Adventmails 2014/24 (Sterne)

So, letztes Sternmail heute samt Geschenk für Euch alle – aber davon später. Zur Umsetzung manch vielversprechender Sternen-Idee in diesem Kalender kam es nicht mehr, z.B. bleibt das Grazer Café Nordstern ebenso außen vor wie das lange Zeit einzige Hotel in der Antarktis namens „Estrella Polar“, welthistorisch Bedeutsames wie Juden- oder Sowjetstern lasse ich ebenso weg wie das Astérisque (*) oder das Märchen vom Sterntaler und Parodien darauf. Ja sogar die für mich beruflich naheliegenden Sternsinger kamen bei mir zu keinem Auftritt…
Dennoch hoffe ich, dass die diesjährige Serie unter einem guten Stern stand und Euch so manche Sternstunde(-minute?) beschert hat. Bevor Ihr vor lauter Sternen nur noch Sterne seht, lasse ich diesen Adventstern nun sinken. Lasst uns heute feiern im Kreis von lieben Menschen (bis zum Sternhagelvollsein von mir aus) und im Jahr 2015 nach den Sternen greifen.
Gesegnete Weihnachten wünscht Euch
Robert
Ach ja, das Geschenk: Im Folgenden Songs, die Stars über Stars singen. Das taten mit wenigen Ausnahmen fast alle: Elvis, Frank Sinatra, die Stones, Stevie Wonder, Michael Jackson, Tori Amos, Bob Marley, Bob Dylan, Madonna, R.E.M., Lady Gaga, Coldplay uswusf.
Mit einem Klick könnt Ihr die Lieder alle hintereinander auf dieser YouTube-Playlist http://www.youtube.com/playlist… hören, wobei die ersten zwölf meine persönlichen Lieblinge sind – gereiht von 12 bis 1. Hört diese und die weiteren beim Christbaumaufputzen, beim Stefanitagspunsch, beim Vorsilvester oder wann immer. Viel Spaß damit!

Und die besten:
David Bowie – Starman https://www.youtube.com/watch?v=tRcPA7Fzebw
The Manhattans – Shining Star https://www.youtube.com/watch?v=c4vlthJImVw
Frank Sinatra – Swinging on a Star https://www.youtube.com/watch?v=nWKXU0ApF08
Bob Marley – Shine Like A Star https://www.youtube.com/watch?v=TrqFNcsoahU
One Republic – Counting Stars https://www.youtube.com/watch?v=hT_nvWreIhg
Ella Fitzgerald – Stairway To The Stars https://www.youtube.com/watch?v=Z9zsf7reJTo
Melody Gardot – Les Etoiles https://www.youtube.com/watch?v=F6Dm5hldI-k
Malia – Twinkling little star https://www.youtube.com/watch?v=1lwxDB8FGOg
Stevie Wonder – Another Star https://www.youtube.com/watch?v=K9KKBvWTdMQ
Nat King Cole – Stardust https://www.youtube.com/watch?v=DjU6ZjrQulc
Lee Marvin – Wandering Star https://www.youtube.com/watch?v=NTymtAbaG08
Hair – Good Morning Starshine https://www.youtube.com/watch?v=hg2Yvs-Eo1Q

Adventmails 2014/23 (Sterne)

Einmal musste er ja kommen, vielleicht habt Ihr ja eh schon drauf gewartet: Den Stern von Bethlehem platziere ich aber bewusst nicht, weil „najo, eh klar“, im letzten Adventkästchen am Heiligen Abend, sondern schon heute. Und da ich heute noch einen vollen Arbeitstag habe und im Vorweihnachtsstress bin, bediene ich mich im „Kathpress“-Archiv und präsentiere Euch eine vor fast einem Jahr von mir verfasste Meldung:

