Zum vorgestrigen Eintrag über Familientabus ein kreativer Nachtrag:
Ein junger Mann verliebt sich. Er möchte seine Auserwählte zur Frau nehmen und fragt seinen Vater, zu dem er ein Vertrauensverhältnis hat, um Rat. Der erbleicht, als er erfährt, auf wen die Wahl des Sohnes fiel, und legt ein Veto ein: „Tut mir leid, eine Heirat ist unmöglich. Bei der Betreffenden handelt es sich nämlich um deine Schwester, aber deine Mama weiß nichts davon.“
Der junge Mann ist verzweifelt und vertraut seiner Mutter an, zu der er ein offenbar noch vertrauteres Verhältnis hat, welche Hindernisse der Vater für sein Liebesglück genannt hat.
Und jetzt kommt’s: Die Mutter lacht und meint: „Mach dir nichts draus. Dein Papa ist gar nicht dein Papa, aber er weiß nichts davon.“
Dieses Familiendrama, musikalisch garniert vom puerto-ricanischen Sänger und Schauspieler Shawn Elliot (1937-2016) in flockigem Calypso-Sound, wurde Mitte der 1960er unter dem Titel „Shame And Scandal In The Family“ zu einem Hit auch in Europa. In Österreich hielt er sich in der Weihnachtszeit 1965 ganze 4 Wochen an der Spitze der Hitparade, verdrängte „Satisfaction“ von den Stones und wurde dann wiederum von „Marmor, Stein und Eisen bricht“ von Drafi Deutscher abgelöst.
Der heuer im März verstorbene Elliot sang dabei eine „verharmloste“ Version des Originaltitels von dem aus Trinidad stammenden Calypso-Sänger Sir Lancelot (1902-2001) aus dem Jahr 1943. Dort erfährt der Sohn nämlich über eine ganze Reihe von möglichen Heiratskandidatinnen: „This girl is your sister, but your mama don’t (sic!) know!“
„Kuckuckskind“ nennt man einen Sprössling, den die Mutter dem vermeintlichen Vater unterschiebt und ihn – im Unterschied zum leiblichen – zum Nährvater macht. Die Quote der Kuckuckskinder wird für Deutschland und Österreich auf 8 bis 10 Prozent geschätzt – ganz schön hoch eigentlich. Nicht umsonst hieß es im Alten Rom: Pater semper incertus.
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Adventmails 2016/13 (Familie)
Wenn ich gefragt werden, wie ich zu meinem Doppelnamen komme, sage ich manchmal belustigt: Eibl ist mein „Bübchenname“, seit meiner Hochzeit am 13. Dezember 1986 (heute vor 30 Jahren!) trage ich zwei Familiennamen.
Als praktizierender Feminist hab ich „Mann gibt Familiennamen vor“ immer als ein zu durchbrechendes Schema empfunden. Meine erste „richtige“ Freundin Doris hatte mir diesbezüglich zu Beginn meines Studiums einen guten Schuss Political Correctness verpasst (und ich meine das ironiefrei wertschätzend). Einmal war ich beschämt, als ich aus unserem ersten gemeinsamen Urlaub Grüße nach Hause auf eine Ansichtskarte mit „Fam. Rudolf Ruschitzka“ als Adressat versah und Doris daraufhin mit hochgezogener Augenbraue anmerkte: „Aha, heißen die alle Rudolf??“
Das „Mitscha-“ zum Eibl sollte also ein Ausdruck von bekennender Partnerschaftlichkeit sein – ein Anspruch, den ich heute noch, 12 Jahre nach der Scheidung, für absolut richtig halte –, weiters ein Symbol für den Neubeginn als Paar und für die angepeilte beidseitige Work-(Family)Life-Balance.
