Lebenswelt zu tun hat (nur die Reiferen, unabhängig vom Alter, wollen und können sich auch auf Wirklichkeiten außerhalb ihres Erfahrungshorizonts einlassen). Ein Gott, den wir im Elfenbeinturm der Sakristeien verstecken und von dem wir in einer den Jugendlichen völlig unverständlichen Sprache sprechen, kann bei den jungen Menschen nicht ankommen. So mancher Jugendliche findet Gott vielleicht eher in der Disko oder bei seiner großen Liebe als im kalten Kirchenraum.
3.) Brauchen wir Gott – oder kommt man ohne sie auch ganz gut zurecht?
SchülerInnen teilen mir immer wieder mit, dass sie „Gott eigentlich nicht brauchen“. Wenn ich genauer nachfrage, merke ich, dass sie dem fordernden, strengen Gott (der anscheinend die ihn verehrenden Menschen für sein Ego braucht) den Rücken kehren wollen. Eine Sehnsucht nach dem Gott der Liebe, der mein Glück und meine Freiheit will, der mich annimmt, so wie ich bin, diese Sehnsucht kann ich fast bei all meinen SchülerInnen feststellen – und auch bei mir!