Adventmails 2006/24 (Listen aller Art)

Liebe Freundinnen und Freunde!
Dieses ist das letzte Adventmail dieses Jahres. Mein Bruder Andreas hat – passend zum heutigen Tag – mit seinen „Antigeschenken“ das letzte Wort. Ich wünsche Euch zu Weihnachten Präsente, die genau ins Schwarze Eurer Wünsche treffen, und im Jahr 2007 Wünsche, die präsent werden, bevor Ihr schwarz werdet. Oder so.
Gehabt Euch wohl, bleibt gesund, wisst Euch geliebt, nehmt zu an Alter und Weisheit und pflückt die Zukunft wie eine reife Frucht.
Robert

Fünf Weihnachtsgeschenke um sich Feinde/Feindinnen zu machen

Platz 5: Nordic Walking – Kurs
Ja, auch langsames Gehen mit zwei Stöcken will offensichtlich gelernt sein. Bücher, DVDs und sogar Kurse für „Power-Spazierengehen“ werden angeboten. Für mich ist es eine Horrorvorstellung, in einer Gruppe von „rüstigen“ PensionistInnen zu lernen, dass das rechte Bein gemeinsam mit dem linken Arm …aber am Schluss winkt ein Zertifikat für die Wohnzimmerwand, auch nicht schlecht!!!
*Nordic Walking Intensiv Seminar (3 Einheiten zu 2h) unter anderem gesehen auf www.nordicfit.at um € 54.- inkl. Zertifikat

Platz 4: Wunschkennzeichen
Seit Einführung der Wunschkennzeichen in Österreich vor etlichen Jahren ist es mein persönlicher Alptraum, zwei Metalltafeln mit der Aufschrift „G ANDY 1“ unter dem Christbaum zu entdecken. Man kann es ja nicht einmal umtauschen, dieses Geschenk, furchtbar!
*erhältlich in jeder KFZ-Zulassungsstelle um € 172,-

Platz 3: Überbleibsel der Fußball-WM
Es war schon toll, die fußballgeschwängerte Zeit der WM in Deutschland mitzuerleben, jeden Tag tolle, bzw. viertel- und halbtolle Spiele alleine im Wohnzimmer oder kollektiv vor einer Großbildleinwand zu sehen. Es war schön, zu Außenseitern zu halten und zu sehen, wie Deutschland im Semifinale ausscheidet. ABER es war auch ok, als das Finale abgepfiffen wurde und die „fußballfreie“ Sommerzeit eingeläutet wurde. Jetzt im Dezember ist die österreichische Bundesliga präsent, die WM aber schon lange vergessen. Das ist gut so, denn ich will definitiv kein günstiges WM-Überbleibsel unter dem Christbaum sehen…
*Ganzkörperfanartikel (hier Brasilien und Holland) gesehen bei Schlecker um 14,99.- statt 29,99.-

Platz 2: Ein Abo „Das BESTE von Readers Digest“
Kindheitserinnerungen werden wach! Schlimme Kindheitserinnerungen. Ich muss mich outen, ich hatte „Das BESTE“ schon einmal am Gabentisch, und habe es Monat für Monat nicht einmal durchgeblättert, ach ja, die öden Witze habe ich gelesen. Ich bin ja sehr überrascht gewesen, dass sich diese Monatszeitschrift immer noch hoher Popularität erfreut, für mich war und ist das nix!! Eine der wohl fadesten und konservativsten Zeitschriften…gesehen um auf http://www.rd.com um € 36,90.- inkl. Lieferung frei Haus

Platz 1: Masai-Walking-Schuhe
Die unangefochtene Nummer eins!!
Nein, ich will keine „Gehrevolution“ an meinen Beinen spüren, auch nicht das Gefühl haben, „wie auf Sand“ über eine Asphaltstraße zu gehen, nein, ich will im Alltag nicht „auf Wolken schweben“, nein, ich will nicht “unsichtbar“ 5 cm größer erscheinen und nein, nein und nochmals nein, ich will keine ROTEN Schuhe mit lächerlich gekrümmter Sohle tragen, die mehr kosten als ein Wochenende in Berlin!!! *
*Auf http://www.gallbauer.com/mbt_schuhe.htm gesehen um € 190.-
Im Preis inbegriffen: CD mit Lernvideo, Gutschein für einen Gruppeneinführungskurs, Broschüre, Gebrauchsanleitung, Produktkatalog

Andreas, 36, Fachbereichsleiter Berufsbildung bei „Jugend am Werk Steiermark“

Adventmails 2006/23 (Listen aller Art)

Heute wieder zwei AbsenderInnen, meine Lieben,
denn 26 Listen sind’s insgesamt geworden….
lg R

  • * + * + *

In Zeiten wie diesen, wenn die allgegenwärtige Beschallung mit MOR-Pop-Versionen von immer den gleichen zwei Dutzend Weihnachtsstandards zur täglichen Belastung wird, kann es nicht schaden, seinen MP3-Player hervorzuholen und mit guter Musik zu füllen. Am besten mit Musik, die ein Kontrastprogramm darstellt zur öden Glitzerwelt der gegenwärtigen Charts, zur ideenlosen Mainstream-Maschinerie, aber auch zum banalen Dilettantentum der meisten Indie-Bands. Musik aus einer Zeit, in der Authentizität und schillernde Perfektion eben noch keine Gegensätze darstellten. Die Rede ist von Soulmusik, und zwar vom Soul der 60er und frühen 70er Jahre. Den großartigsten Interpreten dieser Musik ist diese Liste gewidmet, den Top 5 der besten SoulsängerInnen:

Marvin Gaye
Heute vor allem wegen seinem bahnbrechenden Album „What’s Going On“ von 1971 ein Kritikerliebling, begann Marvin Gay (der seinem Namen später nach dem Vorbild von Sam Cooke ein E hinzufügte) schon in den frühen 60ern beim wichtigsten Soul-Label der Welt, Motown, zu singen. Nach einer ignorierbaren kurzen Phase als schmalziger Pop-Crooner („Mr. Sandman“ u.ä.) hatte er 1962-1965 kleine Hits mit coolen Tanznummern, z.B. „How Sweet It Is“ und „Pride and Joy“. Dann folgten einige Duette, z.B. „It Takes Two“ oder der wohl beliebteste Karaoke-Song aller Zeiten, „Ain’t No Mountain High Enough“ mit Tammi Terrell. 1967 machte er schließlich „I Heard It Through the Grapevine”, einen meiner absoluten Lieblingssongs. Gaye brauchte zwei Monate, um sein Gesangstake richtig hinzubekommen, das Resultat ist eine absolut brillante Performance. Auch „Let’s Get It On“ (1973) ist vielleicht noch erwähnenswert: Es war eines der Lieder, durch die ich den Soul für mich entdeckt habe – Rob, die Hauptfigur von Nick Hornbys „High Fidelity“, hielt es für die beste Single aller Zeiten, also musste ich da unbedingt auch mal reinhören.

Aretha Franklin
Zu dieser Frau muss eigentlich gar nicht mehr viel gesagt werden. Allein 1967, im ersten Jahr bei Atlantic Records (das andere große Soul-Label) hat sie fünf perfekte Singles aufgenommen: „Respect“, „I Never Loved a Man“, „Do Right Woman“, „Natural Woman“, „Chain of Fools“ (besonders die ersten drei liebe ich inständig). Dann nahm die Dichte leider etwas ab, aber auch „Think“und „The House That Jack Built“, u.a., gehören noch zu dem besten, was der Soul zu bieten hat. In den 70ern bekam sie leider nur mehr wenig gutes Material zu singen, aber Arethas Stimme veredelt auch fade Songs. Niemand singt mit mehr Soul.

Al Green
Das, was Al Greens Musik ausmacht, ist der Sound. Eine präzise Rhythmusgruppe mit stark in den Vordergrund gemischtem Schlagzeug, von Gitarre und Orgel akzentuiert, wundervolle Bläser- und Streicherarrangements und darüber Greens eigene, ausdrucksstarke und unverwechselbare Stimme; alles zusammen äußerst stylish und funky. „Tired of Being Alone“ (1971) finde ich am besten: Green spielt den einsamen Mann, der spätnachts von einer für ihn unerreichbaren Frau fantasiert, er improvisiert, stottert, quetscht im Falsett Liebesbeteuerungen hervor. Genial ist auch „Belle“ (1977), die letzte Single, bevor er sich seiner Tätigkeit als Priester widmete: „Belle, it’s you I want, but it’s Him that I need.“ Ich halte nicht viel von religiöser Selbstentsagung, aber das hier geht unter die Haut.

Sam Cooke
Sam ist ein Kapitel für sich. Ich könnte seitenlang ausführen, welch gewaltigen Einfluss er auf die afroamerikanische Musik der 60er hatte, doch das ist nicht das Wesentliche. Seine Arrangements, die heute altmodisch und kitschig wirken und nichts mit der Funkiness der Motown- und Stax-Hitfabriken gemein haben, sind auch nicht das Wesentliche. Das, was mich an Sam Cooke so fasziniert, ist sein natürlicher Charme, sind seine einfachen, schönen Songs und seine wunderbare Stimme. Es gibt eine ganze Menge Material aus den späten 50ern und frühen 60ern, wo diese Qualitäten eingehend zu bewundern sind, Songs wie „Wonderful World“, „Chain Gang“ oder „Bring It On Home To Me“. Auch seine Gospelaufnahmen vor 1957 sollten nicht unerwähnt bleiben, wo seine Performances etwas rauher und ungeschliffener sind. Aber sein wahres Meisterwerk schuf er erst kurz vor seinem frühzeitigen Tod, 1964, mit „A Change Is Gonna Come“. Dieser Song ist nicht nur von makelloser Schönheit, er hat auch einen tollen Text, der ihn zu einer Befreiungshymne der Bürgerrechtsbewegung gemacht hat. „It’s been a long, a long time comin’, but I know, a change’s gonna come.” Es gibt keinen Tag, an dem mich diese Worte nicht mit Hoffnung erfüllen würden.

Stevie Wonder
Es gibt viele Gründe, warum für den Titel des größten Soulsängers aller Zeiten eigentlich nur Stevie Wonder in Frage kommt, ein Musiker, der selbst in illustrer Gesellschaft wie hier noch eine Klasse für sich ist. Stevie hat nicht nur alle musikalischen Voraussetzungen, er ist ein genialer Keyboardspieler, Schlagzeuger, Ausnahmesänger, sondern ist auch einer der besten Songwriter aller Zeiten, auf einer Stufe mit Lennon-McCartney oder Dylan. Seine zum großen Teil im Alleingang eingespielten Alben der 70er sind Feuerwerke an Kreativität, und enthalten zu viele fantastische Songs, um hier Aufzählungen zu starten (Ach, was soll’s – die 5 besten Songs von Stevie Wonder sind „Superstition“, „Sir Duke“, „Living For the City“, „I Wish“, „You Are the Sunshine of My Life“). Wer diesen Jahrhundertkünstler noch nicht für sich entdeckt hat, den fordere ich hiermit dazu auf, sich, in welcher Form auch immer, das Doppelalbum “Songs in the Key of Life” von 1976 zu besorgen und sooft wie möglich anzuhören. Danach auch noch seine anderen 70er-Jahre-Meisterwerke holen („Talking Book“, 1972; „Innervisions“, 1973; „Fulfillingness’ First Finale“, 1974), und der Grundstein für eine großartige Soul-Sammlung ist gelegt.

PS: Weil’s grad so Spaß macht,
die 10 besten Soulsongs aller Zeiten:

  1. A Change Is Gonna Come, Sam Cooke, 1964
  2. I Heard It Through the Grapevine, Marvin Gaye, 1968
  3. (Sittin’ on the) Dock of the Bay, Otis Redding, 1968
  4. Superstition, Stevie Wonder, 1972
  5. The Dark End of the Street, James Carr, 1966
  6. Knock On Wood, Eddie Floyd, 1966
  7. I Hear a Symphony, The Supremes, 1965
  8. Tired of Being Alone, Al Green, 1971
  9. This Old Heart of Mine, The Isley Brothers, 1966
  10. Papa Was a Rolling Stone, The Temptations, 1972

Gregor Mitscha-Eibl, 19, Musikfan (Nebenberuf: Zivildiener)

* + * + *

Fünf europäische Hauptstädte, die zu besuchen und zu entdecken sich lohnen

  1. Stockholm – die Überraschende
    Wer – wie ich – Wasser, Licht, modernes Design und freundliche Leute mag, sollte Stockholm im Juni (möglichst rund um die Sonnwende besuche). Das Licht ist ein Wahnsinn – und es ist (fast) die ganze Nacht hell, die vielen Wasserwege machen die Stadt fast zu einem nördlichen Venedig, die Geschäfte bieten spannendes nordisches Design, die Altstadt ist wunderbar, die Parks auch und die Menschen sind so freundlich, wie man es von den SkandinavierInnen erwartet.
    Besonders Empfehlung: Eine Bootsfahrt durch die Wasserwege der Stadt (die auch gleich einiges an der tlw. aufregenden Architektur sehen lässt), ein Ausflug in die Schären und ein Besuch des Moderna museet (Museum für moderne Kunst)
  2. Bukarest – die Ambivalente
    Nur eine Flugstunde entfernt – und doch so weit weg. Man weiß, wer den Preis für die gigantomanischen Prachtbauten Ceausescus zu bezahlen hatte, und ist doch irgendwie überwältigt. Bukarest beeindruckt dabei auf gruselige Art, aber auch durch seinen Charme, das balkanesque Flair, die Aufbruchstimmung – trotz vieler Probleme – und das bodenständige gute Essen.
  3. Riga – die Aufbrechende
    Noch mehr Aufbruchstimung in Riga, der hübschen lettischen Hauptstadt. Wer glaubt, um Jugendstilhäuser zu sehen, nach Wien fahren oder dort bleiben zu müssen, wird in Riga aus dem Staunen kaum herauskommen. Absolut sehens- und besuchenswert ist aber auch die Altstadt (Weltkulturerbe!), mit vielen Kirchen (die Kathedrale wird leider seit langer Zeit renoviert), schönen Häusern – eines mit Bleckkatzen am Dach – sympathisch, schicken Lokalen, Geschäften, die u. a. wunderbare Leinen- und Bernsteinware verkaufen … Schwere Kost, aber auf keinen Fall zu versäumen ist der Besuch des Okkupationsmuseums, der Nachhilfeunterricht in Sachen Geschichte des Baltikums bietet, ein Ausflug ins nahe gelegene Freiluftmuseum führt noch weiter in die Geschichte zurück.
    Besonderer Tipp: Die Cocktails mit Riga-Balzams die in einem Restaurant/einer Bar (ich glaub sie heißt B-Bar) gleich hinter der Kathedrale serviert werden.
  4. Lissabon – die Melancholische
    Wer’s sonnig und melancholisch mag und Städte mit mediterranem Dorfcharakter liebt, ist in Lissabon bestens aufgehoben.
    Als Tagesprogramm schlage ich Frühstück mit Galao (portugiesischer Milchkaffee) und eine der köstlichen Bäckereien im Cafe Suica, dann einfach durch die Stadt flanieren, hinunter zum Hafen z.B., rauf zur Burg, das Fado-Museum besuchen, Fisch essen …
    Spezielle Empfehlung: Vor Reiseantritt die Filme ‚Lisbon Story‘ und ‚Erklärt Pereira‘ anschaun – und so richtig auf den Geschmack kommen!
  5. Paris – die Klassikerin
    Die FranzösInnen wissen einfach, wie man gut lebt. Und Paris bleibt eine beliebte Klassikerin meiner Liste an wunderbaren Hauptstädten. Unverzichtbar aus meiner Sicht vor allem auf einen Bummel durch das Marais-Viertel (jüdisches Viertel mit gleichzeitig viel Lesben- und Schwulenkultur, schönen Häusern, feinen Cafes, guten Einkaufsmöglichkeiten … Im wieder eröffneten Musee de l’Orangerie können seit kurzem wieder die Seerosengemälde Monets besichtigt werden und das allerneueste Museum du quai Branly ist nicht nur architektonisch, sondern auch aufgrund seines Versuches, ein ‚anderes‘ ethnologisches Museum zu sein, mehr als nur interessant.

Michaela, 39, normalerweise PR-Agentin f. Schuldnerberatungen und Armutskonfernez, dzt. „Visiting Researcher“ an der University of Winchester

Im Rahmen meines Engagements im europäischen Armutsnetzwerk EAPN (European Anti Poverty Network) – und auch im Zuge ‚privaterer‘ Reisen – hab ich in den letzten Jahren u. a. auch Amsterdam, Barcelona, Berlin, Bilbao, Dublin, Galway, Groningen, Helsinki, Istanbul, Liverpool, Ljubljana, London, Madrid, Novi Sad, Oslo, Sofia, Toledo, Vilnius, Valletta und – immer wieder – Brüssel besucht.
Jede Stadt hat ihre Reize – die Auswahl war verdammt schwer!

Adventmails 2006/22 (Listen aller Art)

Hier die Liste meiner fünf Undenkbarkeiten darüber, was passieren hätte können, wenn das Listen- (Un-)Wesen schon früher unsere Kultur unterminiert hätte.

Ich wäre dafür oder auch dagegen, …

1 …weil die Lyrik irgendwann abgebogen wäre
Ingeborg Bachmann:
Die gelistete Liste
Es kommen längere Listen.
Die auf Widerruf gelistete Liste
wird sichtbar am Horizont.
Bald musst du den Schuh schnüren
und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe.
Denn die Eingeweide der Fische
sind kalt geworden im Wind.
Ärmlich brennt das Licht der Lupinen.
Dein Blick spurt im Nebel.
Die auf Widerruf gelistete Liste
wird sichtbar am Horizont.
Es kommen längere Listen.

2 …weil auch im großen Theater und in der Belletristik unübersehbare Spuren hinterlassen worden wären
Mutter Courage und ihre Listen: Bert Brecht
Die Unerträgliche Listigkeit des Seins: Milan Kundera
Die Zauberliste: Thomas Mann

3 …weil die Philosophie wohl eine andere Wendung genommen hätte
Ludwig Wittgenstein
Tractatus listo- philosophicus
1 Die Welt ist alles was gelistet ist.
2 Was gelistet ist, ist die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten.
3 Das logische Bild der Tatsachen ist die Liste.
4 Die Liste ist der sinnvolle Satz.
5 Der Satz ist eine Wahrheitsfunktion der Elementarlisten.
6 De allgemeine Form der Liste ist: [list].
7 Was man nicht listen kann, das muss man streichen.

