Adventmail 2023/10 (Tiere)

„Schreiben Sie einen Limerick mit fünf Zeilen, in dem ‚Wien‘ und ‚Delfin‘ vorkommen.“ Mit dieser Anweisung wollte ich es Chat GPT nicht allzu schwer machen, mithilfe künstlicher Intelligenz etwas unterhaltsam Kreatives zustande zu bringen. Die Fähigkeiten von KI waren heuer ein Dauerthema, gerade im Journalismus, der – wie es heißt – vor einer Wende stehe, da die maschinell erstellten Texte jenen der Profis um nichts nachstehen würden.
Nun ja. Limerick-Verfassende brauchen die KI-Konkurrenz aktuell noch nicht zu fürchten. Denn der oben genannte Auftrag wurde im März von Chat GPT wie folgt erfüllt: „Gab’s einst einen Delphin,/ er schwamm durch die Donau wie im Wind./ Die Leute erstaunt,/ haben ihm zugeschaut,/ doch dann schwamm er fort, der kluge Gesell.“
Na gut, Chat GPT lernt ja noch, lassen wir uns ein paar Monate Zeit, dachte ich. Und nach einem halben Jahr dieselbe Anfrage, diesmal mit folgendem Ergebnis: „In Wien, da gibt’s einen Delfin,/ Er schwamm durch die Donau ganz sinnvoll hin./ Mit einem Sprung, so elegant,/ Brachte er Touristen in Entzückenland,/ In der Donaumetropole, oh welch ein Gewinn!“
Riss mich auch nicht vom Hocker. Und „Entzückenland“, im Ernst?? Das kann ich doch besser, so mein Ehrgeiz. Aber urteilt selbst:

„Ins Mittelmeer und auch durch Wien
schwamm die Donau entlang ein Delphin.
Das wurde dem Tier nicht zu viel,
denn Griechenland war sein Ziel.
Es war – was kein Wunder ist – Delphi-affin.“

Gibt’s Varianten von Hobby-Poet:innen unter euch?

Adventmail 2023/09 (Tiere)

Stell dir vor, unsere Zivilisation wäre plötzlich dadurch infrage gestellt, dass bis auf eine kleine Gruppe von Menschen alle anderen verschwunden wären. Keiner mehr da, der Öffis chauffiert. Keine, die Kleidung verkauft. Niemand, der die Versorgung mit Energie und Wasser sicherstellt.
Und die Ernährung? Die Waren in Kühlregalen wären bald verdorben, die Konserven enden wollend oder ebenfalls mit Ablaufdatum versehen, die Milch gebenden und Eier legenden Nutztiere wären ohne Versorgung dem Tod geweiht. Wir müssten also – wie unsere Vorfahren in Zeiten von Sammlern und Jägerinnen – auf die Pirsch gehen. Und wären ohne Know-how hoffnungslos überfordert.
Das ist im Wesentlichen das Ausgangsszenario im Romanerstling „That’s life in Dystopia“ meiner lieben Kollegin Johanna Grillmayer, der seit Oktober in guten Buchhandlungen aufliegt. Bei ihren peniblen Recherchen (Wann erlegt man welches Wild? Wie stellt man Fallen? Wie zerteilt man die Beute?…) kam ihr, wie sie mir erzählte, zugute, dass ihr Vater Hobbyjäger war und sich zuhause ein Waffenschrank und sogar der ausgestopfte Kopf eines Keilers befanden. Johanna kennt auch die Fachterminologie: Sie weiß z.B., dass „ansprechen“ die präzise Beobachtung, Identifizierung und Beurteilung von Wild vor der Schussabgabe durch den Jäger bedeutet. „Kirrung“ ist ausgelegte Nahrung, um Tiere anzulocken, „Ständer“ nennt man die Beine des Federwilds, „Ruder“ jedoch die von Schwimmvögeln. „Aufbrechen“ meint, die Innereien der erlegten Tiere entnehmen, und wer Wild „entnimmt“, meint damit etwas euphemistisch: töten.
Im Roman beschafft sich die verbliebene „Robinson“-Gruppe von sechs Männern und zwei Frauen, die die nicht näher beschriebene Apokalypse unbeschadet überstanden, das Wissen um Jagd aus Fachliteratur; auch Gewehre finden sich. Aber über das Schießen auf Rehe, Wildschweine oder Hasen zu lesen und das dann auch umzusetzen sind zwei Paar Schuhe. Könnte ich das, der seine „Beute“ fein aufgeschnitten und in Folie verpackt im Supermarkt macht? Wenn’s ums Überleben geht vielleicht.
Das wirklich Fesselnde an Johannas Roman ist übrigens die Schilderung, wie sich die kleine Gruppe der etwa 20-Jährigen als „Gesellschaft“ konsolidiert. Nicht die schlechteste Inspiration zu ihrem Erstling bildete Marlen Haushofers „Die Wand“ mit nur einer Heldin und mehreren Tieren. Ein Zitat daraus steht am Beginn des Romans: „Es gibt keine vernünftigere Regung als Liebe.“ Also falls wer von euch noch ein Weihnachtsgeschenk braucht…

