Wärmendes „comfort food“
Es beginnt mit dem Einkauf beim Inder am Naschmarkt. Gerichte, Gerüche, Farben und eine Ahnung von diesem einzigartigen Geschmack. Am allerliebsten koche ich Thomi mahaar dhal, ein Gericht aus diesen wunderbaren weißen Linsen, die es nur in Indien gibt. Das braucht Zeit – und es lohnt jede Minute davon.
Zuerst wird eine Tasse der Linsen gut gewaschen und mit zwei Tassen Wasser – gewürzt (und gefärbt) mit ein bisschen Salz und Kurkuma (oder Gelbwurz, wie es auch heißt) – dreißig Minuten lang geköchelt. Dann wird der Topf halb zugedeckt und die Linsen dürfen noch eine Viertelstunde weiter köcheln, eventuell mit ein bisschen zusätzlichem Wasser, sie sollen nicht trocken werden.
Schließlich noch einmal 15 Minuten mit ganz zugedecktem Topf.
Währendessen schneide ich eine Zwiebel und mindestens drei, wenn nicht vier Knoblauchzehen, gebe drei Dosentomaten in den Mixer, lasse Zwiebel und Knoblauch rösten, bis sie eine wunderbar goldene Farbe haben, rühr den Tomatenbrei dazu und würze mit frischem Ingwer, ein wenig grünen Chilis – je nach Lust und Laune auf Schärfe – ein bisschen Garam Masala und Asafoetida.
Den frischen Koriander lasse ich weg, weil ich – bei aller Liebe zur indischen Küche – finde, dass er nach Seife schmeckt.
Zuletzt wird das Dhal (das sind die Linsen) aus dem Topf in eine Pfanne gegeben, ein bisschen angebraten und dann mit der Tomatensauce serviert.
Das ist wirkliches „comfort food“, wie die Engländerinnen sagen würden. Beim Kochen, beim Riechen, bei Essen wird dir unweigerlich wohlig warm. Zuerst in der Nase, dann in den Händen, schließlich im Bauch – und überall.
Michaela, 37, Theologin und PR-Beraterin