Adventmails 2014/10 (Sterne)

Der Praterstern in Wien, der „Große Stern“ mit der Siegessäule in Berlin, der Place Charles-de-Gaulle (zuvor Place de l’Étoile) mit dem Triumphbogen in Paris… – Verkehrsknotenpunkte in Metropolen, von denen mehr als vier Straßen wie Strahlen ausgehen, heißen oft irgendwas mit Stern. Und in der Mitte prangt irgendjemand/etwas, das die Grandiosität der betreffenden Stadt oder Nation offenbaren soll. Im Wiener Fall ist das ein Denkmal für den österreichischen Admiral Tegetthoff, der den einzigen nennenswerten Erfolg der Leider-nein-Seemacht Österreich-Ungarn errang – oder besser: errammte.
Spannend finde ich, dass die damalige Weltstadt Wien bis 1870 am Praterstern und dem angeschlossenen Nordbahnhof quasi endete: Von der City aus gesehen kam nach diesem Knotenpunkt nämlich nichts mehr – zumindest nichts Urbanes, sondern nur Donauauen und dazugehörige Nebenläufe wie das Kaiserwasser, Inseln wie den Kleinen Gänsehaufen oder das Lusthaus im vormaligen Kaiserlichen Jagdgebiet. Transdanubische Dörfer wie Jedlesee, Kagran oder Floridsdorf wurden regelmäßig von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Erst durch die Donauregulierung eben ab 1870 bekam die Stadt dieses Problem in den Griff.
Ein Umschlagplatz war der Praterstern allerdings schon davor, seit der Errichtung des Nordbahnhofes (1838), des ersten Bahnhofs für Wien überhaupt und durch die Verbindung mit Mähren, Österreichisch-Schlesien und Galizien auch der zunächst wichtigste der Stadt. Seit 1897 verbindet die erste elektrisch betriebene Straßenbahnlinie Wiens, die heute noch so nummerierte Linie 5, Praterstern und Westbahnhof. Wie der sonstige Verkehr fuhr die Tramway links herum; erst seit dem „Anschluss“ im Herbst 1938 fährt man in Wien auf der rechten Straßenseite. Nach schweren Kriegszerstörungen wurde der Kreisverkehr am Praterstern 1954/55 stark vergrößert, die ursprüngliche Sternform des Platzes ist seither nicht mehr erkennbar.
Ich passiere den Praterstern am jedem Arbeitstag per Fahrrad – außer bei Starkregen, Schneewetter oder sibirischem Frost. Knapp vor der Praterstraße fahre ich stadteinwärts an einer Zählstelle vorbei und frage mich, ob sich der einmillionste (!) Radler dort heuer noch ausgeht. Eher nicht, aber knapp. Letzter Stand: 941.930 (9. Dezember, 20.40 Uhr)

Meine Lieben,
hier die versprochene Lösung meines Maria-Empfängnis-Adventrätsels,
an dem sich erfreulich viele beteiligt haben. Es gab 12 Sterne im Text….:
geSTERN
STERNklare
FinSTERNis
BeSTER Nebenschauplatz
GangSTER Noch besser
OSTERNacht
ReST-ERNte
konSTERNiert
feST ERNa
kniSTERNde
FaST ER Nietete
STERNparkett
Und ein * verbarg sich im Akrostichon, das ist ein Stilmittel, bei dem die Anfangsbuchstaben hintereinander angeordneter (Ab)Sätze ein neues Wort ergeben – in dem Fall STERN.
LG Robert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert