Adventmail 2011/22 (Drei Fragen an…)

3 Fragen an meinen zweitältesten/jüngsten Sohn…
MORITZ, 23, Student, Wien

1.) Der deutsche Starphilosoph Richard David Precht hat kürzlich bei einem Gesprächsabend in Wien verpflichtende Sozialdienste für junge Männer und Frauen gefordert. Sein Argument: Praktisch alle Zivildienstabsolventen bewerten ihre Tätigkeit im Nachhinein als Bereicherung und Horizonterweiterung, und viele bleiben weiterhin freiwillig engagiert. So eine institutionalisierte „Solidaritätsschule“, so Precht, wiegt schwerer als der staatliche Eingriff in die persönliche Freiheit. Du warst neun Monate Zivi in einer Behinderten-Einrichtung. Was sagst DU zu dem Thema?
Halte ich für keine schlechte Idee. Mir hat mein Zivildienst Spaß gemacht. Ich hatte vorher noch keinen Job, so habe ich einen Einblick in die Arbeitswelt bekommen. Es war auch sehr interessant, weil es ein Bereich war, mit dem ich sonst vermutlich nie in Kontakt gekommen wäre.
Allerdings muss ich schon sagen, dass es nicht allen Zivildienern bei uns so gegangen ist wie mir. Es gab auch Leute, die mit einer solchen Arbeit nicht klarkommen. Ich weiß nicht, ob diese auch davon profitieren, bzw. die Einrichtung, wenn Aufgaben schlampig oder halbherzig gemacht werden. Dennoch: Wie ich gehört habe, ist es dem Großteil der Zivis im Behindertenwohnhaus wie mir ergangen. Und das, obwohl die meisten, die bei der Lebenshilfe landen, Leute sind, die sich zu spät um eine andere Zivildienststelle gekümmert haben. Viele von ihnen machen auch weiterhin Springerdienste oder Besuchsdienste, um den Kontakt zu halten.

2.) Es heißt oft, „Sandwichkinder“ hätten es nicht leicht. Wie siehst du das? Ist es eher ein Vorteil, einen großen und einen kleinen Bruder zu haben, oder ein Nachteil, weil man wegen der vielen Aufmerksamkeit für „den Großen“ und das „Nesthäkchen“ eher übersehen wird?
Ich weiß nicht so recht, ob ich mich je wirklich als Sandwichkind gefühlt habe. Für mich war es durch die Altersunterschiede zu meinen Brüdern immer viel mehr „Gregor und Moritz“ (1 1/2 Jahre Abstand) und „Fabian“ (8 Jahre dahinter), oder, wenn‘s ums Computerspielen ging, immer „Fabian und Moritz“. Ich habe mich da immer mehr als der Bruder gesehen, zu dem beide anderen auf ihre eigene Art einen sehr vertrauten Draht haben, den sie zueinander vielleicht nicht so haben.
Auf der anderen Seite bin ich mir total sicher, dass jede schlechte Note in der Schule darauf zurückzuführen ist, dass ich der mittlere bin.
Ich denke schon auch, dass es Auswirkungen auf mein soziales Umfeld hat. Ich finde mich nämlich auch in meinem Freundeskreis sehr stark in derselben Rolle wieder.

3.) Bei der Aufnahmeprüfung fürs Sportstudium musstest du Leichtathletik, Schwimmen, Ballsport und Turnen absolvieren – eine ziemliche Bandbreite also. Was davon liegt dir am meisten und wirst du somit weiter forcieren?
Rhythmik hast du noch vergessen. Das war lustigerweise nämlich für die meisten „richtig guten“ Sportler bei der Prüfung die größte Hürde.
Zu deiner Frage:
Für mich ist eigentlich total klar, dass ich weiterhin Turnen will. Diesen Sport habe ich ja bereits vor einem Jahr im Rahmen eines USI-Kurses für mich entdeckt. Mit der ursprünglichen Motivation mir Basics für Free-Running zu erlernen, habe ich mir ein paar USI-Kurse angeschaut und mich dann für Boden und -Geräteturnen entschieden. Ich dachte mir, bevor ich Salti, Flickflacks und diverse andere Sachen im Freien versuche, lerne ich lieber die korrekte Ausführung erst in der Halle. Free-Running ist ein Trendsport mit einer ständig wachsenden Community, der in den letzten Jahren entstand. Für die Leute unter euch, denen das nichts sagt, hier ein speziell gut gelungenes Video:
http://www.youtube.com/watch?v=dHy9W9LpvlQ&fb_source=message
Mich fasziniert die Körperbeherrschung und dass man dafür nicht mehr als den eigenen Körper plus Umgebung benötigt. Bodenturnen war eigentlich auch die erste Sportart, die ich betrieben habe ohne direkten Konkurrenzkampf. In meinem Kurs feuern wir uns gegenseitig an, gratulieren uns bei erstmalig gestandenen Tricks und bleiben sogar oft nach der Stunde noch ein bisschen in der Halle und üben weiter. Es ist jedes Mal ein unglaublich tolles Gefühl, einen neuen Trick zu lernen und ihn zum ersten Mal zu stehen.
Da ich sowieso regelmäßig Fußball und im Sommer auch Volleyball spiele, wird die zweite forcierte Sportart wohl Schwimmen sein. Dazu hab ich keine Geschichte, aber jeder, der schon mal einen Schwimmer oben ohne gesehen hat, wird meine Motivation verstehen… 😉

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