Den Familiennamen Eibl habe ich von meiner Mutter, die mit oben genanntem Rudolf nie verheiratet war, und später durch ihre Eheschließung auch nicht mehr Eibl hieß. Meine Eibl-Großeltern – das wisst Ihr schon – hatten zwar neun Kinder, von den 21 Enkelkindern trugen dann aber letztlich nur zwei, nämlich ich und mein Cousin Fredi, deren Familiennamen. Fredi blieb kinderlos, meine drei Söhne heißen wie ich doppelnamig „Mitscha-Eibl“. Bzw. hießen. Denn der älteste, Gregor, inzwischen selbst Vater dreier Buben, heißt nach seiner Hochzeit im Vorjahr „Mitscha-Baude“.
Von den vielen Eibls verbleiben somit nur noch Moritz und Fabian als potenzielle Namensweiterträger. Was ich ein bisschen schade finde. Aber nicht sehr. Denn wichtiger ist allemal eine Beziehung, die ein festes Fundament hat. Und eine tragende Säule dafür kann ja auch der gemeinsame Name sein.
Adventmails 2016/12 (Familie)
Ich erwähnte die 21 Enkel meiner Großeltern Hans (1909-1989) und Resi (1911-1989), ihr erinnert Euch? Eines davon ist so gut wie verschwiegen, entstanden aus einem Fehltritt eines meiner Onkel. Er zahlte für seine mittlerweile längst erwachsene Tochter jahrelang brav Alimente, war jedoch offenbar nie an einem Kontakt zu ihr oder zur Mutter interessiert. Das ist mir reichlich unverständlich, denn ich kenne meinen Onkel, der lange Zeit mein präsentester männlicher Verwandter war, als warmherzigen Familienmenschen. Es gab Dutzende gemeinsame Ausflüge mit seiner damaligen Frau, seinen mit mir fast gleichaltrigen Kindern, mit meiner alleinerziehenden Mutter und mir. Bei einem Urlaub mit den Genannten küsste ich auf einem Campingplatz in Rovinj erstmals ein (deutsches) Mädchen (namens Marina), es gab viele gemeinsame Karten- und Gesellschaftsspiele, und auch im Studentenalter begleitete ich Onkel und Tante noch auf Bergwanderungen im Steirischen.
Der Onkel, seit kurzem 80 Jahre alt, war und ist ein Sanguiniker, genießt gutes Essen und Trinken, hat eine gestochen schöne Kalligraphie-Handschrift, mit der er Fotokalender voller selbst geschossener Bildern verziert und dann verschenkt, er versprüht Charme und war Flirts in jüngeren Jahren sicher nicht abgeneigt. Einer davon endete mit einer zumindest seinerseits ungewollten Schwanger- und dann Vaterschaft.
Als er 60 wurde, schrieb ich ihm eine Glückwunschkarte mit einem Dank dafür, dass er mir in vieler Hinsicht gezeigt hat und Vorbild darin war, wie das gehen kann – Vater sein. Damit war aber nicht sein (Nicht-)Agieren gegenüber seinem Tabukind gemeint, das zumindest eine späte Reue verdient hätte à la: „Ich war damals einfach nicht fähig, mehr als finanzielle Verantwortung für etwas zu übernehmen, das meinen Lebensplänen völlig widersprach. Dafür entschuldige ich mich, das war nicht in Ordnung. Und ich bitte dich, mir jetzt noch Gelegenheit zu geben, dich kennenzulernen, solange es nicht zu spät ist.“
Meine Psychotherapieausbildung ist zwar schon lange her, aber das weiß ich noch: Es lohnt sich, menschlich und psychohygienisch, Schmerz- oder Tabuzonen in der eigenen Biografie mutig in den Blick zu nehmen. Die Leichen im Keller verschwinden nicht durch Verschweigen, sie gehören aufgebahrt und dann begraben.
Adventmails 2016/11 (Familie)
Maria Theresia Walburga Amalia Christina von Österreich, die spätere Kaiserin, erblickte am 13. Mai 1717 das Licht der Welt. Sie heiratete 18-jährig Franz Stephan von Lothringen, mit dem sie gleich über mehrere Ecken verwandt war. Die 16 aus der kaiserlichen Ehe hervorgegangenen Kinder waren vielleicht deshalb anfällig für Krankheiten und Gebrechen: Sechs von ihnen starben noch in jungen Jahren, nur eine einzige Tochter, Maria Amalie (1746–1804), übertraf die Lebensdauer ihrer Mutter, die 1780 starb.
