Lukas Hinterseer, beim FC Ingolstadt engagierter Stürmer im österreichischen Fußball-Nationalteam, ist sowas wie das schwarze Schaf in der aus Kitzbühel stammenden Familie. Denn sonst dominieren dort die weißen Schafe, sprich Skirennläufer.
Da ist einmal Ernst Hinterseer (1932), der 1960 in Squaw Valley Olympiasieger im Slalom wurde und daraufhin 28-jährig seine Laufbahn beendete. Dann der berühmteste Hinterseer – auch mit nunmehr 62 Jahren noch ein Hansi (1954): Er wurde schon als 19-Jähriger Sieger im Riesentorlauf-Disziplinen-Weltcup, gewann RTL-Silber 1974 bei der WM in St. Moritz und insgesamt 6 Weltcuprennen. Mit erst 24 Jahren verließ er den Weltcup-Zirkus und verdiente noch ordentlich als zweifacher Profi-Weltmeister in den USA. Hansis Halbbrüder Ernst jun. (1962) und Guido (1964) scheiterten an diesen Vorgaben: Beide hatte zwar Talent und Erfolge bei Junioren-Skiweltmeisterschaften, nicht aber – teils verletzungsbedingt – bei den „Großen“ im Weltcup.
Berühmte Eltern oder Geschwister können im Sport eine ziemliche Bürde sein. Rudi Sailer (1944) etwa, Bruder des legendären Toni (1935-2009), der keine 3 Olympiasiege und 7 WM-Titel, sondern nur einen einzigen Podestplatz 1969 bei der Abfahrt in Gröden erreichte. Nicht besser erging es Helmut Schranz (1941), dem buchstäblich kleinen (weil nur 166 cm großen) Bruder des unvergessenen Karl (1938, 175 cm) oder Annemaries (1953) kleiner Schwester Cornelia Pröll (1961), die aber immerhin ein Abfahrtsrennen gewann. Tragisch verlief der Versuch von Klaus Klammer, in die Fußstapfen des goldenen Bruders Franz (1953) zu treten: Bei einem FIS-Rennen 1977 stürzte der damals 18-Jährige schwer und ist seither querschnittgelähmt.
Extrem erfolgreich waren dagegen die kroatischen Ski-Geschwister Janica und Ivica Kostelic mit Weltcupsiegen und Medaillen bei Großereignissen en masse.
Wie anstrengend es sein kann, den Spuren eines erfolgreichen Vaters zu folgen, erkennt man am Rücktritt des jüngst nach mehreren erfolglosen Versuchen Weltmeister gewordenen Formel-1-Rennfahrers Nico Rosberg. Sein Vater Keke Rosberg hatte den Titel 1982 errungen.
Vielleicht hat Lukas Hinterseer ja recht, dass er sich in einer völlig anderen Sportart versucht als der familiär vorgezeichneten. Gute Gene alleine reichen nicht. Wer weiß, vielleicht werden aus den beiden Kinder von Steffi Graf und Andre Agassi, Jaden Gil (15) und Jaz Elle (13), einmal berühmte Turmspringer statt Tennisstars. Oder aus Josef (1), dem Sohn von Benni Raich und Marlies Schild, ein Schachgroßmeister…