Adventmail 2023/08 (Tiere)

Kurz vor Allerheiligen las ich im „Standard“ ein Interview mit Michael Köhlmeier, der sich darin für einen humaneren Umgang mit Tieren aussprach. „Am ärmsten ist das Schwein, sein Nutzen für uns besteht nur in seinem Tod. Die Hälfte der Richter im Jenseits sind höchstwahrscheinlich Schweine. Dann gnade uns Gott.“
Das führt mich Spaltenbodengegner zur Frage: Auch wenn sie keine so prominente Rolle beim Jüngsten Gericht einnehmen: Kommen Tiere in den Himmel? Haben sie überhaupt eine Seele?
Seit 2011 gibt es in Wien einen Tierfriedhof. Er liegt, ein wenig zurückversetzt, gegenüber vom Haupttor des Zentralfriedhofs. Ein Hundegrab für fünf Jahre kostet knapp 600 Euro, ein Grabstein bis zu 1.000 und für die jährliche Grabpflege werden noch einmal 95 Euro fällig. Manche mögen es verrückt finden, doch es ist ein Faktum, dass für viele Menschen, ob Single oder in Familien, das Haustier ein wichtiger Lebenspartner ist.
Die Bibel spricht von der Seele als göttlichem Lebensatem, die Menschen und Tieren gleichermaßen in sich tragen. Kirchenlehrer Thomas von Aquin definierte eine Wachstumsseele und eine Empfindungsseele, die Menschen und Tiere miteinander teilen – im Unterschied zur Vernunftseele, die nur dem Menschen eigen sei. Der Mensch besitzt aufgrund seiner Vernunft also eine Sonderstellung, die er im Auftrag Gottes als Dienst an der Schöpfung recht gebrauchen soll.
Im Mittelalter gab es Gerichtsprozesse gegen Tiere, die „etwas angestellt“ hatten: Auch wenn das heute komisch klingt, die Menschen damals waren überzeugt, dass Tiere auch Teil der Rechtsgemeinschaft sind. In manchen Kirchen ist es heute üblich, dass Gläubige ihren Hund in die Messe mitnehmen.
Darf, wer seinen Hund bestattet, darauf hoffen, dem Flocki oder Rex im Himmel wieder zu begegnen? Der Apostel Paulus schrieb, dass die ganze Schöpfung darauf wartet, aus ihrem Leiden und vom Tod befreit zu werden. In der Bergpredigt sagt Jesus: Selig die Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich. Ich glaube, dass damit auch die Tiere gemeint sind. Sie sind ja die Schwächsten, weil sie ihre Bedürfnisse nicht artikulieren können, und leiden – jedenfalls in Ländern mit industrieller Landwirtschaft – am meisten unter der qualvollen Ausbeutung durch die Menschen. Ich glaube, dass Gott auf der Seite seiner Geschöpfe steht – und wir sollten das auch tun.

