Zum „Krampustag“ etwas Sinnliches ohne Be-:
„Besternte Ernte“ heißt ein Gedichtband des von mir hochverehrten sprachspielerischen Poeten Robert Gernhardt (1937-2006), der bereits in früheren Adventmailausgaben von mir bedacht wurde. Er kombiniert in leichtfüßig geschmiedeten Versen dichterische Qualität mit Schalkhaftigkeit, Tiefsinn mit oft entlarvendem Humor. Und scheut auch vor dem gelegentlichen Griff in die Deftigkeitslade nicht zurück, wie sein berühmter Zweizeiler „Der Kragenbär, der holt sich munter / einen nach dem andern runter“ beweist. Funkelnde Lyriksterne, die Gernhardt bei seiner Unsinnspoesie-Ernte einfuhr, sind auch andere unter dem Titel „Animalerotika“ versammelte Gedichtchen. Wie z.B.:
Der Nasenbär sprach zu der Bärin:
„Ich will dich jetzt was Schönes lehren!“
Worauf er ihr ins Weiche griff
Und dazu „La Paloma“ piff.
Zu Nachtzeit fasst der Kormoran
zu gern die Kormoranin an,
die dieses, wenn auch ungern, duldet,
da sie ihm zwei Mark fünfzig schuldet.
Die Dächsin sprach zum Dachsen:
„Mann, bist du gut gewachsen!“
Der Dachs, der lächelte verhalten,
denn er hielt nichts von seiner Alten.
Das Vorspiel nahm den Hengst so mit,
daß er geschwächt zu Boden glitt.
Der Wal vollzieht den Liebesakt
zumeist im Wasser. Und stets nackt.
Und zuletzt noch ein eigener, bescheidener Versuch:
Am Bodensee die Pudel rudern
Zum samstäglichen Rudelpudern.
Und erst bei Sonntagsstundehellung
Wechseln sie zur Hundestellung.