Astronom: Stern von Bethlehem ist „literarisches Konstrukt“

Astrophysiker Kerschbaum: Biblische Darstellung vom Stern nicht naturwissenschaftlich auflösbar, sondern Ausdruck der Erfahrungen der Menschen mit Gott
Wien, 02.01.14 (KAP-WD) Der Stern von Bethlehem, der laut Matthäus-Evangelium die Magier aus dem Morgenland zu Jesus führte, ist aller Wahrscheinlichkeit nach kein astronomisches Ereignis, sondern ein „literarisches Konstrukt“. Das sagte der Wiener Astronom und Professor für beobachtende Astrophysik an der Wiener Universitätssternwarte, Franz Kerschbaum, in der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“. Eine eindeutige Erklärung zum Stern von Bethlehem könne die Naturwissenschaft nicht leisten.
„Fast jede Geburt oder jeder Tod eines Herrschers, eines Religionsgründers wird im Nachhinein in den Schriften mit seltenen astronomischen Phänomenen verbunden“, so Prof. Kerschbaum. Damit wollte man zeigen, dass „etwas für die ganze Welt Bedeutsames passiert ist“, so der Astrophysiker und gläubige Christ.
Der Stern von Bethlehem könnte zwar eine Supernova, also das Aufleuchten eines explodierenden sterbenden Sterns, oder auch eine „enge Konstellation von Jupiter und Saturn, vielleicht auch Mars“ gewesen sein, wobei Jupiter als Zeichen des Königs galt und Saturn im Zusammenhang mit dem jüdischen Volk gebracht wurde. Es sei jedoch plausibler, dass der Stern von Bethlehem überhaupt kein „historisches und wissenschaftlich nachvollziehbares Ereignis“ gewesen sei, so Kerschbaum.

Soweit die „Kathpress“. Im unterhaltsam-informativen „Lexikon des Unwissens“, in dem Kathrin Passig und Aleks Scholz viel Spannendes versammeln, „worauf es bisher keine Antwort gibt“, heißt es über den Stern von Bethlehem, es reiche nicht, eine damals besonders auffällige Himmelskonstellation zu rekonstruieren. Zusätzlich müsse man wissen, was die beteiligten Sterne/Planeten damals bedeuteten. Immerhin seien in den letzten 20 Jahren die wohl besten Theorien zum Stern von Bethlehem entworfen worden, was Hoffnung auf eine letztlich überzeugende Lösung des Rätsels gebe. Freilich, so Passig/Scholz abschließend: „Es besteht ein gewisses Risiko, dass sich am Ende alle ernsthaften Erklärungsversuche als untauglich erweisen. Denn vielleicht war es doch der große fliegende Hund, der einen Lampion zwischen den Zähnen hielt und so die Weisen in die Irre führte.“

Adventmails 2014/22 (Sterne)

Eine Vater-Tochter-Geschichte vor dem Hintergrund zunehmend unwirtlicher Lebensbedingungen auf der Erde: Sandstürme fegen über die Ackerböden, die schon dezimierte Menschheit hat alle Hände voll zu tun, überhaupt etwas Essbares zu produzieren, „Luxus“ wie Raumfahrt gibt es nur noch im Verborgenen. Der verwitwete frühere Astronaut Cooper betreibt mit jugendlichem Sohn und 10-jähriger Tochter Murphy lustlos seine Farm – sein Herz gehört dem All.
Und es ergibt sich, dass er wieder Gelegenheit zum Losfliegen bekommt – und das gleich mit dem Auftrag, auf einer Reise durch ein Wurmloch nahe dem Saturn in eine andere Galaxie neuen Lebensraum für die Menschheit ausfindig zu machen…
Wie es weitergeht, und welch wichtige Rolle seine Tochter dabei spielt, verrate ich hier nicht. Ich sah den Film „Interstellar“ (Christopher Nolan, USA/GB 2014) am Samstag mit meinem Jüngsten, Fabian, und der dreistündige Science-Fiction-Streifen wurde uns nicht lang. Der Plot war anspruchsvoll und spannend, intellektuell anregend (Quantengravitation, Swing-by-Manöver, Gezeitenkraft…) und emotional bewegend (der von Erdenjahren unberührte Cooper trifft am Ende seine gealterte Tochter), und durch modernste Computerbearbeitung (Stürme, Flutwellen, Schwerelosigkeit) auch ästhetisch ergiebig. Wissenschaftlicher Berater bei dem Filmprojekt war der theoretische Physiker Kip Thorne, der die Möglichkeit von Zeitreisen mithilfe von Wurmlöchern erforscht.
Nolans Film erinnert an Stanley Kubricks „2001 – A Space Odyssee“ aus dem Jahr 1968, der stilbildend für alle weiteren Weltraumfilme war und ist. Ich sah dieses Meisterwerk in den 1970ern und war hingerissen wie von fast allen Filmen von Kubrick. Nicht umsonst ist „2001 – A Space Odyssee“ in diversen Rankings von Space Movies fast immer ganz vorne. „Interstellar“ käme gerade noch in meine Top-Five, neben „Alien“, „Mars attacks!“, „Avatar“ und „Wall E“ (für die Star-Wars- und auch die Star-Trek-Serie konnte ich mich nie so recht begeistern; „Solaris“ und „Gravity“ hab ich nicht gesehen). Für Genrefreunde: http://weltraumfilme.de/