Adventmail 2023/07 (Tiere)

Ich lese viel seltener Sachbücher als Belletristik, und noch viel seltener solche über Tiere. Eins jedoch kaufte ich mir vor ein paar Jahren. Es heißt „Rabenschwarze Intelligenz“ und stammt vom deutschen Evolutionsbiologen Josef Reichholf. Krähenvögel interessieren mich nicht erst, seit ich mich über Wilhelm Buschs Hans Huckebein amüsierte. Bilder von Kolkraben, deren Flugshows ich einmal bei einem Besuch im Cumberland Wildpark in Grünau (OÖ.) bewunderte, wählte ich früher sogar als Facebook-Profilfotos. Mein Totemtier sozusagen.
Es gibt viele verblüffende Beispiele für die Intelligenz von Tieren, aber eines der beeindruckendsten ist vielleicht die Fähigkeit von Krähen, komplexe Werkzeuge zu verwenden. Sie gehören mit Papageien zu den intelligentesten Vögeln und sind in der Lage, eine Vielzahl von Tools zu nutzen, um an Nahrung zu gelangen. Einige Arten von Krähen verwenden Zweige, um Insekten aus Baumrinden zu fischen, andere verwenden Steine als Ambosse, um Nüsse zu knacken. Und sie finden und nutzen Werkzeuge nicht nur, sie modifizieren sie auch, um sie für bestimmte Aufgaben besser geeignet zu machen. Zum Beispiel haben Wissenschaftler:innen beobachtet, dass Krähen Zweige zu einem Haken verbiegen, um besser an Insekten heranzukommen.
In einer Studie aus dem Jahr 2014 wurden Krähen trainiert, einen Draht so zu biegen, um Futter aus einem Röhrchen zu fischen. Die Vögel erkannten schnell, dass sie den Draht wiederverwenden konnten, anstatt jedes Mal einen neuen biegen zu müssen, und bewahrten ihr Werkzeug auf.
Reichholf erzählt in seinem Buch vom hochintelligenten Kolkraben Mao, der zum Vertrauten eines gewissen Carlo wurde. Dieser wurde auf Bauernhöfen von Hunden oft zähnefletschend empfangen und verbellt – bis Mao eingriff: Als einmal ein Schäferhund Carlo kläffend verfolgte, versetzte ihm der aus der Luft eingreifende Rabe mit seinem mächtigen Schnabel einen kräftigen Hieb zwischen die Ohren. Der Hund „sträubte alle Haare, machte einen gewaltigen Satz mit allen vieren in die Luft und sauste heulend zum Hof zurück“, berichtete Reichholf. Anderen Hofhunden erging es genauso und alle lernten. „Keiner wagte mehr, Carlo anzubellen, gleichgültig, ob er mit dem schwarz gefiederten Ungeheuer oder alleine unterwegs war.“

Adventmail 2023/06 (Tiere)

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er ist ein Allesfresser und verspeist seit jeher auch Tiere. Kleinkinder stecken Regenwürmer oder Käfer in den Mund, mit Ess-Tabus verbundener Ekel wird erst später sozial erworben. Und das ist kulturell durchaus unterschiedlich, wie wir wohl alle von Reisen wissen. Auf Märkten in Thailand z.B. werden Taranteln, Skorpione, Insektenlarven u.a. No-Gos für Mitteleuropäer:innen feilgeboten. Mein Mut bei der Reise dorthin 2018 reichte immerhin zum Kosten einer knusprigen Larve, davor hatte ich schon mal eine Heuschrecke gegessen. Kein Problem hätte ich mit dem in Fernost als Delikatesse geltenden Hundefleisch, so wie ich bei einem Feinschmecker-Event schon mal Biber, zubereitet von Starkoch Max Stiegl, genoss. Oder Papageientaucher auf Island.
Besonders beliebt ist in Österreich Schweinefleisch, der Jahresverbrauch liegt bei 33,5 kg pro Kopf (Geflügel: 13 kg, Rind/Kalb: 10 kg). Warum aber essen sowohl Juden als auch Muslime kein Schwein? Das geht auf religiöse Vorschriften zurück, wonach Schweine als buchstäblich unrein gelten. Es gibt mehrere wissenschaftliche Erklärungsversuche dafür. Der überzeugendste: Durch Vergrößerung der Ackerflächen, Rodungen und Erosion gingen in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas die vormals ausgedehnten Wälder um 2000 v. Chr. auf nur noch kleine Restbestände zurück. Die Schweine, die bis dahin in Eichen- und Buchenwäldern Schatten, Nahrung und feuchten Schlamm zum Suhlen fanden, verloren dadurch ihre ökologische Nische und wurden zu Nahrungskonkurrenten des Menschen – im Gegensatz zu den Wiederkäuern Rind, Schaf und Ziege.
Eines der bekanntesten Nahrungstabus ist das ebenfalls religiös begründete Verbot für Hindus, Rinder zu schlachten und zu essen. Im Christentum gab es bis zum Beginn der Neuzeit ein päpstliches Schlachtverbot für Pferde, Aleviten essen keine Hasen, Inkastämme in Peru keine Hirsche. Es gibt aber auch nichtreligiöse Verbote: So ist innerhalb der EU das Schlachten von Hunden und der Handel mit Hundefleisch seit 1986 untersagt. Insekten werden von der Mehrheit der Europäer nicht als Nahrungsmittel in Betracht gezogen, obwohl viele Arten prinzipiell essbar sind und in vielen Kulturen des „Südens“ auch verzehrt werden. Forschende fanden in zwölf untersuchten Kulturräumen insgesamt 38 Fleischtabus (aber nur sieben Pflanzentabus).
In der christlichen Fastenzeit war Fleisch lange strengstens untersagt. Kurfürst Maximilian ging in Bayern im 17. Jahrhundert sogar so weit, Verstöße mit Haftstrafen zu ahnden. Doch die Not machte vor allem die Ordensleute erfinderisch. Seit dem Konstanzer Konzil (1414-1418) hieß es: Alles, was im Wasser lebt, wird als Fisch gezählt. Und Fische waren ja schließlich erlaubt. Somit kamen in der Fastenzeit in Klöstern neben Fischen auch Biber und Fischotter auf den Tisch. Das soll angeblich fast zur Ausrottung der Tiere geführt haben.

