Warum auf den Trikots der deutschen Fußballnationalmannschaft seit Juli vier Sterne prangen, auf jenen der brasilianischen Selecao gar fünf und auf jenen der spanischen „Furia Roja“ nur einer, wissen nicht nur Fußballfans. Der Ursprung dieser Trikotverzierung liegt in Italien: Dort erhielt Juventus Turin in Anerkennung seiner zehn gewonnenen Meisterschaften Ende der 1950er Jahre erstmals symbolisch einen Stern. Diese „Meistersterne“ sind somit Kennzeichen von Fußballvereinen und Fußball-Nationalmannschaften für errungene Titel.
Zwei Fliegen mit einer Klappe schlage ich, wenn ich an den 1991 errungenen Meistercup-Sieg von Roter Stern („Crvena Zvezda“) Belgrad erinnere. Es war nach Steaua Bukarest 1986 der erst zweite Triumph einer osteuropäischen Mannschaft in diesem Bewerb und geschah zu einer Zeit, als der Spruch „Geld schießt keine Tore“ noch deutlich mehr galt als heute: Die letzten zehn Champions-League-Siege wurden ausschließlich von Teams der Fußball-Großmächte Spanien (4), England (3), Italien(2) und Deutschland (1) errungen, und schon im Jahrzehnt davor durchbrachen nur der FC Porto und Ajax Amsterdam diese Phalanx.
Der Bewerb 1990/91 hatte für Roter Stern Belgrad mit einem mäßigen 1:1 daheim gegen Grasshoppers Zürich (Trainer Hitzfeld) begonnen, auswärts siegte man dann allerdings klar 4:1. In der 2. Runde wurden die Glasgow Rangers verabschiedet, danach Dynamo Dresden und im Halbfinale Bayern München. Das Finale gegen Olympic Marseille verlief torlos, im Elferschießen trafen Prosinecki und Co. allesamt und gewannen 5:3. Roter Stern sollte letztendlich an den Wirren des Jugoslawienkrieges und der UEFA-Sanktionen zerbrechen und seine Ballartisten an Großklubs in ganz Europa verlieren, allen voran Robert Prosinecki, der danach für Real Madrid auflief, Dejan Savićević, der den AC Milan verstärkte (und als 33-jähriger noch Rapid Wien beehrte) und Siniša Mihajlović, der ebenfalls nach Italien ging.
Bester Torschütze des Meistercup-Bewerbs 1990/91wurde übrigens kein Spieler von Roter Stern, sondern der Franzose Jean-Pierre Papin und – man lese und staune – Peter Pacult vom damals Happel-trainierten FC Swarowski Tirol, der in Runde 2 gegen Real Madrid eine 1:9-Packung kassierte.
Heute sind spannungsfördernde „Ausreißer“ bei UEFA-Clubbewerben wie der Sieg einer serbischen oder rumänischen Mannschaft praktisch unmöglich. Das Bosman-Urteil von 1995 brachte die davor im Fußball innerhalb Europas geltene Ausländerbeschränkung zu Fall. Für reiche Vereine wurde es viel leichter, sich die besten EU-Kicker zu kaufen. Ich finde das schade und plädiere dafür, dass bei einem Spiel jederzeit mehr einheimische Spieler auf dem Feld stehen müssen als ausländische. Aber ob Michel Platini auf mich hört?