Adventmails 2014/21 (Sterne)

Wer Mercedes fährt, gehört zum Establishment und soll dafür zumindest symbolisch büßen: Dieser Gedanke führte seit Mitte der 1970er zu einer Form des Protestes unter Punks, die sich später fast zum Volkssport entwickelte – nämlich Mercedessterne von der Kühlerhaube des Statussymbols auf vier Rädern abzubrechen und sich mit dieser demonstrativen Variante von „Eat the rich“ selbst ein Statussymbol zu verschaffen.
Dass dieser alte Brauch auch heute noch nicht in Vergessenheit geraten ist, beweisen entsprechende Suchanfragen auf willhaben.at und ebay.at: Mercedessterne scheinen nach wie vor Sammlerwert zu haben, auch wenn das einem Automuffel wie mir unverständlich ist.
Stand der charakteristische Stern früher bei fast allen Mercedes-Typen auf der Kühlerhaube, so ist dies heute teilweise nur noch bei den Limousinen und Kombis der C-, E- und S-Klasse der Fall. Bei den anderen Modellen ist der Stern im Kühlergrill integriert und dadurch weniger diebstahlgefährdet.
Mercedes-Besitzer versuchen sich vor Diebstahl mit verschiedenen Methoden zu wehren. Es gibt Angebote für alarmsignalgesicherte Sterne, weiters abnehmbare Varianten mit oder ohne Magnet. Letztere sind allerdings weder Originalmodelle noch vom TÜV zugelassen. Die vom Hersteller vorgesehenen haben Sollbruchstellen. Kommt es zu einem Zusammenstoß, bricht der Stern leicht ab und das Verletzungsrisiko für involvierte Personen ist geringer. Nur solche Sterne werden von Daimler-Benz freigegeben.
Der Mercedesstern gehört zu den bekanntesten Markenzeichen, potenzielle Nachahmer bekommen die Macht eines Weltkonzerns zu spüren. Wenn ich mich recht erinnere, gab’s mal einen Markenstreit mit der Skifirma Atomic, im Internet fand ich jedoch dazu keine Informationen. Dafür etwas anderes, Hochsympathisches: Ein in Worms-Horchheim (Rheinland-Pfalz) hergestelltes Gebäck, der „Dreizackweck“, erregte 1953 den Unmut der Daimler-Benz-Chefetage. Da er eine gewisse Ähnlichkeit mit dem geschützten Marken-Stern hatte, sollten die Wormser Bäcker ihn nicht mehr backen dürfen. Es kam zum Gerichtsprozess – und erfreulicherweise gewann David gegen Goliath: Die Klage des Autokonzerns wurde abgewiesen, weil es sich beim Dreizackweck um ein traditionelles Süßgebäck handelte, das nachweislich schon 1754 gebacken wurde. Und zwar jeweils am vierten Fastensonntag als Symbol für die Dreifaltigkeit.

Adventmails 2014/20 (Sterne)