Über inzuchtbedingte Erbschäden beim Hochadel wie z.B. die Bluterkrankheit im britischen Königshaus oder die „Habsburger Lippe“ (eine vererbte Überentwicklung des Unterkiefers) ist viel geschrieben worden. Das Risiko, erbkranke Kinder zu zeugen, ist bei nicht miteinander blutsverwandten Paaren erheblich geringer, weil sehr viel seltener die Träger desselben kranken Gens zusammenkommen. Nicht umsonst sind Verwandtenehen heute in den meisten Staaten gesetzlich reguliert: Vater darf nicht Tochter, Schwester nicht Bruder heiraten. Cousins/Cousinen ersten und zweiten Grades jedoch schon.
Eine „Geschwisterliebe“ beschreibt das vor 30 Jahren veröffentlichte Lied der Berliner Punkrock-Band „Die Ärzte“, geschrieben und komponiert von Farin Urlaub. Der ziemlich explizite Text beschreibt Sex zwischen einem Mann und seiner 14-jährigen Schwester. Anfang 1987 wurde das dazugehörige Album „Die Ärzte“ aufgrund des Songs auf den Index gesetzt. Die deutsche Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien begründete das Verbot damit, das „inzestuöse Verhältnis“ im Lied werde „verherrlicht und propagiert“; der Text sei geeignet, „Jugendliche sexualethisch zu desorientieren“.
Damit darf das Lied in Deutschland bis heute weder öffentlich aufgeführt, beworben, noch Jugendlichen unter 18 Jahren zugänglich gemacht werden.
Okay, Rockmusik darf und soll provozieren. Aber es gibt wohl lohnendere Varianten dafür als Sex mit der minderjährigen Schwester.
Adventmails 2016/10 (Familie)
Erinnert sich von Euch noch jemand an die „Familie Leitner“? Diese monatliche Stegreif-Fernsehserie im ORF, ausgestrahlt von 1958 bis 1967 in 100 Folgen, mit dem noch sehr jungen Otto Schenk als Regisseur bot das Who-is-who der damaligen österreichischen Schauspielszene auf. Es war die erste von vielen Familien-TV-Serien, die mich als begeisterten Fernseher bis heute begleiten.
Gern sah ich in den 1960ern als Kind „Lieber Onkel Bill“, wo ein wohlhabender Junggeselle die Waisenkinder seines verstorbenen Bruders bei sich aufnimmt und für sie gemeinsam mit dem Butler Mr. French sorgt. Deftiger ist der Humor der Zeichentrickserie „Familie Feuerstein“ mit Fred, Wilma und Tochter Babbles und Geröllheimers als Freunden. Eine sehr männlich dominierte Familie waren in dieser Frühzeit meines TV-Konsums die Cartwrights von der Ponderosa Ranch in der Endlos-Western-Serie „Bonanza“; in den 70ern kamen die sehr amerikanisch-harmlosen „Waltons“, eine kinderreiche Baptistenfamilie, dazu („Gute Nacht, John Boy……….“).
Erstaunlicherweise nur 24 Folgen lang trieb Mundl Sackbauer in „Ein echter Wiener geht nicht unter“ zwischen 1975 bis 1979 sein Unwesen, mit dem der ORF furios und alles andere als harmlos und unamerikanisch zurückschlug. Ich erinnere mich noch genau, wie die Ernst-Hinterberger-Episoden rund um den cholerischen Proleten noch am nächsten Tag im Kapfenberger Gymnasium für Lacher sorgten.
In meiner Studienzeit und danach spielten TV-Fernsehserien keine große Rolle, „Die Bill Cosby Show“, „Alf“ oder „Gilmore Girls“ gingen an mir vorüber.
