Adventmails 2014/14 (Sterne)

Das Kind berühmter Eltern zu sein, kann eine ganz schöne Hypothek bedeuten. Aus dem Schatten eines Stars herauszutreten und den Platz an der Sonne eigenen Ruhms zu finden, gelang Stella (Lateinisch für „Stern“) McCartney überzeugend. Die zweite Tochter von Paul und Linda Eastman wurde am 13. September 1971 geboren, als sich der kongeniale Komponistenpartner von John Lennon – die Beatles gab es seit 10. April 1970 nicht mehr – gerade mit seiner noch jungen Solokarriere abmühte.
Stella wuchs mit ihren beiden Geschwistern Mary (1969) und James (1977) sowie der von Paul adoptierten Halbschwester Heather (*1962) in England auf dem Land auf. Sie studierte bis 1995 an der Central Saint Martins College of Art and Design, ihre Abschlusskollektion wurde von Kate Moss und Naomi Campbell präsentiert (wofür der Name McCartney sicher kein Nachteil war). Aber Stellas Kreativität überzeugte unabhängig von ihrer Herkunft.
Bereits 1997 wurde sie Chefdesignerin des Pariser Modehauses Chloé – wie vor ihr Karl Lagerfeld. Ab 2001 trat sie mit ihrem eigenen Label Stella McCartney bei Gucci in Erscheinung. „Ihr Markenzeichen wurde elegant geschnittene Couture, natürliches Selbstbewusstsein und sexy Weiblichkeit“, heißt es auf der Website www.stellamccartney.com. Stella arbeitete für Adidas und für das Pariser Kaufhaus Printemps, für H&M und ihr eigenes Modehaus. Sie entwarf das Hochzeitkleid von Madonna, Filmkostüme für Gwyneth Paltrow and Jude Law und Bühnenoutfit für Annie Lennox. Für Olympia 2012 und die darauffolgenden Paralympics in London schuf sie die Sportbekleidung für alle britischen Teilnehmer. Ihre auch online erhältlichen Kollektionen umfassen Ready-to-Wear für Frauen, Accessoires, Dessous, Brillen, Parfums und Kinderkleidung.
Noch eine Besonderheit, die sie mit ihrem Vater und der 1998 verstorbenen Mutter Linda teilt: Stella ist überzeugte Vegetarierin und Tierschützerin und verarbeitet weder Leder noch Pelze. Dass ihr Nachhaltigkeit auch in anderen Bereichen wichtig ist, bewies Stella mit einer „Meat Free Monday“-Klimakampagne, die sie gemeinsam mit dem Unterhausabgeordneten Gregory Barker und Paul McCartney betrieb. Seit dem Herbst 2014 unterstützt Stella mit einer neuen Luxuswolle aus Patagonien den Erhalt der dortigen Graslandschaften und kampagnisierte heuer für die Einführung eines sparsamen Autos von Jaguar.
Stella wurde mit dem „Order of the British Empire (OBE)“ für ihre Verdienste um die Mode ausgezeichnet, wie ihr Vater, MBE-Ordensträger Paul, den die Queen gar zum Ritter ernannte. Und wie Sir Paul hat die Ehefrau des Publizisten Alasdhair Willis vier leibliche Kinder, alle zwischen 2005 und 2010 geboren. Ihrem Namen macht die Modedesignerin somit alle Ehre – als McCartney und als “Stella“.

Adventmails 2014/13 (Sterne)

