21. Dezember – 4
Klugheit/Weisheit (sophia), Gerechtigkeit (dikaiosynê), Tapferkeit (andreia) und Mäßigung (sôphrosynê) sind nach Auffassung Platons die vier wichtigsten menschlichen Qualitäten („Kardinaltugenden“). Das hat was für sich, zumindest gefällt mir seine softskill-Liste besser als die seines Lehrers Sokrates, der vor Tapferkeit und Gerechtigkeit noch Gottesfurcht und Enthaltsamkeit nennt; Gottes“furcht“ klingt doch irgendwie unsympathisch, und Enthaltsamkeit erst recht (vielleicht wäre Xanthippe weniger zänkisch gewesen, hätte ihr Mann Sokrates weniger Wert auf diese Tugend gelegt).
Die Stoiker wiederum ergänzten die beiden unumstrittenen Tapferkeit und Gerechtigkeit durch Geschicklichkeit und Bescheidenheit. Auch nicht optimal, wie ich finde: Denn was kann ich z.B. dafür, dass ich zwar gerade Sätze, aber keine geraden Mauern fügen kann. Und Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr, wie man (fälschlicherweise) Wilhelm Busch zugeschrieben hat.
Platon war also zu Recht der meistrezipierte Tugendauflister. Das fand z.B. auch der Vorgänger Papa Ratzis, der deutsche Papst Clemens II., der sein marmornes Grabmal im Bamberger Dom mit Allegorisierungen der vier Kardinaltugenden verzieren ließ.
Vier passen besser auf die Seitenwände eines Sargs, deshalb ließ Clemens die drei christlichen Kardinaltugenden außen vor: Die sind laut Ambrosius Glaube, Liebe und Hoffnung, die Paulus im wunderbaren Hohelied der Liebe (1 Kor 13) nennt und dabei die Liebe als größte Tugend bezeichnet.
Gut gefallen hat mir immer die zu meiner Studienzeit am Grazer Forum Stadtpark aufgesprühte Trias „Mit Liebe, Mut und Phantasie“.
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