4 …weil es bei anderen – wie gesagt würde – wahrscheinlich nicht so tragisch gewesen wäre
Thomas Bernhard
war von der Grazer Autorenversammlung für einen Professorentitel vorgeschlagen worden. Hier seine – fast authentische – Antwort an den zuständigen Ministerialbeamten:vom 27. März 1986:
Sehr geehrter Herr Dr. Temnitschka,
ich nehme seit über 10 Jahren weder Listen noch Titel an und naturgemäß auch nicht ihren lächerlichen Professorentitel.
Die Grazer Autorenversammlung ist eine Versammlung von untalentierten Arschlöchern.
Mit freundlichsten Grüßen
Ihr Thomas Bernhard

    5 …weil in der Popmusik das Hit-Listen bekanntlich ja tatsächlich wahr geworden ist und sich seither bis in die Texte hineinzieht
    Listen to what the man said – Wings
    Your kiss is on my list -Daryl Hall & John Oates
    Listen to your heart – Roxette
    …und so weiter

    Norbert, 43, selbständig, Berater

    Adventmails 2006/21 (Listen aller Art)

    Meine fünf liebsten Klavierstücke – ohne Rangwertung- eher nach zeitlicher Entdeckung:

    „Vallee d’Obermann“ aus den Années de Pelerinage, premieré année SUISSE von Franz Liszt, z.B. Aufnahme mit Claudio Arrau
    beim ersten Hören der Aufnahme (2000) hat es mir die Sprache und alle Sinne verschlagen, weil ich mit einem Mal mein Leben vor mir sah, so dicht, so nah, dass ich es nicht für möglich hielt, vor allem, dass jemand mein Leben musikalisch und einfach mit einem Klavier fassen kann.

    Die Klaviersonaten Beethovens in der Einspielung von Alfredo Perl:
    Am liebsten sind mir die Waldstein-Sonate, Nr.21, C-Dur, op.53 und die Sonate Nr. 32 , c-moll, op.111

    Klavier mit Gesang, Schuberts Winterreise mit Ian Bostridge (voc) und Leif Ove Andsnes (p)

    Wandererphantasie von Schubert

    Kai, 43 Jahre, Malerin und Bildhauerin in Berlin, seit 1999 begeisterte Klavierschülerin

    Adventmails 2006/20 (Listen aller Art)

    Rudis Bücherliste 2006

    Maalouf, Amin: Der Heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber. dtv 2003.
    Die historischen Wurzeln des Konflikts zwischen dem Nahen Osten und dem Westen: Die Kreuzzüge – aus der Sicht der arabischen Welt!
    Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten George W. Bush nach dem 11. September 2001, die USA müssten zusammen mit ihren Verbündeten einen „Kreuzzug“ gegen den Terrorismus führen, löste, insbesondere in der arabischen Welt, Irritationen aus. Dies lässt offenbar werden, welch nachhaltiges Trauma die Kreuzzüge im kollektiven Gedächtnis der muslimischen Welt hinterlassen haben. Die Fassungslosigkeit und das Entsetzen der hoch zivilisierten arabischen Welt angesichts der „barbarischen Invasoren“ aus dem Abendland spiegelt sich in nahezu allen arabischen Chroniken und Berichten aus der Zeit zwischen 1096 und 1291 wider.
    Schon gelesen: Liebe zu arabischer Erzählkunst ist von Vorteil!

    Brugger, Eveline u.a. (Hg.): Geschichte der Juden in Österreich. Ueberreuter 2006.
    Die Geschichte der Juden in Österreich ist die erste umfassende Darstellung der österreichisch-jüdischen Geschichte seit 35 Jahren. Basierend auf der in den letzten Jahren insbesondere am Institut für Geschichte der Juden in Österreich geleisteten Grundlagenforschung, präsentiert sie die neuesten Forschungsergebnisse, zahlreiche zum Teil noch unedierte Quellen und eine aktuelle Bibliografie. In dieser Gesamtschau erzählt das Autorenteam die Geschichte des jüdischen Lebens in Österreich von den Anfängen bis heute. Die Geschichte der Jüdinnen und Juden in Österreich wird als integraler Bestandteil der österreichischen Geschichte, als Geschichte des gegenseitigen Kulturtransfers auf vielen Gebieten, des engen Zusammenlebens, aber auch der Ausgrenzung und Marginalisierung durch Antijudaismus und Antisemitismus dargestellt.
    Lese ich derzeit: umfangreiches Buch. Lieber wär mir, wenn jedes Kapitel ein eigenes Buch wäre!