Ein Astronaut, der in der Erdumlaufbahn, in der Schwerelosigkeit seiner Raumstation einen Song namens „Space Oddity“ einsingt und sich dabei filmt – das ist eine Steilvorlage, der ich bei meinen diesjährigen Sternemails nicht widerstehen kann. “Here am I sitting in a tin can / Far above the world / Planet earth is blue / And there’s nothing I can do”, sang der kanadische Astronaut Chris Hadfield im Vorjahr, als er im Rahmen der „ISS-Expedition 35“ durchs All flog. Sein dabei später millionenfach angeklicktes Video ist die Coverversion eines Songs von David Bowie, das 1969 zur Zeit der ersten Mondlandung im Radio zu hören war.
Ein Star braucht Zeit, bis er sich findet. So auch Pop-Chamäleon Bowie, der sich gleich mehrmals (neu er-)fand. Erstmals eindrucksvoll und mit viel Starglamour Ende der 1960er Jahre, als er beeinflusst von Stanley Kubricks „2001: A Space Odyssey“ (1968) zunächst „Space Oddity“ über den einsamen Mayor Tom schrieb. Dem ließ der damals androgyn auftretende Glam Rocker Bowie einen weiteren berühmt gewordenen Song mit Science-Fiction-Inhalt folgen: „Starman„, erschienen auf dem Konzept-Album „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ (1972) über einen ausschweifend lebenden Rockstar.
In „Starman“ wendet sich ein Außerirdischer über Radio an die Jugend auf der Erde und verspricht in einer messianischen Botschaft baldige Erlösung. „There’s a starman waiting in the sky / He’d like to come and meet us / But he thinks he’d blow our minds“, heißt es im Refrain – und ich wollte diese und die anderen Zeilen schon mal auf einer Bühne singen. Es ist nämlich so, dass meine Söhne und ich beim alljährlichen Fest in meiner autofreien Wohnsiedlung in Wien-Floridsdorf regelmäßig Gastauftritte bei der Siedlungsband haben und 3 bis 4 Songs darbieten. Da war Bowies Lied zuletzt in meiner engeren Auswahl, ich entschied mich dann aber doch dafür, „Horse with no name“ von America zu trällern.
Das nächste Fest steigt am letzten Samstag im Mai 2015, und „Starman“ könnte diesmal drankommen. Wer zuhören kommt, kann dann ja entscheiden, ob ich oder der ein knappes Monat ältere Chris Hadfield den alten David besser covern kann…

Einer der Auftritte der „BeMe’s“ beim autofreien Siedlungsfest

Adventmails 2014/12 (Sterne)

„Per aspera ad astra“, sagt der Lateiner, sagt der Bildungsbürger. Und das heißt wörtlich übersetzt: Durch das Rauhe zu den Sternen. Gemeint ist mit diesem auf den römischen Andalusier Seneca (ca. 1-65 n.Chr.) zurückgehenden Sprichwort: Es erfordert Mühsal und Anstrengung, bevor man sich im Erfolg sonnen kann.
Das lässt mich über das Verhältnis von verdientem und unverdientem Glück nachdenken. „Per aspera ad astra“ gilt z.B. sicher für einen erfolgreich absolvierten Halbmarathon – ich selbst kenne die Wonne, wenn man nach 21 Kilometern in ansprechender Zeit vor der Grazer Oper oder in der Kremser Innenstadt die Ziellinie durchläuft. Wie überhaupt jede sportliche Betätigung auch Anstrengung und Freude daran bedeutet, etwas, das ich in meinem Leben nicht missen möchte.
Früher bei Lateinschularbeiten hatte ich an einem hart erarbeiteten Vierer (ich war schlecht in Latein) mehr Freude als an einer besseren Note, die ich durch rasches Auffinden der (fremdübersetzten) Stelle im „Schmierer“ erreichte. Und jetzt im Job tut Anerkennung für einen aufwendig recherchierten und präzise formulierten Artikel so richtig gut, nicht aber Lob für Meriten, die dem Zufall zuzuschreiben sind.
Zugleich habe ich den Eindruck, dass heutzutage viele nach jenem Glück lechzen, das einem/r wie Sterntaler buchstäblich in den Schoß fällt (wobei: Diesen himmlischen Lohn bekam das Waisenmädchen laut dem Grimm-Märchen für seine mildtätige Selbstlosigkeit). Gewinnspiele wie Lotto und Preisausschreiben boomen, und auch auf politischer Ebene wird das Unverdiente geschützt: Arbeitslohn wird hoch, Erbschaften gar nicht besteuert.
Freilich: Das Leben beglücken auch Erleb- und Ereignisse, die eben nicht plan- und machbar sind. Ein schöner Sonnenuntergang z.B., der Duft einer Rose oder ein Kinderlächeln in der U-Bahn.
Wahrscheinlich bereichert am meisten eine gute Balance zwischen erarbeitetem und zugefallenem Glück. In der Theologie entspricht dem das Paar Zuspruch und Anspruch: Gott liebt uns ohne jede Vorleistung; und er/sie mutet uns zugleich zu, unsere Möglichkeiten zum „Gutsein“ auch auszuschöpfen.