Doch mein Interesse und die Qualität des Gebotenen wuchsen wieder: Mit meinen Söhnen war ich Fan der herrlich subversiven „Simpsons“, die seit 1999 und am längsten laufende US-Zeichentrickserie; bisher entstanden in 28 Staffeln über 600 Episoden, und weitere sind in Vorbereitung. Sehr witzig und anarchisch fand ich auch „Malcolm mittendrin“ mit Brian Cranston als Vater Hal, der dann als Chemielehrer und Crystal-Meth-Koch Walter White in „Breaking Bad“ – einem auch als Familienserie relevanten Highlight der TV-Geschichte – brillierte.
Noch davor sah ich begeistert „Six Feet Under – Gestorben wird immer“ über ein Beerdigungsunternehmen, das zwei sehr unterschiedliche Brüder nach dem Tod ihres Vaters übernehmen. Und zuletzt zog ich mir „The Affair“ rein, wo ein braver Familienvater und zunächst erfolgloser Schriftsteller ein Gspusi mit einer durch den Unfalltod ihres kleinen Buben tief verletzten Frau beginnt. Das Besondere dabei: die parallelen Erzählstränge, die nacheinander die gleichen oder zumindest ähnliche Szenen aus der jeweiligen männlichen und weiblichen Perspektive der Hauptfiguren Noah und Allison schildern.
Im Übrigen bin ich der Meinung vieler Medienbeobachter: Mittlerweile gibt es viele TV-Serien, die auch anspruchsvollen Spielfilmen um nichts nachstehen. Im Gegenteil – gerade da ist oft viel mehr Raum für die Entwicklung komplexer, glaubwürdiger Charaktere.
Adventmails 2016/09 (Familie)
Ich schreibe dieses „Kästchen“ am Tag, als mein Arbeitskollege Franz ein Telefonat bekommt, bleich wird, seine Sachen zusammenpackt und sich mit der Mitteilung „Meine Mutter ist gestorben“ für die nächsten Tage verabschiedet.
Ich hatte schon erwähnt, dass von den acht Geschwistern meiner Mutter (79) und den drei Geschwistern (75) meines Vaters allesamt noch leben, was bei einer Altersstreuung von 72 bis 86 alles andere als selbstverständlich ist. Eigentlich ist mir seit dem Tod meiner Großeltern mütterlicherseits kein innerfamiliärer Tod mehr sehr nahe gegangen. Oder doch, ja, einer im Jahr 1994, als mein damaliger Schwiegervater „nach kurzer, schwerer Krankheit“ – wie es oft heißt – mit erst 64 Jahren starb. Ich war diesen über einsneunzig großen, mit markantem Gesichtserker ausgestatteten, vor Publikum redegewandten „zärtlichen Patriarchen“ noch kurz davor im AKH besuchen, hielt seine Hand und beugte mich – wohl erstmals – zum Abschied zu ihm aufs Krankenbett hinunter. Diese Umarmung blieb mir lange.
Seine sehr alt gewordene Mutter überlebte ihren Sohn um etliche Jahre – was ich mir extrem tragisch vorstelle: den Tod des eigenen Kindes erleben zu müssen. Schlimm genug, die Eltern zu verlieren und dann „in der ersten Reihe“ vorm Abgang zu stehen.
Obwohl ich als Christ an ein Weiterleben nach dem Tod glaube, als Individuum, in welcher Form auch immer, und an das Aufgefülltwerden von uns halbleeren/halbvollen Gefäßen in einem Himmel, in dem wir unsere Begrenztheiten abgestreift haben, trauere ich, wenn jemand in diesem Leben nicht mehr da ist. Und dieses Thema kommt auf mich zu, unweigerlich…
PS: Mein Kollege ist heute, am Tag der Veröffentlichung dieses Adventkästchens, nicht in der Redaktion, sondern bei der Beerdigung seiner Mutter. Gott sei ihm nahe.