Adventmail 2023/05 (Tiere)

Es löste Heiterkeit aus, als vor einigen Jahren im Radio zu hören war, dass Hans Adler von einem Streik der AUA berichtet. Der frühere Chefredakteur der ORF-Wirtschaftsredaktion ist bei weitem nicht der einzige mit diesem edlen Familiennamen, allein mit seinem Vornamen Hans listet Wikipedia weitere neun mehr oder weniger prominente Männer auf; insgesamt sind es hunderte Personen, etwa der Individualpsychologe Alfred, der Krimiautor Jussi oder der SDAP/SPÖ-Gründer Viktor.
Mein Lieblingsjournalist im ORF ist auch tierisch gut. Armin Wolf verbeißt sich in so manchen Studiogast, ohne verbissen zu wirken. Das könnten Politiker sein wie Johannes Hahn oder früher Franz Fischler, Rudolf Hundstorfer und Gesine Schwan.
Auch die Kultur ist voll von Tiernamenträger:innen. Ich nenne nur den Essayisten Anton Kuh, den Bildenden Künstler Erwin Wurm, Austropop-Sänger Ulli Baer oder die grandiose Dostojewski-Übersetzerin Swetlana Geier. Bei den Celebrities begnüge ich mich mit Daniela Katzenberger.
Eine meiner vielen Tanten heißt Edeltraud Mücke (das gäb‘ nach Verheiratung mit Michael Stich einen schönen Doppelnamen). Apropos Sport: Als Teenager schwärmte ich für den US-Schwimmstar Mark Spitz und der Ex-ÖFB-Teamkapitän Christian Fuchs war mir immer sehr sympathisch.
Im Netz stieß ich auf eine imposant lange Liste mit tierischen Familiennamen. Darunter auch „gestrafte“ Personen, die „Ferkel“ (308 in den USA, 47 in Deutschland, 1 in Österreich) heißen, „Hammel“ wie die Miss Austria 2009 Anna oder „Ziege“ wie der deutsche Fußball-Europameister von 1996, Christian.
Zu dem Thema fällt mir ein Witz ein:
Ein Jude namens Adolf Sauschädl will seinen Namen ändern lassen und geht dafür zum zuständigen Amt. Der Beamte äußert Verständnis und fragt den Antragsteller, welchen neuen Familiennamen er in Zukunft tragen möchte. Dessen Antwort: „Wieso Familiennamen? Ich möchte meinen Vornamen auf Moische ändern!“

Adventmail 2023/04 (Tiere)