Adventmails 2014/11 (Sterne)

Warum auf den Trikots der deutschen Fußballnationalmannschaft seit Juli vier Sterne prangen, auf jenen der brasilianischen Selecao gar fünf und auf jenen der spanischen „Furia Roja“ nur einer, wissen nicht nur Fußballfans. Der Ursprung dieser Trikotverzierung liegt in Italien: Dort erhielt Juventus Turin in Anerkennung seiner zehn gewonnenen Meisterschaften Ende der 1950er Jahre erstmals symbolisch einen Stern. Diese „Meistersterne“ sind somit Kennzeichen von Fußballvereinen und Fußball-Nationalmannschaften für errungene Titel.
Zwei Fliegen mit einer Klappe schlage ich, wenn ich an den 1991 errungenen Meistercup-Sieg von Roter Stern („Crvena Zvezda“) Belgrad erinnere. Es war nach Steaua Bukarest 1986 der erst zweite Triumph einer osteuropäischen Mannschaft in diesem Bewerb und geschah zu einer Zeit, als der Spruch „Geld schießt keine Tore“ noch deutlich mehr galt als heute: Die letzten zehn Champions-League-Siege wurden ausschließlich von Teams der Fußball-Großmächte Spanien (4), England (3), Italien(2) und Deutschland (1) errungen, und schon im Jahrzehnt davor durchbrachen nur der FC Porto und Ajax Amsterdam diese Phalanx.
Der Bewerb 1990/91 hatte für Roter Stern Belgrad mit einem mäßigen 1:1 daheim gegen Grasshoppers Zürich (Trainer Hitzfeld) begonnen, auswärts siegte man dann allerdings klar 4:1. In der 2. Runde wurden die Glasgow Rangers verabschiedet, danach Dynamo Dresden und im Halbfinale Bayern München. Das Finale gegen Olympic Marseille verlief torlos, im Elferschießen trafen Prosinecki und Co. allesamt und gewannen 5:3. Roter Stern sollte letztendlich an den Wirren des Jugoslawienkrieges und der UEFA-Sanktionen zerbrechen und seine Ballartisten an Großklubs in ganz Europa verlieren, allen voran Robert Prosinecki, der danach für Real Madrid auflief, Dejan Savićević, der den AC Milan verstärkte (und als 33-jähriger noch Rapid Wien beehrte) und Siniša Mihajlović, der ebenfalls nach Italien ging.
Bester Torschütze des Meistercup-Bewerbs 1990/91wurde übrigens kein Spieler von Roter Stern, sondern der Franzose Jean-Pierre Papin und – man lese und staune – Peter Pacult vom damals Happel-trainierten FC Swarowski Tirol, der in Runde 2 gegen Real Madrid eine 1:9-Packung kassierte.
Heute sind spannungsfördernde „Ausreißer“ bei UEFA-Clubbewerben wie der Sieg einer serbischen oder rumänischen Mannschaft praktisch unmöglich. Das Bosman-Urteil von 1995 brachte die davor im Fußball innerhalb Europas geltene Ausländerbeschränkung zu Fall. Für reiche Vereine wurde es viel leichter, sich die besten EU-Kicker zu kaufen. Ich finde das schade und plädiere dafür, dass bei einem Spiel jederzeit mehr einheimische Spieler auf dem Feld stehen müssen als ausländische. Aber ob Michel Platini auf mich hört?

Adventmails 2014/10 (Sterne)

Der Praterstern in Wien, der „Große Stern“ mit der Siegessäule in Berlin, der Place Charles-de-Gaulle (zuvor Place de l’Étoile) mit dem Triumphbogen in Paris… – Verkehrsknotenpunkte in Metropolen, von denen mehr als vier Straßen wie Strahlen ausgehen, heißen oft irgendwas mit Stern. Und in der Mitte prangt irgendjemand/etwas, das die Grandiosität der betreffenden Stadt oder Nation offenbaren soll. Im Wiener Fall ist das ein Denkmal für den österreichischen Admiral Tegetthoff, der den einzigen nennenswerten Erfolg der Leider-nein-Seemacht Österreich-Ungarn errang – oder besser: errammte.
Spannend finde ich, dass die damalige Weltstadt Wien bis 1870 am Praterstern und dem angeschlossenen Nordbahnhof quasi endete: Von der City aus gesehen kam nach diesem Knotenpunkt nämlich nichts mehr – zumindest nichts Urbanes, sondern nur Donauauen und dazugehörige Nebenläufe wie das Kaiserwasser, Inseln wie den Kleinen Gänsehaufen oder das Lusthaus im vormaligen Kaiserlichen Jagdgebiet. Transdanubische Dörfer wie Jedlesee, Kagran oder Floridsdorf wurden regelmäßig von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Erst durch die Donauregulierung eben ab 1870 bekam die Stadt dieses Problem in den Griff.
Ein Umschlagplatz war der Praterstern allerdings schon davor, seit der Errichtung des Nordbahnhofes (1838), des ersten Bahnhofs für Wien überhaupt und durch die Verbindung mit Mähren, Österreichisch-Schlesien und Galizien auch der zunächst wichtigste der Stadt. Seit 1897 verbindet die erste elektrisch betriebene Straßenbahnlinie Wiens, die heute noch so nummerierte Linie 5, Praterstern und Westbahnhof. Wie der sonstige Verkehr fuhr die Tramway links herum; erst seit dem „Anschluss“ im Herbst 1938 fährt man in Wien auf der rechten Straßenseite. Nach schweren Kriegszerstörungen wurde der Kreisverkehr am Praterstern 1954/55 stark vergrößert, die ursprüngliche Sternform des Platzes ist seither nicht mehr erkennbar.
Ich passiere den Praterstern am jedem Arbeitstag per Fahrrad – außer bei Starkregen, Schneewetter oder sibirischem Frost. Knapp vor der Praterstraße fahre ich stadteinwärts an einer Zählstelle vorbei und frage mich, ob sich der einmillionste (!) Radler dort heuer noch ausgeht. Eher nicht, aber knapp. Letzter Stand: 941.930 (9. Dezember, 20.40 Uhr)

