Er saß wohl am Fenster seines Krankenzimmers in der Nervenheilanstalt in St. Rémy-de-Provence und suchte nach Motiven. Nachts in dem Sanatorium, das er nur in Begleitung verlassen durfte, bot sich Vincent van Gogh (1853-1890) ein Anblick, den er in einem seiner berühmtesten Bilder verarbeitete: Im Jahr vor seinem Tod tobt sich da ein vom Leben Gezeichneter mit blauen und schwarzen Pinselstrichen bei der Gestaltung eines Himmels aus, der wie eine dynamische Welle über dem Betrachter zusammenschlägt, trotz milderer mond- und sterngelber Töne dazwischen. Im Vordergrund ein düsteres Dorf, das sich unter diesem tosenden Firmament zu verstecken sucht, und eine Zypresse in dunklem Grün, die sich ängstlich zu winden scheint.
Unter dem Titel „The Starry Night“ hängt dieser berühmte, späte Van Gogh seit 1941 im Museum of Modern Art in New York.

Dieses Bild lässt niemanden kalt. Auf mich wirkt es wie der Aufschrei eines Gepeinigten, der nirgendwo, nicht einmal zur ruhigsten Stunde des Tages kurz vor Sonnenaufgang, Frieden findet. Van Gogh selbst teilte seinem Bruder Theo in einem Brief mit, wie unzufrieden er mit der Bildkomposition und der Übertreibung in „Sternennacht“ sei; andererseits stimme ihn das Blau im Bild versöhnlich. Seine Absicht, „schwierige Szenen aus dem Leben“ zu malen, halte ihn „nicht davon ab, ein unbändiges Verlangen nach – soll ich das Wort sagen? – nach Religion zu haben. Dann gehe ich in die Nacht hinaus, um die Sterne zu malen.“ Mag sein, aber Seelenfrieden sieht anders aus. Ein Jahr nach dem Malen von „Sternennacht“ schoss sich ihr Schöpfer in die Brust und war zwei Tage später tot.
„Starry, starry night“ sind in Anlehnung an das Bild die ersten Worte im wunderbaren Song „Vincent“ (1971) – einem meiner All-Time-Favourites -, mit dem Don McLean dem großen Maler seine Reverenz erwies. Der New Yorker Singer/Songwriter attestiert Van Gogh, „with eyes that know the darkness in my soul“ gemalt zu haben. Und findet dazu Worte und eine Melodie, die diese Darkness mit warmem Licht erfüllen. „And when no hope was left inside / On that starry, starry night, / You took your life as lovers often do / But I could have told you, Vincent, / This world was never meant for one / As beautiful as you.“