Kroatien hat eine, ebenso Ägypten, Mexiko, Papua-Neuguinea und 19 weitere Staaten. Sie alle haben ein Tier in ihrer Landesflagge (Österreich nicht, denn der „Bundesadler“ ist, wie auch in Deutschland, Teil des Republikwappens, nicht der Flagge).
In den auf www.countryflags.com/de/tags/tiere aufgelisteten Sujets dominieren „edle“ Tiere, die meisten davon geflügelt. Ägyptens Flagge hat den „Adler Saladins“ in der Mitte, Mexikos Adler hält eine Schlange in Schnabel und Klaue. Albanien hat wie auch Serbien und Montenegro ein zweiköpfiges Exemplar. Kasachstan einen Steppenadler, der moldawische Adler hält einen Schild mit der Abbildung eines Stiers; auch Sambia lässt einen Aar – den Schreiseeadler – auf Fahnen flattern.
Der Kondor dagegen krönt die Flagge Ecuadors, ein Paradiesvogel jene Papua-Neuguineas, ein Kronenkranich jene Ugandas. Kiribati setzt auf den Fregattvogel, Fidschi auf eine Friedenstaube, die Dominikanische Republik auf einen Sisserou-Papagei, Guatemala präsentiert den Nationalvogel Quetzal. Was für ein geflügeltes Tier sich hinter in der Fahne Simbabwes verbirgt, ist nicht eindeutig: Mit großer Sicherheit aber ein Hühnervogel. Brunei begnügt sich mit einem Flügelpaar – als Symbol für Ruhe, Gerechtigkeit und Frieden.
Das Georgs-Kreuz mit berittenem Drachentöter britannisiert Maltas Flagge, auf Bhutans Variante dominiert der Drache ganz unbedroht.
Der „König der Tiere“ findet sich selten auf Flaggen. Spanien hat sein Wappen in der gelben Mitte seiner Flagge integriert – darauf u.a. ein purpurroter Löwe. In Sri Lanka wird die „Löwenflagge“ gehisst. Die kroatische Flagge ist die weltweit „tierfreundlichste“: Insgesamt sind es fünf Tiere: drei Löwen als Symbol Dalmatiens, ein Marder als Symbol Slawoniens und eine Ziege als Symbol von Istrien.
Wir sehen: Die zoologische Vielfalt auf Staatsflaggen ist überschaubar. Schade eigentlich. Dabei fände ich Motive wie aufeinander losstürmende Elefant und Esel (USA!) passend. Oder eine Schlange für Großbritannien, where everybody is ready to queue up. Vielleicht eine Weinbergschnecke (Helix pomatia) für das kulinarisch versierte Frankreich? Ein Wurm für das Mezcal-freundliche Mexiko? Ratte/Hase/Schwein & Co. für China, je nachdem, was im Tierhoroskop gerade dran ist. Und warum nicht ein Schaf für den Hirtenstaat Vatikan?

Adventmail 2023/03 (Tiere)

Sie nannten sich Affen, Adler, Aale, Schildkröten, Tyrannosaurus Rex, Büffel aus Springfield, fliegende Eidechsen oder einfach: Tiere, um in der Popmusik Erfolg zu haben. Und die Stars dieses Metiers heißen Krähe, Seehund, Katzen-Macht oder Schnüffelhund. Ein guter Grund, finde ich, um („Stammgäste“ ahnten es schon) wieder mal eine Playlist mit tollen Songs zusammenzustellen. Diesmal mit meinen (alphabetisch gereihten) Top 20 jener Interpret:innen, die Ausdruck der Artenvielfalt in der Popmusik sind. Und auf der HIER anklickbaren Spotify-Liste finden sich noch einige Bonus-Tracks.