Adventmails 2016/08 (Familie)
Dave Allen (1936-2005) war ein irischer Komödiant, der in einem seiner Programme beschrieb, wie sich sein “first contact with God“ gestaltete. Als kleiner, religiös unbedarfter Bub wurde er in eine Klosterschule gesteckt, wo Nonnen ein strenges Regiment führten. Dem Kleinen wurde Gottes Herrlichkeit erläutert, dieser fragte kindlich unschuldig nach dem Mann am Kreuz:
„Hatte Jesus einen Daddy?“
„Aber natürlich: Gott war sein Daddy!“
„Und hatte er eine Mummy?“
„Aber ja. Maria war seine Mummy.“
„Also war Gott mit Maria verheiratet?“
„Nein, nein. Maria war mit Josef verheiratet.“
(betretenes Schweigen des kleinen Dave, und bevor er noch etwas hinzufügen konnte, hieß es seitens der unterweisenden Nonne:)
„Shut up!“
Es ist also kompliziert. Und noch komplizierter wird es, wenn wir in der Bibel, im Markusevangelium Mk 3,21, lesen, wie Jesus reagiert, als ihn seine Verwandten (bei Matthäus ist die Rede von seiner Mutter und seinen Brüdern) aus einem Haus holen wollen, wo er vor einer großen Schar Leute predigte: „Als seine Angehörigen davon hörten, machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen; denn sie sagten: Er ist von Sinnen.“
Das deutet doch auf eine gewisse, zumindest am Beginn seiner Tätigkeit als Wanderprediger bestehende Distanz Jesu zu seiner Familie hin (Der Prophet gilt bekanntlich nichts im eigenen Haus), die wiederum wenig von dessen „Flausen“ hielt. Bei Matthäus sagt Jesus in dieser Episode sinngemäß: Nicht die da draußen sind meine richtige Familie, sondern ihr hier, die ihr Gott in den Mittelpunkt eures Lebens stellt. Wahlverwandtschaft statt Blutsverwandtschaft.
Ich gestehe, auch ich hätte als Elternteil meine Probleme damit, wenn der Filius seine Laufbahn, sei es als Zimmermann oder als Student, aufgäbe, um fortan zu verkünden, dass die Leute umkehren sollen und das Himmelreich nahe ist. „Von Sinnen“ hieße dann wohl: Ohje, wohin hat er sich da jetzt verrannt?
Adventmails 2016/07 (Familie)
Lukas Hinterseer, beim FC Ingolstadt engagierter Stürmer im österreichischen Fußball-Nationalteam, ist sowas wie das schwarze Schaf in der aus Kitzbühel stammenden Familie. Denn sonst dominieren dort die weißen Schafe, sprich Skirennläufer.
Da ist einmal Ernst Hinterseer (1932), der 1960 in Squaw Valley Olympiasieger im Slalom wurde und daraufhin 28-jährig seine Laufbahn beendete. Dann der berühmteste Hinterseer – auch mit nunmehr 62 Jahren noch ein Hansi (1954): Er wurde schon als 19-Jähriger Sieger im Riesentorlauf-Disziplinen-Weltcup, gewann RTL-Silber 1974 bei der WM in St. Moritz und insgesamt 6 Weltcuprennen. Mit erst 24 Jahren verließ er den Weltcup-Zirkus und verdiente noch ordentlich als zweifacher Profi-Weltmeister in den USA. Hansis Halbbrüder Ernst jun. (1962) und Guido (1964) scheiterten an diesen Vorgaben: Beide hatte zwar Talent und Erfolge bei Junioren-Skiweltmeisterschaften, nicht aber – teils verletzungsbedingt – bei den „Großen“ im Weltcup.