    Scheer, Hermann: Solare Weltwirtschaft. Strategie für die ökologische Moderne. Kunstmann 2002.
    Die Erdölvorräte gehen zur Neige; Ressourcenkonflikte schüren die „neuen Kriege“ unseres Jahrhunderts. Bei gleichzeitig steigendem Energieverbrauch rast die Welt auf eine existenzielle Krise zu. Hermann Scheer beschreibt in seinem neuen Buch die vielfältigen mentalen Barrieren, die die „ungebrochene Macht tradierten Energiedenkens“ zementieren. Er beleuchtet aber auch schlüsselhafte Initiativen, mit denen der Wechsel zu Erneuerbaren Energien gelingen kann. Der archimedische Punkt und das Leitmotiv dafür ist die „Energieautonomie“ – als vielfältig realisierbares politisches, technologisches und wirtschaftliches Konzept. Das Buch ist ein ideeller und praktischer Leitfaden für die Ablösung atomarer und fossiler Energien, die schneller und umfassender erfolgen kann, als allgemein angenommen wird – und eine Weltentwicklung nach sich ziehen wird.
    Noch nicht gelesen, aber Feuer gefangen bei einem Radiointerview!

    Mokeddem, Malika: Blaue Menschen. UT 249.
    Leila, die am Rande der algerischen Wüste aufwächst, besucht als erste Frau ihres Clans die Universität, obwohl Sittenpolizei und Tugendwächter durch die Straßen ziehen, um die erkämpften Freiheiten wieder zu beschneiden. Die Tradition ihrer Vorfahren, der „blauen Menschen“, interpretiert sie als Auftrag, immer wieder neu aufzubrechen.
    Zweimal gelesen: Wunderbar. Für mich das Buch des Jahres. Datteln, Wut, Einsamkeit, Flucht, Sand, Sonne, Großmutter, Träume, Liebe …

    Schami, Rafik: Die dunkle Seite der Liebe. Hanser 2004.
    Rafik Schami erzählt die dramatische Geschichte der Liebe zwischen Farid Muschtak und Rana Schahin, die in Damaskus von Verfolgung und Mord bedroht wird. Er spannt einen weiten Bogen über ein Jahrhundert syrischer Geschichte, in dem Politik und Religionen ein Volk nicht zur Ruhe kommen lassen. Ein Roman von ungeheurer Wucht und zugleich eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt Damaskus.
    Schon gelesen. Bei den letzten 100 Seiten nur mehr eine Seite pro Tag, damit es möglichst lange dauert.
    Verbotene Liebe, mehr als 100 Jahre syrische Geschichte. Syrienkenntnis von Vorteil!

    Rudi, Webdesigner, Layouter, Orientreisender, Arabischlernender

    Und noch eine zweite Bücherliste:

    gute seiten schlechte seiten meiner letzten vierzehn tage
    (nach einer idee zu listen von nick hornby)

    bücher die ich gekauft habe
    pierre bourdieu: was heißt sprechen
    umberto eco: lector in fabula
    umberto eco: irrtümer der interpretation
    susan sontag: im zeichen des saturn

    bücher die ich gelesen habe
    michel foucault: das leben der infamen menschen
    julia schmitt: fotografie und realität

    bücher die ich fast ganz lese
    reclam: texte zur theorie der komik
    susan sontag: über fotografie

    bücher die ich verschenkt habe
    atlas der globalisierung
    wolf haas: ausgebremst – der roman zur formel 1

    bücher die ich morgen kaufe
    neunerhaus: noch mehr haubenküche zum beislpreis
    neunerhaus: süße haubenküche zum beislpreis

    josef, hausmann (bald so alt wie die wahlhochrechnungen im orf – also: 40)

    Adventmails 2006/19 (Listen aller Art)

    Aus den 5 größten Augenweiden (siehe Fotos im Anhang) des letzten Sommers sind nun 6 geworden, weil mir die Entscheidung so schwer fällt:

    1. Majestät von oben (Mount Hood)
      Seit dem Morgen bin ich der Sonne gefolgt. Zu Hause ist schon der nächste Morgen angebrochen. Tiefer und tiefer sinkt die Boeing dem Abend über Portland, Oregon entgegen. Langsam zieht sie am mächtigen Mount Hood vorbei, einem einzeln aus der Ebene ragenden Vulkankegel. Das Abendlicht und die trockene Luft über der „high desert“ lassen die Konturen unvergleichlich klar hervortreten.
      Das Foto ist meine Referenz an diese Majestät.
    2. Pazifisch
      Bizarr geformte helle Sandsteinklippen und dunkle Felsinseln aus Vulkangestein, auf denen Seevögel nisten. Höhlen, in denen Seelöwen hausen, ein Regenwald mit Gewächsen, die ich noch nie gesehen und deren Namen ich noch nie gehört hatte – diese Eindrücke nahm ich von Oregons Pazifikküste mit.
    3. ein eingestürzter Vulkan (Crater Lake)
      Vor 7000 Jahren zerrissen gewaltige Eruptionen diesen riesigen Vulkan, in dessen Mitte sich in einigen hundert Jahren dieser sagenhaft blaue See bildete.
    4. The Garden of the Gods
      Wieder Sandsteinfelsen, und wieder bizarr – diesmal in kräftigem Rotbraun – am Rande der Rocky Mountains bei Colorado Springs. Den Indianern war das der Garten der Götter. Mir erschien’s als eine Kathedrale der Natur.
    5. ein Drink unter der Brücke (Riverside Café)
      New York City bei fast 40° im Schatten. Ein kühler Drink mit Blick auf den East River, den ich bald über die Brooklyn Bridge überqueren werde, um dann vom Dschungel Manhattans verschlungen zu werden. Was für eine Stadt!
    6. God’s Hand
      Die marmorne Hand hält ein ineinander verschlungenes Liebespaar …
      Auguste Rodin: God’s hand, Metropolitan Museum, New York

