Adventmails 2016/11 (Familie)

Maria Theresia Walburga Amalia Christina von Österreich, die spätere Kaiserin, erblickte am 13. Mai 1717 das Licht der Welt. Sie heiratete 18-jährig Franz Stephan von Lothringen, mit dem sie gleich über mehrere Ecken verwandt war. Die 16 aus der kaiserlichen Ehe hervorgegangenen Kinder waren vielleicht deshalb anfällig für Krankheiten und Gebrechen: Sechs von ihnen starben noch in jungen Jahren, nur eine einzige Tochter, Maria Amalie (1746–1804), übertraf die Lebensdauer ihrer Mutter, die 1780 starb.
Über inzuchtbedingte Erbschäden beim Hochadel wie z.B. die Bluterkrankheit im britischen Königshaus oder die „Habsburger Lippe“ (eine vererbte Überentwicklung des Unterkiefers) ist viel geschrieben worden. Das Risiko, erbkranke Kinder zu zeugen, ist bei nicht miteinander blutsverwandten Paaren erheblich geringer, weil sehr viel seltener die Träger desselben kranken Gens zusammenkommen. Nicht umsonst sind Verwandtenehen heute in den meisten Staaten gesetzlich reguliert: Vater darf nicht Tochter, Schwester nicht Bruder heiraten. Cousins/Cousinen ersten und zweiten Grades jedoch schon.
Eine „Geschwisterliebe“ beschreibt das vor 30 Jahren veröffentlichte Lied der Berliner Punkrock-Band „Die Ärzte“, geschrieben und komponiert von Farin Urlaub. Der ziemlich explizite Text beschreibt Sex zwischen einem Mann und seiner 14-jährigen Schwester. Anfang 1987 wurde das dazugehörige Album „Die Ärzte“ aufgrund des Songs auf den Index gesetzt. Die deutsche Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien begründete das Verbot damit, das „inzestuöse Verhältnis“ im Lied werde „verherrlicht und propagiert“; der Text sei geeignet, „Jugendliche sexualethisch zu desorientieren“.
Damit darf das Lied in Deutschland bis heute weder öffentlich aufgeführt, beworben, noch Jugendlichen unter 18 Jahren zugänglich gemacht werden.
Okay, Rockmusik darf und soll provozieren. Aber es gibt wohl lohnendere Varianten dafür als Sex mit der minderjährigen Schwester.

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