Animals, „House Of The Rising Sun“ (1964): Ein Sixties-Klassiker über ein Freudenhaus in New Orleans, der von Eric Burdons inspiriertem Gesang und dem Orgelspiel von Alan Price lebt und vergessen lässt, dass der Song eine lange Vorgeschichte hat und u.a. von Bob Dylan, Pete Seeger und Miriam Makeba gesungen wurde.
Arctic Monkeys, „I Wanna Be Yours“ (2013): Das jüngste Lied meiner Liste ist eine hübsche Indie-Rock-Perle der britischen Band, in dem sie ein Gedicht des Performance-Literaten John Cooper Clarke vertonen. Dort heißt es u.a. „Let me be your vacuum cleaner/Breathing in your dust/Let me be your Ford Cortina/I will never rust…“
Bee Gees, „Stayin‘ Alive“ (1977): Bee Gees steht doch für Brothers Gibb, werden Popkundige unter euch sagen. Ja eh, aber die Biene im Namen reicht mir, um diesen Disco-Heuler aus der besten Schaffensperiode der Falsett-Akrobaten aus Australien in meine Liste aufzunehmen. Großes Kino – wie auch der dazugehörige Film „Saturday Night Fever“ mit John Travolta.
Buffalo Springfield, „For What It’s Worth“ (1966): Die erste Single der von Neil Young und Stephen Stills gegründeten Band blieb auch ihre beste. Der Bandname hat übrigens wenig mit Büffel zu tun, er geht auf eine Dampfwalze der „Buffalo-Springfield Roller Company“ zurück, die vor dem Wohnhaus von Stills stand.
Byrds, „Turn! Turn! Turn!“ (1965): Sowas darf ein Theologe und Sixties-Fan einfach nicht übergehen. Die US-Folkrocker greifen hier nämlich Biblisches auf – das Buch Kohelet aus der Weisheitsliteratur des Alten Testaments. „To every thing there is a season, and a time to every purpose under the heaven: A time to be born, and a time to die; a time to plant“ … and a time to hear such great songs!
Cat Power, „The Greatest“ (2006): Eine von nur drei Frauen in dieser Liste, it’s a shame. Dabei hab ich sorgfältig gesucht, freilich mit wenig Erfolg. Die Musik und dieser Song der etwas labilen Hippie-Tochter aus Atlanta berührt mich. Ihre meist minimalistischen Songs mit sparsamen Gitarren- und Pianoklängen – hier auch mit Streichern – begleitet sie selbst.
Sheryl Crow, „All I Wanna Do“ (1994): Ein im Radio vielgespielter Grammy-Award-Song, den ich immer wieder gerne höre und der sauschwer zu singen ist. Die ehemalige Lebensgefährtin des Rad-Dopingsünders Lance Armstrong schafft das mit Bravour.
Eagles, „Hotel California“ (1977): „On a dark desert highway, cool wind in my hair…“ – wer kennt und mag diese von Don Henley gesungenen Worte nicht? Und erst recht, wenn das berühmte, unwiderstehliche Gitarren-Duett von Don Felder und Joe Walsh den Song beendet. Gitarren-Soli geraten oft zu lang, diesem könnte ich endlos zuhören.
Eels, „That Look You Give That Guy“ (2009): Mit den „Aalen“ rund um den vollbärtigen US-Singer/Songwriter Mark Oliver Everett verbinde ich eine nette Erinnerung: ein Live-Konzert mit meinen Alternative-Pop-begeisterten Geschwistern Martina und Andreas in der Wiener Arena, die den Anrainern zuletzt zu laut geworden ist.
Gorillaz, „Clint Eastwood“ (2001): Die Debüt-Single der virtuellen Comic-Band ist aufgrund seiner Ähnlichkeit (??) mit der Titelmusik von „The Good, the Bad and the Ugly“ nach dem gleichnamigen Schauspieler benannt. Blur-Mastermind Damon Albarn arbeitet für dieses Projekt bis jetzt erfolgreich mit dem Zeichner Jamie Hewlett und wechselnden Studiomusikern zusammen.
Tom Jones, „It’s Not Unusual“ (1965): Mit diesem Lied startete der wegen seiner Stimm-Power „Tiger“ (deswegen auf der Liste) genannte Waliser seine lange Karriere, die auch noch beachtliche Alterswerke umfasst. Die brave BBC boykottierte den Song anfangs wegen seines sexy Images. Einer der involvierten Studiomusiker war übrigens Leadgitarrist Jimmy Page.
Los Lobos, „La Bamba“ (1987): Dieses uralte, mitreißende mexikanische 6/4-Takt-Volkslied, das erstmals in der Popmusik der Kalifornier Ritchie Valens im Jahre 1958 erfolgreich aufgriff, wurde seither in zahlreichen Coverversionen veröffentlicht. U.a. von den „Wölfen“ als Filmmusik für die Film-Bio des 17-jährig tragisch ums Leben gekommenen Valens.
Lounge Lizards, „Harlem Nocturne“ (1981): Dieser elegante Jazz-Klassiker der Eidechsen aus New York ist eins der wenigen Tracks ihres Debüt-Albums, das nicht aus der Feder des Saxophonisten John Lurie stammt. Ich nahm ihn auf, weil zumindest EINE Jazz-Nummer dabei sein sollte und weil ich Lurie im großartigen Jim-Jarmusch-Film „Down by Law“ (1986) mochte.
The Monkees, „Daydream Believer“ (1967): Waren sie die erste Casting Band? Im September 1965 erschien u.a. in der Zeitschrift „Variety“ eine Anzeige, in der „vier verrückte Jungs zwischen 17 und 21 Jahren“ für eine US-Fernsehserie über eine junge Beat-Gruppe gesucht wurden. Die Serie „The Monkees“ lief dann zwei Jahre lang bis September auf NBC – in der goldenen Ära der Popmusik.
Scorpions, „Wind of Change“ (1990): „Hymne der Wende“ wurde diese erfolgreichste Single aus deutscher Produktion genannt, das Lyrische Ich singt darin über eine Sommernacht an der Moskwa, es hört dem „Wind des Wandels“ zu, der über alte Feindschaften hinwegweht. Und es macht mich unsagbar traurig, wie anders es eine Generation später wieder ist…
Seal, „Kiss From A Rose“ (1994): Der in London geborene Sohn eines Nigerianers und einer Brasilianerin, der es fast zehn Jahre lang mit Heidi Klum aushielt, heißt wirklich so, nämlich Seal Henry Olusegun Olumide Adeola Samuel. Und das ist einer jener Songs, an denen ich mich nicht satthöre.
Cat Stevens, „Father and Son“ (1970): Schöner finde ich ja „Morning has broken“, aber dieses Lied berührt mich mehr. „“Ich habe meinen Vater nie wirklich verstanden, aber er ließ mich immer tun, was immer ich wollte“, sagte der “ sich jetzt Jusuf nennende Muslim-Konvertit über dieses Lied.
T. Rex, „Hot Love“ (1971): Von 1967 bis 1974 gab es im damals noch jungen Ö3 die „Disc Parade“ bzw. „Die Großen 10“, moderiert von Ernst Grissemann und Rudi Klausnitzer. Der vom mir damals Elfjährigen begeistert gehörte Song der britischen Glam-Rock-Band schaffte es erst nach 17 Wochen, mitten im Sommer, mit ihrer „Heißen Liebe“ an die Spitze der Charts. Zurecht, oder?
The Turtles, „Happy Together“ (1967): Es gab eine goldene Ära der Familienband B.ME’s (sprich wie die Bee Gees [Brothers Gibb]), in der meine Söhne und ich bei Festen der autofreien Siedlung auf der Bühne standen und vierstimmig (je zwei Tenöre und Bässe) Songs wie diesen zum besten gaben. Das war für mich wirklich „happy together“.