Böhlerstern“ heißt das Paradehotel in der Stahlstadt Kapfenberg, wo ich meine Teenagerjahre verbrachte. Das „Böhlerstern“ (www.boehlerstern.at) bzw. Werkshotel, wie man in Kapfenberg eher sagte, war Schauplatz so mancher Ballnacht, die ich als Gymnasiast mitmachte.
In diese Zeit hat mich kürzlich eine neue Sendereihe in der ORF-Dienstagnacht zurückgeführt. Unter dem Titel „Liebes Tagebuch“ werden Selbstdarstellungswillige dabei ermuntert, sich ihren „Jugendsünden“ zu stellen und aus alten Tagebüchern vorzulesen. Das war für mich ehedem passionierten Tagebuchschreiber Anstoß zu einer Reise in die Vergangenheit. Und eine Erkenntnis war, dass ich deutlich öfter Ballveranstaltungen besuchte, als ich heutiger Wenigtänzer in Erinnerung hatte. Höhepunkt war dabei mein Maturaball im Jänner 1979, über den ich Folgendes notierte (und hiermit schweren Herzens ohne jedes Redigieren darlege):
„… Wir Polonaisetänzer stellten uns um 19.30 Uhr im Stiegenhaus auf, um mit heuchlerischem Zähnefletschen die Gäste zu großzügigen Spenden zu veranlassen. So standen wir uns eine Stunde lang die Beine in den Bauch…
Mit zehnminütiger Verspätung begann die Walzerformation. Direktor Rathmayr war schon zweimal armeringend gekommen, um zu fragen, wann der Zirkus denn endlich beginne. Das Tanzen klappte tadellos. Ich hatte mich an Astrids ‚Um-mich-herum-schurln‘, das sie Walzer nannte, bereits soweit gewöhnt, dass es mit viel körperlichem Einsatz und Dagegenstemmen halbwegs normal aussah. Kurz, die Polonaise wurde ein voller Erfolg…
Ich tanzte an diesem Abend irrsinnig viel und lernte auch eine Menge Leute kennen: Ich tanzte mit Sabine, Maria Predans hübscher Schwester, … mit Uschi Wimmler, die die atemberaubendsten Proportionen unserer Schule hat, dann mit … (es folgen weitere 13 Namen, Anm.)
Mit Gusts Cousine kam es zu einer lustigen Episode. Als ich sie um halb 12 endlich (aus ihrer Sicht endlich) zum Tanzen aufforderte, kriegte ich sie nicht mehr los. Ich wollte nicht so unhöflich sein, einfach ‚Danke, tschüss!‘ zu sagen. An der Bar trat ich heimlich Andy ins Schienbein und deutete mit dem Finger bedeutungsvoll auf Gabi, aber der Schweinehund tat, als ob er es nicht bemerkte. Später erzählte er mir dann, wie sehr er innerlich darüber gelacht hatte. In der Disko raunte ich Wolfgang zu: „Du, nimm mir die einmal ab.“, und brav, wie er ist, unterbrach er auch bald unseren Tanz: ‚Darf ich dich ablösen?‘ Ich bejahte vielleicht etwas zu schnell und verschwand.
Um viertel fünf, als bereits viele Gäste verschwunden waren, die Musik zu spielen aufgehört hatte und die Schuhe zu drücken begannen, sank die Stimmung und ich in die Polstersessel im Kaffeezimmer. Gernot, Andy, die Baumis und ich verhielten uns ruhig, bis die Eltern alles aufgeräumt hatten, und fanden uns um 6 beim Ramsauer ein, um ein Frühstück zu nehmen.“

Adventmails 2014/19 (Sterne)