    Christine, 51, AHS-Lehrerin

    Adventmails 2006/18 (Listen aller Art)

    die besten james-bond-darsteller:

    1. daniel craig (der ist schon sehr cool)
    2. sean connery (fuer mich der erste wirkliche bond)
    3. pierce brosnam (ein bisschen zu schoen, aber sonst ganz gut)
    4. timothy dalton (der sensibelste bond – er war zu wenig macho)
    5. roger moore (zu alt fuer einen bond)

    thomas, 31, bruder von robert, derzeit finanzleiter in bulgarien

    Adventmails 2006/17 (Listen aller Art)

    Liste meiner Wunschberufe und was daraus wurde:

    1.) Sportjournalist
    Als 10-jähriger las ich so Sachen wie Heinz Prüllers Karl-Schranz-Biographie oder Teddy Podgorskys Muhammad-Ali-Story, lauschte Kurt Jeschko, Edi Finger und Sigi Bergmann (warum gibts eigentlich keine wirklich mitreißenden SportmoderatorINNEN?) und wusste: So was würd ich auch gern einmal machen.
    Jetzt denk ich mir: Einen Winter lang Hermann Maier quer durch die Alpen verfolgen (der mit dem Privatjet ja doch immer schneller ist) oder sich allwochenendlich den Hundskick der Bundesliga geben zu müssen… ist auch nicht das Gelbe vom Ei.

    2.) Deutschlehrer
    Ich konnte gut Aufsätze schreiben. Und ich hatte immer schon eine Schwäche für die Schwächen anderer. Dieser mit einem Rotstift in der Hand nachzugeben erschien mir am Beginn der Pubertät überaus reizvoll. Beim Studium musste ich allerdings feststellen, dass zur Germanistik auch Hartmann von Aue-Übersetzungen (gähn) und Stifters zweibändige „Bunte Steine“ (dös) gehören. Und die Schwafeleien minderleistender Schüler zu korrigieren erwies sich letztlich als Herausforderung, an der ich nicht mehr wachsen wollte.

    3.) Schriftsteller/Drehbuchautor
    Als Lyriker war ich am besten, wenn ich grad Bachmann-Gedichte gelesen hatte. Auch wenn ich nur Bruchstücke davon verstand, regten sie mich doch immer wieder zu eigenen, gar nicht immer epigonalen Versen an. Einmal las ich meine Poeme im Grazer Stadtpark – und bekam als Dank von einer schönen Zuhörerin eine Handvoll roter Erdbeeren geschenkt: mein Höhepunkt als Dichter. Durch den Journalismus wurde ich immer unlyrischer, schreibe manchmal was Anlassbezogenes, Prosaisches, träume von Drehbüchern, in denen ich meine Begabung zu pointierten Dialogen entfalte und von einem Roman in der Rente, den meine Enkel nach meinem Tod in PC vulgo Schreibtischlade finden.

    4.) Psychotherapeut
    „Meinst du, ich wäre geeignet, selber mal Therapeut zu werden?“, fragte ich meine Lehrtherapeutin C.P. am Ende meiner Ausbildung in Integrativer Gestalttherapie. Sie bejahte; ich hätte die nötige Sensibilität und Tiefe. Das genügte mir – zu wissen, dass ich es KÖNNTE. Klar, es ist schon schön, Menschen in Konfliktsituationen „auf den Punkt zu bringen“, sie dazu anzuhalten, sich umfassend zu spüren, ihre Schatten zu sehen und anzunehmen. Aber was, wenn statt Selbsterfahrungsbereiten wirklich einmal ein Psychotiker käme? Nein, da lieber mehr Abstand halten zur Klientel. Z.B. zu fernen LeserInnen, die (bei sich) schmunzeln statt (außer sich) in Heulkrämpfe ausbrechen.