Berühmte Eltern oder Geschwister können im Sport eine ziemliche Bürde sein. Rudi Sailer (1944) etwa, Bruder des legendären Toni (1935-2009), der keine 3 Olympiasiege und 7 WM-Titel, sondern nur einen einzigen Podestplatz 1969 bei der Abfahrt in Gröden erreichte. Nicht besser erging es Helmut Schranz (1941), dem buchstäblich kleinen (weil nur 166 cm großen) Bruder des unvergessenen Karl (1938, 175 cm) oder Annemaries (1953) kleiner Schwester Cornelia Pröll (1961), die aber immerhin ein Abfahrtsrennen gewann. Tragisch verlief der Versuch von Klaus Klammer, in die Fußstapfen des goldenen Bruders Franz (1953) zu treten: Bei einem FIS-Rennen 1977 stürzte der damals 18-Jährige schwer und ist seither querschnittgelähmt.
Extrem erfolgreich waren dagegen die kroatischen Ski-Geschwister Janica und Ivica Kostelic mit Weltcupsiegen und Medaillen bei Großereignissen en masse.
Wie anstrengend es sein kann, den Spuren eines erfolgreichen Vaters zu folgen, erkennt man am Rücktritt des jüngst nach mehreren erfolglosen Versuchen Weltmeister gewordenen Formel-1-Rennfahrers Nico Rosberg. Sein Vater Keke Rosberg hatte den Titel 1982 errungen.
Vielleicht hat Lukas Hinterseer ja recht, dass er sich in einer völlig anderen Sportart versucht als der familiär vorgezeichneten. Gute Gene alleine reichen nicht. Wer weiß, vielleicht werden aus den beiden Kinder von Steffi Graf und Andre Agassi, Jaden Gil (15) und Jaz Elle (13), einmal berühmte Turmspringer statt Tennisstars. Oder aus Josef (1), dem Sohn von Benni Raich und Marlies Schild, ein Schachgroßmeister…
Adventmails 2016/06 (Familie)
Maria J. ist unverzichtbarer Teil der „Kathpress-Familie“. Und das seit 40 Jahren.
Als sie am 11. November 1976 als Sekretärin ihren Dienst in der Redaktion antrat, war sie süße 17 (sie ist also derselbe Jahrgang wie ich, der 1993 zur Agentur stieß). Bis heute ist sie ledig, „verheiratet“ allein mit der Kathpress. Ihr erster Tag, an dem sie vom legendären Chefredakteur Richard Barta empfangen wurde, ist ihr – wie sie erzählt – vor allem durch zwei unterarmlange Schmalzbrote in Erinnerung, vertilgt vom auch damals schon wohlbeleibten stv.CR Peter Musyl an seinem übervollen Schreibtisch. (Mir ist der geradlinige, humorvolle 150-Kilo-Mann u.a. durch seine beeindruckende Fähigkeit in Erinnerung, mit der Linken seine Pfeife an den Mund zu halten, während die Rechte bzw. deren Zeigefinger auf der Tastatur einer antiken Schreibmaschine herumwuselt.)
Heute ist es meist Marias Stimme, die AnruferInnen hören, wenn sie was von der Redaktion wollen. In gepflegtem Hochdeutsch sagt die sonst breites Marchfelderisch Bevorzugende: „Katholische Presseagentur, Grüß Gott!“ Von mir als langjährigem Kollegen verabschiedet sie sich abends mit einem flockigen „Arrivi!“, nachdem sie ihren Rundgang mit der Frage „Hobt’s a G’schirrl?“ beendet hat. Auch als Wasser spendende Pflanzenmutti bewährt sie sich. Und Maria ist zur Stelle, wenn es was zu feiern gibt, wenn Geburtstage zu bedenken sind oder der Obstkorb im Besprechungszimmer zu füllen ist, wenn wer Jahreskalender braucht oder wenn Gäste zum „Geschäftsfrühstück“ in die Kathpress kommen.
„Wie gut, dass es Maria gibt“, sagte schon ihr langjähriger Chef Erich Leitenberger immer wieder, in Anspielung auf die gleichnamige TV-Serie. Das findet er noch heute, 6 Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Kathpress, wenn er sich von Maria bei der Ausstellung von Fernreisetickets helfen lässt. Und andere, in weit loserer Bindung zur Kathpress stehende Altspatzen nutzen „Mary’s Place“ gerne als Aussprache- und Sorgendeponierzimmer.