Meine Lieben,
hier die versprochene Lösung meines Maria-Empfängnis-Adventrätsels,
an dem sich erfreulich viele beteiligt haben. Es gab 12 Sterne im Text….:
geSTERN
STERNklare
FinSTERNis
BeSTER Nebenschauplatz
GangSTER Noch besser
OSTERNacht
ReST-ERNte
konSTERNiert
feST ERNa
kniSTERNde
FaST ER Nietete
STERNparkett
Und ein * verbarg sich im Akrostichon, das ist ein Stilmittel, bei dem die Anfangsbuchstaben hintereinander angeordneter (Ab)Sätze ein neues Wort ergeben – in dem Fall STERN.
LG Robert

Adventmails 2014/09 (Sterne)

„Seit Jahren schon leb ich mit Dir, und ich danke Gott dafür, dass er mir Dich gegeben hat. Als Erinnerung an unser Leben möchte ich Dir heut‘ etwas geben: ein Geschenk für alle Ewigkeit.“
Das singt Gerhard Friedle alias DJ Ötzi wohl bei jedem seiner Bierzeltauftritte im deutschsprachigen Raum. Sein Hit „Ein Stern (…der deinen Namen trägt)“ aus dem Jahr 2007 war sein dritter Megaerfolg nach „Anton aus Tirol“ (1999, der meistverkauften österreichischen Single ever) und „Hey Baby“ (2000, Platz 1 in den britischen Charts). 2008 brach der Sterne-Song einen seit 50 Jahren bestehenden Rekord: Mit insgesamt 41 Wochen war das Lied um 5 Wochen länger in den deutschen Single-Top-10 als Freddy Quinns „Die Gitarre und das Meer“ (1959)
Einen Stern, der deinen Namen trägt, hoch am Himmelszelt, den schenk ich Dir heut‘ Nacht, verspricht der Tiroler Käppchenträger seiner Angesungenen. Wer noch kein passendes Weihnachtsgeschenk hat und es dem DJ gleichtun will, wende sich an B.A.S.-Astroservice GmbH www.sternpate.de in Bessenbach in Unterfranken, dessen zehn Ortsteile wie Frauengrund, Waldmichelbach oder Unterbessenbach rund um den Sender Pfaffenberg gruppiert sind und zusammen 5.700 Einwohner aufweisen.
Das mag klein wirken, führt aber zu Großem, nämlich in die unendlichen Weiten des Universums mit seinen Abermillionen Sternen. Für nur wenige Sterntaler kann man seinem/r Liebsten dort ein wahrhaft nachhaltiges Geschenk machen, nämlich einen Stern, der wirklich seinen/ihren Namen trägt – und sei er Klaus-Dieter oder Kunigunde.
Es geht so: Du wählst einen Stern aus einem Angebot von 20 Millionen Exemplaren bei sternpate.de je nach Helligkeit für wohlfeile 29 („Mit jedem normalen Fernglas sichtbar“) bis 279 Euro („wichtigster Stern des jeweiligen, frei wählbaren Sternbildes“) und gibst deinen Favoriten per Mausklick in den Warenkorb. Dafür erhältst du Widmung und Urkunde mit offizieller PPM (Positions and Proper Motions) Sternkatalognummer. Die vergebenen Sterne sind in internationalen Katalogen gelistet und weltweit identifizierbar in jeder Sternwarte oder jedem Planetarium. Und das Beste: Sie dürfen von dir frei benannt werden.
Laut B.A.S.-Geschäftsführer Jürgen Baumann reifte die Geschäftsidee, interessierten Laien die Sterne näherzubringen, über (Licht?-)Jahre hinweg. Jetzt verspricht er kurze Lieferzeiten (Lichtsekunden?) – „denn wer wartet schon gerne??“
Besuche sind kaum möglich, denn die Geschenkobjekte sind zwischen 50 und 350 Lichtjahre weit von der Erde entfernt. Eine Zufahrt via Wurmloch wird leider nicht angeboten – eine echte Marktlücke!

