Dieses Adventkästchen habe ich umgeschrieben. Es sprengte den Rahmen. Von der Idee, Pop- und Rockbands mit familiären Bezügen im Namen aufzulisten wie The Mamas and the Papas, Sly and the Family Stone, die Geschwister-Bands BeeGees (=Brothers Gibb), Jackson Five, Sister Sledge („We Are Family“), die Neville Brothers oder die Allman Brothers Band kam ich auf andersnamige Gruppen, die aus Geschwistern bestehen – wie die Kings of Leon, Oasis oder die White Stripes. Dazu kommen von Paaren gebildete wie ABBA oder Generationen übergreifende wie die Carter Family oder die Kelly Family.
Und dann erst Eltern/Kinder/Geschwister als Thema – unerschöpflich! Ich nenne nur Elvis mit „That’s Alright Mama“, John Lennon oder Eminem mit ihren anklagenden „Mother“ und „Cleanin‘ Out My Closet“, Cat Stevens mit „Father and Son“, Madonna mit „Papa Don’t Preach“, die Beatles mit dem kleinen Familiendrama „She’s Leaving Home“, The Temptations mit „Papa Was A Rolling Stone“ oder Crosby, Stills, Nash & Young mit dem pädagogischen “Teach Your Children Well”…. Ihr hättet sicher spontan viele weitere Einfälle.
Hervorheben möchte ich hier den Ausnahmegitarristen und –komponisten Eric Clapton, der in „My Father’s Eyes“ über seinen Vater reflektiert, den er nie kennenlernte. Der im März 1945 geborene Eric war der uneheliche Sohn der erst 16-jährigen Patricia Clapton. Sein Vater, Edward Fryer, war als 24-jähriger Weltkriegssoldat zu dieser Zeit in England stationiert und zog noch vor der Geburt zurück zu seiner Frau nach Kanada. Eric wuchs bei seinen Großeltern auf und erfuhr erst als 9-Jähriger, dass Patricia nicht seine Schwester, sondern seine Mutter war – eine Erkenntnis, die ihn ziemlich aus der Bahn warf.
„My Father’s Eyes“, geschrieben 1998, handelt von dieser unsicheren Grundlage, auf der Eric sein Leben aufgebaut sah. Gleichzeitig merke er jedoch, dass er, wenn er in die Augen seines Sohnes blickt, den Zusammenhang findet, den er schon immer gesucht hat.
Eric Claptons Privatleben war lange unstet. 1979 heiratete er seine langjährige Liebe Pattie, nachdem diese von (seinem Freund) George Harrison geschieden worden war. Die Ehe zerbrach jedoch 1988, nicht zuletzt wegen Erics Beziehung mit der ebenfalls verheirateten Yvonne Kelly, die 1985 Ruth gebar – zu der sich Eric erst Jahre später als Vater bekannte. Auch mit seiner nächsten Lebensgefährtin, der Schauspielerin Lori Del Santo, bekam Clapton 1986 ein Kind: Sohn Conor. Der kam mit vier Jahren auf tragische Weise ums Leben, als er aus dem 53. Stock eines New Yorker Wohnhauses fiel. Im berührenden „Tears In Heaven“ verarbeitete Eric dieses Drama.
2002 heiratete er Melia McEnery, eine 31 Jahre jüngere US-Amerikanerin, die Eric zum Vater dreier weiterer Töchter machte: Julie Rose, Ella May und Sophie. Diese Ehe hält bis jetzt. Der stets rastlose Rockstar scheint in einer Geborgenheit angekommen zu sein, die er in seiner jüngsten Kindheit verlor.