Gestern bei Ingeborg Bachmann hieß es, Sterne seien „die berühmten Orden der Nacht“. Heute geht es um einen nicht ganz so berühmten Orden, nämlich den Sternkreuzorden, oder, wie er in voller Pracht heißt, um den „Hochadeligen Frauenzimmer-Sternkreuzorden“. Gestiftet hat diesen österreichischen Damenorden 1668 Kaiserin Eleonore, die dritte Gattin Kaiser Ferdinands III.
Anlass dafür war wieder mal eine Feuersbrunst, die im Februar 1668 in der Hofburg ausbrach und die Kaiserinwitwe Eleonora fast erwischt hätte. Später wurde im Schutt ein auf wundersame Weise unversehrt gebliebenes Partikel eines Reliquienkreuzes wiedergefunden. Zur Erinnerung daran stiftete Eleonora den Sternkreuzorden als höchste Auszeichnung für Damen am Kaiserhof. Ein goldenes Kreuz wird dabei von vier Diamantsternen umgeben, zu lesen ist die Aufschrift: „Salus et Gloria“ (Heil und Ruhm). Der Orden, dessen Zweck in der Vertiefung der Kreuzesverehrung und in Werken der Nächstenliebe bestand und dessen Oberhaupt stets die regierende Kaiserin war, „existiert in abgewandelter Form bis heute“. So heißt es zumindest auf www.habsburger.net, was ich aber bezweifle: Seit dem Untergang der Monarchie verleiht die Republik Österreich keine Orden nur mehr an Frauen, geschweige denn an ausschließlich katholische adelige.
Dem Sternkreuz- und anderen „Damenorden“ wie der „Orden der Sklavinnen der Tugend“, der auch von der rührigen Eleonora gestiftet wurde und bei dem Nicht-sichtbares-Tragen mit 100 Taler Bußgeld bestraft wurde, haftet die Patina einer vergangenen Welt an. Ebenso manch althergebrachter Tugend. In meiner Redaktion heißt es despektierlich, „was für eine Pläätschn kriegt er denn?“, wenn über eine Ordensverleihung zu berichten ist. Das ist Ausdruck eines allgemeinen Bedeutungsverlustes des (allzu) Förmlichen und Orden-tlichen, dem nur wenige nachtrauern.
Erstaunlich, dass gutes Benehmen und „Höflichkeit“, die Tugend der Adelshöfe, als Erziehungsziele heute wieder hoch im Kurs sind. Allerdings mit zweifelhaftem Erfolg: Ich treffe z.B. in meiner Siedlung immer wieder auf Kinder, die ich (zuerst) grüße (weil mir ja kein Stein aus der Krone fällt), ohne dass auch nur ein Muh oder Mäh als Antwort kommt. Vielleicht sollte man doch wieder einen Orden stiften, diesmal für höfliche Kinder, so was wie den „Höflichkeitsorden am Goldenen Gängelband“…

Adventmails 2014/18 (Sterne)

Wenn er seine Vorlesung hielt, schien er immer irgendwie zu schweben: Den Blick meist nach oben gerichtet, sprach der leicht untersetzte, kahlköpfige gebürtige Kärntner druckreife Worte über das Neue Testament und literarische Anspielungen darauf, besonders Wichtiges unterstrich er mit leichtem In-die-Knie-Gehen. Karl Matthäus Woschitz (*19.9.1937), war, obwohl ein Elfenbeinturm-Forscher, wie er im Buche steht, und ohne jeden (kirchen)politischen Anspruch, einer meiner Lieblingslehrenden an der Grazer Katholisch-Theologischen Fakultät. Die evangelische feministische Theologin Evi Krobath, 2006 auf tragische Weise bei einem Brandunfall ums Leben gekommen, hat einmal über den von ihr sehr geschätzten Woschitz erzählt, er lebe in einer Wohnung mit Büchern bis an den Plafond; sogar auf der Toilette stapelten sie sich.
Dazu passt, dass der vielbelesene Woschitz als Professor am Bibelwissenschaftlichen Institut gerne Geistesgeschichtliches unterschiedlicher Provenienz in seine Lehrveranstaltungen einflocht. Ich erinnere mich, dass er einmal einen literaturhistorischen Exkurs über die Sonne, unser aller Lebensstern, machte. Es gebe drei Lobgesänge über dieses Gestirn, die gleichsam Menschheitserbe darstellten: Woschitz nannte den „Aton-Hymnus“ des Pharaos Echnaton (um 1351–1334 v. Chr.), den Sonnengesang des Franz von Assisi (1181/1182-1226) und ein Gedicht der von ihm (und von mir) verehrten Kärntner Jahrhundertpoetin Ingeborg Bachmann: „An die Sonne“.
Eine frühe Vorwegnahme des erst Jahrhunderte später etablierten Eingottglaubens findet sich im Hieroglyphentext des ägyptischen Herrschers. Echnaton streicht die Einzigartigkeit des Sonnengottes als Schöpfers und Erhalters der Welt und allen Lebens hervor, der demgemäß Gott aller Menschen ist.
Franziskus dichtete seinen Lobpreis auf die Schöpfung (Il Cantico di Frate Sole) schon schwer krank am Ende seines Lebens in San Damiano bei Assisi. Er ruft darin den Menschen zum Lobpreis Gottes in all seinen Geschöpfen – einschließlich „Bruder Sonne“ und „Schwester Mond“ – auf.
Bei Bachmann (1926-1973), ebenfalls durch Feuer tödlich verunglückt, heißt es ohne explizite Religiosität und dennoch im Bewusstsein „überirdischer“ Geborgenheit: „Schönes Licht, das uns warm hält, bewahrt und wunderbar sorgt, / Daß ich wieder sehe und daß ich dich wiederseh! / Nichts Schönres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein“, hier von der Dichterin selbst gelesen.