Adventmails 2014/08 (Sterne)

Sah jemand von Euch gestern die sternklare Nacht in diesem Frühwinter voller Finsternis?
Todmüde tat ich’s und dachte, bester Nebenschauplatz dafür ist mein Balkon.
Erna sagte: Du Gangster, noch besser wäre Osternacht für eine Rest-Ernte an Lichterglanz.
Reichlich konsterniert erwiderte ich: Ein Fest, Erna, ist jetzt erstmal zu Weihnachten!
Neulich bei Erwin knisternde Spannung fast – er nietete den Christbaum ans Sternparkett!

Im obigen, wahrscheinlich reichlich rätselhaften Text habe ich 13 Sterne versteckt.
Wer findet sie alle? (Lösung folgt im Adventmail vom 10. Dezember)

Adventmails 2014/07 (Sterne)

Heute gibt’s eine Art Starmania-Voting über Coverversionen eines bekannten Soul-Liedes, mit Sternenbezug, versteht sich. Teilnehmende sind keine hoffnungsvollen Nobodys, sondern fünf echte Stars, nämlich Beyoncé, Seal, Paul Weller, Randy Crawford und Jay Z.
Sie alle interpretieren den Hit „Wishing on a Star“ der R’n’B-Gruppe Rose Royce aus dem Jahr 1978, der in den USA ein veritabler Erfolg wurde und seither auch von anderen SängerInnen gerne aufgegriffen wurde. Erst 2011 wurde der melodiöse Song von den Finalisten von „X Factor“, der britischen Starmania-Version, herausgebracht und erreichte Platz 1 in England, Schottland und Irland.
Was meint Ihr? Im turbulenten Advent keine Zeit fürs und Lust aufs Anhören von fünf Liedern auf YouTube und anschließendem Votings? Na gut, dann reihe ich für Euch, aufsteigend von Platz 5 bis zu Platz 1, mit Kurzkritik
5.) Seal-Version von 2011: Der nigerianisch-britische Ex von Schreckschraube Heidi Klum hat eine hübsche Stimme, aber keine wirklich eigenständige Version der Vorlage zu bieten. Außerdem fast „zu Tode arrangiert“ von Producer Trevor Horn.
4.) Randy Crawfords Version von 1997: Die US-Jazzerin macht aus dem ganzen einen Dancefloor-Stampfer, gewohnt prickelnd leicht gesungen von der damals 45-Jährigen. Nicht ganz mein Fall, aber immerhin ein bisher nicht dagewesener Neuansatz.
3.) Jay Z’s Version von 1996: Der Musikproduzent und Rapper macht aus „Wishing…“ eine Brooklyn Story mit einem halbwüchsigen schwarzen Protagonisten, der wohl auch so manchen Wunsch an die Stern(schnuppen) zu richten hätte, um seinem Ghetto zu entfliehen. Zu seinem eigenen Rap-Gesang mischt Jay Z die Originalstimme aus dem Rose Royce-Song. Originell.
2.) Beyoncé schlägt ihren Angetrauten Jay Z knapp, aber doch. Ihre Version von 2005 würde sich bestens für einen Sonntagnachmittag eignen, an dem man mit seiner/m Liebsten am Sofa ein Glas Rotwein trinkt und dann zu knutschen beginnt.
1.) „Modfather“ Paul Weller, Gründer der Popgruppe Jam und seit 1990 erfolgreich als Solokünstler tätig, singt seine Wishes nach einem hübschen Keyboard-Intro so unpretentiös und zugleich leidenschaftlich, dass man ihm die Erfüllung aller Begehrlichkeiten von Herzen gönnen möchte.