Humor sie auch. Genug, über die ausgeschnittene Kirchenzeitungs-Headline zu schmunzeln, die in unserer Miniküche mit Tixo befestigt ist: „Jesus schickt Maria nicht in die Küche!“
Adventmails 2016/05 (Familie)
Dieses Adventkästchen habe ich umgeschrieben. Es sprengte den Rahmen. Von der Idee, Pop- und Rockbands mit familiären Bezügen im Namen aufzulisten wie The Mamas and the Papas, Sly and the Family Stone, die Geschwister-Bands BeeGees (=Brothers Gibb), Jackson Five, Sister Sledge („We Are Family“), die Neville Brothers oder die Allman Brothers Band kam ich auf andersnamige Gruppen, die aus Geschwistern bestehen – wie die Kings of Leon, Oasis oder die White Stripes. Dazu kommen von Paaren gebildete wie ABBA oder Generationen übergreifende wie die Carter Family oder die Kelly Family.
Und dann erst Eltern/Kinder/Geschwister als Thema – unerschöpflich! Ich nenne nur Elvis mit „That’s Alright Mama“, John Lennon oder Eminem mit ihren anklagenden „Mother“ und „Cleanin‘ Out My Closet“, Cat Stevens mit „Father and Son“, Madonna mit „Papa Don’t Preach“, die Beatles mit dem kleinen Familiendrama „She’s Leaving Home“, The Temptations mit „Papa Was A Rolling Stone“ oder Crosby, Stills, Nash & Young mit dem pädagogischen “Teach Your Children Well”…. Ihr hättet sicher spontan viele weitere Einfälle.
Hervorheben möchte ich hier den Ausnahmegitarristen und –komponisten Eric Clapton, der in „My Father’s Eyes“ über seinen Vater reflektiert, den er nie kennenlernte. Der im März 1945 geborene Eric war der uneheliche Sohn der erst 16-jährigen Patricia Clapton. Sein Vater, Edward Fryer, war als 24-jähriger Weltkriegssoldat zu dieser Zeit in England stationiert und zog noch vor der Geburt zurück zu seiner Frau nach Kanada. Eric wuchs bei seinen Großeltern auf und erfuhr erst als 9-Jähriger, dass Patricia nicht seine Schwester, sondern seine Mutter war – eine Erkenntnis, die ihn ziemlich aus der Bahn warf.
„My Father’s Eyes“, geschrieben 1998, handelt von dieser unsicheren Grundlage, auf der Eric sein Leben aufgebaut sah. Gleichzeitig merke er jedoch, dass er, wenn er in die Augen seines Sohnes blickt, den Zusammenhang findet, den er schon immer gesucht hat.
Eric Claptons Privatleben war lange unstet. 1979 heiratete er seine langjährige Liebe Pattie, nachdem diese von (seinem Freund) George Harrison geschieden worden war. Die Ehe zerbrach jedoch 1988, nicht zuletzt wegen Erics Beziehung mit der ebenfalls verheirateten Yvonne Kelly, die 1985 Ruth gebar – zu der sich Eric erst Jahre später als Vater bekannte. Auch mit seiner nächsten Lebensgefährtin, der Schauspielerin Lori Del Santo, bekam Clapton 1986 ein Kind: Sohn Conor. Der kam mit vier Jahren auf tragische Weise ums Leben, als er aus dem 53. Stock eines New Yorker Wohnhauses fiel. Im berührenden „Tears In Heaven“ verarbeitete Eric dieses Drama.
2002 heiratete er Melia McEnery, eine 31 Jahre jüngere US-Amerikanerin, die Eric zum Vater dreier weiterer Töchter machte: Julie Rose, Ella May und Sophie. Diese Ehe hält bis jetzt. Der stets rastlose Rockstar scheint in einer Geborgenheit angekommen zu sein, die er in seiner jüngsten Kindheit verlor.