Adventmails 2014/17 (Sterne)

Wer in den Untiefen des Internets nach ungewöhnlichen Sternen sucht, stößt irgendwann auf Krauskopfversenker, Hohlkehlfräser, Verstellnuter, Stangenschlangenbohrer, Aufnahmefutter, Zapfenfräser oder (schönes Wort:) Planversenker. All diese Holzbearbeitungsgerätschaften gehören zum Sortiment des oberösterreichischen Traditionsunternehmens „Werkzeuge Stern“ in Aschach an der Steyr. „STERN“ wird auf der Firmen-Website mit „Sauber, Traditionell, Ehrgeizig, Rasant und Neuartig“ umschrieben, was mir ein wenig aufgesetzt vorkommt und an die Buchstabiervariante des FPÖ-lers Reinhart Gaugg erinnert: „Neu-Attraktiv-Zielstrebig-Ideenreich“.
Gegründet wurde die Aschacher Firma vor 95 Jahren vom „Macher“ Michael Strasek, der noch fast alle Werkzeuge selbst herstellte, wie es stolz im aktuellen Katalog heißt.
Ich selbst habe zwar nicht grad zwei linke Hände, bin aber mangels entsprechender Sozialisation nur mäßig interessiert an und motiviert zu handwerklicher Tätigkeit. Die Regaltür unter meiner Abwasch z.B. hat seit Monaten (Jahren?) ein kaputtes Scharniergelenk, das dringend ersetzt gehört (falls sich wer berufen fühlt, nur zu!).
Ich neige, obschon durchaus offen für Planversenkung und Futteraufnahme, mehr dem Schöngeistigen, dem Mundwerk zu als dem Handwerk. Und manchmal gibt’s ja nette Überschneidungen. Der deutsche Barde Reinhard Mey z.B. schrieb 1974 das hübsche Lied „Ich bin Klempner von Beruf“. Für das hat er sicher noch intensiver recherchiert als ich für dieses Adventfensterchen, besingt er darin doch überzeugend Rücklaufkrümmer, Doppelflansch, Bogenschelle und Druckmanschette sowie deren Einsatz.

Adventmails 2014/16 (Sterne)

Über Morgensterne könnte man eine eigene Adventserie machen. Nicht nur der gestutzte Adler Thomas, weitere 51 Personen nennt Wikipedia als Träger dieses Familiennamens. Dazu kommt natürlich das helle Gestirn vor Sonnenaufgang, die mittelalterliche Waffe, ein Lied der Krautrocker Rammstein und Gedicht von Johann Peter Hebel undundund.
Ich suche mir Christian Morgenstern (1871–1914) aus, der merkenswerte Gedichte wie das recht traurige unten angeführte schrieb und geniale Verse wie „Es war einmal ein Lattenzaun / mit Zwischenraum / hindurchzuschaun“.
Der gebürtige Münchner verlor schon als Zehnjähriger seine tuberkulosekranke Mutter und wurde selbst angesteckt. Sein Vater war akademischer Maler und wollte seinen Sohn –warum auch immer – als Offizier sehen. Der überwarf sich mit dem Vater und wurde Lektor, Übersetzer aus dem Norwegischen und Schriftsteller. Sein Schaffen und Leben war jedoch immer wieder von seiner Lungenkrankheit beeinträchtigt, der er kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Südtirol erlag.
18 Jahre später wurde in Paris Jacqueline Morgenstern geboren. Ihre jüdischen Eltern flohen mit ihr nach der Eroberung durch die Armee Nazideutschlands ins unbesetzte Marseille, wo alle drei verhaftet und in verschiedene KZ verfrachtet wurden. Jacquelines letzte Station war Ende 1944 das KZ Neuengamme in Hamburg (wo Christian Morgenstern in ähnlichem Alter ein Schuljahr verbracht hatte). Und noch eine Parallele: Sie litt unter Tuberkulose, weil ein verbrecherischer KZ-Arzt, der nach Kriegsende lange unbehelligte Kurt Heißmeyer, sie mit dem Virus angesteckt hatte, um Experimente mit „rassisch minderwertigen“ Menschen durchzuführen. Kurz vor Kriegsende wurde Jacqueline mit 20 anderen Kindern erhängt, um diese Experimente vor den Alliierten zu vertuschen. Sie wurde 12 Jahre und elf Monate alt. In Hamburg ist heute ein Weg nach ihr benannt.