Adventmails 2014/06 (Sterne)

Er saß wohl am Fenster seines Krankenzimmers in der Nervenheilanstalt in St. Rémy-de-Provence und suchte nach Motiven. Nachts in dem Sanatorium, das er nur in Begleitung verlassen durfte, bot sich Vincent van Gogh (1853-1890) ein Anblick, den er in einem seiner berühmtesten Bilder verarbeitete: Im Jahr vor seinem Tod tobt sich da ein vom Leben Gezeichneter mit blauen und schwarzen Pinselstrichen bei der Gestaltung eines Himmels aus, der wie eine dynamische Welle über dem Betrachter zusammenschlägt, trotz milderer mond- und sterngelber Töne dazwischen. Im Vordergrund ein düsteres Dorf, das sich unter diesem tosenden Firmament zu verstecken sucht, und eine Zypresse in dunklem Grün, die sich ängstlich zu winden scheint.
Unter dem Titel „The Starry Night“ hängt dieser berühmte, späte Van Gogh seit 1941 im Museum of Modern Art in New York.

Van Goghs Sternenhimmel im New Vorker MOMA

Dieses Bild lässt niemanden kalt. Auf mich wirkt es wie der Aufschrei eines Gepeinigten, der nirgendwo, nicht einmal zur ruhigsten Stunde des Tages kurz vor Sonnenaufgang, Frieden findet. Van Gogh selbst teilte seinem Bruder Theo in einem Brief mit, wie unzufrieden er mit der Bildkomposition und der Übertreibung in „Sternennacht“ sei; andererseits stimme ihn das Blau im Bild versöhnlich. Seine Absicht, „schwierige Szenen aus dem Leben“ zu malen, halte ihn „nicht davon ab, ein unbändiges Verlangen nach – soll ich das Wort sagen? – nach Religion zu haben. Dann gehe ich in die Nacht hinaus, um die Sterne zu malen.“ Mag sein, aber Seelenfrieden sieht anders aus. Ein Jahr nach dem Malen von „Sternennacht“ schoss sich ihr Schöpfer in die Brust und war zwei Tage später tot.
„Starry, starry night“ sind in Anlehnung an das Bild die ersten Worte im wunderbaren Song „Vincent“ (1971) – einem meiner All-Time-Favourites -, mit dem Don McLean dem großen Maler seine Reverenz erwies. Der New Yorker Singer/Songwriter attestiert Van Gogh, „with eyes that know the darkness in my soul“ gemalt zu haben. Und findet dazu Worte und eine Melodie, die diese Darkness mit warmem Licht erfüllen. „And when no hope was left inside / On that starry, starry night, / You took your life as lovers often do / But I could have told you, Vincent, / This world was never meant for one / As beautiful as you.“

Adventmails 2014/05 (Sterne)

Zum „Krampustag“ etwas Sinnliches ohne Be-:
„Besternte Ernte“ heißt ein Gedichtband des von mir hochverehrten sprachspielerischen Poeten Robert Gernhardt (1937-2006), der bereits in früheren Adventmailausgaben von mir bedacht wurde. Er kombiniert in leichtfüßig geschmiedeten Versen dichterische Qualität mit Schalkhaftigkeit, Tiefsinn mit oft entlarvendem Humor. Und scheut auch vor dem gelegentlichen Griff in die Deftigkeitslade nicht zurück, wie sein berühmter Zweizeiler „Der Kragenbär, der holt sich munter / einen nach dem andern runter“ beweist. Funkelnde Lyriksterne, die Gernhardt bei seiner Unsinnspoesie-Ernte einfuhr, sind auch andere unter dem Titel „Animalerotika“ versammelte Gedichtchen. Wie z.B.:

Der Nasenbär sprach zu der Bärin:
„Ich will dich jetzt was Schönes lehren!“
Worauf er ihr ins Weiche griff
Und dazu „La Paloma“ piff.

Zu Nachtzeit fasst der Kormoran
zu gern die Kormoranin an,
die dieses, wenn auch ungern, duldet,
da sie ihm zwei Mark fünfzig schuldet.

Die Dächsin sprach zum Dachsen:
„Mann, bist du gut gewachsen!“
Der Dachs, der lächelte verhalten,
denn er hielt nichts von seiner Alten.

Das Vorspiel nahm den Hengst so mit,
daß er geschwächt zu Boden glitt
.

Der Wal vollzieht den Liebesakt
zumeist im Wasser. Und stets nackt.

Und zuletzt noch ein eigener, bescheidener Versuch:

Am Bodensee die Pudel rudern
Zum samstäglichen Rudelpudern.
Und erst bei Sonntagsstundehellung
Wechseln sie zur Hundestellung.