Erinnert sich von Euch noch jemand an die „Familie Leitner“? Diese monatliche Stegreif-Fernsehserie im ORF, ausgestrahlt von 1958 bis 1967 in 100 Folgen, mit dem noch sehr jungen Otto Schenk als Regisseur bot das Who-is-who der damaligen österreichischen Schauspielszene auf. Es war die erste von vielen Familien-TV-Serien, die mich als begeisterten Fernseher bis heute begleiten.
Gern sah ich in den 1960ern als Kind „Lieber Onkel Bill“, wo ein wohlhabender Junggeselle die Waisenkinder seines verstorbenen Bruders bei sich aufnimmt und für sie gemeinsam mit dem Butler Mr. French sorgt. Deftiger ist der Humor der Zeichentrickserie „Familie Feuerstein“ mit Fred, Wilma und Tochter Babbles und Geröllheimers als Freunden. Eine sehr männlich dominierte Familie waren in dieser Frühzeit meines TV-Konsums die Cartwrights von der Ponderosa Ranch in der Endlos-Western-Serie „Bonanza“; in den 70ern kamen die sehr amerikanisch-harmlosen „Waltons“, eine kinderreiche Baptistenfamilie, dazu („Gute Nacht, John Boy……….“).
Erstaunlicherweise nur 24 Folgen lang trieb Mundl Sackbauer in „Ein echter Wiener geht nicht unter“ zwischen 1975 bis 1979 sein Unwesen, mit dem der ORF furios und alles andere als harmlos und unamerikanisch zurückschlug. Ich erinnere mich noch genau, wie die Ernst-Hinterberger-Episoden rund um den cholerischen Proleten noch am nächsten Tag im Kapfenberger Gymnasium für Lacher sorgten.
In meiner Studienzeit und danach spielten TV-Fernsehserien keine große Rolle, „Die Bill Cosby Show“, „Alf“ oder „Gilmore Girls“ gingen an mir vorüber.
Doch mein Interesse und die Qualität des Gebotenen wuchsen wieder: Mit meinen Söhnen war ich Fan der herrlich subversiven „Simpsons“, die seit 1999 und am längsten laufende US-Zeichentrickserie; bisher entstanden in 28 Staffeln über 600 Episoden, und weitere sind in Vorbereitung. Sehr witzig und anarchisch fand ich auch „Malcolm mittendrin“ mit Brian Cranston als Vater Hal, der dann als Chemielehrer und Crystal-Meth-Koch Walter White in „Breaking Bad“ – einem auch als Familienserie relevanten Highlight der TV-Geschichte – brillierte.
Noch davor sah ich begeistert „Six Feet Under – Gestorben wird immer“ über ein Beerdigungsunternehmen, das zwei sehr unterschiedliche Brüder nach dem Tod ihres Vaters übernehmen. Und zuletzt zog ich mir „The Affair“ rein, wo ein braver Familienvater und zunächst erfolgloser Schriftsteller ein Gspusi mit einer durch den Unfalltod ihres kleinen Buben tief verletzten Frau beginnt. Das Besondere dabei: die parallelen Erzählstränge, die nacheinander die gleichen oder zumindest ähnliche Szenen aus der jeweiligen männlichen und weiblichen Perspektive der Hauptfiguren Noah und Allison schildern.
Im Übrigen bin ich der Meinung vieler Medienbeobachter: Mittlerweile gibt es viele TV-Serien, die auch anspruchsvollen Spielfilmen um nichts nachstehen. Im Gegenteil – gerade da ist oft viel mehr Raum für die Entwicklung komplexer, glaubwürdiger Charaktere.