Maria J. ist unverzichtbarer Teil der „Kathpress-Familie“. Und das seit 40 Jahren.
Als sie am 11. November 1976 als Sekretärin ihren Dienst in der Redaktion antrat, war sie süße 17 (sie ist also derselbe Jahrgang wie ich, der 1993 zur Agentur stieß). Bis heute ist sie ledig, „verheiratet“ allein mit der Kathpress. Ihr erster Tag, an dem sie vom legendären Chefredakteur Richard Barta empfangen wurde, ist ihr – wie sie erzählt – vor allem durch zwei unterarmlange Schmalzbrote in Erinnerung, vertilgt vom auch damals schon wohlbeleibten stv.CR Peter Musyl an seinem übervollen Schreibtisch. (Mir ist der geradlinige, humorvolle 150-Kilo-Mann u.a. durch seine beeindruckende Fähigkeit in Erinnerung, mit der Linken seine Pfeife an den Mund zu halten, während die Rechte bzw. deren Zeigefinger auf der Tastatur einer antiken Schreibmaschine herumwuselt.)
Heute ist es meist Marias Stimme, die AnruferInnen hören, wenn sie was von der Redaktion wollen. In gepflegtem Hochdeutsch sagt die sonst breites Marchfelderisch Bevorzugende: „Katholische Presseagentur, Grüß Gott!“ Von mir als langjährigem Kollegen verabschiedet sie sich abends mit einem flockigen „Arrivi!“, nachdem sie ihren Rundgang mit der Frage „Hobt’s a G’schirrl?“ beendet hat. Auch als Wasser spendende Pflanzenmutti bewährt sie sich. Und Maria ist zur Stelle, wenn es was zu feiern gibt, wenn Geburtstage zu bedenken sind oder der Obstkorb im Besprechungszimmer zu füllen ist, wenn wer Jahreskalender braucht oder wenn Gäste zum „Geschäftsfrühstück“ in die Kathpress kommen.
„Wie gut, dass es Maria gibt“, sagte schon ihr langjähriger Chef Erich Leitenberger immer wieder, in Anspielung auf die gleichnamige TV-Serie. Das findet er noch heute, 6 Jahre nach seinem Ausscheiden aus der Kathpress, wenn er sich von Maria bei der Ausstellung von Fernreisetickets helfen lässt. Und andere, in weit loserer Bindung zur Kathpress stehende Altspatzen nutzen „Mary’s Place“ gerne als Aussprache- und Sorgendeponierzimmer.
Humor sie auch. Genug, über die ausgeschnittene Kirchenzeitungs-Headline zu schmunzeln, die in unserer Miniküche mit Tixo befestigt ist: „Jesus schickt Maria nicht in die Küche!“
Es war ein Schock, als die Kathpress-Redaktion im Advent 2024 die Nachricht erreichte: Maria ist tot. Völlig überraschend, zuhause, viel zu früh.
Zum Nachlesen: https://www.katholisch.at/aktuelles/151542/kathpress-trauert-um-maria-jost
Und auch unser beider Ex-Chef lebt nicht mehr: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20210119_OTS0069/trauer-um-frueheren-kathpress-chefredakteur-erich-leitenberger