Adventmail 2023/02 (Tiere)

Marienkäfer sind nicht nur bei Kindern beliebt und gelten als Glücksbringer. Seit geraumer Zeit gibt es in unseren Breiten jedoch den Asiatischen Marienkäfer, der die hier bekannten und als Nützlinge geschätzten mit den 7 Punkten zunehmend verdrängt. Er frisst zwar noch mehr Blattläuse als der heimische, macht sich aber auch über die Larven seiner Konkurrenten her und verdrängt diese immer mehr. „Einmal hier, ist er nun nicht mehr zu bekämpfen. Und natürliche Feinde haben Marienkäfer bei uns wenige, weil die Hämolymphe, das ‚Blut‘ der Käfer, so schlecht schmeckt“, weiß der WWF.

Der Klimawandel, aber auch bedachtlose Ansiedlungsversuche begünstigen die Ausbreitung auch anderer Tiere wie den Buchsbaumzünsler (ostasiatischer Kleinschmetterling), den amerikanischen Signalkrebs, der den heimischen Edelkrebs verdrängt, oder den ebenfalls aus Amerika eingeschleppten Getreideschädling Maiswurzelbohrer. „Der Anblick“, das Medium der Steirischen Landesjägerschaft, listet auch invasive Säugetiere (https://www.anblick.at/ansicht/toetungsauftrag-fuer-invasive-saeugetiere-und-voegel) auf, für die ein Tötungsauftrag gelte: Bisamratte, Marderhund, Nutria sowie der putzige Waschbär. Außerdem ist es jeder Person verboten, invasive Säugetiere und Vögel zu füttern.

