Adventmails 2016/09 (Familie)

Ich schreibe dieses „Kästchen“ am Tag, als mein Arbeitskollege Franz ein Telefonat bekommt, bleich wird, seine Sachen zusammenpackt und sich mit der Mitteilung „Meine Mutter ist gestorben“ für die nächsten Tage verabschiedet.
Ich hatte schon erwähnt, dass von den acht Geschwistern meiner Mutter (79) und den drei Geschwistern (75) meines Vaters allesamt noch leben, was bei einer Altersstreuung von 72 bis 86 alles andere als selbstverständlich ist. Eigentlich ist mir seit dem Tod meiner Großeltern mütterlicherseits kein innerfamiliärer Tod mehr sehr nahe gegangen. Oder doch, ja, einer im Jahr 1994, als mein damaliger Schwiegervater „nach kurzer, schwerer Krankheit“ – wie es oft heißt – mit erst 64 Jahren starb. Ich war diesen über einsneunzig großen, mit markantem Gesichtserker ausgestatteten, vor Publikum redegewandten „zärtlichen Patriarchen“ noch kurz davor im AKH besuchen, hielt seine Hand und beugte mich – wohl erstmals – zum Abschied zu ihm aufs Krankenbett hinunter. Diese Umarmung blieb mir lange.
Seine sehr alt gewordene Mutter überlebte ihren Sohn um etliche Jahre – was ich mir extrem tragisch vorstelle: den Tod des eigenen Kindes erleben zu müssen. Schlimm genug, die Eltern zu verlieren und dann „in der ersten Reihe“ vorm Abgang zu stehen.
Obwohl ich als Christ an ein Weiterleben nach dem Tod glaube, als Individuum, in welcher Form auch immer, und an das Aufgefülltwerden von uns halbleeren/halbvollen Gefäßen in einem Himmel, in dem wir unsere Begrenztheiten abgestreift haben, trauere ich, wenn jemand in diesem Leben nicht mehr da ist. Und dieses Thema kommt auf mich zu, unweigerlich…
PS: Mein Kollege ist heute, am Tag der Veröffentlichung dieses Adventkästchens, nicht in der Redaktion, sondern bei der Beerdigung seiner Mutter. Gott sei ihm nahe.

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