Das Kind berühmter Eltern zu sein, kann eine ganz schöne Hypothek bedeuten. Aus dem Schatten eines Stars herauszutreten und den Platz an der Sonne eigenen Ruhms zu finden, gelang Stella (Lateinisch für „Stern“) McCartney überzeugend. Die zweite Tochter von Paul und Linda Eastman wurde am 13. September 1971 geboren, als sich der kongeniale Komponistenpartner von John Lennon – die Beatles gab es seit 10. April 1970 nicht mehr – gerade mit seiner noch jungen Solokarriere abmühte.
Stella wuchs mit ihren beiden Geschwistern Mary (1969) und James (1977) sowie der von Paul adoptierten Halbschwester Heather (*1962) in England auf dem Land auf. Sie studierte bis 1995 an der Central Saint Martins College of Art and Design, ihre Abschlusskollektion wurde von Kate Moss und Naomi Campbell präsentiert (wofür der Name McCartney sicher kein Nachteil war). Aber Stellas Kreativität überzeugte unabhängig von ihrer Herkunft.
Bereits 1997 wurde sie Chefdesignerin des Pariser Modehauses Chloé – wie vor ihr Karl Lagerfeld. Ab 2001 trat sie mit ihrem eigenen Label Stella McCartney bei Gucci in Erscheinung. „Ihr Markenzeichen wurde elegant geschnittene Couture, natürliches Selbstbewusstsein und sexy Weiblichkeit“, heißt es auf der Website www.stellamccartney.com. Stella arbeitete für Adidas und für das Pariser Kaufhaus Printemps, für H&M und ihr eigenes Modehaus. Sie entwarf das Hochzeitkleid von Madonna, Filmkostüme für Gwyneth Paltrow and Jude Law und Bühnenoutfit für Annie Lennox. Für Olympia 2012 und die darauffolgenden Paralympics in London schuf sie die Sportbekleidung für alle britischen Teilnehmer. Ihre auch online erhältlichen Kollektionen umfassen Ready-to-Wear für Frauen, Accessoires, Dessous, Brillen, Parfums und Kinderkleidung.
Noch eine Besonderheit, die sie mit ihrem Vater und der 1998 verstorbenen Mutter Linda teilt: Stella ist überzeugte Vegetarierin und Tierschützerin und verarbeitet weder Leder noch Pelze. Dass ihr Nachhaltigkeit auch in anderen Bereichen wichtig ist, bewies Stella mit einer „Meat Free Monday“-Klimakampagne, die sie gemeinsam mit dem Unterhausabgeordneten Gregory Barker und Paul McCartney betrieb. Seit dem Herbst 2014 unterstützt Stella mit einer neuen Luxuswolle aus Patagonien den Erhalt der dortigen Graslandschaften und kampagnisierte heuer für die Einführung eines sparsamen Autos von Jaguar.
Stella wurde mit dem „Order of the British Empire (OBE)“ für ihre Verdienste um die Mode ausgezeichnet, wie ihr Vater, MBE-Ordensträger Paul, den die Queen gar zum Ritter ernannte. Und wie Sir Paul hat die Ehefrau des Publizisten Alasdhair Willis vier leibliche Kinder, alle zwischen 2005 und 2010 geboren. Ihrem Namen macht die Modedesignerin somit alle Ehre – als McCartney und als “Stella“.