Ein besonders kurioser Fall von tierischer Invasion geht auf den kolumbianischen Drogenboss Pablo Escobar (1949-1993) zurück: Für den Privatzoo auf seiner Luxus-Hacienda ließ er Tiger, Giraffen, Elefanten, Büffel, Löwen, Nashörner, Gazellen, Zebras, Flusspferde, Kamele und Strauße einfliegen. Nach dem gewaltsamen Tod Escobars wurden die meisten Tiere verlegt oder gestohlen, andere verhungerten oder verendeten an Krankheiten.

Nicht so die Flusspferde. Die ursprünglich vier Tiere vermehren sich in Kolumbien bis heute unkontrolliert und bedrohen einheimisches Getier wie etwa Seekühe. Und sie rangieren mit 500 Toten im Jahr auf Platz 10 der für Menschen gefährlichsten Tierarten. In Kolumbien sind Flusspferde, die natürlich nur in Subsahara-Afrika vorkommen, inzwischen zu einer wahren Plage geworden – die nun ein Ende haben soll: Die geplante Umsiedlung der aktuell um die 200 Exemplare lässt sich das südamerikanische Land mehrere Millionen Dollar kosten.

Adventmail 2023/01 (Tiere)

In meiner Grazer Uni-Zeit reiste ich mit einer Studierendengruppe nach Assisi. An einem der Tage trennte ich mich von der Gruppe und wanderte allein in den herrlichen umbrischen Bergen. Dabei hatte ich eine Art spirituelles Erlebnis, das gut zum heiligen Franziskus passt, der mit Tieren sprechen konnte – ihnen also besonders verbunden war: Auf den Wandersteigen fielen mir immer wieder Käfer, Würmer und anderes Getier auf, auf die zu treten ich von der Schöpfung Gottes Ergriffener achtsam vermied.
Auch heute noch erfassen mich Ehrfurcht und Dankbarkeit, wenn ich – so wie bei der sommerlichen Radtour entlang von Lech und Donau – auf Rehe, Hasen oder Greifvögel treffe. Ich halte dann fast den Atem an, wenn ich ihnen nahe bin. Will nicht stören. Nur schauen und staunen.
Unbegreiflich ist mir, was in Österreichs Thronfolger Franz Ferdinand und in William Frederick Cody, genannt Buffalo Bill, vorging, die Tiere zu Zehntausenden erschossen.
Der designierte Nachfolger Kaiser Franz Josephs I. gilt als schießwütigster Habsburger. Dieser Schlächter im Jagdrock ließ Buch über 274.899 getötete Tiere führen, auf seiner Weltreise 1892/93 an Bord des Schiffes Kaiserin Elisabeth bedauerte er, dass es ihm nicht vergönnt war, mit der Bordkanone Wale zu töten. An einem Tag schaffte es Franz Ferdinand, 3000 Möwen abzuknallen. Gehilfen luden seine Schnellschussgewehre nach und mussten die Kadaver zählen.
Mit dem Namen Buffalo Bills untrennbar verbunden ist die Tragödie der Fast-Ausrottung der amerikanischen Bisons, von denen noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts Millionen über die Great Plains zogen. Bis 1890 wurden sie in einem wahren Blutrausch enorm dezimiert. Eine Rolle spielte dabei ein neues Gerbverfahren, das die dicke Bisonhaut haltbarer und elastischer machte: perfekt, um Gürtel oder Stiefel herzustellen. So entwickelten Cody u.a. die Bisonjagd rasch zu einem riesigen Geschäft, das durch den Bau der Eisenbahn in Nordamerika noch „befeuert“ wurde: Nun konnten die Jäger bequem von eigens dafür eingesetzten Zügen aus auf die Tiere schießen. Als es kaum mehr Bisons gab, zog Buffalo Bill als Entertainer mit klischeehaften Wild-West-Shows durch die Welt – und gastierte 1890 und 1906 auch in Wien.