    5.) Szenebeislwirt
    Das ist mehr so ein Hirngespinst, aber immerhin bin ich ja väterlicherseits Gastwirtenkel. Ich stelle mir ein angenehmes, geschmackvolles Ambiente vor: an den Wänden hängen Bilder von NachwuchskünstlerInnen, auf den Tischen gibts Kerzen und jeden Tag wechselnde Gedichte. In einem großen Nebenraum läuft jeden Tag ein Cineastenfilm. Dazu kreative, internationale Snacks ohne Kaugeräusch oder Kleckergefahr. Im Hauptraum regiert eine kleine, aber feine Speisekarte mit viel Abwechslung, dazu handverlesene Weine aus Österreich. Die Hintergrundmusik eignet sich zum Dabeiplaudern, aber auch zum Zuhören… so was wie Lambchop oder Catpower, was ich derzeit viel höre.
    Das wär halt was für ein Team, allein verantwortlich zu sein wär mir zu stressig. Macht wer mit?

    Robert, 47, Journalist, Adventlisteninitiator.

    Bonustrack:
    5 Geschichten, die ich als Redakteur der „Kathpress“ wirklich gern schreiben würde:
    Grundeinkommen: Regierung setzt Kirchenmodell um
    Kanzlerin Glawischnig: „Vorschlag der Katholischen Sozialakademie eines bedingungslosen Grundeinkommens langfristig am vernünftigsten“
    Kathpress-Chefredakteur Leitenberger tritt in den Ruhestand
    Bischofskonferenz überlässt Redaktion Entscheidung über Nachfolge
    Rätsel um minutenlangen Bruderkuss in Istanbul gelöst
    Zahnprothesen der beiden Kirchenoberhäupter Papst Benedikt XVI. und Patriarch Bartholomaios I. hatten sich verheddert
    „Wallfahrt der Religionen“ nach Jerusalem war „Meilenstein“
    Papst nach gemeinsamer Brettljause mit hochrangigen Vertretern von Judentum und Islam: Bin glücklich über Bekenntnis der bisherigen Konfliktparteien im Nahen Osten zum Frieden
    Päpstin nimmt Blues-CD auf
    Heilige Mutter besinnt sich auf kreative Weise ihrer afroamerikanischen Wurzeln

    Adventmails 2006/16 (Listen aller Art)

    Hitliste der 5 besten Torten und Kuchen für alle Gelegenheiten:

    Es folgen Zutaten und Zubereitung für…

    Becherkuchen„, der schnelle Kuchen für zwischendurch
    Sachertorte„, der Klassiker,
    Gerührte Linzertorte„, sehr saftige Torte, die sich gut hält
    Mascarponetorte“, sieht super aus und schmeckt auch so
    Mosttorte“, meine Lieblingstorte, v.a. im Herbst, wenn die Apfelernte losgeht

    Isolde, 38, Biologin, Gleichbehandlungsbeauftragte in Tirol

    Adventmails 2006/15 (Listen aller Art)

    „Luxury please“

    Um meinen Lieben die alljährliche Plage um passende Weihnachtsgeschenke heuer abzunehmen, habe ich mich der Mühe unterzogen, eine Liste mit fünf Last-Minute-Weihnachtsgeschenken zusammenzustellen. Wurde zwar nicht von der Wiener Luxusmesse unter obigem Titel, dafür aber von der Antiquitätenmesse inspiriert, die eine Woche zuvor in der Hofburg stattgefunden hat. Das schlechte Gewissen anlässlich der politischen Unkorrektheit meiner Wünsche (wer kann angesichts welt- und österreichweit zunehmender Armut ein Weihnachtsgeschenk akzeptieren, das, sagen wir, teurer als 500 Euro ist???) wird angemessen gedämpft durch den Umstand, dass sie ohnehin bar jeder Realisierungsmöglichkeit sind. Falls jemand unter Ihnen – im Gegensatz zu mir – über einen Lottosechser, einen wohlhabenden Liebhaber, einen kränklichen Erbonkel oder über erfolgreiche Unternehmerqualitäten verfügt, möchte ich Ihnen die Liste als Inspirationsquelle nicht vorenthalten:

    Josefinischer Kachelofen, hellgrün, um 1780, ca. 10.000 Euro, Antikhof Figl, 3451 Plankenberg

    Stammbaum Jesse, Griechische Ikone, Kleinasien, Beginn 19. Jht, 9.500 Euro, Galerie Dr. Stefan Brenske, München

    Holzräderuhr, 1788, Pater Angelikus Englisch, Wien, 28.000 Euro, D&S Antiquitäten, Wien

    Arnulf Rainer, Kreuz, ohne Titel, 90er Jahre, Leimfarbe auf Holz, 165.000 Euro, Galerie Kovacek, Wien

    Markus Prachensky, Urbino 1976, Tusche auf Papier, 9.500 Euro,
    Galerie Kovacek&Zetter, Wien

    Eva, ORF-Redakteurin, 38