Begegnung (von Christian Morgenstern)

Wir saßen an zwei Tischen – wo? – im All …
Was Schenke, Stadt, Land, Stern – was tut´ s dazu!
Wir saßen irgendwo im Reich des Lebens …
Wir saßen an zwei Tischen, hier und dort.

Und meine Seele brannte: Fremdes Mädchen,
wenn ich in deine Augen dichten dürfte –
wenn dieser königliche Mund mich lohnte –
und diese königliche Hand mich krönte –

Und deine Seele brannte: Fremder Jüngling,
wer bist du, dass du mich so tief erregtest –
dass ich die Knie dir umfassen möchte –
und sagen nichts als: Liebster, Liebster, Liebster -!

Und unsre Seelen schlugen fast zusammen.
Doch jeder blieb an seinem starren Tisch –
und stand zuletzt mit denen um ihn auf –
und ging hinaus – und sahn uns nimmermehr.

Adventmails 2014/15 (Sterne)

Es gibt nur wenige Naturschauspiele, die allen Menschen zugänglich sind und zugleich allgemeine Bewunderung auslösen. Der Sternenhimmel ist so eins, auch wenn wir Großstadtmenschen selbigen nur ganz selten zuhause erleben können.
Meine erste markante Erinnerung an den nächtlichen Schein Tausender Funkelsterne führt zurück ins Jahr 1984. Damals machte ich auf der südlichsten Kykladeninsel Anaphi einen meiner schönsten Urlaube mit meinen Grazer FreundInnen Sepp, Maria, Ursula – sowie Hans, einem vor Ort kennengelernten Holländer und David-Bowie-Fan. Übernachtet wurde am Strand en plein air, und noch unvergesslicher als „Hühnerficken“ (ein Kartenspiel, das uns Hans beibrachte) blieb mir der Prachthimmel im Gedächtnis, der sich allabendlich über meinem Lager mit Stroh und Schlafsack auftat.
Nächste Station, wieder Urlaub, war der Hohe Atlas im Herbst 2012. Diesmal Übernachtung im Zelt, in der Wildnis, zwischen den Mulis, die tagsüber das Hauptgepäck unserer Wandergruppe schleppten. Bei nächtlichen Bedürfnissen hieß es ab ins Toiletten-Zelt, das die Mulitreiber über der eigens ausgehobenen Grube aufstellten. Weniger am Hinweg, aber am Rückweg zur Schlafstatt dann ein Blick nach oben – und wieder: pure Ehrfurcht vor diesem funkelnden Schauspiel über der nächtlich-kahlen Bergwelt Marokkos.
Und zuletzt heuer im September, Ile de la Réunion, früher Abend, inmitten der Mitwandernden den Kopf im Nacken, ringsum Varianten von „Wow!“. Vergessen die Müdigkeit vom Aufstieg in den Bergkessel Cirque de Mafate und der Appetit auf den täglichen Cari-Eintopf, dafür langes Sich-Satt-Sehen und -Laben an der Milchstraße und den erkennbaren Sternbildern. Neu gegenüber Anaphi 30 Jahre früher: Ein Mitreisender hatte eine App auf seinem Smartphone, das am Firmament auch Diffizileres als den Großen Wagen oder Kassiopeia erkennen ließ. Und ein anderer hatte eine Kamera, die wirklich gute Fotos von dieser Ansammlung von Stars der Schöpfung gestattete. Ich bekam eins zugesendet; ich werde wohl keine Urheberrechte verletzen, wenn ich Euch dieses Sterntalerbild über dem Indischen Ozean als kleines Adventpräsent zugänglich mache.

Der Nachthimmel über La Réunion im Indischen Ozean, leider ein müder Abklatsch gegenüber der Realität.